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dort war der schreckliche Alte mit fernem grauen Schirauzbart, kaum einen Mstolenschust von mir entfernt, das Gesicht tn der Richtung nach mir gewandt.^ .,.
Aber mein schützender Engel verlreß mich auch letzt nicht- Wie der Blitz fiel mir d;r Name des Generals em, der die preußische Borhut kommandierte. „General Bulow. rtcftd). Der Ulan lies; mich los. „General Bulow! General BuGw schrie ich bei jedem Satz, den rch meine liehe .lliune —tute unseren Leuten näher -brachte. Ich galoppierte durch das 6rtn== nenbe Dors Planeenoit, raste zwischen äluet Kolonnen PreutzNänr Infanterie durch, setzte über Zäune, schlug cmm sMcksch« Ulanen zusammen, der sich mir entgegengeworfen batte, rtttmu fliegendem Mantel, so daß meine Uniform darunter slchMRk wurde, durch das zehnte Linien-Regiment und befand unch rm nächsten Moment wieder mitten im Löbau,chen Korps, das von der preußischen Avantgarde schwer bedrängt wurde. Zch galoppierte weiter, nur von dem Gedanken getrieben, beit Kaper zit erreichen.
(Fortsetzung folgt.)
heitere Zugenderinrerungen von Aisreö Capus.
Alired Capns beginnt sich bereits als „alter fferr" zu fühlen, sein Blick idnvetft zurück in vergangene Tage, unb er hat letzt allerlei Lustiges aus seinem Leven erzählt und aus jenen Lagen, da sein jugendlicher Ehrgeiz davon träumte, sich zum ersten male .georuckt" zu sehen. Ter Dichter wehmütig-heiterer Lustspiele verdiente fiel) seine ersten literarischen Sporen im Journalismus, und mit einem heiteren rind einem nassen 'Auge erzählte EapuS auch von seinem ersten gedruckten Artikel. Das war um das Jahr : und das Schicksal wollte, daß der Tod Tarivins lür Capus der erste Schritt zur Berühmtheit wurde.
Ani dem Boulevard war der Name des großen Gelehrten noch so flut wie unbekannt» Aber Cavus schrieb einen Aufsatz über Tarwin, und bangen Hetzens trug er sein kostbares Mamislrivt in die Redaktion des „Gaulois". „Darwin? Aber unmerhm, nur wollen e6 uns aniehen," meinte der Redaktionssekretär, um daun nach einer Weile zu sagen: „Kommen Sie doch um Mitternacht noch einmal heraus, ich werde mit Herrn G otntlt), dem C her» redakieur, sprechen." „Unb so ging ich denn um AlUteruacht wieder hinauf", erzählt Cavus, „der Sekretär empfing mich sehr iteund- lick, er hatte sich inzwischen informiert, wer Darwin rvar^rmd führte mich zu Herrn Cornsly, der mir einige Fragen Nellte. Daun öffnete sich plötzlich die Tür und herein kam hastig, Korreklursghuen in der Hand, Arthur Meyer. Ick erkannte tim Sofort, er war schon populär und im übrigen ließ die Äiu'regung, die sich meiner bemächtigte, keinen Zmevel. ,/Blcin lieber Meyer," sagte Cornely, „hier ist ein junger Mann, der uns einen Artikel über Tarw n bringt." In der Zeit von 10 Uhr abends bis 12 Uhr nachts mar Darwin tm „Gaulois" berühmt geworden. Arthur Meyer lächelte freundlich. „Schön," sagte er, und ließ mich fühlen, daß linier Gespräch schon zu lange gedauert. Cornely aber sagte: „Ihr Artikel erscheint morgen als Leitartikel, warten Sie auf die Korrektur." Ich bebte vor Freude und Berblüffnng und fand kein Mort. Man klopfte mir auf die Schulter und ein junger Redakteur — es war Alfred Edwards — trat zu mir und fragte mich streng: „Spielen Sie Fangball?" Auf meine verneinende Ülnttuort sagte er noch strenger: „Tas muß man lernen." Unb daun las ich die Korrekturen unb ging nach Hause." Bald trat Cavus dann tn den Rebaktionsstab deS „Gaulois" ein.
