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mal arg gezankt hatten, schlich Tante Tweern mit entern unbeschreiblich wütenden Blick in die Schlafstube. Rtele sah, wie erregt die Alte ivar, wie sich ihre knochigen Finger ballten, als möchte sie die Tochter züchtigen. r
Als Rieke später in die Schlafstube trat, antwortete die Mutter nicht auf ihren Gukeuachtivunsch. t ,
„Du maulst noch, "rief Riete, „dazti hast du .Ursache, v
Aut nächsten Morgen lag die Mutter noch so still da. Die Tochter warf ihr kaintl einen Blick zu.
Wettn sie sich beleidigt fühlt, rnag sie, dachte Rieke und ging an ihre Arbeit. c r, -
Erst tut Laufe des Vormittags tvurde sie unruhig. Sre trat ans Bett der Mutter und fuhr mit einem Aufschrei zurück — die alte Frau war gestorben. ■ ■
Und dann hörte das Mädchen das Schrecklichste. Der Arzt stellte fest, daß der Tod bereits.am! vorhergehenden Abend emge- treten fei
Also eine Tote hatte sie gescholten, neben einer Toten die ganze Nacht im Zorn gelegen! Rieke Tweerns hat den schrecklichen .Gedanken nie wieder loswerden können.
Sie behielt zlvar ihr kleines Geschäft, iwch bis in die Zeit, da die flackernden Gasflammen ht Hütsums Strasten durch elektrisches Licht ersetzt worden waren, da von beit Bürgern ent Luft- zeugführer kaum mehr angestaunt war, als einst der Erbauer einer -Dampfbahn. Aber 'die Damen Hütsums könnten mit ihren Pleu- reusen kaum durch die schmale Ladentür. Die Nachbarn behaupten, an die Stirn tippend: „Die alte Schran ist verrückt."-----
Wie vor Jahrzehnten aber singt die Gafsenjugend noch vor Rieke Tweerns grauem Häuschen:
„Nadel, Garn und Tweern
Bntkt jede flicdige Deern, Js ein Jung auch mich so grob, Brnkt er mal ein Büxenknopp,"
vermiscbter.
* Das Ergebnis unseres Ingendpreis- rätsels teilen wir int Laufe der nächsten Woche mit. Da wir unter unseren Preisen auch einige Notenbücher für Lautenspieler besorgt haben, wäre es uns erwünscht, wenn unsere jungen Rätselfreunde, die Jnteressernn einem solchen Buche haben, uns dies umgehend mitteilten. Wer gern das Deutsche Fußball-Jahrbuch hätte, möge uns ebenfalls schreiben.
ff. D a s P erlenhals band der Kö n ig iuwitw e. Italienische Blätter wissen eine reizende Geschichte vom Hofe der Königinwitwe Margherita zu berichten: die sich beim Nemahrs- empfange zugetragen haben soll. In den Salons des königlichen Palastes drängte sich eine große Schar, die der Königinwitwe die Glückwünsche zum neuen Jahre darbringen wollte. Welch Unglück, daß mitten während des Empfanges die Schnur des kostbaren Perlenhalsbandes, das die Königinwitwe um den Hals trug, brach und die kostbaren „Kügelchen" kunterbunt durcheinander in den Saal hineinrollten! Alsbald begann eine tolle Jagd nach den kleinen Ausreißern, und trotzdem die Königinwitwe bat, daß niemand sich bemühen möchte, schloß sich keiner von der Sucherei aus. In 2 Minuten waren alle Perlen wiedergefunden, und die Finder überreichten sie der Königiuwitwe. Doch diese bat sie mit einem huldseligen Lächeln, die Perlen als ein Gescheut zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Neujahrsempfaug entgegeu- zunehmen.
