375
Delhi eintauschen konnte, da hatte ich nichts dagegen eimiiitreitbeit; Ein LOmonatlicher Ausenthalt in Delhi hat mich auch dessen Nachp- teile zur Genüge kennen gelehrt und die Aussicht, in Jahresfrist einen längeren Erholungsurlaub in deut zwar manchmal recht fcudjten, aber nie sonderlich heißen Gießen zubringen zu können, ist äußerst verlockend. — Aber einstweilen sitze ich ja noch hier in dem momentan gerade fast unerträglich heißen „Wunderland" (der Globetrotter nämlich) und wollte von dessen Gegensätzen erzählen :
In Colombo, Madras und Calcutta ist man immer in der tropischen Zone und findet somit in allen drei Plätzen viel Gemeinsames, aber die jeweiligen Eingeborenen sind iit Sprache, Mussehen und überhaupt jeglicher Beziehung so verschieden voneinander, wie beispielsweise die Russen von den Spaniern. In Delhi ist man bereits in der subtropischen Zone und der Unterschied von Calcutta ist ein ganz beträchtlicher. Als ich aber auf meiner obenerwähnten Reise in den äußersten Nordwesten des Indischen Kaiserreiches kam, da dünkte cs mir, als könnte ich jetzt nicht mehr weit von der Heimat entfernt sein. Solche anheimelnde Gärten, solch schattige Straßen, solch Grün der Bäume und Felder, gibt es ja nur daheim. Was ist auch all die üppige Pracht der Tropen gegen einen Deutschen Buchenwald im' Frühling. . . . Ter Anblich der Eingeborenen kurierte mich bald von meinem Irrtum. Wilde Gesellen sind es, diese Grenzstämme, die Pathans und.Kabulis, noch nicht so von der Kultur beleckt wie unsere braven Punjabis oder gar verschlagenen Bengalis.
Meine Reise führte mich zunächst nach Amritsar, einer von den drei Niederlassungen meiner Firma, die meiner Aufsicht Unterstellt sind. Da es ungefähr soweit von Delhi entfernt ist, wie Hamburg von Gießen, so sind meine farbigen Angestellten dort vor allzuhäufigen Ueberraschungsbesuchen meinerseits ziemlich sicher. Delhi liegt noch im Flußgebiet des Ganges, an dessen Nebenfluß, der ebenfalls heiligen Jumua. Auf dem Wege nach Tkmritsar geht man in das Stromgebiet des Indus über und kreuzt dessen Nebenfluß, den Sutlej, sowie dessen Nebenfluß, den Bias, die ersten der fünf Ströme, die dem Lande den Namen gegeben haben. (Punjab Fünfstromland.) Amritsar spielte eine Rolle unter den Silhfürsten, aus deren Zeit prachtvoll erhaltene Parkanlagen herrühren. Noch heute ist Amritsar eine Hochburg der Sikhreligion, und der berühmte goldene Tempel eine ihrer Hauptverehrungsstätten. Nur eine Stunde Bahnfahrt entfernt liegt Lahore, die Hauptstadt der Provinz Punjab. Ich war ganz erstaunt hier eine prachtvoll angelegte, aufblühende europäische Stadt zu finden mit — wenigstens für unsere Begriffe — großartigen Läden, Hotels, Klubs usw. Auf der Weiterreise nach Nordwesten passiert man nach und nach drei weitere Nebenflüsse des Indus: Ravi, Chenab und Cheluin, an dem letzteren die romantisch gelegene/ befestigte Stadt gleichen Namens. Bon dort an führt die Bahn durch eine wilde, öde, schluchtendurchfurchte Gegend. Wir steigen beständig, im Norden tauchen bereits die Berge von Kaschmir auf, und bald sind wir in Rawalpindi, bekannt als starke Garnison und als Ausgangspunkt ftir die Reise nach! Kaschmir. Eisenbahnen duldet der Raschah in feinem1 Lande nicht, und um nach Srinagar zu gelangerr, müssen sich, die übrigens sehr zahlreichen, Reisenden zu einer meßt tägigen Tangafahrt (zweirädriger Wagen) begueiüem Von Rawalpindi aus fiihrt das letzte Stück der Bahn west-nordwestlich nach der starken Grenzgarnison Pesha- war (sprich Peshanr), dem Ziel meiner Reise. Auf halben! Wege führt bei Attock eine Eisenbahnbrücke in schwindelnder Höhe über oen Indus. Kurz zuvor hat er den KabUlfluß ausgenommen, sein sonst riesig breites und nur in der Regenzeit gefülltes Strombett verschmälert sich und zwängt sich zwischen einengcnden Felsklippen hindurch. Frühes führte hier nur eine Bootbrücke über den Indus, überwacht von der auf den überragenden Felsen errichteten Festung Attock, das hoch oben über dem brausenden Fluß thronend sicher eines der malerischsten Bilder darbietet, das ich in Indien gesehen habe. AUf der Weiterreise führt die Bahnlinie längs dem KabuWusse entlang, der von Kabul, der Hauptstadt Afghanistans,, kommend, eine Unmenge riesiger Baumstämme Mit sich Khpt, die auf wiese Weise nach dem holzarmen Indiern geflößt werden.
