Ausgabe 
19.7.1913
 
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44.4.

nannt (seine Kinder waren folgerichtig dieFülWen'), bestand bittere Feindschaft. Einmal war seine Masse etwas laut geworden, dies wurde dem altenGaul" gelegentlich unter die Nase ge­rieben mit der Bemerkung:Tas kann nur in Ihrer Klasse psrlymmen." Was hatte damals die Klasse zu leiden! Damals hieß es überhanpt nicht, wie heute von Obersekunda ab:Herr pmndso, übersetzen Sie einmal, fahren Sie einmal fort nein, Lcrusbuwe" seid ihr, merkts end), werd' Schuster oder Schneider, ihr habt keine Neigung zum Studium." Letztere Bemerkung hatte er mir einmal in mein Zeugnis geschrieben, und es hätte nicht viel gefehlt, so hätte mich mein Vater -aus der Schule genommen. Und die Methode, die manche von den Lehrern hatten! Ta mußte man vorn hintreten und die Geschichte, die Geographie, die deutsche Grammatikaufsagen". Natürlich tat der Hintermann fein möglichstes imVorsagen". Unser Mathematiklehrer K., ein äußerst gemütlicher wohlwollender Herr, wegen seines langsamen schwankenden Ganges dasMainbootchen" (ein von Mainz nach Frankfurt fahrendes kleines Dampfschiff) genannt, schloß, wenn er einen Lehrsatz an der Tafel beendet hatte, jedesmal mit dem Worte:Was- zu beweisen wär" siel der Chorus der Schüler ein. Ein Original war der Geschichtsprofessor H. Der Mann besaß reiche Kenntnisse, verlangt- vor allem Zahlen (deutsche Kaiser, Römerzüge Kaiser Rotbarts usw.); aber von einem systematischen llnterricht war nicht die Rede. Einmal kam er in die Klasse gepoltert mit der Frage: ,-Wieviel Schritte lang ist die Schiffbrücke über den Rhein?" Natürlich wußte es keiner. Aber da ging's los:Ihr Klötzer, für was lauft ihr denn immer drauf herum?" Oder er fragte nach einem oder dem anderen Denkmal im Dom: diese, mußten wir alle kennen. Ein sehr feiner Mann, wär der Natnrwissenschastslehrer T-r. B.; von ihm konnte man viel lernen, wobei das reiche naturwissenschaftliche Kabinett des Gymnasiums nns zugute kam. 1.860 starb der Direktor. Unser Gaul" teilte es der Klasse mit folgenden Worten mit:Ich soll euch auch sage, daß der Direktorium gestorwe is und übermorje begrawe werd."

Das Jahr 1860 bezeichnet einen Wendepunkt in der Ge­schichte des Gymnasiums, da trat an die Stelle Griesers ein preußischer Direktor, immens Bone. Er war an der .Ritter­akademie Bedburg und in Recklinghausen tätig gewesen. Jetzt lernten wir deutsche Aufsätze anfertigen; sein Unterricht war interessant luttid anregend. Ueberhanpt wurde jetzt das ganze Unterrichtswesen nmgestaltet. Bone war strenger Katholik, aber gerecht gegen jedermann. Im Mainzer Gymnasialwesen waren damals noch viele Anklänge an die Franzosenzeit. So wurden alle Lehrer Professor genannt, auch die den Titel nicht hatten, von dem französischen Wort:Professenr". Unsere freien Tage waren Dienstag nnd Donnerstag. Die schriftlichen Arbeiten nannte man Kompositionen, die um einen Preis geschriebenen Preiskompo- sittvneu. Endlich war die Penalzeit herum. 1.861 wurde Maturum gemacht. Wir waren 24; es leben jetzt kaum nach die Hälfte davon. Als nur auseinander gingen, gaben wir uns das Gelöbnis :Sind wir auch verschiedener Farbfe (religiös), so wollen mit doch stets einig sein." Und das haben wir gehalten bis heute. Bor 2 Jahren sah sich (also nach 48 Jahren) ein Teil der Ueherlebenden in Mainz wieder und Dieses Jahr 1913 soll die Feier besonders schön werden, denn es sind 50 I ahre seit dem. Abi- tnrinm. Unter den noch Lebenden befinden sich .1 Domkapitular, 2 katholische Dekane, 1 katholischer Pfarrer, 2 Aerzte, 1 Post­beamter, 1 Gymnasialprosossor und wir 3 evangelische Oben­genannte.

