Ausgabe 
19.4.1913
 
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&tu imitmen zu der Zeit natf« 1870. War wahrend der «ninzeil Seit von 1800 an in langsamem, Tempo gebaut worden, s können wir nun eine außerordentlich rasche Entwicklung beob- schten. In den drei Jahrzehnten von 18701900 sind wenig­stens 50 Wohnhäuser gebaut worden. Der Baustil bleibt tnt grossen und ganzen noch derselbe. Vielfach wird auch zu den Außenwänden Tannenholz genommen. Die Gefache werden letzt vielfach mit Stein ausgentauert. Das alte Flechtwerk kommt nach und nach nicht mehr zur Anwendung. Aber noch ist die Gestalt des Bauernhauses die alte: Die schmale Giebelseite der Straße zugekehrt, an der Langseite des Hauses die Eingangs­tür. Mit dieser beim hessischen Bauernhaus sehr alten Bauart wird erst aufgeräumt seit der Wende des Jahrhunderts, wenn auch schon vorher einigeVorboten einer neuen Zeit" dem Dorfbild seinen Charakter nahmen. *

Wir wollen nicht versäumeu, den Namen des Rodheimer Zinimermeisters zu erwähnen, der als letzter beimBauheben" einen Zimmerspruch von der First herunter zu sagen pflegte: Hell­wigs Kaspar, mit bürgerlichem Namen Friedrich Kaspar Koty. Er starb in beit achtziger Jahren.

Seit 1870 wurde vor allem die Straße nach Gießen aus­gebaut, bis 1873 war auf der einen Seite die alte Schule das letzte Haus. Ferner die linke Seite der Schäfers Hohl, die Erbsengasse und die Linseugasse.

Seit rund 1900 ist die Baugeschichte Rodheims in ein neues Stadium getreten, das einen Abschluß, noch nicht erreicht hat. Es bedeutet leider Gottes das vollständige Aufhören jedes Geschmacks und vor allen Dingen jeder heimischen Bauweise. Wer sich beispielsweise Neu-Rodheim am Vetzberger und Krof- dorfer Weg betrachtet, der sieht dort die herrlichsten Früchte neuzeitlicher Geschmacksverirrung. Von dieser jüngsten Vergangen­heit wollen wir deshalb schweigen; auch diese Entwicklung hat ihre Begründung und ihre Berechtigung; die näheren Gründe ».vollen nur nicht erörtern. Nur aus ein Hans möchte ich Hin­weisen, das den Rodheimern neue Bahnen für dörfliche, hei- mifche Bauweise weisen kann: Das Haus, des Landwirts Fried­rich Weber au der Froschbach. Es ist ein prächtiges neuzeitliches Bauernhaus. Und eins hat mir große Freude gemacht: Durch das völlige Verschwinden des Fachwerkbaues drohte auch die Sitte unterzugehen, die weißen Gefächor mit Sprüchen zu ver­zieren. Weber hat eine originelle Lösung gefunden^ die Nach- ahinung verdient: Er läßt die Gedichte auf die Fensterläden nialen.

Und nun einige Winke zur E r h a l t u n g und Er­neuerung alten Bau gut es! Wir wiesen schon darauf hin, daß das Rodheimer Bauernhaus im Gegensatz zu anderen Gegenden ein schmuckloses Haus ist. Um so wertvoller sind uns die' schönen alten Gebäude, die noch erhalten sind. Das sind eilte ganze Anzahl. Aber sie kranken alle unter einem schweren Leiden, das aber nicht unheilbar ist: Ihre Schönheit und ihre Eigenart ist ihnen genommen durch den eintönigen gräßlichen Verputz. Man muß, wie anderwärts, so auch in Rodheim seit 1870 eilte wahre Wut gehabt haben, alles Fachwerk über Holz zu ziehen. Der Weißbinder, der heute noch einen Fachwerlbau verputzt, begeht eine Todsünde an der Schönheit des Dvrsbildes. Man sollte im Gegenteil die Bewegung möglichst begünstigen, die sich hier in Hessen vielfach geltend macht: Man lege das Holzfachwerk wieder frei! In Hessen stehen für diesen Zweck staatliche Mittel bereit; ob das freilich int Hinterlandkreife auch schon der Fall ist, ist eine andere Frage. Sicher ist eins: in Rodheim ruht manch schönes Fachwerk mit schöner Schnitzerei unter einer häßlichen Verputzschicht verborgen. Von einigen weiß ich's ganz bestimmt. Da ist vor allen Dingen Kaspar Storks Haus. Es wäre eine prächtige Zierde für den Rathausplatz, wäre dieses Haus vom Verputz befreit. Die Eckpfosten sind kunstvoll geschnitzt, wie an einem nach der Kirche zu zu sehen ist. Schöne Schnitzereien enthalten desgleichen die Häuser von Andreas Steinmüller und Hirsch Rosenbaum.