Peshawar selbst liegt, wie schon erwähnt, prachtvoll, ungefähr 400 Meter hoch am Fuße des Himalayas. Es hat eine lange kalte Jahreszeit und einen kurzen sehr heißen Sommer. Ende März ist es in Delhi und auch Amritsar schon tüchtig heiß, aber hier oben lag noch Schnee auf verhältnismäßig geringen Götzen und ich fror ziemlich in dem Zelt, welches mir in dem itoerfüllten Hotel angewiesen wurde. Peshawar hat naturgemäß, eine sehr starke Garnison und die Grenzstämme sorgen immer Wieder für Arbeit. Es gibt nur wenige Offiziere, die einige Jahre an der Nordwestgrenze gedient habdn, ohne aktiven Kamps mitgemacht zu haben. Die nominelle britische Grenze ist noch etwa 25 Kilometer von Peshawar entfernt, in Wirklichkeit aber liegt hier zwischen Indien utld Afghanistan ein Streifen Latches, die sogenannte Mfridigeyend, über welches keines der beiden Staaten irgendwelche tatsächliche Kontrolle hat. Eine Unzahl wilder Berg- Wimmo führen hier ein sehr freiheitliches Dasein, von beiden Regierungen Subventionen beziehend, die sch aber keineswegs von gelögentlichest Raubzügen abhalten. Bei Peshawar mündet der berühmte Khybeppast, durch den die Heeresstraße von Kichstl kom-
Ntend durch den Himalaya führt. Ein Besuch dieses Passe- gehört zu den interessantesten Tiitgen in Indien. Man darf zwar nur bis zur Hälfte des Palsses gehen, noch etiva 12 Kilometer von der nominellen Grenze entfernt, und selbst dazu benötigt Man eines Erlaubnisscheines des britischen politischen Agest- ten. Will man weiter, so muß man um spezielle Erlaubnis von höherer ©teile, einkommen und muß uitterschreibeu, daß man tue Rease auf eigenes Risiko unternimmt, da über den erwähnten Punkt hinaus die Regierung für Sicherheit von Leben und Eigentum nicht garantieren kann, lieber die Greiaze nach Afghanistan darf nittu nur unter Bewachung einer afghanischen Eskorte, die besonders von Kabul herabgesandt werden muß. Zweimal in der Woche ast der. Paß geöffnet für die Karawanen von und nach Afghanistan, die au diesen Tagen unter militärischer Bewachung hindurchgeführt werden. Zur Bewachung des Passes existiert eine besondere Truppe, die sogenannten Khyberfchützen, die am Eingang des Passes in einem alten Sikhsort stationiert sind und von zahlreichen kleineren Forts und Wachposten aus, die über die den Paß beherrschenden Berge zerstreut sind, ihreia Dienst versehen. Tiefe Berge find nicht von fehir bedeutender Höhe, wohl aber so schroff und, von gefährlichen Fußpfaden abgesehen, Unpassierbar, daß der Paß tatsächlich den einzigen Durchgang für dae direkte Straße von Kabul her bildet und dadstrch natürlich auch großen strategischen Wert besitzt. Tie Möglichkeit einer russischen Invasion hört nie ganz auf in den Gemütern einiger Seute zu spuken.
