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Giebel, Loggien und kleineren Seitentürme, denen das Schweriner Schloß in erster Linie seine bewegte, malerische Silhouette verdankt, sehsen dem Schloß der Touraine. Für die Einzelheiten hat vielmehr das Schloß in Blois die meisten Anhaltspunkte geboten.
Im Frühjahr 1845 wurde mit dem Abbruche des alten Schlotes begonnen. Am Fortgänge des Baues nahm der kunstsinnige König Friedrich Wilhelm IV., der darüber mit seinem Neffen Friedrich Franz korrespondierte, regen Anteil. Die Baugeschichie erhält einen ganz besonderen Zug durch den Konslikt, in den die Regierung mit bcm Bauleiter, dem tüchtigen Demmler, geriet. Demmler war Demokrat und hielt sich als Bürgerreprüsentant stramm zur Opposition. Er ging hierin so weist, daß ihn schließlich die Regierung vor die Wahl zwischen seinen Pslichten als Großh. Beamter, und als Bürgerreprüsentant stellte. Darauf trat Demmler von fernem Amte zurück, und die Oberleitung des Schloßbaues wurde nun Stüler in Berlin übertragen, dem die Pläne schon vorher vorgelegt waren, während Strack die Zeichnungen für die inneren Dekorationen und für das Mobiliar herstellte. Das Innere wurde zum Teil sehr prachtvoll ausgeführt. Die große Paradetreppe aus schwarzem Marmor und die vordere weiße Marmortreppe zählen zu den Prunkstücken des Schweriner Schlosses, das außerdem reich mit Bildwerken geschmückt wurde. In der oberen Loggia über dem Hauptportale fand eine Reiterstatue des alten Obotrrtenfürsten Niklot Platz, die Genfchow schuf. Schon im Februar 1857 konnte der großartige Waffensaal, in dem eine reiche Sammlung untergebracht ioar, dem Publikum zugänglich gemacht werden, und am 26. Mai desselben Jahres, dem Geburtstage der Großherzogm, erfolgte die feierliche Einweihung des Schlosses, dem auch das preitB. Königspaar unsd der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm L, beiwohnten. Der in der Ornamentik des Schlotes haiifig wiederkehrende Namenszug des fürstlichen Bauherrn veranlagte den witzigen König damals zii der scherzhaften Bemerkung, daß hier wirklich alles aus dem „ff" sei! Seitdem ist noch manches schone und edle Werk der Ausschmückung des Schweriner Schloßes hergestellt worden, und vieles, was. das Großseuer dieser Tage zerstört hat, ist als unersetzlicher Verlust zu beklagen.
Vermiete».
* Weihnachtsbctrachtung. Gelegentlich meines täglichen Spazierganges stellte ich in dieser vorweihnachtlichen Zeit auch einmal Beobachtungen an, welche der prächtig ausgestatteteu Schaufenster am meisten Anziehungskraft auf das Publikum ausüben Erfreulicherweise zeigt sich dabei, daß die Auslagen der Kunsthandlungen am meisten umlagert sind, eine Tatsache, die beweist, daß der'Hunger nach guter Kunst ein sehr starker und ertreulicher Eharakterzug des deutschen Volkes ist. Dazu stimmt leider schleckst der Eindruck, den die Waiidbilderausstattung der meisten Wohnungen auf den aufmerksamen Beobachter macht. Er sindet hier leider zumeist eine erschreckende Rückständigkeit des künstlerischen Geschmackes In dem Drange, die Wohiumg zu schmücken uud dadurch behaglich zu gestalten, ist recht häufig ein derartig Minderwertiges, zum Teil sogar geschmackloses Bildermaterial an den Wänden ausgchängt, daß die Frage „warum" oft nahe liegt. wird bann geantwortet, „wir sind schon oft Mit dem Entschluß wcggegaiigcn, einige neue Bilder zu kaufen. 