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ober beinahe unverletzt. Wieder bei einer anderen Gelegenheit wurden 250 unter einem Zelte sitzende Menschen zugleich vom Blitz getroffen. In diesem Falle starb einer der Getroffenen sofort, während ein zweiter nach kurzer Zeit seinen Verletzungen erlag; 60 Personen wurden im ganzen zu Boden geworfen, aber bis auf die beiden Getöteten erholten sich alle rasch und die übrigen 190 blieben völlig unverletzt. Wenn der Blitz in Tierherden einschlägt tötet er zuweilen viele Tiere auf einmal. Ein Blitzschlag, der inj eilte Hammelherde von 1800 Köpfen fuhr, warf 1200 Tiere zu Boden, und von diesen blieben 556 tot liegen. Wenn der Blitz Menschen trifft, zeigt er sich oft recht launenhaft; er hinterläßt zuweilen seltsame Bilder auf der Aaut, in anderen Fällen wieder; richtet er gefährliche Verheerungen tief im Innern des Körpers art/ und Blake erzählt von einem Falle, wo die Launen des' Blitzes ziemlich unerklärlich sind. Es wurde nämlich nur die Ferse verletzt, und das Fersenbein erlmes sich als völlig zertrümmert. Blaks nimmt an, durch die plötzliche Wärmeentwicklung sei vielleicht eine richtige Explosion innerhalb der Gewebe eingetreten.
** Ein italienisches Manöveridyll. Bei Goinbo, an der toskanischen Küste, wo König Viktor Emanuel mit seiner Familie die Sommerwochen verlebt, fanden vor kurzem Manöver der italienischen Flotte statt, und es kam dabei auch zu Landungs- Übungen. Ein Matrose des Panzerschiffes „Roma" erzählt eine lustige Episode aus diesen Manövern in einem Briefe an seine Eltern. „Als das Wunder der Wunder," so erzählt die italienische Blaujacke in diesem Bericht, der im „Caffaro" veröffentlicht wird, „waren eine Reihe kleiner Haufen, die wir für Steine hielten. Sie erstreckten sich längs des Strandes, und wir waren sofort davon überzeugt, daß wir hinter diesen natürlichen Schanzen den Gegner zu suchen hatten. Wir landeten also und witterten bereits irgend einen Hinterhalt, da keine Schüsse fielen. Kurz entschlossen stürmten wir vor, um die feindliche Verschanzung in unsere Hand zu bringen. Da mußten wir aber sehen: diese Steinhügel waren gar keine Steinhügel, sondern Berge von Hunderten und Aberhunderten von Pappschachteln, und hinter ihnen lauerte kein Feind, sondern ungezählte Flaschen prachtvollen Weines. Wir standen erst ziemlich verblüfft, dann kam einem von uns die Erleuchtung und er schrie: „Das sind die Flaschen des Königs!" Das wirkte ansteckend, und da wir nach dem todesmutigen Sturme das Bedürfnis hatten, in irgend einer Weise unserem Erstaunen Ausdruck zu geben, riefen wir alle: „Es leben die Flaschen des Königs!" Aber bald zeigte sich, daß diese Berge von Weinflaschen und Pakete nicht durch Zufall in die Nähe unserer Landungsstelle gekommen waren. Ein paar Beamte des königlichen Haushaltes tauchten auf, und nun wurde es bekannt: jeder von uns Matrosen sollte eines dieser Pakete erhalten, dazu eine Flasche Wein und ein Paket Zigaretten. Im Paket fanden wir ein halbes Huhn, Salami, Schinken, Trauben, Obst, Käse imd schließlich ein rundes Brot, das so groß war, daß der heilige Antonius acht seiner Sinnen damit gelabt hätte." Bald erschien unter den Matrosen der kleine Prinz Humbert und unterhielt sich mit ihnen „wie mit älteren Brüdern", und dann kam der König. „Er blieb in unserer Mitte, sprach mit allen, fragte, ob wir beim Landungsmanöver tüchtig naß geworden wären, und als bald darauf die Königin und die Prinzessinnen auch erschienen, gab es einen großen Jubel."
