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übermütigen Gesellschaft,
Berg'. I
Er batte sein Skizzenbuch- auf den Knien liegen und suchte mit flüchtigen Strichen so manches festzuhalten, was ihn interessierte oft nur einen originellen Faltenwurf, eine Schleppe, einen ,9terme(. ;
Seit geraumer Zeit hing sein Blick an den: Tisch der übermütigen Gesellschaft, in deren Mittelpunkt Baron Flas-
«Lühten die Augen; verführerisch lockten -dre entblößten Schultern und Arme unter den verhüllten Gesichtern tn den» schwülen, üppigen Dunst, der sich über bte Raume Ictctcrtc. i
Flassan steuerte, grüAend, nickend; sich einer allzu stür- Ulisck-en Annäherung'eines kecken Dominos'erwehrend; als gewandter Stammgast mit seinem Begleiter auf eine Loge, in der sie mit freudigen! -„Hallo" begrüßt wurden
Mehrere elegante Damen mit verschleierten Gesichtern, aber freigebig enthüllten Nacken, saßen hier, an einem mit Sektflaschen besetzten Tisch mit einigen älteren, blasiert aus- sehenden Herren zusammen. !
„Endlich! Endlich!" rief man erfreut, als Flassan herangetreten war. „Wie Sie uns gefehlt haben! Es kommt Vein Zug in die Geschichte, 'wenn Sie nicht da sind!"
„Ja, endlich, Barönchen!" schrie eine Schöne mit großer, rotblonder Perücke und warf Flassan eine Kußhand zu.
„Du bist wirklich der König'Argus in der Tafelrunde!" sagte eine kleine Choristin, die sich auf ihre Bildung viel zugute tat tn geziertem Hochdeutsch. .
' Der Baron ließ sofort neuen 'Sekt bringen und füllte die Gläser. !
Er war bald umringt, von lachenden, kichernden Dämchen, die er mit frechen Augen anblickte, denen er freche Witze ins Ohr flüsterte. i
Der Leutnant hatte sich anfänglich etwas fremd gefühlt in dem üb ermutig eit Kreis.! Er mußte sich zusammen- ueymen, um den rechten Ton zu treffen.
Aber eine kleine, zierliche Tischnachbarin, deren schwarze Augeii keck aus der Maske hervorblitzten, 'nahm ihn bald in ihren Beschlag und sagte ihm in ihrem drolligen ungarischen Deutsch so nette Schmeicheleien, daß ihm ungemein behaglich zumute ward. >
In einer gegenüberliegenden Loge saß der Maler Gron-
san sich breit machte. i
Doktor Weitring, ein dem Maler befreundeter Arzt, der auch mehr als Zuschauer zudem Red-onienabend gekommen und sich W ihm gesellt -hatte, warf einen neugierigen Blick auf das Buch.
„Es ist ja gar nichts -zu sehen — nur Notizen, die Man sich so hinwirst, man kann ja kaum etwas festhalten in diesem Kaleidoskop." I
„O, der Kopf von dem kahlen alten Sünder da drüben Mit dem halb blasierten, halb lüsternen Ausdruck ist ganz famos! Wie Sie das mit den wenigen Strichen herausbringen !" I
„Ein Faun gesicht," meinte Grimberg, der noch immer an Flassans Kopf zeichnete und ihm-nun übermütig ein Paar Bockshörnchen aufsetzte. „Er mag einmal sogar hübsch gewesen sein, aber er hat seine Züge verwüstet. Kennen Sie den Mann?" l
-„Nein. Ich finde ihn aber sehr widerlich mit seinem frechen Gebühren. Wenn die Jugend toll wird, na ja, es ist auch nicht immer hübsch-, aber es ist doch begreiflich So ein krank aussehender, fahler -Kumpan aber — brr! Uebrügens den jungen Menschen, der da drüben sitzt, den sollte ich ja kennen. Das-ist ja das Leutnantchen, der Martin Schmidt. Ich muß sagen: es -tut mir in der Seele weh-, daß ich ihn in der-Gesellschaft seh'."
„Scheint sich aber sehr gut hineinz-ufinden. Der kleine Domino sitzt ihm schon fast auf dem Schoßte."
„Tie Eltern haben bei uns im Hinterhause gewohnt," erzählte der Arzt. „Kleine Leute; — ich glaube, der Mann war ein Winkelschreiber und die-Mutter hatte ein Mägdever- dinggeschäft. Ich erinnere mich, daß der Martin als sechs- (ähnges Bübchen schon in Uniform sm Hof herummar- chierte und die Alte lehnte in der Nachtjacke oben am' fenster und- strahlte vor Bewunderung. - Damals ist wohl chon der Ehrgeiz in ihr erwacht, ihr Martin solle Offizier werden. Wie sie es zustande-gebracht hat, das weiß ich! nicht, denn er war ein mäßig begabter Bub, der nicht gern lernte, und es mag der Familie blutig schwere Opfer gekostet hab en. Und nun kann sich die -Frau Mama jedenfalls vor ihm verkriechen, um ihm keine Schande zu machen, was wohl
aus der hübschen Schwester geworden -ist? Die war immö« der Hauspudel." ,
„Es fragt sich; ob sie dem- Menschen was Gutes- angetan haben," meinte Grönberg.
„Allerdings, wenn er sich nun.den Sekt und diese Wcidcr angewöhnt."