88en.it wir aber vorher die Schaufenster, um uns zu orientieren, mufterteu, dann zeigten diese Preise, die weit über unsere Verhältnisse gehen und wir sind dann schleunigst umgekehrt". Der alte Irrtum, daß gute Bilder notwendigerweise auch teuer sein müßten, ist also noch ganz allgemein verbreitet und es erscheint mir gerade jetzt angebracht, auf ein Unternehmen aufmerksam zu machen, das für einen verblüj- fend billigen Preis großzügige, farbige Bilder erster deutscher Künstler liefert, bei denen jeder Strich auf beit »um Druck! verwenbeten Platten, jeder Farbenton des Künstlers eigener Hand seine Entstehung verdankt, die also in jeder, auch der kleinsten Einzelheit daS sind, was der Künstler darstellen wollte, nnd infolgedesleu mit vollem Rechte als Originale angesprochen werden können. Ich meine die Original-Künstlersteiiizeichniingen aus R. Voigtlünders Verlag Leipzig. Tas sind prächtige Steinkunstgemälde, die künstlerische Schönheit mit Geistesgehalt verbinden und so berufen sind, das Wandbild des deutschen Hauses zu werden. Gerade jetzt zerbrechen sich Tausende den Kopf, womit sie sich oder anderen eine große dauernde Freude bereiten können, statt ort recht frag-" würdiger „Neuheiten" der Geschenkindustrie, die als Lückenbüßer meist verwendet werden, können hier tue dasselbe Gstd ober Md) weniger Kunstwerke verwendet werden, an denen ber Besttzer ^ahr- selntte laug seine Freude haben werd uitb au'.? die er mit Recht stolz sein wird. An Auswahl fehlt es ebenfalls nicht, denn es gibt bereits über 300 verschiedene Bilder versthiedener Formate zu Preisen von Mk. 1.— bis Mk. 6.—V Gutgelungene kleine farbige Äbbildungen aller Bilder enthält der „Hauptkatalog", ber für 50 Pfg. durch jede Buch- und Kunsthanblung, oder auch vom Verleger R. Voigtlänbers Verlag, Leipzig, geliefert wird.
* Die Scholleufischerei in der Nordsee. Durch die Einführung der Dampfkraft in der Hochseefischerei, insbesondere mit Verwendung des Ottetrawls oder Scheerbrettnetze-, in der Grundiietzfischerei hat die Fischerei der Schollen und Schellfische in der 'Nordsee einen so -bedeutenden .Aufschwung genom
men, daß schon jetzt Klagen über ‘eilte Ueberfifchung der Nordsee nicht zur Ruhe kommen. Während die Zahl der ge- fangenen Fische in den letzten Jahren nahezu Die gleiche geblieben ist, hat die Zahl der gefangenen großen Schollen relativ und absolut ab genommen, sodaß es, wie Fr. Keincke in seinen „Untersuchungen über die Scholle" ausführt, notwendig fein wird, internationale Vereinbarnngeit über die Mindestgröße der fangbaren Schollen zu treffen. Etwa 22 Zentimeter Länge dürfte das Minimalmaß der ans Land gebrachten Schollen betragen, alle kleineren müßten wieder ins Meer freigelassen werden. Die meisten Schollenfänge machen die englischen Fischer. Die Gesamtzahl der im Trawl gefangenen -Nordseeschollen wird auf 305 Millionen Stück geschätzt. Der Gesamtbestand der drcihunderttauseud Quadratkilometer befischten Nordsceftäche dürste sich ans ein und eine halbe Milliarde Stück belaufen.
