Ausgabe 
18.12.1913
 
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da Buni, Dürer und Rembrandt vervollsbändigen die Liste der namhaften Künstler dieses Verlags, zn denen neuerdings noch Franz Hein mit prächtigen Märchenbildern getreten ift. -h.

Panl Lindaus R vmane n n d Novellen sind in einer von Paul Telemann hübsch illustrierten Ausgabe von 10 Bänden in der Schlesischen Verlagsanstalt (vorni. Schottländer) erschienen. Es sind flüssig geschriebene Unterhaltungsblätter ge­diegenster Art, von denen inan wohl sagen kann, das; sie Werke einer sympathischen Volkskunst sind. Immer trifft Lindau einen angenehmen, charaktervollen Ton, und so bunt und wechselreich die Wett ist, die er in flotten Zügen schildert, so halten wir uns doch in allen spannenden Verstrickungen, in der Darstellung auch der mannigfaltigsteil Menschenblüten immer an die hohe Warte, voll der aus der Verfasser erzählt. Gleich der erste Roman des ersten BandesHerr u>ld Frau Baiver" zeigt >eus, daß Paul Lindau das Lebeil ailch in deil unteren Winkeln kennt: wir blicken in Schau- spielerkreise niederer Klasse, in ein Herz- und geistloses Getriebe sogenannterKünstler", und daneben spielt sich doch der Herzens- roinan eines Mannes ab, der zwar flüchtigen Impulsen gehorcht, dessen Mangel an Wirklichkeitssinn aber ausgeglichen ivird durch ein höher strebendes Herz nitb eine unverderbte Seele. Wie dieser Typus eines Germanen, voll Optimismus, unbesonnen sich in die Ehe mit einer hübschen, aber geist- und bildungslosen Brettlkünst- lerin stürzt, die ihm zwar nicht betrügt, aber später auch nicht mehr zu fesselir vermag, wie er langsam ans feinen Träumen erwacht und die Ehe wieder löst, das alles wird in vielen Einzel - heiten flott 1111b stets unterhaltend dargestellt.In der Droschke zweiter Klasse", die darauf folgende^Novelle dieses Bandes, handelt ebenfalls von einer Bühnenkünstlerin solcher Gattung, der in sehr gemütvoller Schilderung einer nächtlichen Droschkenfahrt durch prangenden Frühling das Wesen ihres Vaters, der ein armer Droschkenkutscher geblieben ist, gegenüber gestellt wird. So wechseln große, fesselnde Romans mit packenden Novellen und flotten und launigen Skizzen, und es ist ein Vorzug dieser Werke, das; sie keinen hohen Grad geistiger Anstrengung erfordern und doch ge­haltvollen Inhalt bieten. Au größeren Romanen Paul Lindaus sind zu nennen:Majo",Die Gehilfin",Hängendes Moos", Der Agent". Da Lindau auch in reichem Maße über Humor und Ironie verfügt, sind seine literarischen Erzeugnisse, wie sie hier in schnnicken Hündchen und guter Ausstattung vorliegeu, sehr zn empfehlen. t-.

Eine ganze Fülle von B e s ch ä f t i g u n g s s p i e- len hat der bekannte Verlag von R. Maier in Ravens- burg herausgebracht, auf den wir ja auch während des Jahres mehrfach zu sprechen kamen. In einer ganzen Reihe von billigen Bändchen finden handfertige Kinder fachmännische Anleitung und Belehrung zur Herstellung von allerhand Dingen, unter denen naturgemäß die Spielzeuge obenan stehen. Besonders wertvoll sind dabei die beigegebenen Schnittbogen, nach denen sich nitW nur bewegliche Tiere, Puppenmöbel, Städte aus Streichholzschach­teln nsw. anfertigen lassen, sondern auch fahrbare Kraftwagen) flugfähige 'Flugmaschinen, photographische Apparate, Segelschiffe, Dampfboote, Schneeschuhe, Lenkschlitten und bergt Von bett Unter­haltungsspielen ist besonders reizvoll das K ü n st l e r g u a r t e t t mit Bildern unserer besten Maler, sowie das Kinderliederguartett. Auch die Malbücher, Modellierbogen, Schattenbilder und Bilder­bücher des Berlages sind sehr empfehlenswert.

Reizende U n t e r h-al t u n g s s p i e l e bringt der rühmlich bekannte Vertag von Jos. Scholz in Mainz auf den Weihnachtsmarkt. Künstlerisch, gediegen und billig, wie alle Ver­öffentlichungen dieses alten, an der Spitze der deutschen Kinder- literatnr stehenden Verlages sind auch diese Spiele, vorwiegend Quartettspiele. In sehr feiner und sorgfältiger Ausführung finden sich da Schiller-Quartett, Schnipp-Schnapp, To von speak english? und, vieles andere. Auch eine stattliche Reihe von Würfelspielen, die ja zu den beliebtesten Gesellschaftsspielen gehören und manchen langen Winterabend angenehm vertreiben, hat der Verlag heraus- gebracht. Besonders unterhaltend ist die Reise ins Ries e n- ge birg e, aber auch die übrigen sind einer besonderen Empfehlung wert, lieber die zahlreichen neuen Bilderbücher des Verlags haben wir bereits früher berichtet. -h.

