Ausgabe 
18.6.1913
 
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Sie jauchzte: ,/Fa, das will ickp eine Tür will ich offen lassen. Alle Türen sollen mir offen fein r

Blumen im Aornfelde.

Im rauschenden Gewoge des Kornfeldes recken prächtige bunte Blumen ihre Köpke empor, dem Landmanue zum bitteren Aerger, bem Naturfreunde zur grobten Freude:

Ei, sieh nur, Vater, welche Pracht!

Das hat der liebe Golt gemacht",

wie der Sohn des Bauern in Reinicks Gedicht ausrust.Korn- Lier Ingenieur tiopfie an Das ebenerdige Fenster des reinlichen I blumen sind es, Mohn und Raden" und sie sind in der Tat die Weitzen Häuschens, da öffnete das Mädchen noch ganz schlaf- i schönsten, bekanntesten imb verbreitetstenUnkräuter" des Korn- rrunren. den Laden» IN einem weißen Mprgenkleide, das hundert-^ri.^ es. Der Landmann ist durchaus im Recht, wenn er sie aus

Jetzt sprachen Himmel und Meer, blaues, sounedurchblitztes, Wasser, grüne, weithinglänzende Küste, Weißes, rauschendes Segel I int Wind und vor allem das aufjauchzende Gemüt des Gastes 1 eine andere Sprache als vordem. Früher war die ganze Natur stumm dem Stummen gegenüber gestanden, jetzt, da dieses junge Mädchen am Steuer saß und ihre Hand und die kühlen Blicke strahlten, glänzte alles und lachte mit tausend Stimmen. Dem Ingenieur schien das junge Mädchen völlig den siegenden Schlacht- jungfrauen der giordischen Sage zu gleichen, so unberührt, so einfältig, so erhaben saß sie da, ruhig atmend, schauend, lebend, ihr war bie Welt noch heilig, die Erde noch neu, das Dasein noch göttlich. Sie war der erste Tag und war's' eine ganze wunder­bare Jugend lang.

Im funkelnden Grün des durchsonnten Waldes wie in einem | stimmig jauchzende blonde Haar strahlte uw ihr Neig-s m. öden Wolkentag mißmutig geschwiegen hatte. Jetzt hielt er still, sicht. 0 ,na51tc um heißes Gr­

äber in seinem herzklopfenden Lauschen lag eine gewisse wort- ~ " lose Beredsamkeit. Seine Augen spähten zaghaft, als könnte ein allzu lauter Blick die lichte Erscheinung wie einen Schmet­terling verscheuchen. Die Frau nuten spielte still mit ihren glänzenden nackten Beineu, welche sich wie zwei tanzende Ge­schöpfe im Sonnenlicht bewegten, während das blonde Haar ruhig

, ml,e. plauderte unbefangen, und den Fahrgast, der von ihr Lei\< r, nicht wenden konnte, dünkte kaum eine Viertelstunde verflossen, als schon im Abendlicht das Dorf an der Küste mit seinen weißen Häuschen auftauchtc. Dort wohnte sie bei ihren Eltern. Er wollte sie Wiedersehen. Da brauchten sie nur morgen wieder eine Bootfahrt zu machen. Mit dieser Verabredung schieden si.e. Der Fährmann und seine Tochter reichten dem Fremden me Hand und das Mädchen tauchte mit wenigen Schritten in me Dämmerung.

Am nächsten Tage stand der Schiffer schon mit seinem Boote arn Ufer bereit. Er war längst draußen auf Fischfang gewesen. Der Ingenieur klopfte an das ebenerdige Fenster des reinlichen

tgudwerk lernen könnend «lÄSth» KW* »6- « ** ">-di ÄÄ'te HWftWS

aufnehmen. I wie man aussieht." In Kopenhagen aber habe sie einen Hut!