* Die Geschichte der Gartenaster. Im August und im Spätsommer dominiert in unseren Gärten die Aster, die durch ihre Pracht und Farbenreichtum, der die Gärten in einem wahrhaft paradiesischen Schmuck erscheinen läßt, zur Lieblingsblume geworden ist. Sie stammt aus China und ihr Samen ist "in Europa zuerst in Paris im dortigen Jardin des plantes int Jahre 1728 ausgesät worden. Die Pflanzen brachten sämtlich weiße Blumen hervor, die wegen ihrer Aehulichkeit mit dem sogenannten Gänfeblümcheir oder Maßlieb, dem Marguerite der Franzosen, und wegen ihrer Schönheit in einer besonderen Versammlung von Gärtnern und Blumenliebhabern im Karthäuser- Kloster zu Paris den bezeichnenden Namen Reine-Marguerite erhielten. Die gewonnenen Samen wurden im nächsten Jahre wiederum ausgesät, wovon einige Pflanzen rote Blumen lieferten. In Paris blieb die Aster fortan eine Lieblingsblume, mit deren Kultur sich Gärtner und Laien viel beschäftigten. Im Jahre 1734 wurde die erste Aster mit violetter Farbe,, und im Jahre 1750 die erste" mit vollständig gefüllter Blume gezogen. Man hatte bald darauf die einfache und gefüllte Blume in allen Farben wom Weis; bis ins Blaue, Violette- und Rote. Im Jahre 1772 erregte im königlichen Garten zu Trianon eine neue Mart durch den ganz eigentümlichen Bau der einzelnen Blütchen und deren Stellung, die sogenannten Blütenkörbchen der Blumen, großes Aussehen. Wegen ihrer Aehulichkeit mit der gefüllten Gartenanemone erhielt sie den Namen Reine-Marguerite anemo ne. Ein besonderes Verdienst um die Verschönerung dieser China-Aster batte sich kurz vor der französischen Revolution Moissy, der Gärtner des Herzogs Biron, erworben; ihm verdankt man die Zwerg- und Röhrenastern. Die China-Aster blieb Lieblingsblume aller Pflanzenliebhaber bis zu der Zeit, da die Georgine durch ihre Geneigtheit zum Farben- und Formenwechsel alle anderen Pflanzen in den Hintergrund drängte. Erst durch die Kunst unserer Gärtner, die sich ihre gegenwärtige höchste Ausbildung sehr gelegen fein ließen, gelangte sie in der Mitte des vorigen Jahr
hunderts wieder, zu alten Ehren und hat seitdem ihre Ausnahme« stellung als Lieblingsblume aller Pflanzeuliebhaber bis heute beibehalten.
kf. E i n V o g e l n e st aus einem Schafsrücken. Eine große Ueberraschung erlebte, wie der „Standard" meldet, vor einigen Tagen ein Schafscyerer in Bucktand Brewre bei Bidesort. Während der Prozedur stkeß er plötzlich auf ein richtiges Starnest auf dem Rücken des Tieres. Einen der jungen Vögel hatte er mit der Schere durchschnitten. Tas Nest war aus Zweigen und Moos gut versteckt in die Wolle eingebettet. Tie englische Zeitung verbürgt sich für die Richtigkeit dieser Eingaben.
* Aus den Fliegenden Blättern. In den Flit« ter Wochen. „Ach, Walter, wenn jetzt das Schiss unterginge —: e© .müßte herrlich sein, so gemeinsam zu sterben!" — „Ich kann schwimmen!" —^,O, wie schade!" — Verseh lt er Beruf. Hofschauspieler: „Sie waren ja gestern abend im Theater, Jean — tote habe ich Ihnen als Kellner gefallen?" — Kellner: „Brillant! ©te hätten wirklich gär nicht nötig gehabt, Schauspieler zti werden!" — — Z u r Mode. Strohwitwer: „Donnerwetter! Wo ist meine blaue Krawatte?" — Dienstmädchen: „Aber art et' Herr, aus der hat sich doch die gnä' Fran ein Badekostüm fürg Seebad g'macht." — Bei der ,Kart eu s chl äg er iitz „Mit Bestimmtheit kann ich Ihnen prophezeien, daß Sie sich in dreseiu Zähre verloben werden." — „Ach, das ist selbstverständlich — prophezeien Sie mir endlich mal einen Manu!"
