Ausgabe 
17.7.1913
 
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An bett Kämpfen 1813 und 14 war aus unserm Dorf nie- mänd weiter beteiligt. Ntir der schon genannte Johs. Spaar, der die furchtbaren Strapazen des russischen Feldzuges er erzählte Schreckliches vom.Uebergang über die Beresina glücklich über­standen hatte, wurde noch zweimal eingezogen. Zwei Posten der Rechnung sagen darüber:Dem.Phil. Kutscher von einem Ge­wehr zu butzen als Johannes Spaar nach der Mainspitz mußte d. 7. Nov. 20 Kreuzer/' Und 1814 heißt es:Für Equipierung des Landwehrmannes Johs. Spaar als solcher auf die Rhein­spitze tnarschieren müssen den 5. März 3 Gulden 30 Kr."

Als 1815 das Ringen der Verbündeten mit Napoleon noch ein­mal und zum letztenmal begann, war auf dem Marsche auch schivarzburgisches, gothaisches und schlesisches neben preußischem Militär hier einquartiert. Aus dem Rückmärsche 1816 hatten unsere Dorfbewohner Gelegenheit, die beim Feinde so gefürchteten preuWchen Husaren in der Nähe betrachten zu können. Unternt 20. Mai 1816 verzeichnet nämlich die Rechnung:Dem Konrad Sommerlad einen Gang nach Ettingshausen und preussische Hu­saren abgeholt zur Einquartierung 20 "Kr." Die letzte Ein­quartierung, ebeufalls preußische Husaren, hatten wir am 4. Junr 1816. Mit ihnen verließen die letzten Streiter einer schweren, aber auch großen und erhebenden Zeit, unser Dorf. Waffengeklirr, Pferdegewieher, Trompetensigttale und Kommandorufe Ivaren ver­klungen. Friede, traulicher Friede kehrte in Häuser und Hütten eint Die Bewohner konnten sich wieder frei und ohite Furcht bewegen und sich nach den mageren Jahren wieder des Segens ihrer Felder freuen, den sie seither zum großen Teil für rauhe Kriegsvölker gebaut und geerntet hatten. Zwar ivaren der Be­völkerung unseres Tales die schrecklichsten Schrecken des Krieges mordendes Schlachtengewühl und rohe Vernichtung erspart geblieben, aber es waren Wunden auf wirtschaftlichem Gebiete ge­schlagen, die nur langsam heilten. Noch heute wirken in manchen Gemeinden die Kriegsschulden der Franzosenzeit nach. Bersrod hatte sich durch weise Sparsamkeit verhältnismäßig rasch von denk großen Aderlaß erholt, aber die alten Leute wissen von ihren Eltern noch recht gut, wie arnt und schlecht die, Zeiten noch nach den großen Kriegen gewesen sind. Zum Schlüsse seien darum die jährlichen Kriegsrechnungen, die von dem jedes Jähr wechselnden Bürgermeister von Michaeli bis Michael: ge­führt und vom Amt Großen-Buseck geprüft wurden, in ihren Schuldsummen zusammengestellt.

1796/97 2218 Gulden, 1797/98 1969 Gulden, und laut einer Berechnung des Amtes des Anteils an der Talischen Ge­samtlieferung (Buseckertal) 17 084 Gulden, 1798/99 411 Gulden, 1805/06 1207 Gulden, 1806/07 472 Gulden, 1807/08 107 Gul­den, 1808/09 197 Gulden, 1812/13 120 Gulden, 1813/14 1680 Gulden, 1814/15 552 Gulden, zusammen 26 017 Gulden.

Die Verzinsung dieser Summe zu 5 Prozeut ergibt diue jährliche Zinszahlung von 1300 Gulden. Welche Unsummen an deutschen Werten, an Volksvermögen und Volkskraft, sind doch in der Franzosenzeit verbraucht, vergeudet, vernichtet worden nm des Ehrgeizes eines Napoleon willen. Für den Volksfreund ist es darum schwer verständlich, wenn manche gebildeten Deutsche in ihm nur das Genie sehen nnd preisen und nicht den rohen, rachsüchtigen Korsen, den Mann der niedrigen Instinkte.

