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Vermischtes.
0 u p arl e frangais! English spoken! Deutsches Land, deutsche Städte, deutsche Häuser gleichen großen Läden, an deren Tür die einladende Inschrift prangt: On parle framjais! English spoken! Denn es gibt kein Gebiet des Lebens, iuo wir nicht mit einer Fülle von französischen und englischen Ausdrücken beglückt sind oder, da wir dein Fortschritt huldigen, int Laufe der Zeit einmal beglückt werden. Wenn wir uns ein Haus bauen oder uns eine Wohnungseinrichtung erstehen, wenn wir in einem Gasthof übernachten oder uns in einer Wirtschast an Speise und Trank laben wollen, ivemt wir uns mit Kartenspiel oder Tanz die Zeit vertreiben, wenn wir uns a>t Bewegungsspielen erfreuen oder einem Rennen zuschauen wollen, ivemt wir uns Waren, sie ieicn welcher Art sie wollen, ztt kaufen wünschen, wenn wir uns unterhalten, oder eine Zeitung, einen Roman lesen — wir wären verloren, ivenn ivir nicht zum Glück von Jugend auf den ausländischen Geist eingesogen hätten, wie es sich für das „Reich der Mitte", für gute Deutsche geziemt. Aber übertreibe ich nicht doch? Es ist natürlich nicht möglich, auf begrenztem Raume mit Tausenden von derartigen Ausdrücken aufzuwarten, es würde auch nur ermüden; es genügt, wenn ich hier einige Proben deutscher Auslandsseligkeit gebe. Aus folgenden Teilen besteht das „deutsche" Haus: Souterrain, Entre-sol, Parterre, Etagen und Mansarde; unter den Piecen (Appartements) finden wir Entree, Salon, Boudoir und — Closet, in den Zimmern Jalousien, Rouleaus und Stores, Portieren, Chaiselongue, Fauteuil, Buffet, Trumeau, Lustre, Plafond, Parkett u. a. m. Ebenso ist es im Gasthofs- und Vergnügungswesen: Hotel und Dependance, Portier, Lift und Lift-boy, Saison, Reunion, Etabli-sement, Restaurant, Cafe, Chambre separee, Chat noir, Cabaret, Variete, American Bar usw. Schlimmer vielleicht noch steht es mit der Speisekarte; da bietet man lins an der Table d’höte, beim Diner und Souper als Menu oder ä la carte: Bouillon, Tourne-dos, Entre-cOte, Boeuf a la mode, Sardinen ä l’huile, Ragout fin en coquilles, Vol-au-vent, Omelette aus conti tures usw. u!w-, oder auf englisch: Irish stew, Ham and eggs, Ox-tail soup, Welsh rarebit, Natives, Mixed pickles — aber nun ist's wohl genug 1 Nur noch im Vorübergehen ein paar Allsdrücke aus dein Beruf be§ „Merchant- tailor" und Verwandtem: Smoking, Cutaway, Sweater, Cape, Sealskin, Skunk, Box-calf, Goodyear Welt, Homespun, Liberty it. v. a. Und wie aus diesen und anderen Gebieten das meiste französisch oder englisch benannt wird, so heißt es auf dem der Musik trotz Richard Wagner noch durchweg:_ Si parla italiano, auf dem des Zigarrenhandels : Se habla espanol! Doch genug, genug! Die Sache ist
