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Sie sind von der guten, altbrandenburgischen Rasse, bei der i es heißt: bange machen -gilt nicht." ,
William Dell hatte inzwischen der Frau vom Hause die Hand gereicht und ihr dann den Krrmumliomnnssar, einen in Zivil gekleideten, scheinbar gutmütig dreinschauen^ I den Mann in mittleren Jahren, vorgestellt. I
Frau Klara von Braut dankte den: Kommissar, daß er sich ihretwegen bemiihen und den Spuren des Einbrechers uachforschen wollte; dann wandte sie sich wieder mit liebenswürdigem Vorwurfe an Dell: „Sie haben sich eine Ewigkeit nicht mehr bei uns sehen lassen, Herr Staatsanwalt t Nun hat der Verlust, der uns betroffen, wenigstens die eine angenehme Folge, daß er uns den ungetreu ste- I wordenen Freund wieder zuführt." I
Der Staatsanwalt glaubte nicht recht zu Horen; grollend und verbittert war er einst aus diesem Hause ge- schieden. Er hatte gemeint, daß die Brücken mit Giersdors ein für allemal für ihn abgebrochen wären Und nun empfing mau ihn mit so viel Herzlichkeit, als wenn gar I nichts vorgefallen wäre. War es vielleicht nur, weil man ihn brauchte? Weil man tioit seiner Umsicht den Wiedergewinn eines vielleicht schmerzlich entbehrten Kapitals erwartete? Aber pfui! In solchen Verdacht die Familie Brank nehmen, hatte -er wahrlich kein Recht. Mochte sie möglicherweise auch eingebildet auf ihre alte, vornehme Slbstammung imr daher etwas hochfahrend und selbstbewußt sein, jedenfalls besaß sie iieben dem Adelstolz auch beit echten und niemand verletzenden Stolz der wahren Vornehmheit, der cs ihr unmöglich gemacht hätte, atis irgend einem nur materiellen Beweggründe jemandem ein freundliches Gesicht zu zeigen, I dem man nicht wohl wollte.
„Sie sind sehr gütig, gnädige Frau", versetzte er, rm Herzen schon versöhnt, „und was an mir liegt, so will ich mit Hilfe dieses Herrn (er deutete auf den Kriminalb-eam- ten) versuchen, ob sich nicht noch der Raub oder wenigstens ein Teil desselben für Sie retten läßt."
Die Herren waren in das Zimmer des Freiherrn gegangen, während die beiden Damen sich zurückgezogen hatten, um die Anordnungen für ein Frühstück zu treffen. Friedrich Just stand mit unterschlagenen Armen und stumm beobachtend in der Verbindangstür zur Bibliothek, wahrend Dell und der Kommissär im Zimmer umherforschteu, das noch offenstehende Schränkchen musterten und auch den Fensterflügel mit der zerbrochenen Scheibe, der nebsi dem anderen, wegen schlechten Schlusses ausgehobenen Flügel an der Wand lehnte, in Augenschein nahmen. Daun begaben sich beide nach dem Garten, betrachteten das Fenster von außen Und untersuchten sorgfältig den Erdboden vor demselben. , . „ ,
„Schade, daß es in jener Nacht geregnet und gestürmt hat," sagte der Kommissär, „die Fußspuren sind schon sehr undeutlich. Ist hier neuerdings schon jemand gegangen?" fragte er den Freiherrn, welcher nun auch in den Garten; gekommen war,"während Just sich immer noch im Zimmer aufhielt und zum Fenster hiuausschaute.
„Nein," erwiderte Brank, „ich habe niemand hierher gelassen, selbst dem Gärtner habe ich verboten, diesem Teile des Hauses zu nahe zu kommen."
„Dann sind es mehrere gewesen, die den Einbruch verübt hab-mi," erklärte der Beamte mit Bestimmtheit. „Merkwürdig! Hier führt auch eine Spur nach jener Ecke des Schlosses — was für Zimmer liegen denn da?"
„Unser Schlafzimmer," versetzte der Freiherr
, Aha!" fuhr der Beamte fort, „man hat gewusst daß es Ihr Schlafzimmer ist, und hat eine Schildwache dort aufgestellt." Er ging der Spur nach und fand an-ihrem Ende eine größere, fast kreisrunde Stelle, die vielfache, durcheinanderlausende Fußabdrücke, aber alle von derselben Art, enthielt. Kein Zweifel, hier hat einer „Schmiere gestanden". Er maß die schon ziemlich unkenntliche Fuß- spur, dann kehrte er zu den anderen zurück und sagte zum Staatsanwalt: „Jetzt werde ich selbst einmal einsteigen, um zu sehen, wie das gemacht wurde." Er kletterte «m Spalier in die Höhe, packte das Fensterkreuz und schwang sich durch das osfenstehende Fenster ins Zimmer.
Der Freiherr war durch den Gartensaal wieder ins Haus gegangen.
