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Yüchertlsch.
— Französische Klassiker hat der aus diesem Gebiete verdiente Verlag von Georg Müller in Leipzig auf den Markt gebracht. Ta sind vor allem Michel de Moütaig- nes gesammelte Werke in 8 Bänden, herausgegeben von Will). Weigand und Otto Flak«. Jvh. Joach. Bode, der Zeitgenosse und Mitarbeiter Lessings, hat Montaignes „Essays" in ein vortreffliches Deutsch übersetzt, und diese im Buchhandel längst vergriffene Leistung ist der vorliegenden Ausgabe zu Grunde gelegt. Äenderungen sind in besonderen Anmerkungen vorge- nommen worden, und ein Vorzug dieser Uebertragung ist ihre Vollständigkeit, denn Montaigne hat nicht nur seine berühmten Essays hevansgegeben, sondern auch ein umfangreiches Reisetagebuch, das ganz außerordentlich interessant und unterhaltend zu lesen, ist. Es ist mit Jakob Burckhardts jüngst veröffentlichten Reisebriefen zu vergleichen, der gleichfalls so weis« und weltmännische Urteile gefällt hat, sei es über die seinem Fachwissen so naheliegende Kunstwelt, sei es über seine sonstigen Beobachtungen. Montaigne hat 1580—1581 zum Teil dieselben Städte und Landschaften bereist: die Schweiz, Süddeuischland und. Italien. Montaignes Essays sind über Lobsprüche erhaben, man darf aber wohl daran erinnern, daß er gerade in heutiger; Zeit, wo wir von allen philosophischen Systemen den erforderlichen. Abstand haben, mit seiner Psychologie, mit seinen so fein und weltmännisch begründeten Beobachtungen und Anregungen vermehrte Aufmerksamkeit verdient. Er zog alle die Tinge und Probleme in den Kreis seiner Untersuchungen, die auch heute sich vorzugsweise aufdrängen. Das umfangreiche Personen- und Sachregister, das dieser Ausgabe beigefügt ist, gestattet.die zwanglose Lektüre ganz nach Bedürfnis und Stimmung; man erstaunt, wie ungeheuer groß der.Wissens- und Wirkungskreis des großen Moralisten gewesen ist. Wilh. Weigand hat im Schlußbande auch eine notwendige, ausführliche Biographie Montaignes gegeben. Ganz besonders fesselnd such übrigens in dem erwähnten Reisetagebuch die Kapitel, die die deutschen Lande betreffen. Montaigne hat u. a. in Konstanz, Lindau, Kempten, Augsburg, München, am Walchensee, in Innsbruck, Brixen, Bozen und Trient geweilt, und er vermittelt uns frische und anschauliche Beobachtungen und Erlebnisse aller Art. Auf seiner italienischen Fahrt, namentlich in Venedig, Florenz und Ronr entrollt er ein imposantes Bild der damaligen großen und kleinen Welt.
Derselbe Verlag hat auch M e i st e r Franz Rabelais „G a r g a n t u a und P a n t a g r u e l" auf Grund der bekannten Regisschen Uebertragung herausgegeben; Wilh. Weigand hat einige Äenderungen vorgenommen und in Anmerkungen das Regissche Vorgehen charakterisiert. Die erforderlichen Erläuterungen sind praktischer Weise in knappsten Umrissen in Fußnoten beigegeben, so daß die Lektüre der satirischen Schrift erleichtert wird. Da man Rabelais so häufig zitiert, wird man hoffentlich auch die Gelegenheit wahrnehmen, sein Hauptwerk einmal zu lesen. Man kommt sicherlich dabei auf seine Rechnung, denn wenn es sich in diesen beiden Bänden auch nicht um ein planvolles Kunstwerk handelt, so sprüht daraus doch eine so lebensfrische Laune und der Satiriker erfüllte sein Werk mit so viel munteren und kritischen Betrachtungen seiner Zeitgenossen, daß einem die Zeit nicht lange wird, die man daran verwendet. Wilh. Weigand schickt den beiden Büchern eine längere, fesselnde Biographie Rabelais' voraus, von dem auch ein Bildnis geboten wird. -z.