ein hinhaltendes, fast ausschließlich von der Artillerie geführtes! ^^Jnzwischen macht sich aber der übermächtige Druck der Korbs Neu und Lauriston gegen den rechten Flügel der Verbündeten fühlbar. Schon gegen .11 Uhr befindet sich Barclay de Tolly in vollem Rückzüge, so daß das bereits tnt Rucken Blücher» liegende Preititz von der Division Souham genommen wird. Zwar wird das Dorf von einigen Bataillonen Blüchers und Kleists wiedererobert, doch müssen diese dem überlegenen Ansturm dreier Divisionen Neys nach einiger Zeit wieder weichen. tW gleichzeitig macht Soult gegen 1 Uhr einen ungestümen Angriff gegen das auf den Kreckwitzer Höhen stehende Korst» Blücher, wobei die württembergische Division Franguemont mit glanzender Bravour den Kopatschberg erstürmt. Zwar bleibt cher Weinberg und das Dorf Kreckwitz noch einige Zeit in preußischem Besitz, zumal Yorck von Litten her zur Unterstützung emgreift. doch nm 3 Uhr muß der tapfere Marschall Vorwärts zahnekmrfchend den in bewundernswerter Ordnung vor sich gehenoen mnckzng üuf Wurschen antreten. Auch die linke Flügel-Gruppe der Verbündeten unter Miloradotvitsch muß sich infolge eines trastigen Vorstoßes französischer Reserven gegen vier Uhr der allgemeinen rückgängigen Bewegung anschließen, wahrend in. der Mitte das Korps des Herzogs Eugen von Württemberg mit Hilfe einiger noch frischer Gardebataillone iwch eine Zeitlang ein zu scharfes Nachdrängen der Franzosen verhindert. Die überlegene Kavallerie der Verbündeten, die Erschöpfung der französischen Divisionen und die hüllenden Staubwolken eines orkanähnlichen Gewittersturmes machten dem zur Verfolgung unermüdlich anspornenden Napoleon ein Ausnutzen seines Sieges unmöglich.
Nicht eine einzige Fahne oder Standarte hatten die Franzosen während des zweitägigen Ringens erbeutet, nur ein einziges, nicht mehr fahrbares Geschütz vom Korps Kleist und einige wenige russische waren in die Hände des Siegers gefallen. „Was? Nach solchem Blutbad keüie Resultate? Keine Gefangenen? Diese Leute werden mir keinen Radnagel zurücklassen!" entführ es grimmig den Lippen des vom Ergebnis des Sieges enttäuschten Schlach.ten- meisters. Der Kamps hatte ihn etwa 24 000 Tote und Verwundete gekostet, darunter allein 13 Generale, sogar 800 Gefangene hatte der Gegner ihm abgenommen. Die Verluste der Verbündeten beliefen sich nur auf 11000 Mann, _ davon 7300 Russen und 3700 Preußen, lind der am 4. Juni bei Plüswitz im Kreise Stricgau abgeschlossene Waffenstillstand bezeugte die Achtung, die der sieggewohnte Napoleon sich von seinen knorrigen Gegnern Hatte abringen lassen.
trostlos, und am trostlosesten, daß Tausende, nein Millionen gar nicht wissen oder nicht wissen wollen, w i e trostlos sie ist. und ehe das deutsche Volk nicht einsieht, wie beschämend dieser Zustand ist, und wie recht die Fremden haben, wenn sie über soviel Selbstverleugnung den Kopf schütteln; ehe wir uns nicht aufraffen, kann -e§ auch nicht besser werden. Nun, ihr müßt wissen, was ihr tut, ich kann es nicht ändern; an meiner Tür aber bleibt geschrieben wie bisher (und ich wollte, viele machten es ebenso,: H i e r wird deutsch gesprochen. N. Palleske (Landeshut i. Schl.)
