Ausgabe 
20.2.1913
 
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Donn Mag, den 20. Februar

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Von jfrühling ;u Frühling.

8d)man von Erich Eben st ein«

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Das Kind war schweigsam und luuitfrieben, seit sie in Wien waren. Sein ewiges Fragen nach Großmama, Leim, dem Musiklehrer und dem Garten, in dem man so schön spielen konnte, schnitt Meta ins Herz. Sie sah wie der Knabe blaß wurde nnb wie er sich in Sehnsucht unbewußt verzehrte nach dem gewohnten stillen Leben in der Natur.

Als sie nun mit ihm abermals den Weg in den Bolls- garten einschlug, fragte er weinerlich:Gehen wir schon wieder in den häßlichen Garten, wo so viele Kinder schreien und man nicht einmal ans den Rasen treten darf?"

Ja, Konradchen, du mußt nur hübsch brav und ge­duldig sein vielleicht kann ich dich bald anderswo hin­bringen. Laß mir nur Zeit . .

Das Kind schwieg. Meta aber suchte ihre Gedanken zu sammeln. Eines war ihr klar: sie mußte nun ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich nach einem Erwerb umsehen. Bon dem Kinde mußte sie sicb trennen. Es war ihr freilich, als risse ihr das Herz in Stücke bei dieser Vorstellung, aber sie fand keinen anderen Ausweg.

Sie hatte doch vieles gelernt, das sich sicher verwerten ließ als Erzieherin oder Gesellschafterin. Hatte sie irgend einen festen Posten, daun konnte sie für Konradchen Pension Kahlen und war unabhäuig von Montelli.

Er sollte sie nie mehr auffinden, dafür wollte sie zuerst sorgen. Die Ringe, welche sie trug, und ihre Uhr würden, zu Geld gemachst wohl fürs erste genügen, bis sich etwas Passendes fand. Später, in einigen Jahren, wenn ihre Rente wieder frei wurde denn vorerst mußte davon die Wechselschuld bezahlt werden, das stand fest, es sollte nie­mand um sein Geld kommen konnte sie das Kind wieder zu sich nehmen und mit ihm irgendwo in stiller Verborgen­heit leben.

Wenn dieser Maier bereit war, so lauge zu warten, bis sie in der Lage war, deit Wechsel ratenweise einzulösen, dann konnte am Ende doch der öffentliche Slandal vielleicht vermieden werden.

Sie sollte ihn: noch heute darüber schreiben.

Während sie so in ihre Gedanken vertieft langsam mit Konradchen in einer Allee des Volksgartens auf und ab ging, sagte plötzlich eine helle freudige Stimme neben ihr: Ja, Meta, bist dn's denn wirklich? Nein, welche Ueber- raschung! Wie ich mich freue!"

Sie blickte erstaunt auf.

Berta Burkhardt! Za richtig - du lebst ja auch in Wien!"

Sie reichte ihr erfreut und verlegen zugleich beide Hände. Es waren so andere Verhältnisse jetzt, unter welchen sie sich wiedersahen.

Und wie hübsch du bist! Du hast dich ja riesig heraus­gemaust, kleine Berta! Ich hätte dich gar nicht wieder- erkannt!"

Wirklich? Das bracht das Glück, weißt du! Du mußt nämlich wissen, ich heiße nicht mehr Burkhardt meine beiden armen Kinder sind .gestorben und ich habe wieder geheiratet. Vor einem halben Jahre erst. Und einen wahren Schatz von Mann habe ich aber komm, das muß ich dir alles ausführlich erzählen. Es ist zu hübsch, daß wir einander endlich wieder einmal getroffen haben!"

Tie kleine Frau, der das Glück aus allen Fältchen strahlte, hing sich zärtlich an Metas Arm und zog sie nach einer Bank.

So, hier sind wir ganz isoliert und können plaudern nach Herzenslust. Um zwölf muß ich Max vom Bureau abholen - da haben wir eine ganze Stunde Zeit. Das ist ivohl dein Junge? Welch schöne blaue Augen er hat! Willst du mir nicht das Händchen geben, kleiner Mann?"

Die junge Frau seufzte leicht.

Ach ja mein Artur wäre nun gerade so groß! Aber es ist ein Glück, daß er starb er hat so viel gelitten, der arme Kleine, und der Arzt sagte, er könne niemals gesund .werben. Auch Bertchen war immer krank. Ererbte Tuber­kulose. Ach, Meta, ums habe ich dnrchgemacht in all den Jahren! Erst mit Burkhardt, dann mit den Kindern, na, du weißt's ja. lind nun ist doch alles wieder gut geworden, und ich bin so glücklich mit Max Weber! Er ist Ban« beamter und trägt mich auf Händen... sag mal, du bist ja attch zum zweiten Male verheiratet warum hast du denn in den letzten Jahren so gar nichts von dir hören lassen?"

Meta wandte das Gesicht ab unter dem forschenden. Blick der kleinen Frau.

Ach, ich wurde so schreibfaul, weißt du. Alle Korre­spondenzen ließ ich einschlafen. Wir reiften viel herum und dann nahm mich das Kind sehr in Anspruch. Du weißt, es entwickelt sich abnorm langsam, aber erzähle lieber von dir."

Das tat Frau Berta denn auch gerne und in ausgiebig­ste nt Maße.

Ihr Schicksal war ganz gewöhnlich. In der Kanzlei, wo sie beschäftigt war, lernte sic Weber kennen, kurz, nach­dem ihre Kinder gestorben waren. Er verliebte sich in sie und ein Jahr darauf heirateten sie.

Sie war unermüdlich in Detailschilderungen ihres Glückes. Knapp ging es ihnen, natürlich, aber das schadete ja nichts, am Geld hing das Glück nicht und übrigens be­käme Max zu Neujahr eine Gehaltsaufbesserung.

Meta hörte zu wie int Traume. Welch prächtiges, mutiges Weibchen aus der kleinen, zaghaften Berta Malchow geworden war!

Ja, das Leben trügt empor oder schleudert nieder je nachdem es sich gestaltet. So tatkräftig und frisch Berta