So haben uns denn die 100jährigen Kriegsrechnungen unsrer Aemeinde im Verein mit unfernlebenden Chroniken" ein an- schanliches Bild der Zeiten vor 100 und mehr Jahren gegeben. Gar manches Trübe zog an nnjerm Geiste vorüber, das unsre Vorfahren aber mit Würde trugen. Möge das Gehörte sich unsernr Gedächtnis recht einprägen und nachklingen, daß warme Heimat- liebe daraus erblühe und Liebe zu denen, die mit uns die­selben Wege tvallen, dieselben Berge und Wälder grüßen und ans demselben Friedhof einst begraben werden! Und wenn auch int Lärm und Streit des Tages die Charaktere und Meinungen oft scharf aufeinanderplatzen denn Menschenlos ist's, daß wir nach Körper und Geist verschieden sind so möge uns doch immer wieder das Gemeinschaftsgefühl des Dorfes und der Ge­danke: Ich bin ein Deutscher! zusammenführen in dem Liede: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!

Gefährliche Doppelgänger.

K.-K. In jedem Jahre fordern Dopvelqänger aus dem Pflanzen­reiche, ivie die den eßbaren Pilzen täuschend ähnlichen giftigen Pilze, oder die der Kirsche ähnliche Tollkirsche zahlreiche Opfer an Menschenleben. Aber Giftpilz und Tollkirsche sind nicht die ein- zigen Doppelgänger. In dem als Brotgeivürz und in der Likör­fabrikation verivendeten Anis findet sich sehr hättsig der ihm an Gestalt und Aussehen sehr ähnliche giitige Schierlingssamen; es sind vorwiegend aus Rußland stammende Samen, die solche be­denkliche Verunreittigungen ausiveisen. Manches Umvohlseiii, manche ernstliche, bem Arzt nicht gleich klare Erkrankung mag aui solche Doppelgänger zurnckgefnhrt werden tonnen, wenn man hört, daß Anissamen 12 Prozent, ja sogar öO Prozent an Schierlingssamen enthalten haben.

Vor etiva vier Jahren sind in Ungarn bei einer Reihe von Personen nach dem Genüsse von Speisen/ die mit Mohn zubereitet

wurden, bedenkliche, z. T. sckuver verlattsende Bergiflungserschei» nuhgen ausgetreten, die die'.Aufmerksamkeit der Behörden auf dieses» and) bei uns beliebte Hilfsmittel der Küche und Bäckerei richteten. Um die gleiche Zeit sind in Schlesien dem einzigen bekannt ge- roorbenen Falle in Deutschland bei einer erwachsenen Person und einem achtjährigen Kinde nach dem Genüsse von Mohnklößen ernstliche Erkranktmgen erfolgt, die zwar mit der Wiedergenesung der erwachsenett Person, aber leider mit deut Tode des Kindes endeten. Als giftige Beiutengung des Mohnes ergab sich in den aus Ungarn gemeldeten Jällett, die den Gegenstand umfassender Untersuchungen bildeten, mit Sicherheit die Anwesenheit voit dem Mohne äußerlich sehr ähnlichen Btlsenkrantsamen: als Bezttgsland des gefährlich wirkenden Mohnes ivurde Rttßland ermittelt. Neuer­dings ist es ivieder ritssische Mohnsaat, die in zwei Fällen Bilsen- kratttsamett in Mengen beigemengk enthielt, die sich gesundheitlich als nicht gleichgültig erwiesen. Das Gift des Bilsenkrautsamens ist das in die Gruppe der 'Alkaloide gehörende Hyoscyamiti, von dem 'A Milligramm genügt, um beim Menschen deutlich erkettnbare Gesmtdheilsstörtmgen hervorzttrnfett. Solche Alengen findett sich bereits in etiva 79140 Bilsenkraulsamen, je nach Größe und Reifegrad. Da ein Bilsenkrautsantenkorn nur etwa 0,64 Milli­gramm wiegt, so kann sein Vorhandenseiii im Mohn, and) bei den als bereits giftig angesehenen Mengen nicht aus einer Absicht her­geleitet iverden, die eine Gewichlsvermehrung aus Getviitnsucht beabsichtigt. Es liegt feine gewollte Fälschung vor, ivie sie bei anderen Genußmitteln ztiiveiletr geübt wird, vielmehr ist anzu- nehnten, daß mangelhastes Saalgut, mtgenügende Kultur der Mohn- pflanze und vor allem eine nicht ausreichende Reinigung des ge­endeten Samens schuld an bieten beklagenswerten Mißständen sind. Die Ernte des Mohnes erfolgt in Podolien, Wolhynien und dem Gebiete über dem Dujepr, wo die Mohnselder stark verunkraulet sind, durch Absicheln, Abmähen und Dreschen. SDlit diesem Drusch des Mohnes dürste aber die Geiviunuug nicht abgeschlossen sein, sondern es müßte noch eine gründliche Reinigung durch Absieben erfolgen. Versuche, die mit stark Bilsenkraut enthaltendem Mohn auf Sieben mit 0,9 Millimeter Loch weile angestelli wurden, haben ergeben, daß ein Mohn, der anfangs 230 Stück Bilsenkrantsamen in einem Kilogramm enthielt, nach zweimaliger Durchsiebuirg nur noch 2 Stück davon aufwies, daß also eine Entgvtnng eintrat, die als genügend anznsehett ist. Diese nachträgliche Reinigungsarbeit könnte aber bei Verivendttng reinstetr Saatgutes nnd zielbetvußler AnSrottimg der Gistpflattze von vornherein überflüssig gemacht iverben. Dr. H-k.