Eine bet' lustigsten Episoden jener Jugendtage war die Begründung einer kleinen Zeitung, die den verheißungsvollen Titel „Grimasse" führte. Tie Gründer waren Getane Mirbeau, Paul Hervieu, Grosclaude unb Cavus, und die Zeitung „erlebte nur wenige Nummern, wie sich das für eine von Literaten begründete Zeitung gezieint." Natürlich mar man oppositionell. „Der erste Artikel Mirbeans trug den schlichten Titel „Cbe an die Cholera". „Tie Seuche war anfgetaucht, aber anstatt Ab wem maßregeln zu forbciii) hieß Mirbeau die Cholera mit offenen Armen willkommen unb flehte sie, sich sofort einiger Leute anzunehmen, die er mit Name» nannte, bat sie, Skandale zu beseitigen, Institutionen zu stürzen, kurz, während ihres Waltens alles zu vernichten. Der Artikel sollte die Bürger beunruhigen, und dns tat er and). Aber er beunruhigte auch inneren Geschäftsführer, der darin em schlechtes Zeichen für die Abonnements sah: und Mirbeau mußte mit den Leuten, die er mit der Cholera bedroht halte, sogar noch zivei oder drei Duelle oussechten" * . . Unb wenn ich noch an die Art unb Weise znrückbenke, in der Grosclaude die Theaterbirektoreu behandelte I Mich ergreift noch jetzt Schauer ..." Eines Tages erzählt Arthur Meyer Capns: ,^Ter Prinz von Saggn hot gestern beim Frühstück mit mir über Ihren Artikel gesprochen " „ Ich hatte nicht die Kühnheit," erzählte Cavus, „zu fragen, was er gesagt hatte: daß er etwas gesagt hatte, genügte. Bon provisorischem Stolze trunken, ging ich nach Hause, aber die immaginären Weih- ratichwolkcn zerteilten sieh mit der Zeit bald. Und als ich von Arthur 'Meyer eine Zulage erbat, sorgte er, daß die Bäume nicht in den Himmel w>:chsen: „Unmöglich! Sie schreiben mir hurnoristiche Artikel, unb Humor ist diesen Winter nicht modern . . ."
derart föfe*»
* Die „faulen" Eier der Chinese n. Ter Geschmack der Völker ist verschieden. Was dem einen den höchsten Genuß bereitet, widersteht dem andern aufs äußerste. So schwärme» die Chinesen für besonders vergorene Eier, die jedoch unferm Ge- schm ck so wenig entfprecheii, baß die elften Europäer, die dieses Gericht keimen lernten, behaupteten, bie Chinesen äßen „faule” Eier und hielten diese für eine Delikatesse. Diese „faulen" Eier sind in Eurova geradezu sprichwörtlich geworden, bis man Land und Leute besser feinten lernte unb erfuhr, baß bei ber Herstellung dieser Eier es sich nicht um eine Fäulnis in unferm Sinne handelte. Wirtlich faule Eier widerstehen auch den Söhnen des Reiches der 'Mitte. Es kommt in China vielmehr eine besondere 'Art von Eierkonservierung in Frage. Die Produktion von Eiern, befonders von Enteneiern, ist in verschiedenen Gegenden des Landes so groß, daß man nach Mitteln suchte, die Eier gur Legezeit der Böget für Spätere eierarme Monate zu konservieren. Tie Methode, die man d >zn verwendet, erholt zwar die Eier nicht frisch, aber nach chinesischem Geschmack iveniguens eßbar. 