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Mittwoch, den 19. Februar
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Don Frühling ju Frühling.
Roman von Erich Eb en stein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
XVIII.
'Das Testament, Meiches Fran Bettina kurz vor ihrem ' Ove gemacht hatte und dessen Bestimmungen selbst Bürger unbekannt waren, enthielt seltsame Bedingungen.
-S-dltsain wenigstens für die Welt, welche bar in nichts «13 die Eifersucht der Mutter gegen den Nachfolger ihres Sohnes erblickte.
Meta ivar zur Universalerbin ernannt, jedoch mit der Bedingung, daß sie vor Antritt der Erbschaft von ihrem zweiten Manne völlig rechtskräftig geschieden sei.
Sie hatte nicht den mindesten Anspruch auf einen, wenn auch noch so unbedeutenden Teil des Nachlasses, solange sie den Namen Montelli trug.
Hermin-enruhe und die Villa „Pax" sollten geschlossen werden, bis die Erbin in der Lage sei, weiter darüber zu bestimmen. Konradcheir erhielt ein Legat, ebenso die gesamte Dienerschaft. Lorinfer und Frau Lott sollten außerdem auf Lebenszeit ihren bisherigen Lohn als Rente weiter beziehen.
Wenn Meta binnen Jahresfrist nicht von ihrem Manne geschieden sei, falle der gesamte Nachlaß Frau Bettinas an ihren Enkel Konrad.
Zum Testamentsvollstrecker ivar Konrads Vormund und Vermögensverwalter, der Rechtsanwalt Doktor Tanner, ernannt, welcher durch private Weisungen außerdem genau mit dem Willen der Verstorbenen bekannt gemacht sei.
Meta kannte den Rechtsanwalt kaum. Der nach Peter- manns Tod ursprünglich als Vormund eingesetzt« Doktor Melden war vor einem Jahre gestorben und mit seinem Nachfolger hatte Meta bisher immer nur schriftlich verkehrt.
Sie ivußte mir, daß er seit langen Jahren Frau Bettinas Vertrauen genoß und von ihr in allen wichtigen Dingen zu Rate gezogen wurde.
Er war ein schweigsamer alter Herr, etwas trocken und sehr förmlich. Am Tage der Beerdigung noch setzte er Meta höflich davon in Kenntnis, daß die Villa nun amtlich geschlossen werden müsse, er sie deshalb leider bitten müsse, ihre Abreise zu beschleunigen.
Sie kam sich vor wie auf die Straße geworfen. Wohin sollte sie denn? Das konnte unmöglich Mamas Wille gewesen sein?
Der Rechtsanwalt zuckte bedauernd dir Achseln,
„Es War. sogar Frau Petermanns ausdrücklicher Wunsch. Wenn ich mir erlauben dürfte, meine Meinung auszusprechen, so ginge sie dahin, daß Frau Petermanu dadurch Herrn von Montelli leichter bewegen zu können glaubte,
in die Scheidung zu willigen. Ich nehme an, daß gnädigtz Frau selbst dazu entschlossen sind?"
„Ja," antwortete Meta matt. „Aber wie? Er weigert sich doch. . ."
„Das wäre fatal, denn soweit ich durch Frau Peter- manu eingewetht bin, käme als Scheidungsgrund nur unwiderstehliche Abneigung beider Teile gegeneinander in Frage. Oder gibt es vielleicht sonst irgendeinen Um stand/den gnädige Frau gegen Ihren Gatten geltend machen könnten?"
Meta errötete und senkte den Kopf.
„Nein."
„Dann werden Sie also alt Ihre Macht aufbieteni müssen, um ihn auf gütlichem Wege zur Einwilligung in die Scheidung zu bewegen. 'Die Testamentsbestimmungen, welche Sie selbst vorläufig völlig mittellos machen, werden dabei Ihre beste Unterstützung sein. Ich muß Sie glerchz>eitig daran erinnern, gnädige Frau, daß Ihre Rente auf fast ein Jahr hinaus vorausbezahlt würde."
„Ich weiß es."
Nachdem der Rechtsanwalt sich empfohlen hatte, blieb Meta in dumpfer Betäubung am Fenster sitzen.
Wie peinlich und demütigend das alles war! Eine Bettlerin. . .
Montelli trat ein. Er hatte im Nebenzimmer die ganze Unterredung mit angehört und bebte förmlich vor Wut.
„Du bist also tatsächlich entschlossen, mich für alle Zeit abzuschütteln?" sagte er heiser.
„Konntest du vielleicht etwas anderes erwarten ?"
„Nun — es gibt vielleicht. Frauen, die trotzdem anders handeln würden 1 . . edler . . . selbstloser. Verzeihen Wunen ist das höchste Vorrecht des Weibes. Freilich, bei dir liegt die Sache so, daß du eine reiche Frau wirst ohne mich . . . schließlich kann man es dir ja nicht verdenken, wenn du auf deinen Vorteil bedacht bist. Es ist nur die: Frage, ob ich so selbstlos bin, da mitzutun."
Meta antwortete nicht. In ihr war nach all den Aufregungen eine grenzenlose Gleichgültigkeit eingetreten, di« sie unempfindlich machte gegen alles.
Sie ivar zu müde, um zu empören, zu müde, um zu denken.
Montelli blieb vor ihr stehen und blickte höhnisch auf sie herab.
„Uebrigens wirst du vorläufig wohl den gemeinschaftlichen Haushalt noch aufnehmen müssen und froh fern, wenn ich dir ein Dach anbiete. Dieser famose alte Herr hat dich ja hier einfach hinauAgewvrfen! Ich habe seoben mit Lena gesprochen. Ein Kinderfränlein können Wir uns freilich nun nicht mehr leisten. Deshalb' habe ich sie entlassen."
Meta hob den Kopf.
„Lena entlassen?" wiederholte sie mechanisch, als begreife sie nicht recht.


