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übrigen Europa unterhalten wird, ist logar so stark, daß> vst mehrere Leitungen nach derselben Stadt laufen nnd auch drese den Ansturm der Telegramme kaum bewältigen können, trotzdem die einzelnen Worte mit Hilfe sehr sein ausgedachter Apparate üuüerst schnell hindurchgejagt werden. Viele Drähte muffen es sich' gar gefallen lassen, daß mehrere Telegramme gleichzeitig mi/ Hilfe dm subtilen Methoden der Mehrfachtclegraphre durch h
Ausnutzung jeder Minute, die im Ber- liner Haccvttelegraphenamt zur Bewältigung der Arbeit notwendig M gibt es dennoch an jedem Tag fünf Minuten, wahrend deren das Ticken Hümm'rn und Pochen der Apparate gänzlich ver- Es
T« Äu-sftild- wR>rI VMI tai a'ÄflMn S
Deutschland ein Beamter. Plötzlich Magen überall slerchmakig die Hebel in kurzen Rhythmen an. Sobald der letzte wcl,lag t er ffunnpn ist blicken alle auf ihre Uhren und stellen sie, mlls sie g&rts WisK “Ä'ft
Berlin steht eine astrononmch genau gehende, Uhr. Durcy rieng Umschalter werden kurz vor acht Uhr niorgens'sämtliche ^»itungeu des Mmts an einen in ihrem Werk befindlichen Kontakt geschaltet. Wenige Sekunden vor acht sendet der Kontakt die «tromswßss iN die ITvühte.' Die Stromgebung hört bis auP/1900.SeUinde genau in dem Augenblick auf, da die astronomische Zeit acht Uhr ist. Auf diese Weise ist die Einheit der Zeit int ganzenReiche^gesichi rt
Diejenigen Orte, welche keine direkte Drahtverbindung imt Berlin haben, erhalten das Uhrenzeichen vom der nagten an ine Berliner Leitungen angefchlossenen Stadt «us. selbst tw zu den kleinsten Postagenturen an den Dörfern drrngt noch die Kunde von der richtigen Zeit. Zhnen kommt das Signal durch die Klingel des Telephons. Denn sobald von Berlin her die Vor anküiwigung des Uhrenzeichens komm, werden überall in den Orten, die Nachgeordnete Postämter habiN, die Tasten M gedrückt oder die Weckerkurbeln der Fernsprecher gedreht, sobald Berlin das Zeichengeben beschließ, hören auch die Unterämter damit auf, so dass dieser Modus die groß e Sicherheit liii tne rirfniae Uebermittlung des Uhrenzeichens bietet.
Kurz nach dem eben beschriebenen Vorgang quittieren alle Anstalten nach Berlin oder der ihnen übergeordneten Provinz- stadt, daß sie das Uhrenzeichen ordnungsmäßig empfangen haben. Das ist zugleich eine Bekundung darliber, daß alle Leitungen ii betriebsfähigem Zustande sind. 'Tann i|t die stille Zeit im Reich der Drähte abgelaufen, und die hastende Tagesarbeit nimmt wieder ihren Anfang.
Neuerdings aber ist ja das Telegraphieren nicht mehr auf das Reich der Drähte beschränkt. Alan depeschiert ja nun auch drahtlos. Und niemanden kann es Wunder nehmen, ivenn er hort, daß die drahtlosen Telegraphenämter als Betriebe altern, uester Art dafür gesorgt haben, daß sie in bezug auf die genaue Zeit- kontrolle nicht schlechter dastehen, als dre alteren scluvesterimtitute Auch das Reich der Aetherwellen hat sein Uhrenzeichen ~nrd) den Raum hindurch, der der zeitlosen Ewigkeit angehort, sendet der Mensch Zeichen von den kurzen Etappen, ut die er sein be- Vegrenztes Leben eingeteilt hat.
Die Ursprungsstelle des drahtlosen Uhrenzeichens, das zu gleicher Zeit Mit dem durch die Drähte gehenden Mlsgesendet wird, ist die Telefunkenstation Norddeich. Die große Antenne, du hur an eisernen Masten hängt, strahlt kurz vor acht Uhr Wellen von einer ganz bestimmten, ein für alle Male festgeUgten Lange aus, die ebenfalls Punkt acht Uhr kurz abbrechen. Dre Schuft auf der See, in den nördlichen Meeren und tief un Atlantischen Ozean, Wunen ihre Zeitmesser jeden Tag auf diese Weise mit vor Mittel- europäischen Zeit vergleichen. Welch ein Fortschritt gegen lruher, wo ein Uhrenzeichen für Schiffe nur gegeben werden tonnte, fo- lange sie sich so nahe an der Küste befanden, daß ste diese durch ihre Fernrohre noch sehen konnten! Da fiel nm zwölf Uhr mittags in Swinemünde und in einigen anderen Hafenorten aus den Truck einer Taste in der Berliner Sternwarte ein Ball an einer Stange Herunter: der Zeitball. Wer von den Schiffern die Verhältnis- Mäßig kleine Kugel nicht zu sehen vermochte, der erhielt kein Uhrenzeichen. , . .
Heute schwirrt das Norddeicher, Signal über viele hundert Kilometer hinweg. Da das drahtlose Uhrenzeichen aber bet der kugelförmigen Ausbreitung der Aetherwellen nicht nur auf das Wasser hinausgeht, sondern auch über das Land hnreili, so kann es auch hier von jeder mit entsprechenden Enrpfangsapparawu ausgerüsteten Station empfangen werden. Und cs hat sich gezeigt, daß das Bedürfnis, jeden Tag von „neuem' eine völlig qenano Zeitangabe zu erhalten, heute so groß ist, daß das Norddeicher Uhrenzeicheu nicht nur von den ohnedies bestehenden drahrlom» Stationen aufqefanaen wird, sondern daß Privatleute sich mis- schließlich zu dem Zweck, das Uhrenzeicheu zu erhalten, Anter,ne und Empfangsapparate anleqea.
