Ausgabe 
20.3.1913
 
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Dsnnerrtag. den 20. März

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jfraurnliebe.

Roman von Horst B o d e m e r« (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Am Abend fanden sich gegen hundert Personen in Mo- reth ein. Im ersten Zimmer steht das Brautpaar und heißt seine Gäste willkommen. Die Türen zu allen Wohu- räumen sind weit geöffnet, kritische Augen mustern. Viele schütteln den Kopf.

Warum ist die Komtesse so bescheiden in ihren An­sprüchen?" meint der eine.

Und ein anderer erwidert:Der alte Relendorff wird kein Geld 'rausgerückt haben; er traut Hans-Wilhelm nicht über ben AöeH."

Aber sie soll doch das Erbe ihrer Mutter ausbezahlt bekommen haben, und das muß ein gehöriger Batzen sein."

Ein dritter zuckt die Achseln. Wer weiß, wieviel Schul­den der gute Hans-Wilhelm gehabt hat! Ueberhaupt, wo ist denn der Graf?"

Endlich kommt er einer der letzten.

Da nimmt Düsedau Püschkow unter den Arm;Schau so 'ne Albernheit. Da kommt der Brautvater so spät, um aller Welt unter die Nase zu reiben: Ich fühle mich hier nur wie Ihr als Gast!"

Am besten haben Mvreths Kameraden die Situation ersaßt, die weltgewandten Herren sind überall, lassen sich vorstellen, scherzen und lachen und nehmen von der Gesell­schaft schnell jeden peinlichen Druck.

Graf Relendorff macht mit dem Obersten von Seins- Heim einen Gang durch den Garten.

Da nun Moreth mein Schwiegersohn wird, so habe ich Ihnen zu danken, Herr Oberst, daß sie immer so viel für ihn übrig gehabt haben."

Seinsheim hat sich über das Verhalten des Grafen sehr geärgert; seiner Frau hat er unter vier Augen seine Meinung so gründlich gesagt, daß sie ihren Mann gar nicht wiedererkannte. Dann hatte er die Offiziere des Regiments beiseite genommen.

Man will unserm Regimentskameraden am heutigen Tage die Zähne zeigen; ich darf Sie wohl bitten, nichts unversucht zu lassen, um Polterabend wie Hochzeitsfeier recht gemütlich zu gestalten, damit Moreth nicht mit Bit- terheit am diesen Tag zu denken hat. Ich kenne meine Offiziere und weiß, was ich von Ihnen erwarten tarnt.

Und sie taten ihre Pflicht und Schuldigkeit mit Freuden. Nicht nur um Hans-Wilhelm, sondern um ihres Komman­deurs willen, den: sie aufrichtig zugetan waren, weil er allezeit Gentleman vom Scheitel vis zur Sohle gewesen, weil er einer der letzten aktiven Offiziere war, der die glorreiche Attacke mitgeritten, weil der Bräutigam, ihr Kamerad, fein Vater eine der strahlendsten Erscheinungen in der Regi­ments geschichte war.

Nahm es also kein Wunder, daß die Rede des Grafen dem Obersten auf die Nerven fiel. Seine Antwort war da- nach.

Ein Offizierskorps ist eine große Familie, ich bin das Oberhaupt, da war es meine Pflicht und Schuldigkeit, so zu handeln, selbst wenn mir seine Eltern im Leben nie nahegestanden hätten."

Die Worte kämen Herrn von Seinsheim scharf und kalt aus dem Munde. Der Graf als gewandter Weltmann lenkte ein.

Vergessen Sie nicht, ich gebe Herrn von Moreth mein einziges Kind!"

Nein, das vergesse ich auch nicht, sonst hätte ich ganz anders geantwortet", erwiderte der Oberst schroff.

Sehr bald kehrten die beiden Herren aus dem Garten zurück; sie hatten sich nichts mehr zu sagen. Aber auch bei Frau von Moreth stieß der Graf zum ersten Male in seinem Leben auf eine sehr kühle Behandlung. Und? das tat ihm doch weh.

Eva aber war lustig und guter Dinge, sie lachte viel. Beerenburg stand am Bilde Hans von Mvreths und beobach­tete sie. Er kam zu der Ueberzeugung: eine reine Freude ist der Abend nicht für fie.--

Da trat er schnell zu der Komtesse.

Ich bin kein Schmeichler, das wird Ihnen Hans- Wilhelin bestätigen können. Ich glaube wohl, ich kenne ihn am besten im ganzen Regiment. Bis zu meiner Ankunft in Moreth bin ich manche Bedenken nicht los geworden. Da ich nun den Vorzug gehabt habe, Sie, gnädigste Kom­tesse persönlich keirnen zu lernen, drängt es mich, Ihnen auch ungefragt meine Meinung aussprechen zu dürfen. An Ihrer Seite.wird Ihr Herr Gemahl seinen Leichtsinn unter­kriegen, wenn sic nicht locker lassen, freilich, an Stürmen wird es nicht fehlen!"

Da sieht ihm Eva von Relendorff fest in die Augen. Das weiß ich, bester Graf, und vor den Stürmen fürchte ich mich nicht!"

Er küßt ihr die Hand.

Mit derselben Ehrfurcht, mit der ich heute Ihre Hand küsse, wird es einst HansMilhelm tun. Mcht heute, gnädigste Komtesse, nicht morgen, aber über Jahr und Tag!"

Evas braune Augen strahlten voll stolzer Zuversicht.

*

Die kleine Dorfkirche in Moreth faßte kaum die große Zahl der Hochzeitsgäste.

Hans-Wilhelm in Parade-Uniform führte Eva mit strah­lendem Gesicht zum Altäre. Laut und fest kam dasJa" auf die Frage des Pfarrers voir ihren Lippen.

Das Mahl folgte. Nach dem Wunsche des jungen Paares nahmen Trewel ünd alle Arbeiter vom Gute daran teil, die länger als fünfundzwanzig Jahre ununterbrochen in Moreth in Dienst gestanden hatten.

Die erste Rede hielt Graf Relendorff. Sie lag seit einer Woche 'fertig ausgearbeitet in seinem Schreibtische;