Ausgabe 
19.3.1913
 
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ffrsurnliebe.

Roman von Horst B o d e m e r.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Da trat Hans-Wilhelm ein; man empfing ihn mit Htzllo. Er schüttelte den Herren die Hand; die einfache Jagd- joppe, die hohen Stiefel, ließen ihn noch größer und breiter erscheinen, als er ohnehin schon war.

Wie bekommt dir denn das Feilschen um die lieben Schweinchen?" fragte Jochem Düssedau.

Das versteht der alte Drewel viel besser als ich. Ich seh' zu und lerne."

Da polterte Püschkow, der schon recht tief ins Glas gesehen, los.

Früher kam einem die Bande wenigstens auf den Hof; heute heißt's hübsch selber auf den Markt fahren und sich anöden lassen, sonst kann man überhaupt nichts mehr los werden. Und das Mafsenangebot drückt auf die Kreise."

Und nun ging die Schimpferei erst los. Auf die Leute könne man sich nicht mehr verlassen, Treu und Glauben sei unter die Räder geraten. Jeder hatte einen besonderen Fall auf Lager.

Han-Wilhelm schob seine langen Beine unter den Tisch und steckte die Hänoe in die Hosentaschen. Aufmerksam hörte er zu. Was würden die Herren wohl sagen, wenn er ihnen erzählte, wie der alte Drewel für ihn eingesprungen svär? Aber er hielt den Mund! und schämte sich. Eva hatte sich notiert, wieviel der Oberinspektor zu seinem Monatswechsel beigesteuert hatte, und da waren über fünf­zehnhundert Mark zusammengekommen ein Ver­mögen für den ehentaligen Hütejungen. Natürlich hatte Wilhelm alles zuzüglich Zinsen zurückgezahlt.

Graf Nelendorfs betrat das Zimmer Püschkow war bereits ziemlich blau, er saß bereits schon vor der dritten Flasche, auch einige Schnäpse hatten schon den Weg durch seine Kehle gefunden.

Ach, der angehende Großpapa!"

Hans-Wilhelm wurde sehr verlegen. Er sprang auf und begrüßte seinen Schwiegervater mit einer Verbeugung. Düsedau markierte geschäftig den Kellner, er trug einen Stuhl herbei. *

Bitte, Herr Graf, wenn Ihr Schwiegersohn die langen Knochen ein wenig einzieht, haben Sie ihm gerade gegen­über einen wundervollen Platz."

Ruhig erwiderte der Graf:Ich danke sehr."

Er setzte sich, bestellte eine halbe Flasche Mosel und ein paar Eier.

Püschkow schielte zu ihm hinüber. Relendorff war weit Und breit der reichste Mann und machte die kleinste Zeche. Wlle sahen auf ihn und Mvreth. So etwas gab> es doch in dieser kleinen Ecke der Welt nicht alle Tage, daß sich

Schwiegervater und Schwiegersohn gegenübersaßen wi« Holzklötze.

Düsedau rief:

'Nun sind wir so ziemlich alle zusammen; draußen regnet es Sackstrippen, wie wäre es, mein lieber Hans- Wilhelm, du benutztest diese Gelegenheit und gäbst eins kleine Antrittsbowle, so Burgunder mit Sekt das macht nicht zu viel Arbeit?"

Leider habe ich kein Geld! dazu," erwiderte er ruhig.

Herr Graf, treten Sie mal Ihren neugebackenen Schwiegersohn!" meinte Püschkow.

Relendorff aber hatte für diese beiden Brüder gar nichts übrig.

Meine Herren, solange Sie fortgesetzt und ich gebe zu mit Recht über die Rot der Landwirtschaft klagen, wird es das beste sein, jeder streckt sich nach seiner eigenen Decke." f

Düsedau wurde spöttisch. Er sang mit dröhnender Stimme:

Der alte Brauch wird nicht gebrochen.

Hier können Familien Kaffee kochen!"

Ein allgemeines Lachen des ganzen Stammtisches war die Antwort.

Sobald Graf Relendorff fertig war mit dem früh­stücken, brach er auf; wenn Hans-Wilhelm Düssedau in die Hände fiel war er bald geliefert, die verstanden es mit Hohn und Spott denen die Köpfe zu verdrehen, die nicht ganz fest in ihren Stiefeln standen.

Auch Hans-Wilhelm empfahl sich bald.

Ja, ja, Gräfin Braut ist ein Magnet!"

Gewiße Düsedau, das ist sie", erwiderte er ruhig.

Draußen sprach er mit Drewel.

Sperr Oberleutnant, verkaufen wir die Säuen lieber noch nicht!"

Drewel, wir müssen doch!"

I Gott bewahre, die Preise werden iveiter anziehen, und die Hypotherenzinsen haben wir ja bezahlt."

Aber die Ställe müssen ausgebessert werden."

Auch dazu langt's; wir kommen weit mit der Summe, die der Herr Oberleutnant mit nach Hanse gebracht haben."

Da wendete sich Hans-Wilhelm ab. Zum ersten Male schämte er sich dieses Geldes. Aber es war da, und ver­spielt hatte er wahrlich viel mehr, als er zurückgeholt. Das war ein schwacher Trost für ihn.

Ganz wie Sie denken Drewel. Mer machen Sie mir später keine Vorwürfe.

Der ehrlichen Haut gibt's einen Stich ins Herz. Sein Lebtag hat er seinem Herrn keine Vorwürfe gemacht, ob­gleich Grund genug vorhanden war. Aber dann geht ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht. Aus dem leichtsin­nigen Offizier wär jetzt doch eüt ernster Mann geworden.,

Kaum hatte Hans-Wilhelm die Tür von draußen ge­schlossen, drehte sich das Gespräch nm seine Person. Man