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Mk Msmmrnzerchen rauchen.
Roman aus tem Mhre 1813 fcfen M.äix Karl Böttcher-Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der Frager blieb stehen, aber ein Kommando von hinten trieb ihn weiter, und ein jähes Erkennen packte ihn jetzt. Und er schrie in wahnsinniger Wut auf: „Die Lumpen haben meine Kirche zerschossen'." und bedachte nicht in seinem Schmerze um sein Heimatskirchlein, daß. die „Lumpen" seine eigne Artillerie tvar.
Und er schrie wie ein Stier, brüllte auf, als habe ihn selbst die Granate zerrissen und jagte vorwärts. — Und er riß die andern mit fort, und nun rannten sie in die Feuergarbe hinein und klatschten nieder, die einen vor Erschöpfung, die andern vom Blei hingeworfen und im Blute sich wälzend, aber der eine, der wilde Schreier, war nicht erschöpft, und keine Kugel fand den Weg zu seinem Herzen. Sein wilder Mut ftÄkte die Kameraden an, und so stürmten sie wie eine laufende Mauer von Bajonetten in die Reihen der Feinde und kämpften und hieben um sich, und der Schreier war der wildeste, und an seiner Seite zwei andre, Werner vo-n Altenlohe und Paul Wintzer. Da stieß einer der Franzen dem wilden sein Bajonett durch das Knie, daß er zusammensank, und als der Franze ihm eine große Retterpistole auf die Stirn setzte, flog ihm das Feuer aus den eignen Augen, und sein Schädel war ein blutiger Kloß.
„Ja, wir Altenlohes schlagen eine gute Tatze!" rief Werner und hob seinen Kolben schon wieder zu neuem Schlage. — Und so focht man auf der ganzen Linie, und Fuß um Fuß wichen die Franzen zurück, und immer neue deutsche Krieger drangen nach, bis zur Schloßmauer.
Hier gewannen die Franzosen wieder festen Fuß. Aber der Wut der Preußen vermochten sie nicht standzuhalten. Rückwärts, — rückwärts ging es, von Haus zu .Haus, von Zaun zu Zaun, — und nun waren sie drüben zum Dorfe hinaus und flohen in wilder Hast, die Waffen preisgegeberk, hinter Busch und Saum. Dutzende wurden gefangen genommen, Dutzende getötet. —
Solch ein Würgen und Morden! Blut hatte es gekostet, Schweiß und- Blut und Jammer und Elend.
Kinder im Schloß, rückt zusammen! Es kommen noch mehr, die Fetzen ihres Leibes zur Ruhe zu betten. Alle Zimmer auf! Und man sammelte und man trug die Verwundeten herein.
Der Lindenweg, just derselbe, da Gisela dem Schullehrer zum Abschied das Sträußlein bot — der Lindenweg färbte sich von Blut. Der Regen hatte Rinnlein geschaffen, und darin spiegelten und plätscherten rgte Bächlein. Ta hob man ehren auf, das Antlitz schmerzverzerrt.
aber in den Augen Zorn und Wut. i®er Kampf oder der Schmerz mochte ihn um den Verstand gebracht haben. — Er schrie in einem fort: „Wer hat mir meine Kirche zerschossen, wer?! Er mag sich melden,--ich will ihn
erschlagen, den Lumpen!"
Französische Träger wendeten ihn um und legten ihn auf eine Bahre.
„Wohin, Ihr Lumpen?"
„Ins Schloß, — ins Lazarett!"
„Seid Ihr verrückt?! Habe ich nicht eine Mutter im Dorfe? — Schafft mich in das zweite Haus neben der Pfarre, dort wohnt der Etzinger, und dort will ich sterben!"
Und als die Träger ihn verständnislos ansahen, brüllte er sie an: „Ich bin auch ein Etzinger!" Da warfen sie ihn von der Bahre und ließen ihn liegen und achteten nicht seiner Rufe und suchten andre, von denen sie nicht beschimpft wurden. An der Schloßmauer fanden sie einen, dem quoll dickes, halbgeronnenes Blut aus dem Munde, und seine Uniform war ihm fast vom Leibe gerissen. „Lebst du oder bist du tot?" fragte der Träger, während ihn der andere hochzerrte.
Da schlug der Ohnmächtige die Augen auf, große,, strahlende Augen, und stöhnte, und ein neuer Blutstrom drang aus dem Munde. —
„Teufel, das Blut!" flüsterte der Träger. — „Schade um den Kerl! — Ein hübscher Junge! — Schuß in die Lunge, wie es scheint. — Da geht er drauf!"
'„Wir wollen ihn ins Schloß tragen, recht vorsichtig!"
Sie hoben ihn auf die Bahre und trugen ihn fort, und sie kamen an dem Wilden vorüber, der bis vor wenigen Minuten noch schrie und tobte und schimpfte. Aber der saß jetzt, an einen Baumstamm gelehnt, still da und preßte beide Hände in dumpfem Schmerz auf sein durchbohrtes. Knie, und als man die Bahre mit dem Jungen vorbeitrug, blickte der Wilde auf und rief: „O Werner, armer.Kerl, du siehst bös aus!"
„Kennst du den?"
„Es ist der Junker von Altenlohe, gehört von Rechts wegen in dies Schloß. — Tragt ihn hinein, vielleicht werfen ihn seine eigenen Verwandten wieder hinaus!"
Im Schloß sah es wüst aus.
In den Höfen, den Scheunen, den Ställen, im Park, überall lagen und hockten zerschossene, verstümmelte Krieger, stöhnten und starben Menschen. Die beiden Träger schafften den Junker Werner die Freitreppe hinauf. Auf dem Altan stand ein preußischer Offizier und wies die Träger zurück. „Richt ein Platz mehr ist im Schloß. Tragt ihn in die zweite Scheune da drüben, sie wird eben ausgerüumt!"
„Es ist der junge Herr dieses Schlosses, Junker von Altenlohe!"
Der Offizier salutierte und sagte: „Dann muß Platz geschafft werden. Im Seitenflügel find noch zwei Zimmer, die der Erbjunker von Altenlohe, also vermutlich der Bruder diefes da, bewohnt. Eins muß er noch räumen. — und im


