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elterliches HauS und trat in Holländische Dienste. Durch Patent vom 29. September 1793 wurde er zum effektiven Fähnrich waandrig effetief) im ersten Bataillon des Regiments des Obersten Thouars ernannt. Doch nur Enttäuschungen schienen ihm am Anfang seiner militärischen Lansbahn zuteil geworden zu sein. „Ich marschierte", so -erzählt -er im Jahre 1800 in einem Briefe, „unter holländischer Fahne aus den niederländischen Kriegsschauplatz. Aber wie ward Mir, als ich von afieuv dem herrlichen, wovon ich Mir geträumt hatte, auch nicht den Schatten sand? . . . illltcr einer Horde von rohen, kenntnislosen Menschen . . . wurde ich die schönsten Jahre meines Lebens von jedem Buche, von jeder vernünftigen Unterhaltung entfernt, herumgeworfen." Am 20. Mai 1795 bat er um seinen Wschicd, weil „sein alter Vater totkrank war und die dringendsten Familienangelegenheiten seine Anwescn- h-eit in seinem Vaterlande erheischten". Bereits am 29. Mai erhielt er die erbetene Entlassung und kehrte nach zweijähriger Abwesenheit nach Hause zurück. Dort trat er alsbald als Freikorporal in das erste Bataillon des Regimentes Landgraf (jetzt Infanterieregiment Nr. 117) ein und wurde am 1. September 1795 zum Fähnrich in dem zweiten Bataillon dieses Regiments ernannt. Bald darauf, am 21. September, starb sein Vater.
Bei dem zweiten Bataillon des Regimentes Landgraf machte er den letzten Teil des Feldzuges am Mittelrhein (1795) sowie den -Feldzug an der Lahn im Jahre 1796 mit. Ende Januar des folgenden Jahres bezog das Regiment Winterquartiere in der .Gegend von Arheilg-en. Grolmaus Guartier befand sich in Wirbst uf en. Mit dem Pfarrer dieses Ortes, Ludw-ig Friedrich Baur (1761—1828), schloß er Freundschaft. Einige der zum Teil tu gebundener Rede ab gefaßten Briefe, die er aus Kelsterbach, Delkenheim und zuletzt auch von Mannheim aus an Baur schrieb, sind erhalten und geben ein anschauliches Bild von seinem damaligen Leben und Treiben. Ende Juni 1802 kehrte er nach mehrfachem Staudortswechsel mit dem zweiten Bataillon nach Gießen, seiner alten Garnison, zurück.
Nur zivei Monate währte Grolmaus Aufeiithalt daselbst. In den ersten Tagen des Septentbers begleitete er als Adjutant — er war am 11. September 1800 zum Sekondleutnant aufgerückt — den Kommandeur des ersten Füsilierbataillons, den Obristen Georg Johann Frciherru Schaeffer von Bernstein (1758 bis .1838), nach Westfalen, das dautals vorläufig von deut Landgrafen von Hessen-Darmstadt in Besitz genoHinten wurde. Doch- nicht lange blieb Grolnmii in Westfalen. Er nahm Urlaub und kehrte nach Gießen zurück, nachdem er durch Patent vom 16. Mai 1803 zum Premierleutnant in dem badischen Regiment Kurprinz (jetzt Leibgrenadierregiment Nr. 1909) ernannt worden war.