«Die Wiederkehr der Tasche. Nach langem Fernsein, heimlich herbeigesehnt van vielen Frauenherzen, verbannt durch das strenge Gesetz der Mode, doch stets wieder gefordert vom gesunden Menschenverstand, kehrt, wie Schillers Mädchen ans der Fremde, ein lieber Gast wieder in das Reich der Franenniode ein: die Tasche. Die Künstler der reinen Linie hatten ihr das Lebenslicht auZgeblajen. In der knappen Silhouette der modernen Frau mar kein Platz mehr für dieses so notwendige Anhängsel, das die von „jedem Zweck genesene" Toilette gleichsam an ihre irdische Unzulänglichkeit erinnerte. DaS Kleid ist ein Kunstwerk, fein Aufbewahrungsort für allerlei nicht dazu gehörige Gegenstände — so behaupteten voll Stolz die Meister der schönen Linie. Eine schlimme Zeit brach für die arme Tasche an. Im Futter wurde sie versteckt, mußte sich int Unterrock verkriechen und ward schließlich mit roher Hand überhaupt vom Körper der Dame entfernt, Sie trat nun selbständig auf, führte ein Eigenleben, wuchs mit ihren höheren Ziveckeu und entfaltete sich zu außerordentlicher Größe und besonderer Pracht. Die Blütezeit der Handtaschen und der Pompadours brach an. Die Röcke waren ja so eng geworden, daß auch die kleinste Tasche ihre ivohlberechnete Wirkung gesprengt
hätte. Die Stosse legten sich so knapp um die Knöchel, daß selbst der Unterrock unzugänglich wurde. So war der Pompadoitr eine Notwendigkeit und Sie einfache Lösung eines schwierigen Problems. Uederatl sah man diese pompösen Gebilde, mit goldenen Stickereien und silbernen Schnüren, mit Fransen und Borten. Da gab es Taschen für die Promenade, elegant und doch einfach, Beutel für den Salon, verschwenderisch verziert, und Behältnisse für das Theater, bunt leuchtend mtb von auffälliger Pracht. Aber die alte Tasche war das nicht mehr, diele bescheidene Dienerin, die stets da ist, wenn man ihrer bedarf und nicht beständig verlegt ober verloren ist, wie fo ein Pompadour. Sie war verbannt und wartete geduldig, bis ihre Stunde wieber schlägt. Nun ist er da, der große Augenblick. Tas verstoßene Aschenbrödel der Toilette zieht wieber eilt tmb wer weiß, vielleicht wirb man es bald als Königin aus den Thron heben. Bvrläusig kommt die Tasche noch nicht als Triumphator, sondern ganz still und bescheiden schmuggelt sie sich in die Kleider ein, nistet in den faltigen Drapierungen. Zu Ehren haben sie vor allem die so beliebten Flauschmäntel dieses Winters gebracht. Die haben wieder Taschen, in die man etwas hineinstecken und sogar die Hände vergraben kann. Freilich sind sie noch vielfach schamvoll versteckt unter Besätzen und großen Knöpfen. Aber es sind doch wieder Taschen, richtige Taschen, und der Bann ist gebrochen.
* Heizung u n d Krankheit. Die Tage sind da, in denen der Mensch die schwindende Sonnenwarnte durch eine künstliche Wärmeguelle, durch Heizung, zu ersetzen strebt. Diese Heizung wirb bei mangelnber Winterhygiene zur Ursache von emem Heer von Krankheitserscheinungen. Sie bestehen in hartnäckigen Katarrhen der oberen Luftwege, Rachenkatarrhen, Kehlkopfkatarrhen, Lnst- röbrenkatarrhen und Bronchialkatarrhen, die mit bem Beginn der Heizung einsetzen und mit wediielnber Stärke oft bis zum April anhalten. Dann verschwinden sie wieder bis zum nächsten Spätsommer und Herbst, wo das alle Spiel von neuem beginnt. Diese Katarrhe sind von den durch die Erkältung verursachten zu unterscheiden und müssen wegen ihrer langen Dauer als Heizungsschäden aufgefaßt werben. Wenn sie sich auch überwiegenb in Wohnungen mit Zentralheizung finben, so drohen sie doch auch in anbereit schlecht gelüfteten und unhygienischen, überheizten Wohnungen. Tie Gefahren ber Heizungskrankheiten, sowie ber Erkältungen wird natürlich eine gesunde Konstitution, ein abgehärteter Körper am besten überwinden. Man bildet sich ein, daß sich dec Körper von selbst an einen Ausgleich gewöhnen soll, ohne daß wir ihm einen besonderen Schutz zuteil werden lassen. Gewiß ist das möglich, aber nur dann, wenn bie Menschen so vernünftig sind, sich beizeiten abzuhärten, b. h. burrii eine Gymnastik ber Hautnerven und Haut« muskulatnr bie natürliche Körperbekleibnng, nämlich die Haut, so zu trainieren, baß sie sich ohne Nachteile für die Blutverteilnng im Körper plötzlichenTemperaturschivanktuigen anzupasseii im Stande ist. Die Grnudjätze einer vernünftigen Lebensweise, die in ber Hauptsache in einer richtigen, gemüse- und obstreichen Diät, einer vernunftgemäßen Anwendung von Licht-, Luit-, Wasserbäbern und kühlen Ganzivaschungen bestehen, werben von vielen Menschen nicht der Beachtung für wert gehalten. Diese sind cs beim auch, bie in ber Uebergangszeit vom Spätsommer zum Herbst unter beit oft sehr plötzlich eintretenden Temperainrichivankungen außerordentlich zu leiden haben, beim durch raschen Witterungswechsel usw. kann ber Wärmehaushalt > niereS Körpers in höchst empfindlicher Weise gestört werben. Man wirb sich also naturgemäß beit ueränberteit Verhältnissen ctnzupassen haben, und zwar einmal in Der schon an- gegebenen Weise, dann ober auch durch den Schutz einer wärmeren Kleidung. Nur dadurch entgehen wir Erkältungskrankheiten, ein Sammelname für eine ganze Reihe von Störungen, bie mit einer ungenügenden Durchblutung ber Haut zusammenhängen.
AltäMptische Hieroglyphen.
Jedes Bild bezeichnet beit Anfangsbuchstaben seines Namens, z. B, Sonne — s, Glas — g re. "Die Vokale imb v ergänzen.)
.Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:
Ach, ein Tor nur kann
Von heut' auf morgen feine Rechnung machen.
Das Morgenrot gehört dir aber nicht,
Bis diesen Tag bit glücklich überstanden. Sophokles.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'ichen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießet^


