ffraurnlirbr.
Roman von Horst Bo dem er.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Graf Relendorfs setzt sich an seinen Schreibtisch und! stützt den Kopf jn die Hand, er ist in heftigem Widerstreit mit sich selbst. Wie gern gäbe er seinen Segen schon um Frau von Moreth eine Freude zu bereiten, aber sein Gewissen verbietet es ihm. Makellos steht er bis fyeute da. Hier handelt es sich uin das Wohl und Wehe seines! Kindes, er fühlt sich dem Himmel und seiner verstorbenen Frau verantwortlich, da glaubt er der weichen Stimmung seines Herzens nicht gehör geben zu dürfen; er fft auch fest überzeugt, sein Lebensabend wird von bitteren Sorgen getrübt sein. ,
Ma erhebt er sich und geht durch den Park, hinüber tu die stille Ecke, wo sein Weib ausruht von den Lasten dieses Lebens.
Eva aber schreitet voller Unruhe in ihrem freundlichen, hellen, im Empirestil gehaltenen Boudoir auf und ab, der Bruch mit dem Vater trifft sie doch furchtbar schwer.
Da tritt der Diener ein. .
„Graf Norderoog möchte von der gnädigen Komtesse Abschied nehmen."
Sofort hat sie sich wieder, in der Gewalt.
' .„Ich lasse den Herrn Grafen hierher Litten."
Und er kommt schon im Reiseanzug.
„Komtesse", ich danke Ihnen, daß Sie mich empfangen."
Sie reicht ihm die Hand, aber fordert ihn nicht auf Platz zu nehmen. Es ist besser, der Abschied! ist kurz,, sagt sie sich.
„Graf, Sie werden vielleicht meine Handlungswerse Uicht verstehen können!"
„O doch!"
„Ich mußte reinen Tisch machen, nicht Ihretwegen i—, Herrn von Moreth, meinem Verlobten tat es not!"
Er nickte nur stumm.
Sie sieht Norderoog an und ist schinerzlich berührt; sein Gesicht ist bleich, sie muß ihn schwer verwundet haben!. Da findet sie zum ersten Male ihm gegenüber den herzlichen Ton.
'„Glauben Sie Mir, es geht mir nahe, Ihnen Wehs tun zu müssen, aber kein Mensch kann für seine Empfindungen. Ich werde ihnen immer ein gutes Gedenken bewahren und hoffe, Gott wird Ihnen recht bald die Ruhe wiedergeben. Sie gehen hinaus in die Welt als Vertreter Ihres Vaterlandes. Sie haben einen großen Pflichtenkreis. Sie dürfen wirken für das Reich und unsere! Landsleute — wahrlich eine beneidenswerte Aufgabe für dinen so tatkräftigen Mann wie Sie. Neue Eindrücke werden
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nach und nach die alten verwischen, Sie lernen hoffentlich bald, an diese Tage zu denken ohne Bitternis!"
Herzlich streckt sie ihm die Hand entgegen; er küßt sie und entfernt sich rasch. Sie hat den gesetzten Diplomaten doch nicht für einen so empfindsamen Menschen gehalten.
Hans-Wilhelm läßt sich Drewel kommen. Er legt ihm die Hand auf die Schulter.
„Sie gute, treue Seele, Was haben Sie für mich getan?"
Der alte Mann stellt sich dumm.
„Na, meine Pflicht und Schuldigkeit, Herr Oberleut-i nant!" <
„Also, Ihrem Herrn Geld punipen, das nennen Sie Ihre Pflicht und Schuldigkeit tun! Ich muß! sagen, die Auffassung war mir bis heute fremd."
„Daß die Weiber doch nicht den Mund halten können",^ denkt er. Er vergißt, daß er selbst aus der Schule ge- plaudert.
„Gott, was ist da weiter dabei", sagte er. „Meiich Frau ist tot, meine beiden Töchter haben rechtschaffene Männer, was brauche ich alter Karrengaul?"
Da fährt Hans-Wilhelm auf.
„Jawohl, Ihre Töchter haben rechtschaffene Manner! Ich muß mich vor ihnen schämen!"
„Aber Herr Oberleutnant, sie wissend ja gar nicht!"
„Ist das vielleicht ein Milderungsgrund?" Er zieht seine Brieftasche heraus. „Also was bin ich Ihnen schuldig?"
„Herr Oberleutnant, ich weiß! es wirklich nicht."
„‘9hm, dann wird mir's wohl die Komtesse Relen- dorff, meine Braut, sagen können."
Da fassen die riesigen gebrannten Arbeitspranken nach den gepflegten Händen Hans-Wilhelms von Moreth. „Ist das wahr?" fragt der Alte mit glänzenden Augen.
„Diesmal stimmt's. Sie altes Haus! Ich häb's eigentlich gar. nicht verdient."
„Die Freude noch auf meine letzte Tage — dis Freude!"
Hans-Wilhelm tut das ehrliche Bekenntnis dieses em- fachen, treuen Mannes unsagbar wohl. Er klopft ihm vertraulich auf die Schulter.
„Machen Sie dem Personal Mitteilung von meinem Glücke und, lieber Drewel, vielleicht besinnen Sie fich nun, wieviel ich Ihnen schuldig bin!"
„Ich will mir's überlegen, Herr Oberleutnant, es eckt ja nicht." !
Er läuft davon.
Hans-Wilhelms. Gewissen fängt wieder an zu pochen- an so viel Treue Ivar er vorbeigegangen. D!a holt er tief Atem, seine Brust dehnt sich, daß die Nähte krachen. Er glaubt Mc fühlen, wie nach und nach der Schmutz von seinem Leibe herunterfällt. Und er schlägt mit der Faust auf den Tisch.


