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Donnerstag, den 20. November
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„ Lauernblut.
Bwnißn von.Gerhart v. A m h n t o r (Dagobert v. Gerhardt).
(Nachdruck verboten.)
(Sortierung.)
: Auf der Rückfahrt des Staatsanwalts und seiner beiden Begleiter wurde fast gar nicht gesprochen. Der Kriminal- Kommissar, der das beneidenswerte Talent besaß, zu jeder Zeit schlafen zu Wunen, um stets Frische und Kraft für die unerwarteten nächtlichen Amtsverrichtungen in Borrat zu haben, schnarchte wie ein Murmeltier. Tell stellte sich müde, um sich schweigend in die Wagenecke zurücklehnen und seinen wenig erfreulichen Gedanken nachhängen zu können.
Nur Just, der sich seinen Kalkstummel mit amerikanischem Tabak gestopft hatte und blaue Wölkchen in die Luft blies, saß aufrecht und warf ab und zu einen verstohlen forschenden, besorgten Blick nach dem Staatsanwalt.
Auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin angekommen, trennten sich die drei Herren. Doch kaum hatte sich der Kriminal-Kommissar entfernt, als Just sich wieder zu dem Staatsanwalt zurückgab und ihn leise fragte, ob er ihn begleiten dürfe.
„Ich wollte eigentlich allein sein, um zu arbeiten", erklärte Teil nicht gerade entgegenkommend.
Doch Just ließ sich nicht abweisen. „Zu lange werde ich Ihnen nicht lästig fallen."
Sie stiegen in eine Droschke und führen irach Teils Wohnung in der Genthinerstraße.
Als sie dort das Arbeitszimmer des Staatsailwalts betraten — die Nachmittagsdämmerung brach schon herein —, prüfte Just die verschiedenen Türen, ob sie auch geschlossen wären, und fragte: „Ihre Aufwärterin ist doch nicht anwesend?"
„Nein, wir sind allein."
„Das ist gut, Herr Staatsanwalt. Darf ich mich setzen? Ich bin wirklich ein wenig inüde geworden." Er ließ sich auf das zustimmende Nicken des anderen in einen Polsterstuhl fallen, schlug die Beine übereinander und blickte wie einer, der eine Mitteilung zu erwarten berechtigt ist, schweigend nach dem über einem Mahagoni-Bertikow leise tickenden Regulator.
„Nun?" fragte Tell, den dieses Verhalten befremdete.
„Nun?" klang es von Jüsts Lippen zurück. „Haben Sie mir denn gar nichts zu sagen."
„Ich, Ihnen? Wie kommen Sie darauf? Ich denke, Sie haben mir etwas mitzuteilen."
Vorwurfsvoll zog Just die dunkleu Brauen zusammen.
„Herr Staatsanwalt, ist das auch recht? Warum halten Sie einem treuen Freunde gegenüber so hinter dem Berge?"
„Ich verstehe wirklich nicht," erwiderte Dell, der nun
doch ein wenig befangen wurde, „was hätte ich Ihnen zu verheimlichen?"
„Es war eilt fast spöttisch überlegener Blick, den Inst jetzt nach dem Staatsanwalt richtete, und doch lag in diesem Blick wieder etwas von der unwandellbaren Treue und Ergebenheit des Hundes.
„Meinen Sie, ich habe nicht gesehen, daß Sie sich zweimal am Spalier gebückt und Dinge aufgehoben haben, die jedenfalls auf die Spur der Einbrecher zu führen geeignet sind?" fragte Just zu dem Staatsanwalt gewendet.
Aengstlich legte ihm Tell die Hand auf den Mund: „Um Gotteswillen, schweigen Sie? Wollen Sie mich zugrunde richten?"
Nun war es an Just, den Staatsanwalt erschrocken anzustarren. „Ich? Sie zugrunde richten? Da sei Gott vor! Lieber lasse ich mich für Sie in Stücke hauen!" Und gan- leise und geheimnisvoll fuhr er fort: „Doch was haben Sie gefunden? Sprechen Sie, Herr Staatsanwalt, erleichtern Sie Ihr Herz; ich habe ja längst bemerkt, daß Sie etwas bedrückt. Teilen Sie mir's mit, vielleicht weiß ich Rat." Der Ton, in dem er dies sagte, klang warm, ver-i trauenerweckend und beruhigend.
So gibt es doch noch treue, selbstlose Seelen, dächte der Staatsanwalt, der den Segen des Elternhauses, oie Gunst und Förderung abseiten von Freunden und Verwandten bisher entbehrt hatte und den Weg durchs Leden bisher allein gegangen war. Dankbarkeit weitete ihm das Herz, er fühlte sich zu diesem schlichten Manne mächtig hingezogen, der ihn schon vom ersten Tage ihrer Bekanntschaft an so sympathisch berührt hatte; was er keinem anderen Menschen anzuvertrauen den Mut gefunden hätte, diesem langjährigen Begleiter und Freunde feiner Eltern wollte -er es ins Ohr raunen; er wußte, hier würde ter nicht verraten werden.
So setzte er sich denn auf den Diwan, der dicht Neben Jnsts Polsterstuhl stand, und einen Brief, den er aus der Brusttasche hervorgeholt hatte, seinem Gaste überreichend, sagte er ohne jede" weitere Vermittelung : „Der Einbrecher ist Peter Dechner gewesen."
Entsetzt fuhr Just zusammen. „Das ist unmöglich!"
Er betrachtete sich die Adresse des Briefes genauer, seine Stirn runzelte sich, seine Brauen zogen sich finster zusammen, und wie einer, der gegen seinen Wunsch und Willen überzeugt wird, nickte -er mehrmals langsam mit dem Kopfe. „Sie haben meiner Seele Recht! Das sieht verteufelt verdächtig aus."
„Nicht wahr", fiel Tell ein, „hier ist jeder Zweifel ausgeschlossen! Peter muß zufällig von seinem Bruder Adolf erfahren haben, daß draußen -etwas zu holen sei, und daraufhin hat er seinen verruchten Plan entworfen und ausgeführt." ;
„Hm, hm! Hm, hm!" machte Just. „Es sieht wahrhaftig so aus. Doch nehmen Sie die Sache nur nicht if» schwer, mein lieber Herr Staatsanwalt; welcher Vernünftig«


