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fein zaro oder andere Spielfestsetzungen, der beschränkte Satz, bmv. die Höhe des Bettags, den er als „Bank" anflegt.
Wie jedem Zeitungsleser bekannt, kommt es auch vor, da» gewerbsmäßige Spieler dem -u Rupfenden das Latten der Bank zuschieben. Sie korrigieren dann den Nachteil, in den sie sich selbst gebracht haben, einfach durch Falschspiel. Den Rechtsgriindsatz, daß Spielschulden nicht eingeklagt werden dürfen, machen sie unwirksam, indem die Spielschuld in ein Tarlchn eines mrtemge- weihten Tritten um'gewandelt wird. Dadurch wird die „Ehrenschuld zu einer einklagbaren. Darüber, daß es ganz unsinnig ist, mit wildfremden Leuten zu spielen, will ich kein Wort verlieren; gegen solche Unklugheit hilft auch der beste Rat nicht, gegen gewisse Beanlagungen kämpfen bekanntlich selbst die Gotter vergeblich.
Auf das Unmoralische des Spiels einzugehen, war nicht Zweck dieser Zeilen. Ich möchte aber doch.erwähnen, einen wie widerlichen Eindruck in Nauheim, Ems usw., wo twch bis 1872 gespielt wurde, Und später in Monte Carlo die eigentliche Spielergesellschaft auf mich machte. Ich selbst war durch meinen! Mathematiklehrer vor jeder Versuchung gefeit. Aber auch in der Offizier-spei>eansialt wurde nach dem Feldzug gespielt. Mich hier konnte ich zu sehen, ohne irgend eine Neigung zum Mitspielen Lu verspüren. ^>ch war dadurch ein NM so kühlerer Beobachter. Und wie entpuppte sich da mitunter ein Kamerad, von dem ich bis dahin eine so ganz andere Vorstellung gehabt hatte! Leidenschaftlich, heftig, geldgierig, boshaft, nur zu leicht geneigt, Irrtümer zu feinen Ungunsten zu vermuten, dabei, sowie er gewonnen hatte, verschwenderisch! So manchen von diesen für mich geradezu.niedcrschlagenden und tief» gehenden Eindrücken bin ich in Meinem.ganzen Leben nicht wieder losgeworden. Einer unserer Kameraden ging wegen'.Schulden um die Ecke; was für ein Vorwurf für die Mitspieler! Schließlich kam es zu eiitenv bösen Zusammenstoß — dieser erst machte der Spieldrei endgültig den Garaus.
Ich rate also jedem meiner jungen Kameraden, nicht allein an den alten Mathematiker, sondern auch an das Unmoralische und die bösen Begleiterscheinungen des Spielens zu denken und sich von jedem Hazardspiel grundsätzlich fernzuhalten. Für die Kameradschaft ist es eilt Ruin! Principiis obsta!
welmarische Erinnerungen einer Engländerin.