0« f ^meUx ^esa,n.rt icn &tna£äuFl[et:tern, «u&tc I Sie machte eine gebieterisch umfassende Handbewegung, als be-

es aber aufgeben da er keinen Pfad fand und. abzusturzen fürchtete, schriebe sie einen Umkreis Über die ganze Halbinsel; einen solchen

"E 5r hus5^. I Hut hatte sie in Kopenhagen. Da brauchte sie sich! nicht

ctn toem®' IC^ lüI ®tc herunterholen, I schämen. Der Ingenieur lächelte in sich hinein:Wenn die Wat- an&L&n ?rtlts'ncQ; r-j ; ... , .. I küren zu reden beginnen!" Wer wie gleichgültig, was sie sag ft,

?h .cr ^an krch aufrichten, leichtfüßig über die I wenn sie lachte und von Kopenhagens Herrlichkeiten fabelte, ware!N stukS,rpFelsen und Büschen zum I ihr Mund, ihre Äugen Und ihr zurückgeworfenes Haupt und jedes Badehause verschwinden. Mittlerweile legte das Boot au der! goldene Haar auf ihrem Kopf tausendmal weiser, als all sein Landungsbrücke an, Fremde stiegen aus, der Fahrmann wartete. I Verstand.

Nach ivenigcn Minuten kam ihm die Frau entgegen, be- 1 " ' " " - ' -

reits reisefertig angetaii, sie war schöner als seine Wnung, ein großes, schlankes, stattliches Mädchen, mit blühenden Wangen und Äugen, städtisch, aber einfach in graues Tuch gekleidet, lieber dem nassen, in schwerem Knoten aufgesteckten Haar saß ern wenig schief eine weiße Leinenmühe. Der kindlich uner­schrockene Ausdruck des Gesichts, das zurückgeworfene Haupt, die gerade Haltung gaben ihr etwas Kühnes, dabei freundlich Offenes. Sie erwiderte lachend seinen verlegenen Gruß und führte ihn einen versteckten Pfad hinab. Nach kurzem Abstieg sahen sie sich auf dem Kies der Bucht.

Und sie hatte auch einen Bräutigam.

Ei, wer war denn das?

Ein reicher .junger Schtvede aus aiigesehenem' Hause.

Da werde sie wohl bald heiraten.

Sie schüttelte lachlend den Kopf. Tas könnte ihr gerade ein# fallen, so dnmist sei sie weder geboren, noch geworden, ihresj Vaters jüngste Tochter sei kein Kalb, lachte sie und tanzte Mit ihrem leichten Gang voran.

Ja, weshalb sie sich, denn nun eigentlich verlobte?

Damit sie in die Welt hinauskomme. Ihr Bräutigam müsse sie führen, dazu habe sie ihn auserwählt, Kopenhagen gelte noch

Der Vater ist schon bereit," sagte sie. Also war sie des I , nichts, sie wolle nach Berlin, nach London und auch Nach

Fährmanns Tochter. Der war hochgewachsen wie sie und von | Paris, sie wolle schöne Kleider tragen und noch viel schöneH

freiester Haltung, wie ein Edelmann. Einsame Fischer, die nur 1 Hüte, gls einer zu Kopenhagen in ihrer Lade liege, sie wvH unter des Meeres Herrschaft stehen, werden und bleiben wohl tm! Wagen fahren, ins Theater kom'men, reifen und alles Ver­so, gebräunt, graubärtig, aufrecht und gegen Fremde von höf- I gnügen haben, das auf der weiten Erde wachse. - Wozu sei st« licher Zurückhaltung, indem sie ihre Dienste als Gastgeschenk denn jimg und leidlich Hübsch, wozu gebe es denn sonst Städft nicht als Ware bieten. Der Ingenieur erfreute sich der vor- I und Musik und Tanz und Schmuck und alles Wunderschön^, nehmen Art, mit welcher ihm der Schisser die Hand bot und Tabei breitete sie die Miste gegen beit blauen Himmel aus ist in gebrochenem Deutsch über die bevorstehende Fahrt sprach einer kindlich einfachen Bewegung und stand mit offenen Armen,- Das Mädchen stieg über die Querbänke des Bootes hinüber und I das Haupt zurückgebvgen da, als umfasse sie die ganze einsam« setzte sich fröhlich beim Steuer zurecht, so daß sie den Gast voll I grüne Erde hier. Dabei hatte ihr Gesicht einen unsäglich rühren? anblickte. Nun fuhr das Boot ab und hielt sich längs der Küste »en, unbeholfenen Msdruck von heiliger Zuversicht, die an das im Sonnenschein. I Leben glaubt.