Sein erster Standort int Badischen war Mannheim. Am 19. Dezember 1804 wurde er zum Quartiermeisterleutnant im Generalstabe und zugleich zum Adjutanten des Kurprinzen Karl ernannt und am 8. Juni 1805 zum Stabskäpitän befördert. .Als solcher versah- er im Herbstfeldzug desselben Jahres, der die badischen Truppen ohne Kantps bis an den Inn nach- Braunau, führte, für den in Karlsruhe zurück-bleibenden Generaadjutanten Major Heinrich von Porbeck den Dienst bei dem- Feldkorps. Ende .Februar 1806 begleitete er den ErbgroM-erzog Karl, der als Bräutigam der.. Adoptivtochter Napoleons-, Stephanie Beauhar- nais, nach Paris reiste, dorthin. Ebenso machte er die Kriege der Jahre 1806 und 1807 als Adjutant des Erbgroßherzogs mit, der int Hauptquartier des Kaisers an diesen Feldzügen teilnahm. Für den Erbgroßherzog verfaßte er ein Tagcbnch über ihre ge- Meinsamen Erlebnisse, das Friedrich von der Wengen im Jahre 1887 in einer Bearbeitung herausgegeben hat. Dieses Tagebuch zerfällt in drei Teile: Der erste behändelt die Zeit vorn Kriegsausbrüche bis, zum Einzug in Berlin und verdient namentlich wegen der darin enthaltenen lebensvollen Schilderttttg der Schlacht bei Jena Beachtung. Eine in dem Tagebuch- nicht erwähnte Begegnung in Charlottenburg mit Goethes Freunde, dem Kanzler ^Friedrich von Müller, berichtet dieser in seinen „Erinnerungen aus beit Kriegszeiteu 1806—1813" (Braunschweig 1851, gekürzte Neuausgabe Hamburg 1906) unter dem 27. Oktober. Der zweite Teil des Tagebuchs schildert den Zug von Berlin nach Warschau, und der dritte enthalt die Beschreibititg der Belagerung von Danzig und eine interessante Charakterschilderung des Marschalls Lefebvre. Diesen dritten Teil hatte schon im Jahre 1813 Grol- mans Freund, P h i l i p p I o s e p h R e h f n e s, unter dem Titel „Die Belagerung von Danzig im Jahre 1807" 'hm März-, April- und Maiheft des „-Europäischen Magazins für Geschichte, Politik und Kriegskunst der Borwelt und Gegenwart" veröffentlicht. Wegen vorzüglicher Tapferkeit und guten Benehmens während der Belagerung von Danzig, wurde Grvlman aM 20. Juli 1807 diirch Verleihung des Ritterkreuzes des neugestifteteit militärischen Karl- Friedrich-Verdienftordens ausgezeichnet.
Nach der Rückkehr aus deut Feldzug begann für ihn eine kurze Zeit des Hoflebens, das, wie er einmal sagte, „feinem offenen Sinn und geraden Charakter nicht aiigemeffen war". Er begrüßte -eS daher als eine Befreiung,aus diesem ihm nicht zusagenden Wirkungskreise, als er am 29. Dezember 1807 unter Versetzung in das Infanterieregiment von Harrant in Freiburg zum Ma;or befördert wurde.
Mit einem Regiment, das aus dem ersten Bataillon des Regiments von Harrant und dem zweiten Bataillon des ehemaligen Regiments Markgraf Ludwig neu gebildet worden war und unter
dem Befehl des Obersten Heinrich von Porbeck stand, zog er Ort August 1808 nach Spanien. Seine Erlebnisse wahrend dieses Feldzuges hat er in dem Tagebuch eines deutschen Offiziers über feinen Feldzug in Spanien" beschrieben, das fein Freund Reh- sues zuerst im Januar- bis Augusthesr des bereite erwähnten „Europäischen Magazins" herausgab und im Jahre daraus in einem Sonderabdruck, der durch eine biographische Einleitung vermehrt war, erscheinen ließ. Einen Aus-zug aus diesem Tagebuch -hat im Jahre 1908 Friedrich Martin Kircheisen den von ihm herausgegebenen „Memoiren aus dem spanischen Freiheitskampfe 1808—1811" (Bibliothek wertvoller Memoiren Bd. 7, S. 25—112) einverleibt. Während Grolmaus Tagebuch von 1806/07 so unpersönlich gehalten ist, daß fein Verfasser nie von sich in der ersten Person, sondern, nur in der dritten als dem „Adjutanten des Erbgroßherzogs" spricht, hat das spanische Tagebuch einen ausgesprochen persönlichen Charakter. Zahlreiche für des Schreibenden Eigenart höchst charakteristische Bemerkungen, die aber meist nur in der Originalausgabe enthalten sind, in dem genannten Auszug aber größtenteils fehlen, machen das Tagebuch zu einer ergiebigen Quelle für Grolmaus Persönlichkeit. Seine vielseitige Bildung und seine scharfe Beobachtungsgabe, die sich auf alle Gebiete des Menschenlebens erstreckte, lassen ihn in seiner Erzählung bei dem verweilen, was seine Aufmerksamkeit mib fein Interesse erregte, und diktieren ihm sehr anziehende Schilderungen der Ver- -hältuisse und ber handelnden Personen, während er die Einzelheiten der militärischen Bewegungen und Operationen oft nur ganz kurz anbeutet oder übergeht. Und gerade in den zahlreichen darin enthaltenen Episoden, wie z. Bl der gemütvollen Schilderung der Weihnachtsbescherung in Madrid, liegt der Reiz dieser Aufzeichnungen.
