Ausgabe 
18.8.1913
 
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k'uch von den Jüngern (Sfjtifti Tntje Zeit vorher in Europa ver­kündet worden war. Die spröden Tempel Brahmas wandelten sich in buddhistische Weihestätten, die Bildnisse auf den Altären ver­änderten die Haltung und senkten die Blicke mit sanfterem Lächeln. Wie es scheint, erreichte Angivr unter dem Buddhismus seinen höchsten Glanz. Aber keine Ueberlieferung -erzählt die Geschichte seines schnellen und geheimnisvollen Verfalls. Ter Wald, der es Überwucherte, hütet das Geheimnis. Das kleine Kambodscha, das heute noch besteht und den verworrenen Ritus bewahrt, ist nur ein Ueberrest des gewaltigen Reiches der Kherms, das seit mehr als fünfhundert Jahren völlig im Schweigen der Bäume und des Mooses erloschen ist. . .

Durch das Dunkel hindurch gelangen wir andas Sieges­tor", das uns zuerst der Eingang einer Grotte zu sein scheint. Ungeheure Figuren Brahmas, von umschlingenden Wurzeln.ver­stockt, überragen es, und an jeder Seite stehen unter dem Laub­werk, wie in Nischen, dreiköpfige, unförmige Elefanten.

Schreiten wir durch das Dor, das mit finster dreinschanen- den Gesichtern geschmückt ist, so gelangen tvir an den Ort, wo einst die gewaltig große Stadt stand. Es muß einem erst gesagt Werder:; denn auch innerhalb der Mauern breitet der schattige, dichte Wald seine hundertjährigen Zweige ebenso Ijlcdji aus. Wir ver­lassen unser» Wagen und verfolgen zu.Fuß die kaum sichtbaren Pfade, die von wilden Tieren als Fährte gebahnt wurden. Mein Führer, ein Dolmetscher aus' Kambodscha, kennt den Weg zu der: Ruinen genau. Lautlos verhallen unsere Schritte im.Gras, wir hören nur das leise Dayingleiten der Schlangen und die fliehen­den Affen.

Ueberall stößt man auf unkenntliche, architektonische Trüm- mer, die sich zwischen Farren, Sagopalmen, Orchideen und jette ganze Flora drängen, die sich in diesem ewigen Halbschatten, unter den großen Baumgewölben, ausbreitet. Zahllose buddhistische Götzenbilder, kleine, mittelgroße oder riesenhafte Götter, sitzen auf Thronen und lächeln ins Leere; sie sind in sehr harten: Stein gemeißelt und stehen weiter an ihrem Platze, auch nach dem Einsturz der Tempel, die aus geschnitzten: Holz gewesen sein mögen. Fast immer wurde ihtten von frommen Pilgern ein Stroh­dach errichtet, um sie gegen Gewitterregen zu schützen; Man Hat ihnen sogar Weihrauchstöcke abgebrannt und ihnen Blumen ge­bracht, doch keiner der Bvnzen wagte sich in ihrer Nähe eine Wohnstätte aufzuschlagen; denn das schreckliche Waldfieber ge­stattete ihnei: nicht, unter dem dichten grünen Laubdach zu schaffen, und selbst in jenen Zeiten der großen Pilgerfahrten mußten die Götter die Nächte einsam, ohne ihre Priester verbringen.

An dieser Stätte standen einst Paläste, in denen außerordent­lich prunklicbende Könige lebten man weiß nichts mehr von ihnen, sie sind in das Reich der Vergessenheit versunken, ohne ihren Namen in einen Stein oder in das Gedächtnis der Menschen geprägt zu haben. Die hohen Felsen, die jetzt mit dem Wald eins sind und von tausend Wurzelarmen Umklammert werden, sind von Menschenhänden geschaffen worden.

Pflanzen können hartnäckig in ihrer Zerstörung sein. Der Fürst des Todes, den die Brahinanen Shiva nennen, und der für jedes Tier einen besonderen Feind erzeugt hat, der es verschlingt, scheint bei dem Entstehen aller Wesen vorattsgesehen haben, daß die Menschen versuchen würden, durch ihre Schöpfungen zu über­leben. Um nun ihve Werke vernichten, hat er neben änderest zerstörend wirkenden Kräften Mauerpflanzen und besonders jenen >,Ruinenfeigenbaum" geschaffen, dem nichts widerstehen kann.

