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Zwei Welten.

Roman von Emma Mer?«

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

r ' Grönberg bemerkte mit einem mitleidigen Lächeln, daß der neue Buchhalter stets den Hut, tiefer in die Stirn zog, wenn er ihm begegnete, und ihm nicht rasch genug ans dem Weg gehen konnte. Er wußte wohl, daß er der Maler ans München war und schämte sich vor einem Menschen ans seinem früheren Lebenskreise. Unter den Ausländern schien er sich dagegen ganz, behaglich zu fühlen.

Grönberg sah ihn einmal mit einem Franzosen Bil­lard spielen, was er meisterhaft gut konnte, dabei war ler so vergnügt, so eifrig bei der Sache, als habe er total vergessen, daß er ein Schiffbrüchiger sei.

So langsam auch die Zeit für den Wartenden vor- überschlich, einmal kam doch der Tag heran, an dem Marianne landen sollte.

Lange, lange vor der Stunde stand Grönberg schon laut Ufer, spähte mit dem Feldstecher nach dem Dampfer, grüßte das Ranchwölkchen, das am Horizont auftauchte, und sah mit klopfendem Herzen das Schiff näher und.näher heranranschen durch das wonnige Blau.

Aber er wagte nicht, der schönen Frau gleich am Steg gegenüberzutreten, ihr ein bewillkommnendes Wort zu sagen.

Er hatte ja nicht das Recht, als ihr Freund anfzu- treteu, nachdem sie bei ihrem letzten Zusammensein zür­nend und gekränkt von ihm gegangen war.

Vorn Fenster aus betrachtete er sie, blickte er auf ihr Uind. Mer süße, kleine Paul!

Paul war stehen geblieben, um halb ängstlich, halb' zärtlich einen kleinen schwarzen Pudel zu streicheln, der sich vor der Tür sonnte.

So konnte Grönberg Mariannes Gesicht grüßen, voü dem sie den Crepeschleier zurückgeschlagen hatte.

Es war ernst und blaß, aber es hatte nicht mehr den herben, bitteren Zug. Ein weiches Lächeln huschte um ihren Mund; trotz des düsteren Trauergewandes schien sie jünger, lebensfrischer, lebhafter.

dtun konnte er es sich nicht länger mehr versagen, ihr in die Augen zu blicken.

Er eilte mit raschen Schritten ans feinem Zimmer, hie Treppe hinab.

Er wußte nicht, wie er sie anreden sollte, er folgte nur seinem Gefühl, das ihn in ihre Nähe zog.

iJn dem breiten, hellen Flur des Hotels kamen sie sich entgegen.

Mehrere Gäste, die einen Ausflug machen wollten, Ab­reisende, Ankommende standen hier, mit ihrem Gepäck be­schäftigt.

Grönberg fand diese Umgebung höchst bestimmungslos für eine erste Ansprache. _

Er fürchtete auch wieder plötzlich, daß die Worte der Teilnahme, die er ihr fageit mußte, wie ein Glückwunsch klingen würden.

So zog er nur mit einer tiefen Verbeugung den Hut vor ihr ab und ließ sie vorüber.

Es entging ihm nicht, daß sie erschrack, als sie ihn erkannte, daß ihr ein rasches Rot in die Wangen stieg.

War es eine warme Erinnerung oder eine unwillige Regung?

In heißer Spannung rätselte er darüber nach, während er auf einer Bank im Hotelgarten auf das Glockenzeichen wartete, das zur Abendmahlzeit rief.

Nicht, daß es ihm in dieser Stunde um Essen und Trinken zu tun gewesen wäre; er hoffte nur, daß. er nun endlich zu ihr sprechen, ihre Hand drücken dürfe.

Zu seiner tiefen Enttäuschung erschien sie aber nicht int Speifesaal.

Als alle die gleichgültigen Menschen Platz genommen, 'nur die eine nicht, die er ersehnte, wendete er sich in seiner Ungeduld au die Wirtin und fragte, freilich so ruhig, als es ihm nur immer möglich war:

Wo haben Sie denn für Frau Flassan gedeckt?"

Die Frau Baronin speist auf ihrem Zimmer," gab Fran Stockmann ihm zur Antwort, wie ihm scheinen wollte, weniger freundlich und liebenswürdig im Ton als sonst.

Als er am nächsten Morgen zum Frühstück herunter- kam, trat die Wirtin auf ihn zu und reichte ihm ein Billett:

Das soll ich Ihnen mit höflichen Empfehlungen von der Fran. Baronin geben."

Sie .wollte kurz angebunden sein, aber die Redelust riß sie doch gegen ihren Willen fort.

Ja, denken Sie, heute ist die Frau Baronin schon wieder abgereist, auf ganz unbestimmte Zeit. Die Zimmer hat sie wohl beibehalten, sie will ja auch nicht, daß ich einen Schaden habe. Gott bewahre ! Aber es ist mir doch so leid. Gleich am Abend, wie sie angekommen ist, hat sie gesagt:Packen Sie nur nicht aus, Auguste. Ich werde nicht hier bleiben."

Grönberg hatte mittlerweile mit unruhigen Händen in einer grausamen Verstimmung das schwarzgeränderte Kuvert geöffnet.

Es enthielt nur wenige Zeilen:

'Sehr geehrter Herr!

.Da ich Sie zufällig hier im Hotel getroffen habe, möchte ich mir erlauben. Ihnen ,nitzuteilen, daß ich das Honorar für mein Porträt an Ihre Münchener Adresse schickte, und Ihnen zugleich noch meinen besten Dank zu sagen, für das schöne Bild, das allgemeine Anerkennung und Be- tottnberung fand.

Sen vorzüglicher Hochachtung

Marianne von Flassan."