'Man kennt dort drei Sorten solcher Eier. Tie erste heißt Pidan. Um diese zu erhalten, versieht innn die frischen Eier mit einem etwa 1 cm dicken lieber« zng, der aus einem Gemenge von roter Erde, Katt, Kochsalz, Rets- hütsen und Wasser beliebt. Die so präparierten Eier legt man in große Towe, die etwa 100 Eier fasten und verklebt den Teckel derselben luftdicht mit Papier, Man gräbt dann die Töpfe in die Erde ein oder la ist sie an einem fühlen Orte stehen. Nach fünf bis sechs 'Monaten sind die Eier zum Genuß reif geworden. Tas Eiweiß ist geronnen, es hat eine durch sichtige gallertartige Be- schasfenheit und braune Farbe; das Eigelb dagegen wird dickbreiartig unb schwotzgrün. In dem geroniteueit Eiweiß finben sich vereinzelt nadkl'örmige Kristalle, bie von ben Chinesen Ktefernadeln g nannt iverben. Diese Eier genießt man mit oder ohne Soja und Zucker. Tie zweite Sorte ber „faulen" Eier Heißt Hueidan. Um sie zu erhalten, füllt inan den Topf mit einem Gemenge von roter Erde, Kochsalz und Wasser und legt die irischen Eier hinein. In drei Wochen wird das Ei soweit verändert, daß- es eine Delikatesse darstellt. Das Eigelb wird dabei gelbrot. 'Man verspeist diese Eier gekocht mit Soja und Zucker. Tie dritte Sorte, „Tsau- bau", entsteht, wenn man die Eier fünf bis sechs Monate lang in einem mit Preßkuchen gefüllten TopSe verwahrt. 'Man war bis jetzt nicht tm klaren, ob die Veränderungen in den so behandelten (Stent dnrch chemische Einflüsse, namentlich duich das Kochsalz, oder durch besondere Mikroorganismen verursacht werden Oleiier- Vings hat Inn Hanzawa, zurzeit in Paris, sich mit der Prüfung dieier Eier beschäftigt und darüber im „Zentralblatt für Bakteriologie" berichtet. Unter anderrn hat er frische Eier mit Vib.meiern infiziert. Nach der Infektion wurde das Versuchsei mit Wasserglas bestriche!! und in Watte verpackt. Nach einigen Monaten war bas insizierte Ei geronnen unb verfärbt genau so jme bas Vibau- Ei. Die Betäube nmgen ber chinesiscreu Eierkonserven sinb somit bafteitedeu Ursprungs Die Euer machen dabei einen ähnlichen Gärungsprozeß durch wie der Quark tn unseren Käiesorien. Weitere Verfuche nach dieser Richtung hin wären gewiß von großem Interesse. Vielleicht gelänge es den Bakteriologen, Bakterien zu ermitteln, die bie Euer, betört ueränfetten, baß sie dem Geschmack des Europäers zusagten. Solche gegorenen Eier könnten sich als Eierkonserven auch wirtscl afllich bewähren, wie daS ja in China bereits der Fall ist.
* I m höchsten Stadium. „Nun, wohin noch so spät, Herr Bummel?" — „Ich — ich befinde mich aus der Wohnungssuche!" — „Was? Jetzt mitten in der Nacht suchen Sie Wohnung?" — „Ja — meine eigene."
Meuzrätsel.
In die Felder nebenstehender
--- Figur sinb die Buchstaben
aaaaaaaaabcceeee fffhhhhkklloop p r
Tssssttttunzz
derart einzutragen, daß die
________senkrechten und wagerechten
Reihen gleichlautend folgendes
—.........._|_J ergeben:
___ 1. Ein Mineral.
___ 2. Beliebtes Kartenspiel,
8. Nützliches Tier.
” Auslösung in nächster Nummer. V
Auslösung des Ergcinzungsrätscls in voriger Nummer!
Der Verstand ist im 'Menschen zu Hans,
Wie bet’ Funken im Stein;
Er schlägt nicht von sich selbst heraus,
Er will hcransgeschlggen semi
Redaktion: ».Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch» und Steindruckereh R. Lange, Gieße»,