Sie ging so schnell, gleichsam der leuchtenden Zukunft sich Mtge'gmhebenb, daß der Ingenieur sich elfen Mußte, Um an ihpe zu kommen. Er wagte nur gelegentlich, dieses hohe Wesest anzuschauen, dessen Blick und Gesichtsausdruck etwas traumhaft Entriicktes hatte, etivas von einem' Kinde und etnms von eines Mutter. Die Unberührbarkeit jedes siegreichen Frauenwesens schwebte wie ein goldener Schein über jeder Bewegung Mer Ge­stalt und auch über den Worten, die alle Torheiten der |®rbi8 kraft eines strahlenden Willens zu eben so vielen Wundern machtest.

Er schüttelte den Kopf und sagte endlich leise:Wemi Sie also Ihren Verlobten nicht heiraten, sondern nur mit ihm in der großen Welt herumtziehen wollen, um! alles zU genießen, dunst haben Sie sich gebnndeii, uM erst recht frei zu sein. Ta wollen Sie wohl eine Tür offen lassen?"

Ich bin eben aufgestanden."

Wann werden Sie fertig? In einer Viertelstundevielleicht?" h-T ''S8 denken Sie, erst muß. ich mich ankleiden und dann essen, Mel essen, denn ich habe großen Hunger, und dann erst kann ich kommen, frühestens in einer Stunde."

über den Schultern stand und'leuchtete. Aber eine Frau fühlt! erfteS @te^bf^^e^^\^>ienn^ett ma^ toirb Ciebe^neueriftUintmer Üben, noch so verborgenen Bück, ber ihr bestimmt ist, und das wieder das erste. Aber nach einer SMnde kam sie ibm lacknnd Auge des Mannes trifft sie von weitem tote ent Pfeilschust. I entgegen. ' m tcö)cnö

So wandte die Badende unten plötzlich ruhig mit langsamer | Sie fuhren manche Stunde im Seaelbont ihres snnfpra linh, halber Umdrehung ihres Oberkörpers das Haupt nach ihm, schützte I schlossen eine kühle, aber heitere Bekanntschaft Der Tnaenieur die Augen mit der rechten Hand und sah ihn an. Er konnte hätte sein eigenesGefühl verletztwenn er sie n ckt mit Ge° lHre Zuge , nicht , genau unterscheiden, doch schienen sie ihm von danken und Worten durchaus als das königliche Wesest ÄiteS weiteni schon, wie ihre Haare und vollkommen, tote ihre weißen j hätte, das sie war a "«.eien oeyanoeir

und schämte sich zwar seines Lauerns, . .Mer da selbst ein Wunder, wenn auch mit Himmelslauten, aber mit nreuden. . I irdische Worte vermmmt und spricht, erfuhr der Fremde, das

Jetzt hörte er von ivettem Rufe aus einem Boote, das | Mädchen sei die jüngste von sieben Töchtern alle leien vielernak sich dem Strande näherte. Da wollten Fahrgäste wohl landen. | schöner als sie selbst versicherte sie alle verheiratet alle nackt feie war er erstaunt, als die Frau unten, die sich nach ihrem Amerika,London? Kopenhagen und in fl^^e aBe[Moriae^^n Sw kurzen Blick wieder ruhig von ihm abgewandt hatte, ihm mut | allein wohne bei den Eltern aber nur im Sammer 4 im plötzlich einige schwedische Worte laut zurief. Er verstand sie Winter sei dies arme Fischernest greulich da z ehe sie nach

V1?'neinte' toelte ri)n unb SMeM füfi I Menbagen, wo sie ihr Brot als Frffeurinverdiene 1

Noch blieb er unschlüssig, da rief sie in deutscher Sprache zu | Da ist es schön da ist die Welt anders als diele arliw» zum fcf>urflä fajefalIÄ"lege, Hölle da," lachte sie.' Ter Ingenieur scherzte,'an ihren eigenen

8 J Älirlegem ipoile. I tollen Haaren habe sie wohl ihr feines Handwerk lernen könnest.

.Änı Ä. sagte i/t meinIaar ganz.häßM.L