* Der Tangokoffer. Der Tango ist nicht nur ein Vergnügen, er stellt auch hohe körperliche Anfordermtgeit. Jeder Beobachter kann feststellen, daß es begeisterten Tangotäitzern bei der Ausführung ihres Vergnügens keineswegs allein ums Herz warm w-ird, kstrz, der Tango ist nicht nur ein Tanz der Mode, sondern — um diskret eilt Fremdwort zu gebrauchen — der Tanz der — Transpiration., Kein Ballherr wird bestreiten, daß es eine peinliche Situation ist, wenn man, nachdem man um 10 Uhr zum Feste etntraf, um 11 Uhr die Entdeckung macht, daß der Kragen sich von jeder künstlichen Beeinflussung durch das Bügeleifen frei gemacht hat und das -Taschentuch im' Salon nicht mehr recht gebrauchsfähig ist. Und das Taschentuch, das gar ost über Stirn und Nacken des echten Tangotänzers dahinstreifen muß, ist ein unentbehrliches Requisit dieses exotischen Vergnügens. Die schwierige Frage, wie man diesen Nachteilen begegnen könne, hat Paris jetzt gelöst: der moderne Ballherr, der Tangotänzer, erscheint zur Abendgesellschaft nicht mehr mit einem Blumenstrauß, sondern mit — einem schmucken kleinen Handkoffer. In ihm verwahrt liegen alle jene kleinen Garderobestücke, die der Tänzer im Laufe eines Tanzabends des öfteren wechseln muß, wenn er salonfähig bleiben will. Der Dame des Haistes aber wird es zur Pflicht, bafür zu sorgen, baß btefer Salon- kofser, dieser Tangokoffer, auch, seinen Zweck erfüllen kann. Und fo wird den Herren in einigen Pariser Häusern neuerdings ein UmÜeidezimmer zur Verfügung gestellt, in dem sie von Seit zu Zeit Taschentuch, Kragen und unter Umständen auch das Oberhemd wechseln können. Freilich, das Ideal wird erst erreicht fein, wenn für die geschickten Tänzer und die schönen Tänzerinnen neben dem Tanzsaal gleich ein Brausebad eingerichtet wird; eine interessante und lohnende Aufgabe für Architektur, Kunst- geroerbe und gesellschaftlich!- Hygiene . .
kos. Eine merkwürdige Affen Mahlzett. Ein Offizier ber unsere Kolonie Deutsch-Sübwestafrika burchstrerft bat, erzählt, daß er bet Regenstein in beit Anasbergen Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie ein Hunbsasfe, bort allgemein „Pavian genannt, ein Ziegenlamm raubte. Da nun dieser Affe Fletsch nicht nimmt, wartete der Offizier gespannt, was folgen würde. Der Affe machte seine Beute im Weglaufeit und Hmausklettern auf Felsen wohl ungewollt durch Anschlägen an Klippen tot. Dann riß er ihm den Leib auf, nahm den Wagen heraus und fraß den Mageninhalt: geronnene Milch. Der Beobachter toar etwa 80 Meter von dem Tier entfernt und verfolgte den Vorgang! durch ein sehr gutes Goertzglas. Eingeborene .bestätigten ihm später außerdem das Gesehene.
* Wurst wider Wurst. Wenige Tage vor Weihnachten konnte die junge Frau ihr Geheimnis nicht mehr für sich behalten „Ach, Lieber," flüsterte sie ihm ins Ohr, „tch kann nicht bis zum heiligen Abend warten. Ich muß dir fetzt sagen, was ich dir schenke." „Nun, was ist's denn?" fragte er gespannt. „Ich schenke dir einen neuen Kochapparat und die entzückendsten Spitzeuvorhätige für mein Zimmer. Und was hast du dir wohl für mich iiusgebacht?" Nachdenklich stand er da: „Von mir kriegst dn einen Rasierapparat und einen schönen Humpen,
»Die Anerkennung. Der alte.Buchhalter wird von dem Chef in ein freundliches Gespräch gezogen, von dem- er hofft, daß es die Einleitung zu einer Extragratiftkatton sei. „öo, ja, Herr Chef," sagt er, „es sind nun schon 20 Jahre, datz ich. bei Ihnen in Stellung bin, und meine Haare sind tn ^hrem Dienst weiß geworden ..." - Darauf der Chef: „Na, deut ist doch ab- zuhelfen. Da, da haben Sie 5 Schilling, kaufen Sie sich ein
neue Winter mode. Ein kleines Mädchen, das auf der Straße eine nach beirt neuesten Stil mit Pelzen über und über behangene DhiUe sieht, ruft eifrig ihrer Mama zu: „Sieh mal, Mutti, die Dame dort, die hat Pelze zu verkaufen . . .
* U e b e r t r u m p f t. Es war ein Vortrag in der Sonntags- schule. Ein junger Mann sollte sprechen und fein Thema war „W Licht". Und er fing an: „Im Anfang jagte Gott, es werde LiaK, und es ward Licht. Und nun wollen mir uns zu den moderneu Verbesserungen wenden." „
* Praktische Winke. „Eine wirklich gute HciusNuuM- »eitung denkt doch an alles." — „Nun, was enthält benn die neueste Nummer?" — „Unter den „Praktischen Winken eine genaue Anweisung, wie man aus einer alten Tomatenouchse die prächtigste Sufsragettenbontbe macht,"


