512
Tas deutsche Korporationswesen ist in England unbekannt. Etwas ähnliches sind die „Colleges". Sie sind oft herrliche Gebäude, mit ihren eigenen Kirchen, prachtvollen Garten und Sport- plätzen. Unter «nein Jahre wird man in ein „College" nicht ausgenommen. Auch sind die Kosten bedeutend höher als in Deutschland. Für den deutschen Studenten ist es ratsam, sich bei den „Non-Collegiate-Students" immatrikulieren zu lassen. Die Gebühren 'für Immatrikulation, Vorlesungen nsw. betragen rund 240 Mk. pro ersten „Derm". Die späteren „Terms" sind billiger, da dann die Jmmatrikulationsgebühr wegfillt. Das akademische Jahr besteht aus 4 „Terms": dem „Michaelmasterm" vom 10. Oktober bis 17. Dezember, dem „tzilaryterm" vom 14. Januar bis zum Samstag vor Palmsonntag, dem „Easterterm" vom' 22. Äpril bis 5. Mai und dem „Trinityterm" vom 6. Mai bis 9. Juni. Die beiden ersteren dauern je 8 Wochen, die beiden letzteren je 4; sie werden jedoch für die Gebühren als ein „ternt" gerechnet.
Nach der Immatrikulation erhält man den „academical dreß", bestehend au§' „cap and gonm". !Tas erstere ist eine Kopfbe- dechung, die oben durch eine viereckige Platte äbgedeckt wird, in deren Mitte sich eine Quaste befindet: das „gown" ist ein Halblanger schwarzer ärmelloser Ueberwnrf. Diesen „dreß tragt der englische Student, wenn er zu den .Vorlesungen geht vder wenn er abends nach 9 Uhr außer dem Hause ist.
Der „Undergraduate" darf nicht wohnen, wo es ihm beliebt^ Falls er nicht in seinem „College" Wohnt, muß er in einem „liceused House" wohnen. Die Häuser unterstehen der Aufsicht der Universität und werden von den „Proctoren", einer Art „Universitätsschutzleute", überwacht. Die Proctoren üben überhaupt die Aufsicht über das Betragen der Studenten aus. Sre melden Verstöße gegen die Regeln bei dem Vorsitzenden (Head) des Colleges, zu dem der ertappte Missetäter gehört, der ihn mit Geldstrafen belegt. Die Hauswirte müssen die Haustüre um 10 Uhr schließen. Wer nach dieser Stunde nach Hause kommt, wird vom Hauswirt in das „gate-book" eingetragen, das dieser allwöchentlich dem Proctor vorlegt. Auf dem Zn-spät-nach-Hause-kommen ruhen Gell'strafen und Mar: nach 11 Uhr 50 Pfg., nach Vs 12 Uhr 2,50 M'k, nach 12 Uhr 5 Mk. Wer ohne besondere Erlaubnis sich weiter als 15 englische Meilen aus Oxford entfernt, wird mrt 20 M'k. Geldstrafe bestraft (falls der „Proctor" ihn erwischt). Diese Strafen werden vom „Caution Money" abgezogen und der Rest wird bei der Exmatrikulation z-urückbezahlt. Das' „Caution- money" beträgt L 2 -- 40 Mk.
Einen großen, ja fast den größeren Teil feiner Zeit widmet der englische Student dein Sport. Fußball, Kricket, Tennis, Golf Ünd Rudern erscheinen ihm — wenigstens in der ersten.Zeit — wichtiger als Chamer und Shakespeare! Und wenn nun gar das große Bootsrennen zwischen Oxford und Cambridge bevorsteht, ist Mit den „Collegebohs" schon gar nichts mehr anzufangen. Dann heißt die Parole „Training". Mer wenn nach heißem Kampf der Sieg errungen wurde, dann jubeln nicht nur die Kameraden, dann jubelt ganz England den Siegern zu! W. W. G . g.
Die angstvollste Minute im Leben berühmter Flieger.