Heute ist derRuittenfeigenbaum" der Herr auf den Ruinen Angkors. Wie im Triumph breitet er überall seine fahlen, glatten Zweige aus, die bunt getüpfelt wie eine Schlangenyaut. sind und breite Blätter tragen, und sie zerreiben nach und nach die Paläste Und Tempel völlig. Einst war dieser gewaltige Baum nur ein winziges Samenkörnchen, das der Wind auf den Fries oder die Spitze eines Turmes geweht Hatte. Aber sobald es keimen konnte, zwängten sich seine faserigen Wurzeln durch die Steine hindurch, immer Und immer wieder schlängelten sie sich hinab und von einem sicheren Instinkt wurden sie bis Kum Fußboden getrieben. Als sie diesen erreicht hatten, schwollen sie schnell durch seinen nährenden Saft zu einem gewaltigen Umfange an, sie trennten die Steine und brachten sie aus dem Gleichgewicht, öffneten so die dicken Mauern tiitm oben Ns unten, und nun war das ganze Bau- wcrk unrettbar verloren.

Immer Weiter gehen wir durch den düsteren, beklemmenden Wald. Feindlich, mörderisch empfindet Man ihn, der auf Fieber Und Tod sinnt; man möchte ihm entfliehen, aber er sperrt eirt, er flößte Schrecken ein . . . Die wenigen Vögel, die noch sangen, sind verstummt; was hat das plötzliche Dunkelwerden zu bedeuten? Die Abendstunde ist noch nicht gekommen, also muß es etwas anderes !als das dichte Laub sein, das die Pfade in Nacht hüllt . . Auch ein Prasseln erklingt auf dem Blätterdach Aber uns, ein sintflutartiger Platzregen fällt herab! Wir hatten nicht bemerkt, wie der H:mmel Über den Bäumen sich plötzlich schwatz färbte. Jetzt rieselt Wasser herab und ergießt sich in Strömen über uns; schnell flüchten wir unter das schützende Strohdach eines größten, sinnenden Buddha.

Tie Gastfreundschaft, die wir von dem Gotte annehmen müssen, währt lange. Und wie unendlich traurig ist das Mysterium des Waldes, während der Tag Kur Neige geht.

Als d:e Smtflut endlich aufhört, ist eS Zeit, den Wald zu verlassen, wollen wir nicht vvn der Nacht überrascht werden. Aber w:r sind fast in Bahorr, einem Heiligtum des ältesten Angkvr, das durch ferne.türme mit den vier Gesichtern" berühmt ist. turcy den halbduEen Hochwald kam: man .es schon bemerken. Es gleicht einem Felsenchaos. Sv wollen wir noch den kurzen Weg zurucklsgett, der uns von den: Tempel trennt.

Roer um zu dem Heiligtum zu gelangen, muß man sich durch i-jorncn uno nasse Schlingpflanzen mit Stockschlägen einen Weg duhuen. Von allen Seiten wird der Tempel von dem Walde eng umschlossen, die Bäume ersticken und zerstoßen ihn; die gewaltigen ,,Jtuillenfeigenbäume" tragen noch zu seiner völligen Zerstörung vei; bis :n die höchsten Spitzen der Türme, die ihnen als Schemel dienen, haben sie sich eingenistet. Die Türei: sind von langem Wurzeln, deren tausend Fasern wie Fransen herabhäng-eu, drapiert, Äst te mkttchm in der.späten, dunklen Stunde unter dem regest- schw-eren Himmel tiefen schwarzen Löchern, vor denen man zögernd stehen blerbt.

Bor der Pforte, die uns zunächst ist, sitzen Affen im Kreise umher, als ob sie Rat abhälten wollten. Sie haben hier wohl Schutz gesucht und bei unferm Anblick entschlüpfen sie, aber ohne Eile und ohne Geschrei; es scheint, als ob dieser Ort Schweigen auserlegt. Verstohlenes Wasserrauschen bringt an unser Ohr: nach dem Platzregen tropft es noch von den Blättern und dest Steinen.

, Der -Führer besteht ans unferer Umkehr. Er Meint, daß wir keine Laterne an unseren Karren haben und stoch vor der Stunde des Tigers zu Hause sein müssen.