) Tas Leben in Mainz (von 18571861) war ein gemüt­liches. Welche herrliche Landschaft ringsum, der schöne Rhein, der damals noch bis. fast an die Rheinstraße seine Wellen fehlagen ließ, die mächtigen Festungswerke, welche heute alle gefallen, sind. Wo heute der Hauptbahnhof steht, war damals der Alt- Münsterweiher mit feilten kolossalen Karpfen, die aber niemand essen konnte, weil sie nach dem nur langsam abfließendsn Wasser schmeckten. Hinter der Festung rheinabwärts das Gartenfeld. Und in den Straßen das bunte Bild der Uniformen, der Oesterreicher mit ihren weißen, blauen und braunen Röcken, je nach der Waffen- gattnng, die Preußen, die Hessen; die herrliche- Musik bei den Wachparaden und Serenaden vor dem "Gouvernement und der Stadtkonnnaudaittur. Sonntags kamen dann aus Biebrich nnd Wiesbaden die Nassauer (Infanterie und Jäger). Ein Mißt-on war die P u l v e r e x p l o s i -o n am 18. November 1857, von welcher ich 1.907 (dem 50jährigen Gedenktage) in diesen Blättern erzählt habe. Eine merkwürdige Beobachtung machte ich int Jahre 1859. Damals bei Ausbruch des italienischen Krieges wurden die Oesterreicher, welche aus dem damals noch österreichischen Ob-er- italien rekrutierten, nach Deutschland und die deutschen Regimenter nach dein Kriegsschanplatz in Italien verlegt. Wir bekamen das Regiment Wsonhardt mit seiner berühmten Kapelle unter dein Ka­pellmeister Jeschko. Morgens waren die Italiener eingerückt, die fein Wort deut sch konnten, und abends hatten schon viele ihrenSchatz" am Arm. Sie rauchten damals die langen MoNaPolzigarren, mit einem Strohhalm an dein MilNden.de, Rattenschwänze" genannt. Die -Oest-erreicher)Zwockel" genannt, waren die Lieblinge derMeenzer".

Die jüngste ZtachelbeerkraMheit.

Der Stachelbeerliebhaber findet seine wohlschmeckenden Beere!» nianchmal mit einem Hauch, einemMehltau" bedeckt; in neuer Zeit aber ist zu dein altbekannten europäischen Stachelb-eermehltau eine ähnliche, ans Amerika eingefchleppte Krankheit hinzugekom­men, die noch schlimmer zn sein scheint: die befallenen Beeren bleiben im Wachstum zurück, sie Platzen, bekommen breite Risse, fallen ab oder verderben. Sie werden nicht reif und sollen, wenn sie unreif zu Kompott verwendet werden, den Geschmack ver­derben.

Von der enropäischen Stachelbeerkrankheit unterscheidet sich diese amerikanische daonrch, daß der Mehltaubelag dichter ist und nicht weiß bleibt, sondern braun wird. DieNaturwissenschaft­liche Wochenschrift" teilt ans Grnnd eines Flugblattes der Kaiser­lich Biologischen Anstalt für Land- nnd Forstwirtschaft über diese neue Stachelbeerkrankheit allerhand Wissenswertes mit. In Deutschland kennt man sie .erst seit 8 Jahren; im Sommer 1905 wurde sie in der Gegend von Labeschin im Regierungsbezirke Bromberg zum ersten Male beobachtet. Schon int Jnui dieses! Jahres war sie in vielen Gürten vorhanden, nnd in einigen! Waren sogar alle Sträucher befallen. Seitdem hat sich die Krank­heit der Stachelbeere weiter verbreitet; während sie nach