kk. König Eduard und die — Zwiebeln. Im Gegensatz zu der bekannten amerikanischen Milliardärin Hetty Green, die die Zwiebel als die heilsamste Nahrung für Körper und Geist bezeichnete, gehörte König Eduard zu denen, die das Geschenk der Mutter Erde mit glühendem Hasse verfolgen. Zwiebeln waren ihm ein Graus und in seinen, in diesen Tagen erscheinenden Erinnerungen an „König Eduard den Automobilisten" erzählt C. W. Stamper eine hübsche Zwiebelgeschichte, in deren Mittelpunkt der verstorbene König steht. Es war in Biarritz. Der König hatte gerade das Auiomobil zur Ausiahrt besohlen, als im letzten Augenblicke ein Lakai zu Mr. Stamper, dem Äutornobiliugenieur heranstürzt und ihn warnt, sich dem Könige zu nähern. Ueberrascht fragt Stamper nach dem Grunde. „Aber Sie haben doch heute Zwiebeln gegessen", war alles, was der Lakai noch in Eile hinzu» fügen konnte. Selbstverständlich befolgte Stamper den wohlgemeinten Rat und hielt sich immer in respektvoller Entfernung. Abends hörte er dann, was sich am Mittag ereignet hatte. Der König hatte dem Lakai geschellt. Dieser war ins Zimmer getreten. Ter König öffnet den Mund, um den Befehl zu erteilen, als er unter Stirnrunzeln plötzlich zu schnüffeln beginnt. „Sie haben Zwiebeln gegessen?!" herrschte er drauf beit Lakai an. „Nein, Majestät," stammelt dieser zaghaft. „Doch, Sie haben Zwiebeln gegessen. Ich weiß es.....Schicken Sie mir Mr. Hiley (den
Hofpostmeister) und Mr. Fehr (beit Hoikurier)." Der Lakai geht ab. Kurz baraus tritt der Hofpostmeister ein. Kaum ist er im Zimmer, als ber König den Bestürzten anschreit: „Hiley, Sie haben Zwiebeln gegessen." — „Nein", erwidert ber Postmeister und weicht instinktiv einige Schritte zurück. „Ich weiß, baß Sie es haben. Es ist einfach scheußlich." Während ber übrigen Unterredung hielt sich der Hoipostmeister in angemessener Entfernung. Dann kam der Hofkurier herein. Er blieb schon an der Türe stehen. Aber auch sein Zwiebelgeruch beleidigte die Geruchsnerven König Eduards sofort. „Ich will verfl .... sein, wenn Sie heute keine Zwiebeln gegessen haben." — „Ja, ja, ich glaube, der Koch muß wohl Zwiebeln in die Suppe getan haben," kommt es über die Lippen des zitternden Hofkuriers. — „Dann sagen Sie dem Koch, daß er nie mehr Zwiebeln in die Suppe tun soll." — „Jawohl, Majestät." — „Meine Diener sollen keine Zwiebeln essen. Es ist einfach ekelhaft," brummte ber König dann noch hinterher.
kk. Eine ärztliche Konsultation aus d e r S t r a ße. Der „Gil Blas" erzählt eine hübsche Geschichte von einem bekannten Lyoneser Arzte Augagneur, die übrigens ähnlich auch von einer noch lebenden deutschen medizinischen Größe berichtet wird. Dr. Augagneur wurde, wie so mancher Arzt, gern von knauserigen Patienten aus der Stiaße, in; Salon, im Theater oder in der Gesellschaft „gesprächsweise" konsultiert. Eine sparsame Dame, die von Natur mit einer gehörigen Portion Kühnheit ausgestattet war, trieb es besonders stark. Eines Tages trifft sie den Arzt auf der Straße. Sie stürzt aus ihn los. „Ach, verzeihen Sie, einen Augenblick, Herr Doktor! Einen Augenblick nur 1 Ich halte Sie wirklich nicht lauge aus. Nur um einen kleinen Rat bitte ich." „Ziehen Sie sich aus," unterbrach sie Dr. Augagneur mit ernster Miene und einladender Handbewegmig.
* Das Hindernis. Ein Jockei zum anbern: „Begreife nicht, wie dein Gaul heute ausbrechen konnte." — „Ha — wenn unser Gerichtsvollzieher . auf der Tribüne sitzt, der ih-n schon dreimal gepfändet hat?!"
* Ausrede. Herr (zum Hausierer): „Die Uhr, die Sie mir verkauften, ist miserabel! Zehn Stimden geht sie gut, dann bleibt sie stehen!" — Hausierer: „Na, wenn Sie zehn Stundest gehen, werden Sie auch a bisserl ausruh'n wollen!"
Magisches Tuadrak.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben BHEEIIKLLOOOOT Z Z derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Ein Naturprodukt.
2. Ein Musikinstrument.
3. Name aus der nordischen Mythologie.
4. Heilt ost die schwersten Wunden.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Wohl« —- Altötting — Silber — SSigi — Ijchtid — Eiche — Scberenberg — Erbten;
Das R i e s e n g e l> i rg e.
Siedaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gieß«»