Wenn das Dorfbild Rodheims eilten ländlichen Charakter wieder erhalten soll, müßten etwa folgende Gebäude von der Ver­putzschicht befreit werden:*) Die Post, Ludwig Kraus köpf, Christian Strackbein I., Karl Becker, die Schmiede von Karl Bender, weuigsteits das Obergeschoß der Vorderseite, Chri­stian Platts Wwe., Mühlbach, Georg Philipp Gerlach (des vorigen Nachbarhaus), Karl Schlierbach (neben Mauks Wirt­schaft). Bei diesem Haus ist die Erbauungsinschrift über der Haustüre durch den Bewurf verdeckt, ebenso bei Konrad Jungs Wohnhaus, sonst einem schönen Fachwerkbau, und am alten Backhaus, ferner die Häuser von: Hermann Rosenbaum, Georg Peppler, Ludwig Gerlach (Manergekabsn Kaspar Stark, Koh. Georg Wagner, Andreas Stein­müller, Hirsch Rosenbaum, die Wirtschaft von Heinrich Pansch. An letzteres Haus denke ich, weil dadurch in die Straße von Gießen her ein viel mehr ländlicher Charakter käme. Das ist eine wirklich bescheidene Auslese der älteren Häuser, die als

*) Die, auf die es mir besonders attkommt, sind gesperrt ge­druckt.

Fachwerkbanken dem Straßeubild in jedem Fall eine ungemein« Belebung verschaffen würden. Der Gemeinde Rodheim kamt man den Rat geben, das alte Backhaus schon um der Inschrift willen (s. oben) und das alte Rathaus (Oberstock) freizulegen.

Wenn ich auch befürchte, daß in absehbarer Zeit keines der genannten Gebäude in ursprünglicher Schönheit wieder herge­stellt wird, so ist doch durch den vorstehenden Aufsatz hie und da einiges Interesse geweckt worden, für die. Bauperiode vergan­gener Zeit, für ihre Bauart und vielleicht auch etwas Freude an dem noch erhaltenen alten Rodheimer Haus.

Doch die letztere Erwartung wird wohl Erwartung bleiben ll

Vsr'mrschte».

kk. u e b e r O r ch i d e e N a l s Z i m m e r p f l a N z e N finbeit wir in den letzten Heilen des Kosmos, Handweisers für Naturfreunde, einen Aufsatz aus der Feder von Max Heßdörffer, der mit prächtigen Abbildungen geschmückt ist und dem wir folgendes entnehmen: Tie Orchideen eignen sich als Liebhaberblumen nicht nur iür die oberen Zehntauseiid, die eigene Treibhäuser für deren Zucht haben, sondern auch als gute Zimmerpflanzen für den einfachen Haushalt; sie sind aber empfindlich gegen die trockene, staubige Zimmerluft, gegen Zug und starke Tempernturschwankungen. Deshalb muß mau sie in besonderen Treibhäuschen pflegen, deren richtige Stel­lung zur Sonne stets von Wichtigkeit bleibt. Besonders hohe Tem- peratnr verlangen nur wenige Arten und diese kommen für Zinuner- gärtnerei nicht in Frage. Es dreht sich alles um die Erhallung einer gleichmäßigen Temperatur von 12 bis 150 C int Jahres­durchschnitt bei feuchter Lust, erzielt durch seucht zu haltenden Sand auf dem Boden des Treibhäuschens und durch Ucbersprühen der Pflanze mit dem Zerstäuber, wodurch auch das Ungeziefer fern­gehalten wird. Die Stelle des Zintmerlreibhanses kann auch ein verbreitertes Doppelfenster vertreten, das man bei strenger Kälte tut Notfälle durch einen tvinzigeu Petrolenmheizapparat erivärmen kann. Auf diesen setzt man ein flaches, mit Wasser gefülltes Ge­fäß. Durch die während der Heizung einsetzende Wasserverdnnstung wird die nötige Luftfeuchtigkeit erzeugt. Aller Anfang ist schwer, deshalb beginnt der angehende Lrchideenzüchter nicht mit seltenen und kostbaren Wirten, sondern mit den anspruchslosen Handcls- pflanzen, unter denen die Venttsschuhorchideen, verschiedette Odonto- giossnm, Lycaste, Oncidium und Dendröbintn an erster stelle zu nennen wären. Das Pflanzenmaterial, das man in Gefäße ans Rinde und Holzkästen, mitunter aber auch die Farn- und sonstigcn Stammstücke gibt, besteht in der Siegel aus Wnrzeliasern eines Tüpfelfarnes (Polypodium), gemischt mit halbverrotteteni Buchen­laub und zerschnittenem weißen Sumpfmoos (Sphagnum). Es ist bei allen Orchideen selbstverständlich zwischen Wachstums- und Ruheveriode zu unterscheiden. Tie Ruhezeit muß durch entsprechen­des Trockenerhalten des Pflanzenmaterials beobachtet werden. Die Entivicllung der Blütenknospen zeigt in der Siegels das Ende der Ruheperiode an. Auf die Blüte folgt der junge Trieb, d. h. die eigentliche Wachstumsperiode, und nachdem dieser entwickelt und abgeschlossen ist, tritt wieder die Ruhezeit ein.

UonigZproRsnads.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß mau wie der König auf dem Schach­brett stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.

Auslösung in nächster Nummer.

erst

magst

die

du

zwei

aus

not

ge- wännst

dll

spir [erb

gen

kranz

rasch

welkt

in

der

dir

zeigen

wer

schwer!

ein

ver-

kannst

was

-

Und

ne

du

das

pelt

dop

du

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dir

bist

lau

fest

dop

gürte

das

glück

lose

(rüden

nisch

hebe

ftirne

pelt

die

den

dir

kehtt

die

kühn

Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Sei hochbeieligt oder leide:

Das Herz bedarf ein zweites Herz; Geteilte Freud' ist doppelt Freude, Geteilter Schmerz ist halber Cclnuerz!

Pebaftion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen