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er wirkt auch seelisch eiljebenb. Das beweist genügend die charakteristische Signatur aller Reitervölker. Ein Ritt in gestrecktem Trab oder in fliegendem Galopp^ auf schöner Ebene bei herrlicher Frühlingslust zählt zu den schönsten Genüssen, da suhlt man so recht die echte Lebensfreude und die volle Gesundheit. Diesen Genuß, erreicht annähernd auch der tüchtige Radler. Für ihn ist sein Rad eilt Pferd, er nennt es daher auch mit voller» Recht sein Stahlroß. Er liebt und putzt es eben so sorgfältig wie der echte Reiter sein Pferd.
Nächst dem Radsport ist das Lawu-Tennisspiel am geeignetsten, beim beginnenden Frühjahr in Angriff genommen zu werden. Ter Lawn-Tennissport weist wie der Zweiradsport tinen großen Aufschwung auf. Das verdankt er seiner hervorragend gesundheitlichen Wirkung. Schon die Bewegung int1 Freien, in der erfrischenden Luft, ist der Ausbildung kräftiger Lungen sehr förderlich. Hier weitet sich die Brust beim Spiele und läßt die ozonreiche ,Frühliitgsluf't kräftig in die Lungen einströmen.
Wie nur selten bei einem Spiel, kommen beim Tennis die Glieder unseres Körpers M einer allgemeinen Bewegung, die, je ungezwungener sie erfolgt, uMso harmonischer, schöner und gesünder wird. Tas erklärt es, warum gerade das Tennisspiel bei der Tamemvelr so beliebt ist; es fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die AnMut der Bewegungen. Tas ist ein unschätzbarer Vorteil, denn Anmut ist unwiderstehlich und unvergänglich. AnMut verwelkt nicht wie so oft die Schönheit, sie begleitet vielmehr durch alle Stadien des Erdenlebens und schmückt selbst noch das Greisenalter.
Das Tennisspiel erzeugt auch gute Läufer durch die gesunde Bewegung der Beinmüskeln. Deshalb eignet es' sich, besonders stir Personen, die eine sitzende Lebensweise fuhren müssen. Das Leben eines Stubenhockers macht schlaff, griesgrämig, und melancholisch, ertötet nach! und nach! Körper und Geist, hingegen das elastische Treiben beim Tennisspiel weckt die Lebensgeister und Macht fröhlich. Tas hervorragend Gesunde beim Tennis- fpiel beruht auch darauf, daß Atme und Beine zu gleicher Zeit Angestrengt werden. Wie beim Radsport so darf man aber auch heim Dennisspiel nichts übertreiben. Kein Sport darf bis zur pölligen Erschöpfung betrieben werden. So wie Man Radfahrerkrankheiten kennt, so gibt es auch schon Tenniskrankheiten. Tie bekannteste und häufigste ist der sogenannte „Tennis-Ellbogen", Has heißt eine Entzündung der äußeren Ellenbogengelenkkapsel. Diese Entzündung, die sehr,'schmerzhaft ist, entsteht bei zu hastigem Spiel und beim Abschlagen des Balles mit abwärtsgestrecktem Arm, also wenn der Ball sich unter Schulterhöhe befindet.
Vollständige Ruhe des Armes und zugleich! Umschläge mit essigsaurer Tonerde, fünffach verdünnt. Heilen bald das Leiden. Geschieht das nicht, so rufe man den Arzt, um chronisches Leiden zu verhüten.
Beim Frühlingssonnenschein kann auch der Rudersport schon begonnen werden. Er hat den großen Vorteil, daß er in staubfreier und bazillenarMer Luft betrieben wird. Er schützt ferner seine Anhänger am! besten vor Erkältungen, weil die Temperatur der Wasserlüft nicht so schnell schwankt wie die Landluft.
Tie Armlbewegungen, welche der Rudersport erfordert, erweitern ganz besonders Mit der Zeit den Brustkorb uni1 fördern so die Atmung und den Stoffwechsel. Wie die Lunge, so gedeiht auch beim Wassersport, Rudern oder Schwimlnen, der ganze Verdauungsapparat. Tie schlechte Verdauung, der nervöse und schwächte Magen, das sind die Grundleiden der geistig arbeitenden Großstädter. Wer diese unangenehmen Gäste für immer bannen will, der greife zum Radfahr- und Rudersport.
Wer Sport treibt, richtig und ausdauernd, der treibt prophylaktische Gesundheitspflege, er beugt der Krankheit vor, er schafft sich selbst das wirkungsvollste Schutzmittel gegen das Krank- werdm, er lebt gesundheitsmäßig und achtet von selbst die Gesetze der Hygiene. Das Ziel aller sportlichen Erziehung ist die Heranziehung einer gesunden Nation. Das geschieht durch die Abhärtung und Stärkung der Menschlichen Organe. ' Auf solche Weise ist der richtig geübte Sport auch ein Mittel zur Verlängerung des Lebens, eines gesunden Lebens. Ter Sport ist nicht dazu da, UM den Ehrgeiz oder.die Vergnügungssucht zu befriedigen, sondern aMenschen von körperlichem und seelischem Gleichgewicht zü feit. Der Sport duldet keine Nervösen, keine Melancholiker und keine Lebensüberdrüssigen. Ter Sport ist Ur die moderne Menschheit nm so mehr ein unerläßliches Bedürfnis geworden, als unsere ganze Lebensweise eine verweichlichende und naturwidrige geworden ist, wodurch, der menschliche Organismus int erhöhten Grade allen Einflüssen der Erkrauküng und Schwächung ausgesetzt ist.
SB et aus irgend einem Grunde keinen ..teuren Sport treiben rann, der vergesse nie, haß das Fußwandern der billigste, einfachste Und natürlichste Sport ist. Bei ihm! werden alle Muskeln gleichmäßig in Tätigkeit gesetzt. Keine Jahreszeit ist zum Beginnen Mehr geeignet als das Frühjahr. Auch dieser Sport müß richtig betrieben werden, ohne Hast und ohne Lässigkeit. Man fange Ute schnell an, Halte einen mäßigen Schritt. Man atme stets kräftig mit geschlossenem Munde durch! die Nase. Beim Atmen durch den Mund wird die Kehle leicht trocken, und man ist auch, eher einer Erkältung der inneren edlen Organe ausgesetzt.
!Der Frühling ist da, wer tS gut Mit sich selbst meint, der prginn« einen Sport.. ——--
Neber dar Glücksspiel
macht Generalleutnant z. D. Kl. im Deutschen Offizierblatt, angeregt durch den Stallmannprozeß,, folgende Ausführungen, die auch für die Allgemeinheit nützlich sind.1 ■
Tie Spielerprozesse reißen nicht ab. Da »st es Wohl am Platz, den jungen Kameraden zu erzählen, wie ich vor dem Spielteufel bewahrt wurde, und daran eine Mahnung zu knüpfen.
Tas Verdienst hatte ein alter Mathematiklehrer, Mn Professor Dr. Dölp in G. Er Mächte seiner Klasse bereits in Tertia 2 Lehrsätze klar, die geeignet waren, seinen Schülern einen festen Halt für das ganze Leben gegenüber den Versuchungen des Spiels zu geben und so Manche Irrlehren, die — sei es auch nur aus kln- verstand — verbreitet werden, in Wer vollen Unrichtigkeit vor Augen zu Uhren.
Ter erste dieser Lehrsätze war: „Nur der Bankhalter hat die Wahrscheinlichkeit, zu gewinnen."
Ich führe ausdrücklich, an: die „Wahrscheinlichkeit", denn mit Möglichkeiten darf in einem solchen Fall kein vernünftiger Mensch rechnen. Nehmen wir als einfachstes Beispiel v,bie lustige Sieben". Tie Sieben gehört dem Bankhalter. Er zieht also mit Sicherheit! den siebenten Teil aller Einsätze ein. Noch günstiger für ihn stehen die Tinge bei dem Pferdchen- und Disenbahnspiel in Schweizer und sonstigen ausländischen Kurorten. Dort streicht die Bank den fünften Teil des Umsatzes ein. Am „nobelsten" ist die Bank von Monte Carlo, wenigstens beim! „Roulette". Ueber das dort auch gespielte „Trente et quarante“ bin ich nicht unterrichtet. Beim! Roulette handelt es sich bekanntlich um' 36 Nummern und ein zero, das der Bank gehört, „bei einfachen Chancen", also wenn jemand nur auf gerade oder üngerade Zahlen, rot oder schwarz usw. spielt, jedoch nur die Hälfte. Beim Roulettespiel mit einfachen Chancen zieht die Bank also V?2 des Umsatzes ein, beim Spiel mit mehrfachen Gewinnchancen jedoch! Vss, sie zahlt dafür allerdings die Sätze auf zero 35sach aus. Wie hoch dieser Bankgewimi ist, geht aus dem jährlichen Reingewinn hervor, der strotz der riesigen Ausgaben der Bank für die Spielpaläste, Gartenanlagen, Vergnügungen, Beamten, Pacht, Steuern, Abfindungen, Reklame usw. ganz gleichbleibend jedes Jahr viele Millionen beträgt. Daß die Höhe des Gewinns sich so gleichbleibt, erklärt sich zuM Teil aus' dem „beschränkten" Satz, der die Einnahme der Bank zu einer ganz sicheren Macht.