Brit lautem Jubel wurde eben drüben an dem Tisch eine große, üppige Blondine empfangen, die hinter'Flassans Stuhl geschlichen war und- ihm die übervollen weißen Arme um den Hals -gelegt hatte.
l,Jch gehe," sagte Grönberg, sich erhebend. „Ich habe keinen Geschmack mehr an der Geschichte. Man ward alt."
„Mir geht's wie Ihnen, Grönberg. Ich komme mir vov wie ein Nüchterner unter Bezechten.-Gehen wir!"
In der Loge gegenüber dachte noch niemand an den Aufbruch. t
Manchmal senkte sich wohl einen Moment lang bleierne Müdigkeit auf die Stirnen, aber man schüttelte sie ab, mit einer unerschütterlichen Gier nach einer Steigerung der ausgelassenen Stimmung. i
Jeder frechste Witz, der auf der Zunge prickelte, wurde ausgesprochen und mit Lachsalven belohnt.
Dreister drückten sich die heißen Lippen auf die nackten Schultern, ein Schrei, ein Fächerschlag, ein wildes Auf-! lachen — mit zynischem Vergnügen rief Flassan sein „Prosit" über den Tisch, mit schweren'Lidern in dem gleichmäßig blassen Gesicht. I ,
(Fortsetzung folgt.)
Frühlingssport.
Von Tr. Wilhelm Teschen, t
Das Frühjahr ist die beste Zeit, den Sport im! Freien zu beginnen oder den schon erlernten Sport wieder außunehmen. Ein Sport im Freien, in der frischen Luft, schafft Neuen Lebensmut, frischen Lebenssaft und stärkt die Gesundheit. Ein rtchttg geübter Sport bringt das kostbarste Gut mdheit. Nach
dem langen Winter mit seiner Stnbengcm ,.u leasen unsere Lunge und unsere Haut nach reiner Luft, nach oeu milden strahlen der Sonne.
Tie verbrciteste und modernste Krankheit bei alt und jung ist die Nervosität. Ueberanstrcnguug und Ueberfeinerung sind die Hauptursachen dieser Nervenschwäche. Daher Muß sich auch die Behandlung und Heilung derselben in den Bahnen einer rem naturgemäßen Heilung bewegen. Der ganze Arzneischatz versagt bei der Behandlung der Nervosität. Das beste HcftMlttel ist der Sport. Jeder Sport, der im Freien ansgeübt wird, bient zur Verschönerung, Kräftigung und Entfaltung des ganzen Organismus. Für den Arzt, der eine kräftige Nation heranztehest will, huldige derjenige weniger dem heilsamen Sport, der das Endziel nur in einem- Siegespreis beim Wettkampf sieht, als vielmehr derjenige, welcher ihn vorsichtig, methodisch und naturgemäß ausübt. Gewiß liegt es int Interesse eines jeden Sports durch Erteilen von Siegespreisen den Ehrgeiz zu wecken und drö Leistungsfähigkeit zu erhöhen, nur darf dabei die Gesundheit keinen Schaden leiden.
Beim nahenden oder jungen Frühling kommt in erster Linie der Radfahrsport in Betracht, denn er kamt schon bei dem mildesten Sonnenschein in Angriff genomlueu werden. Ter Radfahrsport hat. schon längst mit voller Berechtigung das Bürgerrecht bei uns erhalten, denn die ganze Pharmakopoe, der gesamte Arznei-, schätz enthält kein Stärkungsmittel, keine Blutreiniguugs- odev Werdauungsmittel, das angenehmer und sicherer wirkt als der richtige Gebrauch eines Zweirades. Er stärkt die Lungen und das Herz. Er wirkt wohltuend auf die DarurmUskulatur ein und fördert s-o den Appetit und den Stoffwechsel. Auch für F ' - 'chtige ist der Radfährsport sehr zu empfehlen, denn er vermi.ucrt das Wasser im Organismus. Fettsüchtige haben nämlich immer zu viel Wasser im Blut. Ist dieses aber der Fall, so verringert sich die Leistungsfähigkeit des -Gesamt-Organismus. Wer bei den leichtesten Arbeiten tn Schweiß gerät, dessen Blut hat zu viel Wasser. Viele Menschen glauben, daß ihnen das Wer die Kraft geraubt habe, während es nur der '.starke Wassergehalt ihres Blutes ist, der ihnen das schnelle und anhaltende Arbeiten unmöglich macht. Wir können den normalen Wassergehalt unseres Blutes wieder erlangen, wenn wir uns ost Bewegungen bis zuM Schweißausbruch machen. Dazu eignet sich der Fahrradsport ganz besonders. Die großartige Verbreitung dieses Sports beweist es ja auch, wie beliebt und wie gesuud er ist. Tas komMt auch daher, daß neben dest körperlichen Vorteilen auch -schöne seelische Erfolge erzielt werden, wie Stärkung der Willenskraft, Erlangung von Geistesgegenwart und Selbstvertrauen, sowie Evhöhung des Persönlichen Mutes. Darin ähnelt der Fahrradsport sehr dem Reitsport. Es ist nicht zu leugnen, daß der Reitsport edler ist als der Radsport, aber er ist leider für die mristen Menschen unausführbar. Der Reitsport erzielt nicht nur eine ausgezeichnete Schulung des Körpers,