Unter welche Gestalt hat sich der Tod den Helden der Luft am furchtbarsten dargestellt, welche Minute war die angstvollste in ihrem Leben? Diese Frage haben die bedeutendsten Flieger in den packendsten Bekenntnissen beantwortet, die Georges Prade in >K'e sais tont" veröffentlicht. Die größte Angst hat der berühmte Gar ros bei seinem Höhenrekordslug ausgestanden, bei dem er bis z'n 5000 Metern emporstieg. Statt des ruhigen Surrens des Motors hörte er plötzlich ein furchtbares Geknatter: er erkannte, daß der Apparat aus dem Gleichgewicht gekommen war, und fürchtete das schlimmste. „Der Angstschweiß stteg mir lauf die Stirn, 'und im Hetzen spürte ich dies harte kalte Schlagen, das üns besser als alles Nachdenken wie .ein reiner Instinkt die wirkliche Minute der Gefahr anzeigt. Ich hatte glücklicherweise den guten Einfall, möglichst rasch den Zünder abzustellen, und nun stand auch nach einigem beunruhigenden Rucken der Motor still. Es Handelte sich 'nun darum, die 5000 Meter herabzusteigen, und das ist ja leichter wie das Hinaufkommen. Die Normandie bietet ein gutes Terrain; ich ging also so langsam wie möglich herab, üud es glückte vortrefflich."
Eine ähnliche Panne in bedeutender Höhe brachte den durch feine großartigen Weitflüge bekannt gewordenen Gilbert in die furchtbarste und gefährlichste Lage. Bei dem Fluge von Paris nach Vittoria lohne .Landung befand er sich in 2000 Meter Höhe über den Pyrenäen, als plötzlich sein Motor versagte, ohne daß er die Ursache ahnte. „Ich hatte noch 30 Sekunden zum Leben, juM den Grund meiner Panne zu finden und ihm abzuhelfen. Diese Sekunden der Angst waren nur nicht lang: sie erschienen Mir schrecklich kurz. Ein sehr starker Benzingeruch erregte glücklicherweise meine Auftnerksamkeit. Wie ein Blitz schoß es mir durchs' Hirn: es ist das Benzin. Mein Motor hat davon nicht zu wenig, sondern zu viel. Ich habe zwei Reservoire mit Essenz, von denen das eine leer ist, da ich seit Paris fliege, ohne gelandet AU haben. Mein Motor wird also jetzt durch mein Meites Reservoir gespeist, und da ich den Verbindungshahn zwischen den
beiden Reservoiren vfsen gelassen habe, ist der Luftdruck auf. dem zweiten Reservoir zu stark und bringt zu viel Flüssigkeit in bett Motor. Der Motor ertrinkt also vor Benzin und stockt deshalb. Schnell schließe ich den .Verbindungshahn und > vierte. Wird der! Motor wieder einsetzen? In diesen bangen Sekunden der Er- . Wartung, in diesem langen Abstieg, das Ohr gespitzt, die Nerven gespannt, ab und zu den Blick durch das Dunkel der Wolken bohrend, um die Erde zu sehen, zieht mein ganzes' Leben vor mir vorbei. Eine tragische Minute. Sieg! Der Motor hat, wenn auch zögernd, wieder zu arbeiten angefangen, und nun setzt er ein in einem fröhlichen Rhythmus, in einer Jubelsansare, die mir das Herz höher schlagen läßt. Ich stelle das Höhensteuer: wir steigen wieder."