— Larrey. Der Chefchirurg Napoleons I. 1812 bis 1813. Von Prof. Dr. Peter Bergell und K. Mischer. Mit zwei Bildnissen Larreys. (Berlin SW. 68, Carl Marschner, Preis brosch. 2,50 Mk., geb..3Mk.) — Das vorliegende Buch bietet jedem, der sich für die Geschichte des großen Napoleon interessiert, wertvollen Lesestoff und neue Gesichtspunkte. Wenn auch die Acrztewelt frühzeitig Larreys Erfolge anerkannt hat, und seine Lehren in ber- Schlachtchirurgie Allgemeingut geworden sind, so ist doch bisher für den rein historischen Interessenten nirgends so klar und bildartig zutage getreten, welchen gewaltigen Einfluß rein medizinische Fragen auf das Geschick des ersten Kaiserreiches hatten.
— Künstlerbri^efe aus dem 19. Jahrhundert. Ein verdienstvolles Werk hat der Verlag von Bruno Cassirer in Berlin unternommen, als er eine reiche Anzahl von Briefen zahlreicher berühmter und namhafter Männer der bildenden Kunst in einem umfangreichen Bande zusammenstellte. Von Chodowiecki bis rn die Gegenwart, bis Böcklin, van Gogh und Max Liebermann, sehen wir alle führenden Kräfte des Jahrhunderts in ihren Au- nchten über Kunst im allgemeinen und über ihr eigenes Lebenswerk, so daß eine Art „Kunstgeschichte in Briefen" entstanden rft. Um bte Künstler und ihre Auffrischung am sichersten kennen zu lernen, gebt es nichts besseres als ihre Werke und ihre eigenen Aeußerungen. Welch eine Fülle lehrreicher und ungemein unterhaltender Aufklärungen erhält man in diesen Briefen! Man tut Bucke in Leben, Freud und Leid der Kunst, die manchmal über» ivaltigend sind; der Kampf mit den irdischen Nöten steht oft wie em unvermeidlicher Schatten neben dem unbesiegbaren Optimismus und Idealismus der Schaffenden; wir sehen diese sich äußern im Verkehr mit ihren Anhängern, daneben dann unvergleichlich inniger
mit ihren Freuden oder Familiengliedern. Wie anziehend ist $. B. die Beschreibung des jungen Schwindt, die er von feinem Zui sammenarbeiten mit Cornelius gibt, wie anschaulich die Darstellung Rethels, wie er zum erstenmal eine Audienz bei König Friedrich Wilhelm IV. hatte! Das Buch, das schöne Abbildungen enthält, ist indessen fesselnd von der ersten Seite bis zur letzten, mH, was die Hauptsache ist, nach der Lektüre hat man einen dauernden Gewinn. -z.
— Der Robinson gehört zu dem..festen Bestand unserer Jugendliteratur und kaum ein deutscher Junge wird groß, ohne dieses spannende und zugleich auch ethisch wertvolle Werk zu seinen Lieblingen zu zählen. Die bekannteste deutsche Ausgabe i|t die Gräbnersche, die jetzt in einer neuen Auflage vorlisgt. Gräbuer, Robinson Crusoe, Jubiläums-Neubearbeitung, Volksausgabe, 38. Auflage, mit 5 Bunt-- bildern, 2 Karten und zahlreichen Textillustrationen, gebunden 2 Mark, reich illustrierte Prachtausgabe elegant gebunden 4,80 Mark (Verlag von (Gustav Gräbner in Leipzig). In mehr denn 100 000 Exemplaren hat Gräbners „Robinsohn Crusoe" Eingang in die deutsche Leserwelt gefunden und unzählbar groß mag wohl die Zahl derer sein, die sich an der schlichisn, fesselnden und zugleich belehrenden Erzählung und Darstellung des Gräbnerschen Robinson Crusoe, der unter Mitwirkung zahlreicher erster Pädagogen nach langwierigen, umfassenden Besprechungen und Beratungen herausgegeben wurde, erbaut haben. Der Wunsch und Leitgedanke jener Männer, etwas Bleibendes äu schaffen, hat sich verwirklicht, trotz aller Ucberschwemmung des Büchermarktes mit.Jugendschristen aller Art Hal Gräbners Robinson Crusoe seinen ersten Platz in der Jugendschriftenlektüre zu behaupten gewußt, und wird ihn auch ferner wohl behaupten.