Bis an den Tajo war Grolniau gekommen, als ihm zu Anfang März 1809 in Talavera „ein schmeichelhaftes Schreiben des Erbgroßherzogs überbracht wurde, das seine Ernennung, zum Flügeladjutanten des regierenben Herrn und beit Wunsch kundtat, ihn schleunigst in Karlsruhe yu sehen, da ein Krieg mit -Oesterreich vor der Türe sei". Am 4. März- trat er, nachdem- er von seinen Kameraden und namentlich von feinem Obersten Porbeck, den einige Monate später der Tod auf dein Schlachtfeld ereilte, herzlich Abschied genommen hätte,, die Rückreise nach Deutschland an. Drei Tage darauf traf er in Madrid „feinen alten Freund und Beschützer", den hefsen-darmstädtischeu General Freiherrn Schaeffer von, Bernstein, der im Begriff stand, das Kommando über das hessische Kontingent in Spanien zu übernehmen. Wegen seiner Teilnahme an beut' spanischen Feldzuge verlieh ihm Napoleon am 10. Dezember 1808 das Kreuz ber Ehrenlegion und sein Kriegsherr am 1. Juli 1809 das Kommandeurkreuz des Militärver- dicnstordens.
Seine neue Stellung ließ Grolman den Mangel des Adels bald empfinden. Er Nahm deshalb- den Adel auf, den sein Vater für sich und feine Nachkommen abgelehnt hatte, als im Jahre 1786 eine Ausdehnung des Adels, der der ältesten Linie feiner Familie int Jahre 1741 von Friedrich dem Groszen verliehen worden war, auf die jüngeren Linien vorgenomuten wurde. Er kam daher mit feinen Brüdern um die Ausdehnung des preußischen Adels auch auf sie ein. Ms ihrem Wunsche entsprechend gm 22. Oktober 1812 ihre Erhebung in den Adelstand ausgesprochen wurde, eilte er auf den winterlichen Gefilden Rußlands bereits dem Ende seiner Lebensbahn zu.
Sein Aufenthalt bei Hofe war auch nach dem spanischen Feldzug nicht von langer Tauer : schon im Februar 1812 zog er als Generalstabschef des jugendlichen Grasen Wilhelm von Höchberg mit dem' badischen Kontingent nach- Rußland. Vom 22. bis zum Morgen des 24. Februar weilte« er auf dem Durchmärsche in Gießen und nahm von feiner Mutter und feinen Geschwistern Wschicd. Ter Marsch ging über Kassel, Göttingen, Rostock, Stralsund, Greifswald, Danzig in die Gegend von Tilsit, wo sich das unter dem Marschall Victor stehende neunte Reservekorps der großen Armee, dem- die badische Brigade zugeteilt war, zusamnien- zog. Ende 'August ging es weiter, Ende September wurde Smolensk erreicht. Bon dort rückte Mitte Oktober der Marschall Victor zur Unterstützung des Oudinotscheu Korps gegen den russischen General Fürsten Wittgenstein nach der Tüna in ber Richtung auf Witepsk ab. Am 29. Oktober vereinigte sich das neunte Korps bei Äe- schcnkowitschi mit dem Korps Ondinots und stand zwei Tage später zum ers enuial der Armee des! Fürsten Wit'genstein int Feuer bei Czasniki gegenüber. Als damals der Befehl zum Laden ber Gewehre erteilt wurde, umarmte Grolman, wie ber Markgraf Wilhelm in seinen Denkwürdigkeiten erzählt, von seinen Eiupfin- bungen hingerissen, den ihm befreundeten Kapitän von Sensburg von der Artillerie, der mit seinen Geschützen »vor der Brigade auf» gefahren war. Das Gefecht blieb unentschieden. Rach einem zweiten Gefecht bei Czasniki am 14. November begannen die beiden vereinigten Korps den Rückzug nach- der Beresina. In der Schlacht, die am 28. November an diesem Flusse geliefert wurde, erhielt -Grolman durch eine Kanonenkugel eine an sich nicht bedeutende Quetschung am Bein, die aber dadurch, daß sie ihm die Bewegungsfreiheit raubte, die Ursache seines Untergangs ward. Mühsam schleppte er sich zu Fuß bis nach Wilna. Als er nicht mehr gehen konnte, überließ ihm- Markgraf Wilhelm seinen Wagen und gab ihm zur Unterstützung den Feldjäger Karl Hubbauer (gestorben am 10. November 1838 als Forstmeister in


