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Von Frühling ?u Frühling.
Roman von Erich Eben st ein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
'Am Nachmittag desselben Tages brachte man ihr zwei Briefe mit dem Poststempel G. Hastig erbrach sie dieselben.
Der erste war von Lena und berichtete fast ausschließlich über Konradchen, dem es vortrefflich ginge und der immer nach seiner lieben Mama frage.
Der zweite versetzte Meta in große Aufregung. Es war nicht, wie sie gehofft hatte, Frau Bettinas Antwort auf ihren ersten Brief aus Dopolanyi, sondern ein Schreiben Professor Burgers.
Er teilte Meta darin mit, daß. Frau Petermann nach ihrer Abreise einen sehr bedenklichen Schwächeanfall gehabt habe und seitdem sich nur schwer erholen könne, sondern recht beunruhigende Symptome Feige.
Sie liege zu Bett, schlafe viel und nehme an nichts Anteil. Das Herz arbeite so schwach, daß die geringste Aufregung ihr verhängnisvoll werden könne. Unter diesen Umständen habe er es nicht verantworten können, ihr Metas Brief zu übergeben, der ntöglicherweise Dinge berühre, an welche die Kranke momentan am besten gar nicht erinnert werde.
Er wisse ja nicht, wie es dort stehe und in welchem'Zustand sie ihren Gatten gefunden habe, aber wenn es Herrn von Montellis Befinden irgendwie erlaube, würde er Meta Dringend raten, nach der Billa „Pax" zurückzukommen. Wenn irgend etwas, so sei es vielleicht ihre Gegenwart allein, die Frau Bettinas schwachen Lebensfaden noch einmal verlängern könne.
Bei diesen Nachrichten erfaßte Meta eine ungeheure Aufregung. Sie maß sich selbst alle Schuld bei dieser Verschlimmerung bei. War die alte Frau denn nicht frischer gewesen, als man für möglich gehalten hatte? Nun stand es so schlimm nm sie!
Seit ihrer Abreise. L), warum war sie gefahren! Warum war sie nicht dort geblieben, wo man sie lieb hatte, wo es so still und friedlich gewesen nnb wo ihre Gegenwart ein Segen für Mama war!
Sie rief die Pflegerin zu sich.
„Bitte, Frau Wastler, bringen Sie mir Kleider, ich muß heute noch abreifen."
Die Frau erschrak. ,
„Aber das ist ja unmöglich, liebe gnädige Frau! Sie brauchen mindestens noch einige Tage völliger Ruhe!"
Meta schüttelte ungeduldig den Kopf.
„Ich fühle mich ganz wohl. Ich war im Leben nie ernstlich krank, und wenn es mich vorübergehend jetzt nieder-- warf, so ist diese Kleinigkeit nun ganz vorüber. Aber wenn ich auch krank wäre — ich rnuß fort, ich muh."
Dabei blieb sie. Alle Vorstellungen waren vergebens. Frau Wastler mußte endlich nachgeben, um Meta nicht über Gebühr aufzuregen.
Und so stark war der Wille, gesund zu sein, in Meta, daß sie sich wirklich wider Erwarten kräftig zeigte.
Der Kutscher wurde beauftragt, eruzuspannen. Meta wollte mit demselben Zuge fahrens den sie bei ihrer letzten Reise nach G. benutzt hatte.
Eine fieberhafte Unruhe beherrschte sie. Es war noch reichlich Zeit, um zur Station zu fahren, trotzdem sah sie alle Augenblicke auf die Uhr und fürchtete, zu spät zu kommen.
Mit Mühe und Not bewog sie die Pflegerin, welche bis Pest mitfahren wollte, vorher noch eine Tasse Tee und ein paar Eier zu sich zu nehmen, was Meta endlich tat, weil sie selbst das Gefühl hatte, daß es nötig sei.
Mitten in diese Hast und Aufregung eines überstürzten Aufbruchs hinein tat sich plötzlich die Tür von Meta- Zimmer auf und Montelli trat ein.
Er war soeben angekommcn. Sein Aussehen entsetzt« alle, die ihn sahen, Meta ausgenommen, welcher bei seinem Anblick alles Blut zum Herzen strömte vor Schrecken, so daß es ihr dunkel vor den Augen ward.
Alles, was sie durch ihn gelitten hatte, fiel ihr ein, als er so plötzlich vor sie hintrat. Aber nichts schien ihr in diesem Moment so unverzeihlich, als daß er sie ohne Not nach Dopolanyi gerufen und dadurch die Erkrankung der alten Frau Petermann herbeigeführt hatte.
Montelli sah Meta in Hut und Reisemantel, sah auf dem Tisch neben dem Teebrett die gepackte Reisetasche stehen und blickte seine Frau fragend an.
„Du willst fort? Wohin bemt?"
„Zu Mama, von der ich mich nie hätte trennen sollen. Sie liegt im Sterben."
In Montellis Augen blitzte ein Hoffnungsstrahl auf. Er verlosch im nächsten Moment, aber Meta hatte ihn doch bemerkt und wandte sich voll Ekel von ihm ab.
Da sagte er ruhig, als sei nicht das mindeste zwischen ihnen vorgefallen: „Ich werde dich begleiten."
Meta blieb mitten auf dem Weg zur Tür stehen, so starr war sie über diese bodenlose Unverfrorenheit. Dann warf sie ihm einen eisigen Blick zu.
„Danke. Ich reise allein." Sie wandte sich an die Pflegerin, welche verständnislos drein sah.
„Sind Sie bereit, Fran Wastler? Es ist die höchste Zeit."
Ohne einen Gruß schritt sie hinaus, flog fast die Treppe hinab und sprang mit eiltet Eile in den Wagen, als'fürchte sie, er könne seinen Entschluß, sie zu begleiten, trotz alledem noch ausführen.
Kaum saß die Pflegerin neben ihr, so zogen die Pferde an.
Meta warf keinen Blick zurück auf Dopolanyi, dessen Mauern dunkel gegen den Slbendhimmel ragten. Sie hatte


