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Roman von Paul Gr ab ein.
Machdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Nun war es also doch noch zu der verabredeten Hochf- tour gekommen. Frau v. Malmort hatte darauf bestanden, mit ihrer Tochter nach Glurs zu fahren, wo während der Saison eine Modistin aus Mailand ein Schneider- Atelier unterhielt. Dort wollte sie Wehe 'wenigstens „einigermaßen" eintleiden lassen, denn sie könne das arme Ding gar nicht so „verwahrlost" Herumlaufen sehen. Und Rehe hatte, ihren neuen Vorsätzen getreu, sich gehorsam den Wünschen der Mutter gefügt.
Diese Zeit des Alleinseins nun wollten Malmort und Gottliebe zu einer Bergtour ausnützen. Es war namentlich ihm ein tiefstes Bedürfnis, seine durch die Ankunft der Frau wieder von neuem aufgestörte Seele in der großen Bergeinsamkeit zur Ruhe zu bringen.
Tie beiden sprachen nicht viel miteinander, während sie jetzt anstiegen; aber dennoch tat jedem die Nähe des andern tut Innersten wohl.
Ein herrliches Wandern so zu zwri:, in stillem Sichre erstehen und Miteinandergenießen!
Durch die grüne Dämmerung von Tannen und Lärchen waren sie so hiuaufgestiegen, durch geheimnisvoll dunkle Waldhallen mit phantastisch wehendem silbergrauen Flechtenbehang au Ast und Stamm. Dann durch die ernste Region der Arven bis hinauf zur Grenze des Waldes, wo die sturmgezausten Wetterbäume, kahl von Nadeln, ihre schwarzen, sehnigen Arme ausstreckten, krumm vom ewigen Kampf mit den brausenden Winden. Und noch höher hinauf, wo nur die Legföhre noch über den Boden kriecht, hinaus auf die offenen, sonn en geküßten Alpenweiden mit ihrem saftig grünen Rasenteppich.
Dann plötzlich ein schroffer Uebergang aus blühendem Leben in starre Felscnwildnisse, hinauf in einer engen und langen Schlucht, tief drunten in lichtlosem Schlunde eine brausende und gurgelnde Ache, den Wanderern unsichtbar; nur ihr Tosen klang dumpf herauf an ihr Ohr., Dann mußten sie sich in einer allen Gletschermoräne durch Blöcke und Schutt mühsam emporarbeiten. Nun wieder galt es, sie zu überschreiten und nach rechts hinauf, über glatte Felsplatten, Den weiteren Weg zu gewinnen. Es war eine mühsame Arbeit, und noch schwieriger als die Ueberwindung der Platten war die der stellenweis aufgesetzten, schlüpfrigen Rasenhänge, auf denen selbst der nägelbeschlagene Schuh nur allzu leicht glitt. Mer mit einer Energie, die kein Ermüden kannte, blieb Gottliebe dem großen, weit ausschreitenden Manne zur Seite. ।
„Brav, Kamerad!" nickte er zu ihr hin. „Es wird übritzens bald besser."
Malmort hatte recht. Sie kamen nun auf einen langgestreckten, mäßig geneigten Hang, mit Moos und Alpenrosengebüsch überwuchert. Eine kurze Rast hier, und dann ging es weiter, hinein in die Wildnis öder Kare, sonnen- durchglühter Felsmulden, deren scharfe, ausgezackte graugelbe Wände gegen den dunkel tiefblauen Aether standen. An ihren sonnengebleichten Felsenflanken wär alles Leben verdorrt; nur zwischen ihren Rippen schimmerten schmale, verlorene Firnstreifen und Gletscherzungen, jene in blendendem Weiß, diese in meergrüner Glasur, im flimmernden,, sengenden Sonnenlicht schillernd.
In einer dieser Rinnen galt es jetzt hinaufzudringen zum Gletscher selbst.
„Hier!" Malmort blieb stehen und deutete auf das lang sich hinaufziehende Couloir. „Wir müssen die Steigeisen anlegen."
Eifrig ging 'Gottliebe ans Werk.
Er neigte sich hilfsbereit zu ihr uieder, aber sie wehrte entschieden ab:
„Danke vielmals! Bitte absolute Selbständigkeit für mich. Galanterie in den Bergen finde ich, offen gesagt, beinahe lächerlich!"
„Ganz meine Auffassung," pflichtete er ohne jedes Ver- letztßüu bei, schon selber niederkniend und die Eisen anschnallend. „Sie werden sich, nun wo ich Ihren Standpunkt kenne, auch sicherlich nicht über mich zu beklagen haben."
Lächelnd sah er zu ihr hin, die,- schon fertig, wiedev aufsprang. Ihre Wangen erstrahlten vor Eifer, nun, wo der Ermst der Sache begann, sich ihm ebenbürtig zu zeigen.
„Wir werden doch wohl am Seil gehen?" fragte sie nach einem prüfenden Blick in die Rinne, denn gerade gleich der Eintritt kündete nicht geringe Schwierigkeiten an.
„Selbstverständlich," nickte er. „Es ist eine der Unangenehmsten Stellen hier. Das Couloir ist ein berüchtigter Lawinenweg. Indessen ich denke, wir haben heute nichts zu befürchten."
Ordentlich fiebrig vor Kampfbegier nestelten ihre Hände am Seil, das sie sich um di^ Hüften schlang. Mit Ruhe und Sorgfalt seilte Malmort sich dann selbst an und trat voran, den Pickel in der Rechten. Wenige Schritte über den Firn hin, dann galt es, an dem glatten, sich wölbenden Eis- überhang hinauf in das Couloir selbst zu kommen.
Mit klingenden Streichen schlug seine Eisaxt Stufen und Griffe in das spröde, glasharte, zur Seite spritzende Eis. So! Nun war es geschehen, und mit wenigen festen, gewandten Bewegungen stand er droben, die Eisen fest in das Eis gebohrt. Aufinerksam verfolgte er Gvttliedes Nachkommen, mit geheimer Freude. Wie sie zugriff und sich elastisch heraufarbeitete, Fuß und Hand mit gleicher Srcher- heit einsetzend — das war eine wahre Lust zu sehen.
Weiter ging es nun in die Mnne hinauf, Malmort zunächst allein, während Gottliebe, ihren Pickel tief in den Eisboden getrieben, unten am Eingang harrte, das Sell zur größeren Sicherheit für den vorangehenden Gefährten


