726
(Fortsetzung folgt)
„Nennen Sie ihn nicht meinen Bruder; streng genom- Men ist er mir fremd, denn ihm! fehlt das Blut Meiner Mutter." - .. ...
„Und das ist doch der bessere Teil," ergänzte Just, über I dessen Gesicht ein freudiges Aufleuchten ging; „nicht wahr, I Herr Staatsanwalt?"
Der andere fuhr, ohne aus diese Zwischensrage weiter zu I achten, fort: „Nennen Sie ihn Peter." i
Just nickte mit dem Kopfe: „Wie Sie wünschen, Herr I
Staats anwalt! Also: Peter ist es nicht g ewesen, das weiß I ich init Bestimmtheit, und ich sollte mich wundern, wenn das, I was ich gesehen habe, nicht vom Kriminalkommissar bemerkt I
sein sollte, denn so gutmütig und harmlos der Mann aussah, I JIH y.
Hne seine Witterung hatte er: das Bierseidel aus dem Der Vogelsberg in den fünfziger mü> sechziger Jahren deA Eckbrett hat er wenigstens nicht ohne Grund solange be- 19. Jahrhnnderts und ein Wort über den häuslichen Fleiß trachtet." feiner Frauen.
Verständnislos schaute Teil den Sprechenden an; er be- I Bon Th. Cellarius.
griff nicht, was dieser meinte. I gu den guten Eigenschaften der Vogelsberger Bevölkerung
Just las die Frage in Tells Augen und beantwortete sie, 6a6en tion jeher Fleiß und Genügsamkeit gehört. Damit haben die ehe sie ausgesprochen wär: „Ich will Ihnen den Beweis Altvorderen durch gute und schilimme Jetten die heimische Scholls liefern, daff der Haupttäter nicht Peter gewesen sein kann; I für ihre Nachkommen erhalten, die es heute — der den hohen wenn dieser vielleicht auch dabei war, so hat er doch wohl I Preisen aller von hier ausgeführten Produkte — leichter haben, nur Volten gestanden Als Sie. 5mrr Staatsanwalt, heute I darauf nuszukommen.
inif kdränlein von Brank im Garten waren habe ich mich I Immerhin müssen auch heute die Ertragnme der Felder einem
ÄXnuLd-rl StiStiÄÄSÄm die beiden Fensterflügel, die an der Wand lehnten, Versuchs- I nicd ^as Obst zum Beispiel, das in den meisten Gemarkungen weise wieder eingehängt. Da habe ich denn die merkwürdige I beg Odenwaldes so wohl gedeiht, fehlt hier mehr oder weniger Entdeckung gemacht, daß der Fensterflügel mit der heraus- I oder gänzlich. In den höchstgelegenen Orten der Hochebene — gebrochenen Scheibe nicht, wie ich vorausfetzte, der linke von I deren rauhes Klima bei mäßiger Höhenlage durch ihre ungeschützte, der Stube aus gesehen, sondern der rechte wack; das' will I Sturm und Unwetter preisgegebene Lage bedingt wird m
. . . . wttn einer Ihrer Sties- l sagen: der Mann, der vom Garten aus eingestiegen ist, hüt
wird Ihnen einen Vorwurf macken, wmin einer Jh ^ine Scheibe zu seiner Linken zertrümmert, um mit seiner
brüber aus der Art geschlagen isr. I burrb b;e ^enner greifen und nach dem Fen-
. Heftig sprang der andere YZ Diwan au : Wer mm ist also links^ er
” ft leiden- ist gewöhnt, statt der rechten Hand die linke zu gebrauchen;
“ tÄiSÄtasÄXürWa," »«w« MI, betaut« tandifch gegliederte Gesellschaft aus. „Sie kennen me v Merksam zugehört hatte; „Peter, das weiß ich, hat tue seins OrtF®® « um,ms,«ch. sch
wird, so bm auch ich zugrunde gerichtet, wo ch m hatte'mich heimlich schon so gefreut, als ich diese Entdeckung
Seift 6Sie sich diese gesmnungstüchtige Kanaille, die sich die verschaffen, und nun haben Sie nur nut diesem abscheulichen BäSH«UUSSL-« "äsää«, -btm«.