Mrs. Moberly, eine englische Dame, die Weimar wiederholt Äund in deut Zeiträume von 1871 bis 1876 dauernd dort t hat, hat allerlei hübsche Erinnerungen an jene Zeit ver- Sffentlicht. Ihre Mutter, Mrs. Jane Phillips, war eine nahe Freundin von Ulrike von Pogwisch, der Schwester von Goethes Schwiegertochter Ottilie. Dieser entfernten Verbindung mit der Familie Goethe hatte sie es wohl zu danken, daß ihr ein Teil des Laufes am 'Frauenplane, das damals' noch nicht zum Nationallmuseum eingerichtet war, mietweise überlassen wurde, während Goethes Enkel Walther und Wolfgang von Goethe den Rest des Laufes bewohnten. So lernte Mrs. Moberly, die damals Mari- guita Phillips hieß, die beiden Goetheenkel näher kennen. Sie waren, so berichtet sie, beides intelligente nnd anziehende P-er- fönlichketten, aber erdrückt von dem Riesenschatten des Großvaters, dem! sie sich nicht entziehen konnten. Sie stellten sich, ihren englischen Frennden als völlig lebensfremde, unsichere und ängstliche Menschen dar, und besonders war Wolfgang mit seinen schönen, Mnzenden und tiefen melancholischen braunen Augen von äußerster Schüchternheit und Zurückhaltung. Eher, war Walther von Goethe einmal zu einer Unterhaltung zu bewegen, und noch erinnert sich Mrs. Moberly einer hübschen kleinen Geschichte, die sie damals in ihren Mädchenjahren von Walther Goethe gehört haben mitt. Er war einmal zu einem musikalischen Abend geladen, bei dem sich ein berühmter Sänger hören lassen sollte. Ter Gastgeber hatte diesem schon mehrere Tage zuvor hie Komposition eines jungen Tonsehers mit der Bitte zugesandt, dies Stück einzu- studieren. Aber als die Gäste beisammen waren, weigerte sich der Sänger, das ihm übersandte Lied zu singen, weil es sich, wie er behauptete, nicht lohne. Da stellte indes der Wirt an dem' kunstreichen Knoten, mit dem er das Paket verschnürt hatte, fest, daß es überhaupt von dein! Sänger nicht geöffnet worden war, und nun öffnete er es selbst und bewog den Sänger, sich das Lied auf der Stelle durchzuschen. Der trug es vor, der Erfolg war Mächtig — diese Neuheit war der „Erlkönig" von einem jungen Wiener Tonsetz-er namens Schubert, dessen Ruhm in Weimar hauptsächlich von diesem Abende datieren soll.
Der große Mann in Weimar war zur Zeit, da die Familie Phillips in Weimar wohnte, Liszt, aber da Ottilie von Goethe Nicht wünschte, daß sich die Tochter ihrer Freundin in den etwas übertriebenen und lächerlichen Bewundererkreis des Meisters mischte, so bekam Mrs. Moberly Liszt nur selten zu sehen. Einmal sah sie ihn auf dem Bahnhof, begleitet von etwa dreißig Enthusiastinnen, von denen jede einzelne ihm einen Strauß brachte. Ein ander Mal nahm sie selbst teil an einem Chor, der als Geburtstagsüber- paschung für Liszt eine seiner religiösen Kompositionen in der Kirche zum Vortrage bringen sollte. Die Dame, die diese Huldigung ins Werk setzte, gehörte zu seinen glühenden Verehrerinnen, und Man kann sich ihre Niedergeschlagenheit, ihre Verzweiflung
denken, als der Chor am Geburtstage geradezu miserabel ausfiel. Hier zeigte sich -aber Liszts oft bekundete Herzensgüte in schönstÄ« Lichte. Mit seiner sanftesten Stimme tröstete er, lobte die gute Absicht nnd schlug dann vor, am folgenden Sonntag unter ferner eigenen Leitung den Vortrag zu wiederholen. Er übernahm dann selbst die weitere Einstudierung, und der zweite Versuch fiel hiernach söhr _ befriedigend aus. Jeden Sonntag nach Beendigung der Messe pflegte Liszt seine Freunde um sich in seinem Hause zu versammeln und mit ihnen Musik zu machen. Die englische FamjliS hätte diesen Sonntagsnttisiken bei Liszt schon gern beigewöhnt, aber da sie wußten, daß die Goethes sich dadurch empfindlich berührt fühlen würden, so entschuldigten sie sich auf Liszts Einladung damit, daß der englische Gottesdienst gerade in die sh Stunden falle. Aber man spürt aus Mrs. Moberlys Erzählung noch heule das Bedauern, baß sie däMals Liszt fernbleiben mußte.
Vüchertisch.