ihrer Einwanderung von Amerika nach Europa zuerst Ir­land, Rußland und Dänemark erreicht hatte, liegen jetzt schon Meldungen über ihr Vorkommen in Deutschland aus Ost­und Westpreußen, Posen, Mecklenburg, Brandenburg, Pommern Schlesien und Schleswig-Holstein sowie auch ans Orten West- und Süddeutschlands vor. Die Mehltanpilze (Sphaervtheea mors uvae) befallen nicht nur die Früchte, sondern auch Blätter und Triebe: es bildet sich zuerst ein zarter, weißer Hauch wie beim europäischen Stachelbeermehltau, bann aber wird der Neberzug dicker, leberartiger und braun, und die Folge ist die oben be­schriebene Verderbnis der Früchte und die Verkümmerung der Blätter und Triebe. Dabei verbreitet sich die gefährliche Krank­heit rasch und leicht. Die winzig kleinen, nur wenige Hundertstel Millimeter messenden Sommersporen werden durch Regen und Wind, durch Menschen und Tiere verschleppt, und "wo eine solche Spore auf einen Stachelbeerstrauch gelangt, wächst ein kurzer, feiner Faden heraus, der sich verzweigt, bis der eigentümliche Neberzug auf den Pflanzenteilen daraus geworden ist. Wenn dieser Mehltau alt und braun geworden ist, bilden sich überwin­ternde Fruchtkörper, kleine, an der Grenze der Sichtbarkeit für das unbewaffnete Auge liegende Kügelchen, die auf den Zweigen ober auch auf dem Boden überwintern können Und int nächsten Jahre den Mehltanpilz weiterverbreiten.

Die Krankheit kamt die Stachelbeersträucher vollkommen ver­nichten; ztt ihrer Bekämpfung wird Kupfervitriolkalkbrühe emp­fohlen, noch besser aber ist es, wenn die kranken Sträucher ans- gerottet und verbrannt und erst nach drei Jahren neue ait- Pflanzt werden.

viicherüsch.

®rieben§ Reiseführer, Bd. 66:Bahn Hochland, Salzburg, Salzkammergut". 28. Auflage. 9Jiit 13 Karten. Ver­lag Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Preis Mk. T. Bon. Grund auf neugestaltet erscheint diesmal der starke, aber trotz­dem handliche Führer durch die. bayrischen und österreichischen Hochlande, ein Gebiet, -wie es ergiebiger für Touristen und Natur­freunde nicht gedacht werden kann. Die Verkehrsverbindungen siitd die denkbar günftigften, besonders seit die neue Karwendel- bahtt, bereit Endpunkt Innsbruck ist, dem Betriebe übergeben ist und beit Reisenden in das Herz dieses herrlichen Landstriches führt. Diese neue Linie hat in Griebens obengenanntem Bande natürlich die ihr zukonimende eingehende Behandlung gefunden. Auch die übrigen touristischen Abschnitte, wie auch die sonstigen Angaben, über Hotels, Verkehr, Sehenswürdigkeiten usw. bieten vorzügliches Material und ermöglichen schnelle und sichere Orien­tierung; letztere wird noch wesentlich durch die dem neuesten Stand entsprechenden Karten unterstützt, die um 2 Blätter:Hohe Tanern" undUmgebung von Garmisch-Partenkirchen" vermehrt worden sind. -------------

Magisches vreieck-

I Jn die Felder mbmstehender Figur sind die Buchstaben aaddeee eiimrsss derart einztitrageit, daß die einander ent« ,----------J sprechenden ivagereehten und senkrechten

Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Figur aus einem Grillparzerfcheu Drama.

2. Griechische Göttin.

3. Musikalische Bezeichnung.

4. Teil von Hessen.

5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rätsels in voriger Nummer: Kirsche (Hirsch ohne Kopf Irsch", ein paar Stückchen Kreide K" unde").

Redaktion : K. N e n r a t b. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Bncli- und Steindruckerei, R, Lange, Gienen.