.. Ws ich mich entferne, erhebe ich die Blicke noch KU den völlig nut Grün bekleideten Türmen, und in einem unbekannten Angst- gefuhl erschauere ich plötzlich, als- ich ein starres Lächeln sehe, das Mich von dort oben trifft. . . von einem andern Mauerwinkel wieder -ein anderes Lächeln . . . und dann lächeln drei, fünf, z-ehst Gesichter, überall sind sie, und ich bin von allen Seiten überwacht. . .Tie Türme mit vier Gesichtern." Ich hatte nicht an sie gedacht, obgleich man mir von Ihnen gesprochen hatte! Diese in die Luft ragenden, -aus Stein gehauenen Masken haben übermenschliche Dimettsioneu, daß man Zeit braucht, sie.zu be­greifen; unter ihren großen platten Nasen lächeln sie, und man möchte sagen, daß sie die Lider mit berechnetem weiblichem Aus­druck .halb geschlossen hab-en, sie erinnern an hinterlistige alte Tarnen. Es sind Götterbilder, die in längst entschwundenen Zeiten vvn Menschen ang-ebetet wurden, deren Geschicke man nicht mehr kennt; es sind Bilder, denen weder der langsam zerstörende Wald,- noch die schweren zersetzenden Regenfälle in den vielen Jahr­hunderten denAusdruck" ironischer Gutmütigkeit nehmen konnten, der noch beunruhig-euder wirkt, als der weitaufgerissene Mund der Ungeheuer Chinas . . .

Unsere Ochsen traben auf dem Rückweg so gut einher, als er­rieten sie, daß man -vor Anbruch der Nacht au§- diesem in warmes Wasser getauchten Wald herauskommen müsse, in dem es schon ohne Dämmerung fast plötzlich dunkel geworden ist. Krw die Er- innerung an die großen alten Damen, die heimlich über dest Ruinen hinter uns herlächeln, verfolgt mich beständig während der schnellen holprigen Fahrt durch die Büsche . . ,

,-akademische Freiheit" ist in Oxford und DerUnbergratmate" ist den Regeln der

studsntenleben in Gxford.

(Nachdruck verboten.)

Wenn jetzt das Sommerseinester schließt, so fragt sich mancher Student:Wo studiere ich das nächste Semester?" .Für den Neuphilologen ist ja wohl, solange er noch in den mittleren! Semestern steht, ein Aufenthalt im Auslände vvn dein denkbar größten Nutzen. Und so beantwortet vielleicht einer oder der ändere dieseschwierige" Frage mit:Ich gehe einmal nach Oxford", Dann dürfte es von Interesse sein, einiges ganz allgemeine über diese uralte Universität zu wissen, Und vielleicht regen diese Zeilen dazu ton, daß mancher, der bis jetzt zögerte/ sein Bündel schnürt Und fei es für einen Ferienaufenthalt, sei es für ein Semester hinüberfährt zu unseren englischen Vettern.

D-er Wege gibt es eine ganze Menge, um den Kanal ztt überkreuzen. Selch empfehlenswert ist die Reise mit derGreat- Eastern-Railway Company" über KölnAntwerpenHarwich LondonOxford. (2. Kl. KölnLondon 31,90 Mk.)

li/i Stunden totott London liegt am Oberläufe der Themse jene Universität, die 872 vvn Mfr»d dem Großen gegründet wurde. D-as älteste Universitätsgebäude istUniversith-College". !Di« Universität setzt sich aus 23Colleges", einzelnen Körperschaften mit -eigenen Gebäuden, eigener Verwaltung, eigenen Gesetzen ttsw. zusammen. Dieakademische Freiheit" ist in Oxford und Cambridge unbekannt. ®erUnbergrabuate" ist dep Regeln der Universität und feinesColleges" unterworfen. Einige dieser Regeln feien hier erwähnt:

Es ist demUn-bergrabmte verboten:

die Bar eines Hotels, Cafss oder Restaurants zu besuchen, einem Tanzvergnügen beizuwohnen, _ t r , ,

vor 1 Uhr mittags und nach 10 Uhr abends Billard zu sprelen, an Tontaubenschießen, Karussellfahren oder,ähnlichen Sports teilzunehm-en, ein Motorrad ober Automobil ohne besondere Erlaubnis der Universität zu besitzen usw.