Nichten tvill, so d f . ' s-novie nickt den ich ebenfalls I haben, denn es enthielt noch Spuren von Rotwein, und der
MMNLMLck- L schlagen ■—! begreifen Sie das? Denn ich würde sonst^dre Spur aufdecken, die direkt in t":
Mrt, der mit mir blutsverwandt ist. Geben Sie her!
Er nahm den Brief, dessen Jühalt der andere als ein» She Rechnung mit darunter geschriebener Aufforderung zu artiger Zahlung erkannt hatte, mit krampfhaftem Griffe eder an fich, zündete eine Stearinkerze auf dem Wanü- tische unter dem Spiegel an und näherte das Papier der Flamme. ,, ,,,, ,
„Halt!" rief Just, „verbrennen Sie ihn nicht! Geben Sie ihn mir! Auch den Knopf! Ich w'erde beides verwahren M man kann nicht wissen, ob es nicht noch gute Dienste
Mitgliedern seiner Familie benutzt würde. Nun muß der
Y Mnn tcn wurve luuu . Dieb, der aus dem Seidel getrunken hat, .wiederum eins' die^Höhle Zeines Verbrechers Linkhand gewesen sein, denn das Seidel stand so auf dem - J Brette, daß sich sein Henkel zu meiner Linken befand; so.
setzt es kein Mensch hin, der seine rechte Hand zu gebrauchen versteht. Der Kommissar, der noch einmal hereingekommen war, trat neben mich und sah sich auch das Seidel an, dq ich aber meine Gedanken für mich behielt, blieb auch ev stuimm, aber ich möchte wetten, er hat dasselbe gedacht tvic ich."
Teil bot seinem Gaste die Hand. „Ich danke Ihnen, Just, Sie sind eine treue Seele. Ihre Beobachtung ist mir von großem Werte, und ich werde sie weiter benuheti; vielleicht . - . , ermitteln wir noch die Täter, ohne daß ich mein Gewissen
leisten wird." als Staatsanwalt zu belasten brauche. Wenn Peter nicht ,
Teil stutzte und wandte dem andern sein Antlitz zu. I .j. lQäre dn ^hr meines Lebens gäbe ich darum.^ ' „Inwiefern?" I Auch ick wünsche es, aber der Brief, fürchte ich, be--
„Nun, es gibt uns gegen den Betreffenden vielleicht eme ^ndetscine Mitanwesenheit. Ich habe ihn mehrfach irt Waffe in die 5)and. Nun aber beruhigen Sie sich auch. Ich I Bersammlunaen sprechen hören und traue ihm schon zu, bin es, der Bries und Knops gefunden hat Sm haben keine I J l ß ßei fofcEjen Niederträchtigkeiten beteiligt." Ahnung von solchen Dingen; überlassen Sm mm sias Wer- oag ) i » Sozialdemokrat."
tere, Sie sollen keine Unannehmlichkeiten haben. „Uebri- I "Wollte Gott, er wäre noch einer! Dann hätte er wohl gens," fuhr er nach einer Pause, tn der er den Brief „in seine nicf.t'2ftoMen; er ist aber keiner mehr, sondern ein wüstes Brusttasche gesteckt hatte, fort, „dm Sache kann möglicher- | jg^nverbrannter Umstürzler, der sich einbildet, man könne weise auch noch anders Zusammenhängen. Adolf, der ^nstrim I mjt Blut und Dynamit reformieren."
mentenmacher, kann den Brmf des Bruders zufällig bei sich auf, ergriff zum Abschiede des anderen
gehabt und draußen verloren haben; wir dürfen nicht zu I unb streichelte sie, wie ein zärtlicher Bräutigam
vorschnell urteilen. Ter Räuberhauptmann, der den eigent- b -einer ^raut streichelt: „Kopf hoch, mein lieber
sichen Einbruch verübt und das Fenster geöffnet hat, ist ^rr Staatsanwalt! Halten Sie fest, daß nur ich die bo wenigstens nicht Ihr Bruder gewesen. | ^^ ten Dinge gefunden habe und Sie von der Sache nichts
wissen! Es wird alles zu einem erwünschten End« kommen!" Er wollte noch etwas hinzufügen, .verschluckte eg aber und wandte sich schnell zum Gehen. —
Peter Dechner hatte bis zu dieser Stunde vergeblich' auf den Besuch des- falschen Marquis gewartet. Als sich dieser, trotz seiner Zusage, auch heute nicht sehen ließ, beschloß der Berdachtschöpfende, ihn endlich aufzusuchen.