Vermischte».

* S o l i n g e n s i e n. In der bergtjchen Stadt Solingen Hai kürzlich eine S'olingensieu ausstellrmg slaltgefuttden. Soliugeit- ften - ist das nicht hübsch? Aber märe nicht etiva Altsolinger Ausstellung oder Ausstellung Altsolingen doch hübscher und ein bißchen - deutscher gewesen? Wohin soll es beim sichren, meint wir diese lateinisch-deutsche Endung immer wieder und überall verwerten! Ist es wirklich schön, von Elberseldensicn, Wermels- kirchenensien, Rupperichlerothensien, Lüttringhausenensien, Blanken- stemensien, Radevormwaldensien zu reden? Oder, um in andere Gegenden einen Abstecher zu machen: von llntergruppenbacheusieu, Zusmarshauseneusien, Tiesenbrunnensien, Spichern-ensien, Sommer- feldensten, Oberingelheimensten, Preußischeylauensien, Badmünster- antfteinenfien "Rothenburgobbertauberensien, Homburgvorderhöheit- fien nsw ? Alles genau so berechtigt wie Solingensieu. Nun, leider steht ja Solingen damit eben gar nicht allein, und deshalb sei hierüber auch einmal aus Deutschtimt erinnert: man denke nur einmal ein wenig nach, und man wird viel reichere Namenaus­wahl finden für solche alten Erinnerungen, als sie uns die unseligen lateinischen -ensien zu bieten vermögen. Und schließlich noch eine Frage: wie heißt eigentlich die Einzahl zu diesen Mehrzahlforiiien? Sagt manein,Berlinense" ober etwaein Berlineusium" ?

Rätsel.

Fange ein Tier aus bem Walde, enthaupte e8, füg' ein paar Stückchen

Kreide dazu, ein? vorne, dagegen das andre au's Ende:

Saftig und süß wird es schmecken, ein Labsal bei drückender Hitze.

Kein Vegetarier könnte die .fleischige" Speise verschmähen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer:

(Mit a, b, c, d Iverden die vier Farben bezeichnet: A, U = Unter, Aube, Wenzel; D Dame, Ober.)

Vorhand wendete cA und fand noch bZ; sie drückt nun aZ und a9. Mittelhand Halle aU, dU, aK, aD, bD, b9, cD, dK, d9, d8,

Hinlerhaitb den Rest. Verlaus des Spieles:

1. V. c9 Ul. cD H. e3 --- 3.

2. M. d8 H. dl) V. dA.

3. V. c7 M. H. oll 4.

4. H. dv B. dA M. d9.

5. 9>. cK M. all H. 8.

Tie übrigen Stiche erhält der Spieler, so daß also die Gegner im ©d)iieiber geblieben sind.

Redaktion: K. N e u r a t ü. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdrnckerei, N. Lange, Giege«,