In manche Spiele und deren Gewinnaussichten kann man freilich keinen Einblick erlangen. So erinnere ich mich! aus Nizza zweier derartiger Veranstaltungen, bei denen dies nicht zu ergründen war. Gering konnte der Verdieiist nicht fein, denn. die Banken zahlten eine außerordentlich hohe Pacht und,unterhielten Barietee- bühnen Mit allerersten Kräften bei sehr geringem Eintrittspreise. Der Andrang zu den Spieltischen war groß. Und was für Leute spielten! Hier, ebenso wie in Genf, sah ich kleine Leute, Metzger- burschen und dergleichen, die bei jedem! Spiel Zwei- und Fünf- Frantstücke — den höchsten Satz, — fetzten. Allerdings durfte in der Schweiz nur in den Pausen der Varieteevorstellungen gespielt werden, aber diese Pausen wurden recht lang gemacht; ein kleiner Manu konnte sich schon in diesen Pausen ruinieren. Und wieviel mehr, wenn das Spiel länger dauert! s Dann steigt der sichere Gewinn der Bank und der ebenso sichere Verlust der Spieler bis zu großen Summen.
Nun könnte man auf den Gedanken kommen, man dürfe der Bank keine Zeit lassen, ihren gleichbleibenden Gewinn abzuziehen und Müsse gleich recht Hoch spielen. Ich stand dabei, wie in Monte Carlo ein sog. Systematiker diese Ansicht in die Praxis übersetzen wollte. Es fielen sofort 2 zero hintereinander und bewiesen das Unzutreffende dieser Theorie. Um ganz logisch, zu sein, muß man also sagen: Wen Man die Wahrscheinlichkeit haben will zu gewinnen, muß, man selbst Bankhalter fein, vorausgesetzt natürlich, daß ein Spiel gewählt wird, bei dem die Gewinnchancen auf feiten des Bankhalters liegen. Es' bedarf keiner Erörterung, daß ein derartiges An-sich-Ziehen der Bank nach den Anschauungen unseres Standes unanständig und unwürdig ist. Auch haben gerissene Mitspieler genügend Mittel an der Hand, ein derartiges Bestreben zu vereiteln und sich in Vorteil zu setzen.
Aus Einzelheiten will ich nicht eingeheN, es würde zu weit Uhren. Ich glaube aber, den Satz bewiesen zu Haben, daß die Wahrscheinlichkeit des Gewinnens Nur der Bankhalter hat, und daß es daher töricht ist, gegen einen Bankhalter zu spielen.
Nun wird viel von „Systemen" gesprochen, welche eine Wahrscheinlichkeit bieten sollen, auch gegen den Bankhalter zu gewinnen. Diese Systeme wirft der zweite Lehrsatz meines Maihe- Matiklehrers über den Hausen: „Tie Wahrscheinlichkeit ist immer neu!" Hat es beim Roulette zehnmal rot geschlagen, so kann Man gewiß leicht zu der Annahme gelangen, nun müsse es doch einmal schwarz schlagen. Ganz falsch! „Die Wahrscheinlichkeit ist ,Hinter neu!" Es kann gerade so'gut wieder rot wie schwarz sein. Eher könnte män schon sagen, es müsse ein Fehler int Apparat vorliegen, der das Fallen von Rot begünstigt. Doch dagegen sichert sich die Bank, und zwar durch sorgfältigste Anfertigung der Geräte und durch deren 'fortwährenden Wechsel. Auch!,wäre ein derartiges' Ausnutzen eines erkannten Fehlers zweifellos wieder unanständig.
Nun sind manche der Meinung, durch Verdoppeln des Satzes fei das „Glück" zu zwingen; doch dagegen sichern den Bankhalter


