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Erdgeschoß hier wohnen in drei Zimmern zwei französische Damen, die müssen auch noch ein Zimmer hergeben!"

Da kam eine Ordonnanz und meldete, d-^ das eine Zimmer im Seitenflügel bereits geräumt und vom preußi­schen Regimentsarzt als Operationszimmer eiiigerichtet wor­den sei, und daß ferner der General soeben seinen Adjui- tanteu geschickt habe mit der Weisung, die zwei fran­zösischen Damen des Schlosses ja nicht zu behelligen und ihnen mindestens drei Zimmer und eine Bedientenlämmer zu lassen.

Na, dann ist nichts zu machen, dann sucht chm eiuen Matz in irgendeinem Saal," sagte der Offizier zu den beiden Trägern.

So trug man den Junker nach seinem Ahnensaal und legte ihn dort nieder auf ein Bündel blutigen Strochs, dicht neben der Tür.Wir finden bald bessern Platz!" rief der eine,alle Minuten stirbt ja einer."

Und sie durchschritten die Reihen der sechzig Krieger Und suchten und fanden bald einen Toten, den schleppten sie hinaus und legten dann Werner von Altenloche auf die fretgewordene Stätte und riefen einen Arztgehilfen, der ihn untersuchte.Es ist Uicht so schlimm, wie es aussieht. Lunge ist schwach gestreift, wenn er das Wundfieber aushält, kommt er wieder hoch!"

Am Abend verhallten auch die letzten Schüsse in der Ferne. Die Preußen verließen das Dorf, nur eine Be­satzung zurücklassend', und biwakierten draußen auf offenem Felde in der Richtung auf den geflohenen Feind-, um jeder­zeit kampfbereit zu sein. Den Rüchen deckten ihnen die Yorckschen Truppen, die sich zwischen Wessel und Heidehorst geschoben hatten. Jetzt wagten sich auch allgemach die -Dörfler wieder aus ihren Klausen. Mer Mas war aus dem stillen, friedlichen Heidehorst geworden?! Die Kirche ein Trümmerhaufen, ein Dutzend Häuschen zusammen­geschossen, auf den Straßen, in den Gärten Blutlachen und zersetzte menschliche Gliedmaßen. Neben dem Kirchhof ein Drusen von fast zweihundert Leichen, und immer noch schlichtete man Tote -auf.

Die Häusler suchten jetzt dis Gärten -ab, und wo sie einen Verwundeten fanden, nahmen sie ihn in ihr Haus, Und wo sie einen Sterbenden sanden, liefen sie zum Pfarrer Tempel, der mit dem Allerheiligsten, vom Schmied Johann Schwind begleitet, durch Höfe und Gärten eilte, um den Mermsten auf Wunsch den letzten Trost zu spenden.

Und einer stelzte durch den Ort, der alte Etzinger. Wen er traf, den fragte er:Habt ihr meinen Jungen irgendwo liegen sehen?" Aber niemand hatte ihn gesehen. Da schlich der Alte zu dem Totenhaufen und wendete die Toten um und schichtete sie wieder aus, und den Posten, der ihn zurückweisen wollte, fragte er grob:Darf ich meinen Jungen nicht suchen?" Da ließ ihn der Posten Krwähren.

Für jeden der Toten hatte der Alte ein freundlich liebes Wort. Endlich murmelte er:Wenn sie ihn nicht noch bringen, ist er noch am Leben!" und stelzte fort, durchsuchte jeden Garten, schaute hinter jeden Busch, fragte in jedem Hause. Da, an der Kirchhofsmauer hörte er ein hartes Gezänk.

Seht Ihr nicht, daß ich noch lebe?! Schon vorhin wollte mich einer auf den Totenhaufen werfen und jetzt Ihr wieder!"

Dem Alten stand das Herz still. Das war seines Fridolin Stimme. Er sprang hinzu, schob die Leichen- s-ammler beiseite und hob mit übermenschlicher.Kraft den Schwerverwundeten auf.Mein Junge, mein armer, guter Junge!" rief er und trug Fridolin, der sich wie ein Kind an den Vater schmiegte, -davon heim.

Just um dieselbe Zeit schritten zwei junge Mädchen durch die Krankensäle und Zimmer des Schlosses. Gisela von Altenlohe, an der Seite Peter Wends, des Schultheißen, war im großen Saale und half dem Regimentsarzt, so gut sie es verstand. Von Lager zu Lager schritt sie, stützte den Kranken, wenn der Arzt ihn verband, wusch die Wunde aus oder reichte erquickenden Trank. Als sie zur Tür ging, um frisches Wasser zu holen, trat auf die Schwelle eine junge Dame von auffallender, südländischer Schönheit. Die beiden standen sich gegenüber, und jede wußte im Augenblick, wer die andre sei. Gisela griff sich mit der Hand auf das Herz, so war sie erschrocken, mehr über die bestrickende, eigenartige Schönheit von Toinette von Bour-, g^e, als über das Zusammentreffen.