Eine weitere Stelle, von der Uhrenzeichen übermittelt ivetben, ist die Königliche Sternwarte auf deM Enckeplatz zu Berlin. Diese gibt ihr Zeichen nach der Zentrale der Gesellschaft Normalzeit, die alle öffentlichen Uhren Berlins regelt. Wenn' die Sternwarte, was imt nächsten Jahre der Fall fein, dürfte, nach Potsdam verlegt sein wird, so wird auch sie die Berbindimg Mit der Gesellschaft Normalzeit auf drahtlosem Wege Herstellen.
Vermischte».
"Die Eiitstehnng kalter Sommer. Der Direktor des astro-physikalischen Laboratorimns des Smithsonian-Jnstituls in Washington, Prof. C. G. Abbot, hat ein Buch: „Vulkane und Klima" veröffentlicht, in dem er die vulkanische Tätigkeit der Erde für abnormale Temperaturen verantwortlich macht. Bisher hatten, wie man weiß, die Meteorologen z. B. kalte Sommer in Zusammenhang mit den Sonuenslecken gebracht: wenn die Sonne viele Flecken zeigte, so sank die Temperatur an der Erdoberfläche. Im vergangenen Jahre war jedoch kein Zusammentreffen beider Erscheinungen zu bemerken; der Sommer war kalt, ohne daß ein Maximum von Sonnenflecken beobachtet worden wäre. ^Auf der Suche nach der Erklärung für die Temperatur des letzten Sommers ist nun Abbot zu seiner Theorie gelangt. Am 6. Juni 1912 hat der Vulkan Katmai, an der Südküsie der Alaska-Halbinsel, einen gewaltigen Ausbruch gehabt, und die Rauchwolken, die er dabei ausgestoßen hat, haben nach AbbotL Theorie einen direkten Einfluß auf die Entstehung de? kalten Sommers gehabt. Zur Zeit des Vuikanailsbruches war Abbot in Algier; in Bassour, etwa nenn« bis zehntausend Kilometer vom Herd des Ausbruchs entfernt, beobachtete er Höhennebel von rötlicher Farbe. Gleichzeitig war auch auf dem Observatorium des Mount Wilson dieser merkwürdige Höhennebel beobachtet worben, und bald sand man, daß er auf den Ausbruch des Katmai zurückging. Stach Avbots Berechnungen können nun durch diese Staub- und Rauchwolken erhebliche Mengen der Sonnenwärme auf dem Wege zur Erde abgeiangen werden, wie er schätzt, ein Zehntel oder gar mehr, so daß der Durchschnitt der Jahrestemperatur um beinahe drei Grad Celsius herabgedrückt werden kann. Er ist daher zu der 'Annahme gelängt, daß der Tätigkeit dieses einen Vulkans der kalte Sommer in Europa wie in Nordamerika zugeschriebeu werden kann. Nach den Beobachtungen, die der amerikanische Regierungskutter „Männing" bei dem Ausbruch des Katmai, in 150 Kilometer Entkernung, an- gestellt hat, sind so ungeheure Aschemnengen auSgeitoßen ivorden, daß der Himmel einen Tag laug versinsterl war. Bisher war ge- ivchnlich nur auf Dämmerlmgserscheinungen hingewiesen worden, wie sie die vulkanische Asche verursacht. Der Zusammenhang mit der Temperatur, den Abbot auch bei früheren Vulkanausbrüchen festgestellt haben will, ist natürlich von ungleich größerer praktischer Bedeutung.
* Unerwartet. „Haben Sie noch Tee von der Sorte, die ich neulich bei Ihnen kaufte?" — „Aber gewiß, gnädige Fran!" — „Schön, dann werde ich wiederkommen, ivenn Sie keinen mehr davon haben!" r. , k
* G e m ü t l i ch. Bauer (zum neu antretenden Knecht): „Also merk' dir, ivenn i mit dem Kopf wink', bann kommst; i mach mt gern viel Wort'." — Knecht: „Da passen mer ja zusamme; ivenn t mit dem Kopf schüttel', bann komm i net."
* Er weiß Bescheid. Sohn: „Papa, was ist denn em Märchen?" — Papa: „Wenn es in einer Geschichte heißt: Sie verheirateten sich und lebten glücklich und in Frieden.
SilbenrötfeL alt, ber, berg, ehe, doli, ei, erb, gi, ing, isch, le, ött, reu, ri, solle, se», sil, tib.
AuZ vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen das Ziel vieler Perguügungsreisender bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1. Gelehrigen Bogel.
2. Bayrischen Wallfahrtsort.
3. Edles Metall.
4. Berg in der Schweiz.
5. Türkische Stadt.
6. Einen Baum.
7. Deutschen Dichter.
8. Nahrhafte Hülsenfrüchte.
Auflistung ui nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Tenn die Unsterblichen lieben der Menschen Weitverbreitete gute Geschlechter
Und sie seinen das flüchtige Leben
Gerne dem Sterblichen, wollen ihm gerne
Ihres eigenen ewigen Himmels Mimen eßendes fröhliches Anschau'ii Eine Weile aö'.uten und lassen.
Rebääün7"R. Neurath. - Notatw,isdruck uTb Verlag der"MÜH?sthen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Langs, Gieß«-.