— Der Weg ins neue Reich. Ein Münchener Roman. Mit Titelzeichnung von Willy Geiger. Einhorn-Verlag in Dachau. 2,80 Mk„ in Halbpergament 3,80 Mk. München, „die Stadt der Freude" mit ihrem sorglosen Leichtsinn, ihrer Lebenslust, ihrer süßen Lasterhaftigkeit, mit ihrer Kunst und allem waS sie so liebenswürdig _— bestrickend macht, ist hier de'r Schauplatz der Entwicklung eines jungen Norddeutschen, mitten in einer Umgebung, die den ganzen Reiz des süddeutschen — münchnerischen Wesens hat; reich begabt, aber nicht willensstark, überwindet er doch diese verweichlichenden Einflüsse; er kommt zu der Erkenntnis, daß die unter eitriger moralischer Indisposition leidende, weiche Gennßwelt überwunden werden muß durch die Tatkraft und zielsichere Arbeit des Nordens. Der Weg, auf den ihn schmerzliche Erfahrung und Erkenntnis drängen, ist „Der Weg ins neue Reich", in ein besseres, freieres Deutschland, das sich in der neuen Zeit seine alten großen Vorzüge n>ld unverlierbaren Werte, das eigentlich Deutsche zurückerobert.
— Alfred Huggen berg er: Bauernland. Mil einer Einleitung vonDr. Kimo v. d. Schalk und Bildern von Rudolf Münger. („Hausbücherei", Bd. 50). Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis- Stistung in Hamburg-Großborstel. 160 Seiten. Preis geb. L Mk. Ter Verfasser dieses merkwürdigen Werkes ist ein einfacher Schweizer. Bauer, der noch heute nicht weit von den Ufern des Bodensees sein Stückchen Land bestellt. Wer dies« wirklich meisterhaften Er- zählungen liest, die es mit den besten Leistungen unserer berühmtesten Romandichter aufnehmeii können, möchte es kaum für möglich halten, daß sie von einem Laiidmaiine geschrieben sind, der für die Entwicklung seiner dichterischen Begabung nur auf eine dürftige Schulbildung angewiesen war. Huggenberger zeichnet mit sicherer Hand und eigenartigem fräftigen Stile wundervolle Männer- und Frauengestalten aus dem. Dorfleben, an deren Schicksal der Leser warmen Anteil nimmt. Durch das ganze Buch weht ein Hauch frischen, würzigen Erdgeruches. Das mit hübschen Zeichnungen ausgestattete Buch ist eine der merkwürdigsten und beachtenswertesten Neuerscheinungen des Büchermarktes.
— Die „Fliegenden Blätter", dies bekannte im Verlag von Braun und Schneider in München erscheinende Witzblatt hat uns, die im letzten Halbjahr erschienenen Nummern gebunden vorgelegt und wir sehen daraus, daß das Blatt, wie von jeher, auch heute noch den volkstümlichen Humor in sympathischer Weise pflegt: (Abonnementpreis vierteljährlich 3,50 Mk.)
Logognph.
Feinschmecker lieben mich zärtlich, im Meere ist meine Heimat; Aeuderst ein Zeichen du nur, siehst cm bei Reifenden mich.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung deS Tiamaist-NatselS in voriger Nummer: 11
Cap Stuhl R a ii p a c 11 G r a in- m A c s h
Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R, Langes Gieße»