Toinette trat einen Schritt beiseite und grüßte durch ein leichtes Neigen ihres Kopfes und ließ Gisela, die eben­falls stumm sgrüßte, vorübergehen. Dann wandte sie sich ab, ging im Korridor in entgegengesetzter Richtung davon und trat in den Ahnensaal.' Aus dem Körbchen, das sie am Arme trug, nahm sie eine Flasche Wein, entkorkte sie und goß dann in ein Glas, kniete an jeder Lagerstatt nieder, gab jedem der Armen zu trinken und wischte ihm den Schweiß von Wange und Stirn oder rüyte ihm das Strohlager zurecht. Da kam sie an ein Bett, auf dem lag stöhnend und fiebernd und mit blutigem Antlitz ein Jüngling. Sie Ang an einen Wasserbehälter und tauchte ihr Tuch -hinein und wusch dem Kranken das Blut aus dem Gesicht. . .

Von der Berührung mit dem kälten Wasser erwachte der Jüngling aus seiner Ohnmacht und schlug die Augen aus, große, prächtige Augen. Und als er in die Toinettes blickte, glitt ein glückseliges Lächeln über sein bleiches Ant­litz, ein Lächeln, wie es Kinder haben, wenn sie eine Traumgeflält in Wahrheit vor sich sehen. Der Jüngling suchte Toinettes Hand mit seinen beiden schwachen Händen und hielt sie mit der einen und fuhr kosend mit der andern darüber hin und flüsterte:O, sind die Engel schön!" Und er blickte nochmals dem Mädchen in die Augen und fiel dann wieder in Ohnmacht.

Diese Augen! Wo sah ich nur eben diese Augen, denselben Blick?!" dachte Toinette, als sie sich aufrichtete, um au das nächste Lager zu treten. Aber-sie fand es nicht. Doch -als sie nach einer Stunde den Saal verließ, um in das große Nachbarzimmer zu treten, stand ihr abermals die junge Baroneß von Altenlohe gegenüber und an ihrer Seite der Schultheiß. Die Mädchen blickten sich wieder in die Augen, und jetzt wußte Toinette, wer dieselben Augen, denselben Blick hatte wie der junge Krieger.Merk­würdiger Zufall," dachte sie und- schritt vorbei.

Gisela aber ging mit Peter Wend nach dem Seiten­flügel des Schlosses und klopfte an -eine Tür, und als niemand einHerein" rief, öffnete sie selbst die Tür unb trat ein. Es war ihres ältesten Bruders Zimmer. Se«' troffen blieb sie an Iber Tür stehen, denn das hohe, prächtige Gemach sah aus wie ein Trödlerladen. Au den Wänden waren die aus den für die Verwundeten ausgeräumten Zimmern geborgenen Wertstücke und Kostbarkeiten bis zur Decke aufgeschichtet, -am Fenster stand ein riesiger Schreib­tisch, darauf Karten unb Pläne und 'Aktenstücke in schwerer Menge. Quer ins Zimmer ragte das Bett, auf welchem Pistolen unb- Gewehre lagen.

Linthard-t saß am anbern Fenster in einem Lehnstuhl, hatte den rechten Arm -auf das Brett des Fensters gestützt und den Kopf in der Hand. So schaute er in den Park. Bei Giselas Eintritt in das Zimmer wandte er sein Haupt und blickte erstaunt auf das Mädchen.Linihardt!" rief sie weich und flehend und streckte ihm beide Hände entgegen.

Er stand müde auf und- ging zu ihr und schaute die Schwester an, tiefbewegt und ergriffen, und faßte ihre beiden Hände.Ms ich wegging, warst du ein Kind und was haben diese vier ober fünf Jähre aus dir ge­macht?!"

Und -aus dir?! Linthardt, was -haben sie aus dir gemacht?!"

Er richtete sich auf, sein Gesicht wurde streng unb abweisend, und er sagte kurz:Einen Mann, der weiß, was er will, und der es für seine Pflicht hält, das Erbe seiner Väter zu wahren!"

^Fortsetzung folgt.)

An der Grenze von Afghanistan.

Nie zuvor ist es mir so ausgefallen, welch ungeheure Gegen­sätze v-on klimatischen Verhältnissen, van Menschen-, Tier- und! Pflanzenwelt das indische Riesenreich in sich vereinigt, als ge­legentlich einer Geschäftsreise, die mich Ende März hinauf -durch den ganzen Punjab bis hart an die -Grenze von Afghanistan führte.

In Colombo auf Ceylon lernte ich auf meiner Ausreise 191Q zuerst das tropische Indien kennen, und- nie werde ich den Ein­druck vergessen, den die besonders aus den Neuling gevadezul märchenhaft wirkende Umgebung dieses Platzes auf mich machte« Fünf Tage Aufenthalt auf der Wieste-rtcise in dem! Heißen, staubigen',- weitverzweigten Madras wirlten bereits ernüchternd. Mein da­maliger Bestimmungsort Calcutta präsentierte sich nicht schlecht in ferner besten Jahreszeit, aber als rch nach 12 Monaten, f«trt feuchtheißeS Kliuca mit dem trockenen, wenn auch noch .heißeteU!