Bücherüsch.
— Der „Land-Kalender für das G ro ßhe rzio g -- tum Hessen", Ausgabe 1914, ist soeben mit gewohnter Pünktlichkeit im Großh. Staatsverlag zu Darmstadt erschienen, und durch die in allen Städten und Gemeinden des Großherzog- tums befindlichen Verkaufsstellen zu beziehen. Trotz der aufs neue teurer gewordenen Herstellungskosten ist der Preis von 25 Pfg. derselbe, geblieben. Dieser „Land-Kalender" ist einer der ältesten, wenn nicht überhaupt der älteste aller in Deutschland erscheiiteuden! Kalender, denn er steht schon im 204. Jahrgänge. Die Ausgabe 1914, die in der Hauptsache unserer hessischen Heimat gewidmet ist, reiht sich in bezug auf Reichhalttgkeit und Ausstattung den schönsten, ihrer Vorgängerinnen würdig an. Außer deut amtlichen, Kalendarium für 1914 und dem amtlichen Ber- zeichnis aller im Jähre 1914 in Hessen und den benachbartes Gebietsteilen des Reiches stattfindenden Messen und Märkte bringt, der „Land-Kalender" noch zahlreiche, jedermann nützliche Mitteilungen, Ratschläge und Tabellen, sowie erstklassige Original- aufsätze unterhaltenden und belehrenden, heiteren und eritsten Inhalts, sämtlich aus der Feder hessischer Mitarbeiter. Unter den Dutzenden, zum Teil sehr wertvollen Original-^Jllustrativnen, befinden sich diesmal als Kunstbeilagen eine Aufnahme des Gvoßherzogs vor seinem Opel-Wagen und ein großes doppelseitiges Kunstblatt. „Gesamtansicht der Stadt Schlitz (Winterlandschaft)". Daß auch wieder einer großeit Anzahl hessischer Persönlichkeiten und der bemerkenswertesten Weltbegebenheiten der letzten zwölf Monate, namentlich des Balkaitkrieges, in Wort und Bild gedacht ist, bedarf keines besonderen Hinweises.
— „A it s der Heima t", naturwissenschaftliche Zeitschrift, Organ des Deutschen Lehrervereins für Naturkunde E. V. Ge- schäftsstefle des Laudesvereins Hessen: Lehrer W. Diehl, Offenbach ä. M., Bismarckstr. 159. Heft 4: Meeres-Strand-Nummer. Der „Deutsche Lehrerverein für Naturkunde E. P." fährt mit feinen so günstig aufgenommenen monographischen Nummern fort und bietet in seiner „Meeresstrand-Nummer" zugleich einen Gegenstand, der in der Reisezeit ein besonderes Interesse hat. lieber „Physikalisch-Chemisches von Deutschlands Wasserkante" verbreitet sich Professor Dr. P. Tahms-Zoppot; die „Algenvegetation der deutschen Meere" behandelt Professor Dr. Läkowitz-Danzig; über die „Wanderdünen an der deutschen Ostseeküste" unterrichtet in einem reich illustrierten Aufsatz Dr. Hans Preuß-Löbau und >,Tie Tierwelt des Strandes" stellt 'Dr. P. Speiser in Labes dar.
waren die Karie»
Auflösung in nächster Nummer.
Sie gewinnt das Spiel mit Schneider. Wie verteilt und wie wurde gespielt?
Skat-Aufgabe.
Vorhand spielt Coeur-Solo auf folgende Karten:
SQ
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<r> ö Q
Q ö <2
p
Q Q
ö Q
Auflösung des Anagramms in voriger NnmMer: Ruhr, Uhr.
Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