— von der Goltz über Wilhelm II. Unter den zahlreichen Veröffentlichungen, die das Regierungsjubiläum des. Kaisers bringt, nimmt die im Verlage von Velhagen & Mlasing (Bielefeld und Leipzig) erschienene Fesffchrift des Generalfeld- marschatts Freiherrn von der Goltz einen hervorragenden Platz ein.
— Geschichte der Philosophie vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Von Professor Dr. A. Messer. 174 Seiten. (Wissenschaft und Bildung Bd. 117). In Originalleinenband 1,25 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1913. Messers Geschichte der Philosophie, deren 3. Band hiermit vorliegt, erbringt den Beweis, daß 'der als Psychologe, Erkemttnistheoretikep und Kant-Forscher in philosophischen Kreisen geschätzte Gelehcke auch für geschichtliche Darstellungen aus seinem Gebiet das Talent bekundet, wissenschaftliche Gründlichkeit mit edler Popularität zu vereinen. Darstellungen über das hier vorliegende Thema gibt es in Menge; aber unter diesen snid es doch nur wenige, denen die Aufdeckung der pragmatischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge so gelungen wäre, wie das hier geschehen ist. Der öde Schematismus: Das hat der gesagt, und so jener die großen Rätselfragen gelöst, ist aus dem Buche völlig verbannt. Wer sich in die neuesten Probleme der Geschichtsforschung einführen lassen witt, oder einen Ueberblick über die so reiche Entwicklung des letzten Jahrhunderts sucht, wird nicht besser tun können, als. sich durch dieses schöne Buch beraten zu lassen. — Gesundheit und Lebensklugheit. Von Geh. Sanitätsrat Dr. R. Paasch. 110 Seiten. (Wissenschaft und Bildung Bd. 117.) Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1913. In unserer zum Spezialistentum neigenden Zeit vergißt man nur zu sehr den Menschen als Mikrokosmus anzuseheu, vergißt daß Gesundheit und Lebensklugheit-einander notwendig bedingen, und daß es der Mensch bis zu gewissen Grenzen in der Hand hat seine Gesundheit zu erhalten. Hierbei wird dieses Büchlein ein treuer Berater feilt. Es ist interessant und gut geschrieben und unterzieht alle Erscheinungen des menschlichen Körpers seiner Betrachtung — Die Textilindustrie. Herstellung textiler Flächengebilde. Bd. 3. Bon Geh. Reg.-Rat Dipl.-Jng. H. G l a f e y. 171 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. (Wissenschaft und Bildung Bd. 118.) Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1913. Mit diesem Bande ist Geheimrat Glafeys in Fach- und Laienkreisen gleich beifällig aufgenommene Darstellung der Textilindustrie abgeschlossen. Befaßten sich die beiden vorhergehenden Bändchen mit den Rohstoffen der Textilindustrie sowie mit der Herstellung der Fadengebilde, so wird hier die Fabrikation textiler Flächengebilde dargestellt. Stets ist, der Aufgabe der gemeinverständlichen Bändchen entsprechend, alles Nebensächliche weggelassen, dafür sind aber die einzelnen Arbeitsvorgänge möglichst anschaulich geschildert,.
Spruch.
Um keinen Preis gestehe du Der Mittelmäßigkett was zu, Hast du dich erst mit ihr vertragen, So wird's dir bald bei ihr behagen. Bis du zuletzt, du iveißt nicht wie, Geworden bist so flach wie sie. Geibel.
LrgänMirgsrätsel.
S.. h. ch. es.. ig. o.. r l..d.: .a. .e.z b. d..s ..n .w.i. es . e. z;
G..h.i.t. F.. u.' .s. d.p..l. F..u.e, G..h.i.t.r ..h.e.z J. .a.b.r S.. rn.. zl
, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer z Weiß. Schwarz.
1. L f 3 — g 4 f. K f 6 — e 4.
8. Le5—16. Beliebig ob. Lc5n.b4.
3. S c 4 — d 2 f und Matt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Langte (SHefiefc