Tie Fahrt durch den Khyberpäß gestaltete sich äußerst interessant. Ich. fuhr mit einem französischen Reisenden in einem Automobil hinauf Und wir unterhielten und vertrugen uns vorzüglich zu einer Zeit, wo zu Hause die allergrößte Spannung zwischen beit beiden Nationen Herrschte. Ties nebenbei. — Der Paß beginnt etwa 15 Kilometer nordwestlich von Peshawar. Äm Eingang liegt lauf der einen Seite das schon erwähnte Fort, auf der anderen Seite ein Torf, welches schon vollständig außerhalb der Kontrolle durch die englische Regierung steht und allen Verbrechern einen sicheren Schlupfwinkel bietet. Tie Straße durch den Paß wird in ruhigen Zeiten von diesen Leuten als UnteÄ englischem Schutz stehend respektiert und nicht von ihnen betreten. Mer aus 6eiben, Seiten ber Straße sieht man die Kerls stehen> malerische Banditengestalten, den gefüllten Patronengürtel umgeschnallt, bas geladene und meist schußbereite Gewehr im Arm. Ich sah da ganz alte Vorderlader, aber auch ganz moderne Gewehre, die durch den WäfseuschmUggel im Persischen Golf, sowie aus der eigenen Waffenfabrik des Emir von Afghanistan hierher- gelangen. Tiefe Banditen leben wie die wilden Tiere in ganz primitiven Höhlen in den Felswänden ober unter großen Steim- ldlöcken. Es gibt da ganze Dörfer unter der Erde. In her Sohle des Passes rinnt ein kleiner Batch und wo sich der Paß ein wenig verbreitert, sieht mäit wohl auch Felber und Zeichen von Landwirtschaft. Sonst aber leben diese Leute vom Holz- sammcln, von den erwähnten Regierungsgeldern u.Ud von Raub. Viele von den Kerlen können einem' wirklich Furcht cm flößen,, und anders als am' hellen Tage möchte ich den Paß nicht betreten. — Besonders interessant waren natürlich auch- die großen Kaistelkarawmien, die mit H.äuten, Getreide, Holz und vielen anderen Tingen von Afghanistan tzeruUterkamen. Die meisten von den Leuten hatten Wohl nie ein Automobil gesehen und gerieten in Nicht geringe Aufregung bei Unserem Herannahen. Auch £r uns war die Fahrt reich an aufregenden Momenten, führte ch die Straße in vielen Windungen oft genug an tiefen Abhängen vorbei und unser Chauffeur hatte es eilig. Sv wärest wir denn beide froh, als Wir heil wieder in Peshawar landetest..
Delhi, 15. Mai 1913. g er mann Schlosser.
Der Zimmergarten im Sommer.
Die Sommerarbeiten des Zimmergartens beginnen bereits mit dem Ende des Maimonats) da zu dieser Zeit das Sprieße»/ Grünen und Blühen der organischen Pflanzenwelt sich bereits in einem Stadium befindet, das die Grundlage für die Aus- bäukraft der späteren Blatt- und Blumengestaltung in sich tragen soll. Für die Blumen- und Pflanzenpflege erfordert diese Zeit naturgemäß ein besonders verständiges und regsames Schaffen, damit die Pfleglinge eine rechte und bauernde Freude an ihrem! Besitz aufkommen lassen können. — Tie für ben Balkonschmuck bestimmten Pflanzen ein- und mehrjährigen Charakters sind inzwischen in ben eigenen Kulturen oder in der gewerblichen Pflanzenzucht soweit heraugewachsen, daß sie im letzten Drittel des Monats ihre Standplätze einuehmen können. Man suche hierfür einen regnerischen oder doch trüben Tag abzupaffen .und möglichst die Mbendsluuden zu wählen, um den Pflanzen den Uebergang von der Zimmerluft zum freien Luftwechsel tunlichst zU erleichtern und damit organischen Wachstumsstöruugen viorzUbengen. Die zur Aufnahme des PflanzeuschmUckes bestimmten Behälter an Vasen, Schalen und Kästen müssen natürlich vordem mit frischer Erde angefüllt werden, wobei zu beachten ist, daß im Boden dieser Behälter genügend Abzugslöcher vorhanden sind und diese zwecks gerstellung einer wirksamen Drainage mit Scherben belegt Werden.
b die Erde einem Mistbeete oder Gartenbeete entnommen wird, ist bein; Grunde nach nebensächlich, wenn sie itur lockerer stich