Tell, der allein noch draußen war, untersuchte noch einmal das Erdreich unter dem Spalier, indem er die Rosen- und Klematisranken auseinauderbog, und plötzlich schimmerte ihm zwischen den grünen Blättern etwas Weißes
entgegen. Begierig bückte er sich danach, und schon wollte er freudig ausruf-en: Hier habe ich einen wichtigen Fund gemacht!— als er heftig erschrocken verstummte. Sein schnelles Auge hatte auf dem weißen Briefumschlag einen Namen erkannt, der ihm alles Blut zum Herzen drängte.
„Herrn Maurermeister Peter Dechner" stand als Adresse auf dem Umschläge geschrieben. Wenn Peter diesen Brief hier verloren hatte, dann war er auch der Einbrecher gewesen, dann war er, der Staatsanwalt, als. Stiefbruder eines gemeinen Verbrechers so schimpflich gebrandmarkt, daß ihm Ellen, die sich gewiß nur mit großer Anstrengung heute zu einem so freundlichen Empfange bequemt hatte, wahrfcheinlich fortan mit zwiefacher Verachtung den Rücken zukehr-en würde. , ,
Hastig schob Tell das verhängnisvoll Papier in ferne Brusttasche. Die Hände zitterten ihm, er fühlte, daß er leichenblaß geworden sein mußte. Nach oben spähend, um zu ermitteln, ob nicht etwa jemand sein Verhalten bemerkt hatte, gewahrte er nur Just, der am zweitnächsteu Fenster stand und unbefangen zum Himmel emporschaute. .
Tell rief ihm mit erzwungener Munterkeit zu: ,,^zch will doch auch einmal hier hiuausklettern."
„Tun Sie das, aber seien Sie vorsichtig!"
Teil trat dickt ans Spalier, und ehe er den Fuß auf die unterste Latte setzre. bückte er sich schnell noch einmal, weil er wiederum etwas bemerkt hatte: es war ein Knopf, den er aufhob und heimlich in seine Westentasche gleiten ließ; daun stieg er an dem Spalier in die Höhe und gewann ohne besondere Schwierigkeit das Zimmer.
Das Herz schlug ihm bis an den Hals; ci hatte zwei l Gegenstände gefunden, du unzweifelhaft auf die Spur des Verbrechers iühren mußten, uud diese Gegcnstäude unterschlug er sowohl dem Kommissär als auch dem bestohlenen Schloßherrn. Der Hehler ist so gut wie der Stehler! rief ihm eine innere Stimme zu; aber getoaltsam verschloß er sich ujr und beharrte bei seinem Entschlüsse. Lieber wollte er die Folterqualen eines bösen Gewissens erdulden, als sich vor Ellen und ihrer Familie als Blutsverwandter eines trc;. gesunkenen und anrüchigen Menschen demütigen.
„Ich glaube nicht, daß es Hausdiebe waren," sagte der Kommissär zum Freiherrn, „sie würden den Weg kaum durchs Fenster genommen haben, aber sie müssen ganz genau I mit der Oertlichkeit vertraut gewesen fein. Wann haben tote, Herr von Brank, das Geld in den Wandschrank gelegt?"
„Erst am Tage vor dem Raube; ich begreife nicht, tote I man wissen konnte, daß ich so viel Geld im Hause hatte."
„Nun, der Zahler muß es doch gewußt haben." „Allerdings, Herr Wilhelm Lampert hat in^eigener Per-
I fon mir hier in dieser Stube das Gelt auf den Tisch gezählt) ein Glück, daß es nicht der ganze Kaufpreis wa" und tat er den Rest erst im nächsten Jahre begleichen wird!'
„War Herr Lampert allein, als er zahlte?"
„Ganz allein, es ist niemand mit ihm hier gewesen.
„Und Sie haben sonst keinem Menschen mitgeteilt, daß Sie das Geld dort im Schranke verwahrt hatten?"
Herr von Brank überlegte: „Außer meiner.Frau, die I gewiß nicht davon gesprochen hat, wüßte ich nicht.... halt! Einem habe ich es doch gesagt dem Instrumentenmacher Dechner, der zufällig hier war, um den neuen Flügel abzu- I liefern."
„Dechner?" wiederholte der Kommissar, „ist dies Adolf Dechner, der Sozius von Haßlach?"
„Derselbe ein äußerst zuverlässiger und ehrenhafter Mann..." .
„Der freilich über leben Verdacht erhaben ist," ergänzte der Kommissar, „fragt sich nur, ob er nicht bona kicke zu anderen geplaudert hat."
„Das ist wohl unmöglich anzuuehmen," erklärte mit I besonderem Nachdruck der Staatsanwalt, .der bisher schweigend zugehört hatte, jetzt aber in das Gespräch eingrist, da 6it Wendung die es zu nehmen drohte, ihm heimlia; den Angstschweiß aus die Haut trieb; „ein so erfahrener und besonnener Geschäftsmann tote Adolf Dechner schwatzt nicht von Geldsachen, bereit Kenntnis er nur dem ehrenden Vertrauen eines anderen verdankt." .
„Davon bin auch ich überzeugt," stimmte der Freiherr ber.
,.Es war auch nur so eine Idee," meinte der Kommissar; „ich selbst bin ganz Ihrer Ansicht; immerhin kann man Herrn Dechner gelegentlich ja einmal fragen "
(Fortsetzung folgt.)