Der Held des Fluges über die Mpen Bielovucic meint, daß ihm die Ueberquerung der hohen Berge lange nicht so viel Augst gemacht habe als ein einfacher alltäglicher Flug, den er zwischen Reims und Chaumont unternahm. Das Wetter toar prächtig, die Fahrt ging vortrefflich. Als er über die Marne flog, lenkte ein_ Fischerboot seine Aufmerksamkeit auf sich, in dem heftig gestikulierende Fischer standen. Er glaubte, sie wollten ihm nur zu winken, aber als er über sie weggeflogen war, machte ihn das unruhig, und auf einmal stand sein Apparat fast senkrecht. ,/Jch weiß heut noch nicht, was geschehen war. Alles, woran ich mich erinnere, ist, daß ich während einer Strecke von mehr als 300 Metern — und sie schien mir sehr lang — senkrecht herabschoß/ die Augen beständig auf das Fischerboot hinter mir geheftet. Die Leute standen noch aufrecht, und diesmal — darüber konnte ich mich nicht täuschen — zeigten mir ihre Gebärden die Katastrophe an. Der Stoß war so furchtbar, die Veränderung der Lage so plötzlich, daß ich fast die Besinnung verlor. Das war nicht eine Minute, sondern eine Sekunde der Todesangst, die mir das Herz durchbohrte. Jin letzten Augenblick aber konnte ich noch den Apparat ins Gleichgewicht bringen und meine Fahrt ohne weiteren Unfall fortsetzen."
Die entsetzlichsten Minuten, die der Eroberer des Poinmery- Pokals Guillanx durchlebte, waren aus seinem berühmten Ruud- flug durch Frankreich, Belgien und Holland. Ten ganzen Tag .Wer war er geflogen, und gegen 6 Uhr abends befand er sich über der Zuidersee. !£>er dichte Nebel ließ ihn nicht sehen, aber in 50—60 Kilometer Meerflug, d. h. in einer halben Stunde etwa Mußte er Land unter sich Haben. Er ging vorsichtig nieder, als die Halbe Stunde vorbei war, aber zu seinem Schrecken sah er immer noch Wasser. Er hatte die Richtung verloren, der Abend nahte, seine Nerven und Kräfte waren am Ende. „Das alles versetzte mich in eine furchtbare Niedergeschlagenheit. Das war wirklich die Angst, die lMngst des Kiüdes, das Furcht hat vor dem Dunkel. Endlich ein wenig vor 7 Uhr sah ich die flache Küste, und niemals habe ich ein Wand, «s sei das schönste der Welt, mitsolcher Freude begrüßt." Der Flieger Br s g i, der als erster Marokko mit der Flugmaschine d urchguerte, hat dort seine schlimmsten Minuten durch- gemacht. Einmal versagte der Motor. Der einzige Flock zum Landen teuf dem sehr schwierigen Terrain war ein kleines Stück Erde, auf der einen Seite von einer Maner umgeben, auf der andern von einem Mgrund. Wie ein Reiter int Sattel sein Pferd zurnckreißt, so drängte er noch im letzten Moment des Niedergleitens den Apparat von der Mauer weg, die ihn zerschmettert hätte.
Zwei heute sehr bekannte Flieger, Alfred Leblanc, der Gewinner des Ost-Rundflnges, und Ganbert, der Sieger im Wettbewerb von Monaco, behaupten ihre angstvollsten Minuten in ihrer Anfängerzeit durchlebt zu hieben. Leblanc geriet bei einem Schaufliegen in England in so gefährliche Näh'e des Publikums, daß er jeden AugeWlick mit seinem Apparat auf die dicht besetzten Tribünen herabznstürzen fürchtete, und Ganbert fühlte sich bei seinem allerersten Flug wie in einer Hölle, bis er zu seinem grenzenlosen Erstaunen erkannte, daß er sich auf diesem fett» famen Ding ganz sicher befand. Den grausigsten Augenblick seiner Fliegerlaufbahn hat der Sieger im Gordon-Bennett-Rennen W e y - mann nicht auf der Flugmaschine, sondern beim Anblick seines! abgestürzten Kameraden, des Leutnants Ducourneau, durchlebt. Er war wenige Minuten vorher auf derselben Maschine unter den gleichen Bedingungen aufgestiegen, ohne den Tod z'u ahnen, be6 schon fein Opfer suchte. --------------
Anagramm.
Ein Fluß bin icb, gar wohlbekannt, Und fließe durch das Sauerland. Nimmst du den Kops mit jetzo fort, So sind'st du mich an jedem Ort, In jeder Stadt, in jedenc Haus; Du hörst mich überall heraus. Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer; A arm Kanne
Arnheim Rhein mir ui
Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Vetlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