, M c m 0 i r e n d e r Marquise von N a d a i l l a c (Herzogin von EScars). .Herausgegeben von ihrem Urenkel Oberst von Nadaillae. Deutsche Bearbeitung von E. von Kraatz. Mit acht Porträten. Buchschmuck von Alfred Busch. (Verlag von George Westermann, Braunschweig und Berlin.) In elegantem Leinenband Z Mk., in Halbfranz 7 Mk. Wer die Memoiren der Herzogin von Escars zur Hand nimmt, ivird bald empfinden, das; hier eine starke und feurige Natur das Wort ühfrt. Es ist interessant, zu beobachten, wie sich die großen weltgeschichtlichen Ereignisse und des uapoleo- »ische» Zeitalters in der Seele dieser glühend begeisterten Ultra- Royalistin widerspiegeln. Allerdings kann man es dieser grande dame, des ancien rsgime nachfühlen, das; sie dieser ihr so neuen und fremden Welt nur Abscheu entgegenzubringen bat. Ans der Heimat verbannt, eines großen Vermögens beraubt, irrt sie narb den ersten sorglosen und leichtsinnigen Emigrationstagen in Aachen und Mainz Ivie ein vom Sturm getriebenes Blatt in Europa um her. In England verliert sie ihren Gatten und mit ihm den letzten Halt für sich und ihre Kinder, und sagt selbst, das; eseiner der

glücklichsten Momente ihres Lebens" gewesen sei, als der groß- mutige Friedrich Wilhelm II. von Preußen ihr 1000 Franken feitbet. Der gutmütige Monarch wird ihr väterlicher Freund. Nach dessen sode erregt ihre glühend royalistische Gesinnung den Zorn nnd^ Argwohn deSTyrannen Bnonaparte", und sie wird nach der St. Marguerite-Insel verbannt. Später kvmntt die Mar­quise an den Hof Ludwigs XVIII., wo sie und ihr zum Herzog ex» hobeuer Gatte den wohlverdienten Lohn treuer, aufopfernder Hin­gebung an ihren König ernten.

Kur Sammlung der G e i st e r. Bon Geheimrat Prof. Dc. Rudolf En cke n. 159 Seiten. In Originalleinenband 3,60 Mk. Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig. 1913. Wie Fichtes Reden an die deutsche Nation ein Weckruf waren zu sittlicher Wiedergeburt und Erneuernng, so wendet sich dieses neueste Werk des Jenaer Philosophen an jeden Deutschen. Es ist eilt Buch der Sammlung, eine Mahnung zur inneren Einkehr. Blicken wir 100 Jahre zurück, so erkennen wir mit Stolz, welche Entwicklung Deutschland auf politischem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiet seitdem zurückgelegt, hat. Aber so glänzend diese Macht- entfaltuug, so groß die Erfolge von Industrie und Technik auch sein mögen, aus geistigem Gebiete herrscht heute Unsicherheit und Zwiespalt. In dieser Zerklüftung des deutschen Geisteslebens sieht Encken eine schwere Gefahr für tue Zukunft, sie zu überwinden die Lebensaufgabe der Nation.

Richard Serait, Ewiger Durst. Ein Frauenschicksal. Roman. Mit handkoloriertem Umschlag von A. Wölfle. Preis geh. 2Mk., geb. 6,uOM. Axel Juncker, Verlag, Berlin. Dieses neue Werk von Rich. Sexau zeigt des Dichters voll entwickelte Kraft. Rein literarische Werte, die Plastik und Feinheit eines persön­lichen Stils, der Vie Sprache wie ein Miisikinstrnment handhabt, architektonisch zielbewusster Ausbau, psychologische Tiefe und Kennt­nis menschlichen Herzens vereinigen sich mit einer atemlos den Leser bannenden Spannung der dramatisch bewegten Handluug. Das Leben einer irrenden Frau zieht an uus vorüber, die nicht vermag, sich zur Entsagung durchzuringe«, die als Künstlerin tote als duldendes, in den Ausbrüchen ihrer elementaren Erbgebunden- heit toie im rätselvoll irrelichtierenden Spiel ihres Geistes und Seelenlebens uns fasziniert und erschüttert. Landschaftliche Bilder aus der Mark und Oberbayern, aus Italien und von der asrika- nischen Küste lragen zn den Reizen der Handlung bei.

Beethoven. Von Prof. Dr. Henn. Frech. von der Pfordten. 2. Auslage, 6. -10. Tausend. 146 Seiten mit 1 Porträt von Pros. Stuck. (Wissenichaft und Bildung, Bd. 17). In Originalleinenband 1,25 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig, 1913. Mit seltenem Geschick ist es dem Verfasser ge­lungen, in knappem Rahmen ein abgerundetes Bild von Beetho­vens menschlichen und künstlerischen Eigenschaften zn zeichnen, das ohne die üblichen Phrasen einer überspannten Künstlervergötternng, getragen ivird von einer echten und tiefen Beethovenbegeisternng, den Beschauer fesselt und innerlich für den großen Meister ge­winnt. Seine Auffassung ist durchaus originell und mit über- zengettder Logik kämpft er gegen die Nichtigkeit und Hohlheit mancher loeit verbreiteter Urteile. Neben einer vollendeten Cha­rakteristik der kraftvollen Persönlichkeit Beethovens geht eine fein­sinnige Würdignng der Sonaten nitb Kammermusik, ber Sympho­nien, der Oper Fidelio n. a. einher. Gan; besonders eingehend ist die miss« solemnis besprochen.

Schach-Aufgabe.

Von N. Sarvotsch.

Schwarz.

abede fgh

a b c d e f g h

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8

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3

Weist.

Weist !ei;t mit dem zweiten Zuge Matt. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Loaogrtvbs tu voriger Nummer: 9( u ft e r, M u sl e v.

Redaktion: K. Neurath. SRotatioiiebrucI und Verlag der Brühl'icheu Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lauge.