Ausgabe 
16.10.1913
 
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gnädigen Gottes in Einklang zu bringen. Er zeigt uns den Men­schen, der die Kraft findet, in der großen, inneren Freiheit Gott und der Welt gegenüber zu leben. Gott ist da, abjer fern Gott ist nicht der nahe Vater: er hat den MenschkN die Welt in eigene Verwahrung und Verantwortung gegeben, sie sollen in Freiheit und Natürlichkeit ohne ihn fertig werden.

Die Befreiung des Menschen aus seelischer Not, die innere Gröhe seines Volkes, die schön wachsende Krgft seines deutschen Vaterlandes das alles ist dem Dichter des Jörn Uhl wichtiger als künstlerische Wirkung. Wer daS als Bedingtheit seines Wesens auffassen will, mag's tun. Vor allen, die ihn lieben, steht er mit seinen fünfzig Jähren als ein Volksdichter-, der ohne alles Artistentum, ohne Ehrgeiz nach Ruhm und Berühmtheit, ohne eigentliche Vorbilder ganz airs sich selber und aus seinem Volks­tum gewachsen ist. Das, was er künstlerisch bildete, kam und darin liegt wiederum ein besonderer Wert und eine köstliche Echt­heit n »bewußt auch aus den Tiefen seiner Seele. Was ihn zrim Schaffen treibt, ist einzig und allein der hohe Wille, Wert und Tiefen des Menschendafeins zn öffnen, ein Diener seines Volkes und seines Vaterlandes zu sein. Er traf den Kernpunkt seines Wesens, als er einmal seinen Gegnern, die ihm die Liebe zum Volkstum absprechen wollten, in Kellen Zorn entgegenrief: Ich habe mitten unter den Menschen meines Volkstums gelebt, mit ihnen gelebt! Meine Neigung ging zu diesen Menschen und mein Temperament! Ich habe mit ihnen geritten, getanzt und getrunken ich war nie Gymnasiast, nie Student, nie Pastor, nie Dichter ich war immernurdermitleidendq M en s ch , der auf das Menschliche au § g ing,"

Die neue Richtung in der herrenmsde.

Wohl seit einem Jahrhundert hat England in dem Reich der Männerkleidung eine unbedingte Vorherrschaft ausgeübt. Bri- tanien war und blieb der arbiter elegantiae für jeden, der auf vornehme und moderne Kleidung Wert legte. Wohl hat man öfters versucht, sich dieser Despotie aus dem klassischen Lande der Dan­dys zu entziehen, aber stets vergeblich. Eine Zeitlang versuchten die Amerikaner eigene Wege zu gehen und fanden auch in der alten Welt Nachahmung, aber dann richtete sich das elegante Jung- Amerika wieder sklavisch nach den Vorschriften der Engländer. Nunmehr scheint sich jedoch endlich ein Umschwung zu vollziehen. Wie ein Aufsatz derDame" zu verraten weiß, lassen sich in den neuesten Herbstmodellen der englischen und amerikanischen Hcrren- kleidung deutliche französische Einflüsse verspüren, und Paris entwickelt sich zu dem Zentrum der Eleganz, nach dem nicht nur die Modedamen, wie stets, sondern jetzt auch alle die Nach­folger des großen Brummel ihre Blicke richten. Diesefranzö­sische Herrenmode" ist wohl durch einige französische Maler und Zeichner hervorgerufen worden, die der Aesthetik der männlichen Kleidung mit viel Geschmack ihre Aufmerksamkeit znwendetcn und in den von ihnen inszenierten Theaterstücken und Revuen, sowie in ihren Zeichnungen für die Modeblätter und Zeitschriften der ganzen Welt einen bestimmten, rein gallischen Typus des ele­ganten Herrn ausprägten. Hand in Hand arbeiteten diese Künstler, die Bautet de Monvel, Touraine, Fabiano u. a. mit einzelnen führenden Herren der englischen Gesellschaft, die den neuen Stil, die neue Silhouette lancierten, und so ist heute das Französische zum dernier cri der Herrentracht geworden.

Die Richtlinien der neuen Mode zielen darauf hin, der Er­scheinung des eleganten Herrn etwas Schlankes, Zierliches, Gra­ziöses, zu verleihen. So wirkt der neue Frack mit der neuen Weste, die nicht mehr in die zwei Spitzen der verflossenen Saison aus­läuft, einen spitzen langen Ausschnitt besitzt und mehr Knöpfe hat, als die früher vorgeschriebenen vier. Das Sacko ist eng und hat eine auffallend hohe Taille, wobei die Taschen nicht selten aufgesetztsind. Der Rückenschlitz ist bei diesem kurzen Kleidungs- ftttck unnötig geworden. Der Cutaway wird mit einem oder zwei Knöpfen geschlossen und mit schmaler Borte eingefaßt. Auch der Gehrock, der ganz auszusterben drohte, taucht wieder auf. Die Hosen firtb sehr eng und gerade. Als schickster Winterpaletot wird ein im Rücken ziemlich anliegender Chesterfield erscheinen; auch kurze schicke Paletots werden ihre Triumphe feiern, und der schwere Rückengurt ist völlig aufgegeben. Als eigenartiger Abend- ntantel erscheint das weite Cape, zum Frack unbedingt not­wendig. Mit ihm rivalisiert der weite schwarze Raglan mit nmonoartigen Äermeln. Die Herbstfarben für Sakkoanzüge sind Dunkelbraun, und besonders Dunkelgrün; der vornehme Winter-

tot wird in Blau gehalten fein. Als feschste Krawattenform gilt ^erineierplastron und auch die zweimal um den Hals gefcomngene Ballkrawatte taucht wieder auf. Beim Hut wird man in Dreiem Winter zu den ein wenig geschweiften Krempen zurück- kehren; neben dem so beliebten weichen rauhhaarigen Filzhut steht noch immer der Zylinder, Stiefel und Schuhe haben sich von den log. amerikanischen Formen völlig emanzipiert; sie sind lang und haben medrrge Absätze, so daß sie sehr flach wirken und für die große Attraktron des Salons, den Tango, besonders geeignet sind. .

Vermischte».

kf. Kochschulen für Männer. In London ist soeben mit großem Pomp der Kongreß der weiblichen Arbeiter abgehalten worden. Die Reden gingen unaufhörlich wie Landregen nieder. Alte und neue Weisheiten des Frauenftimnirechts wurden ver­schwenderisch verzapft. Besonderen Erfolg hatte Fräulein Dr. Mary Murdoch, die sich eingehend mit dem Manne im zukünftigen Frauen­staate beschäftigte. Der Mann muß viel mehr als bisher im Hause arbeiten. Er muß sich den Arbeiten, die bisher die alleinigen Lasten der Frau gewesen sind, unterziehen; er muß über alle Schwierigkeiten und Unberechenbarkeiten der weiblichenPsychelunter- richtet werden. Was aber in erster Linie gefordert werden muß, sind : Unterrichtskurse in der Kindererziehung für Männer und obli­gatorische Kochkurse für Männer. Tie Männer müssen mit allen Lehren der Hygiene, der eugenischen Wissenschaft, des Malthusianis­mus, der Kinderpflege, der weiblichen Hand- und Hausarbeiten ganz besonders aber der Kochkunst bekannt gemacht werden. Der Mann gehört in die Küche und nicht die Frau. Seine kräftigere Natur erträgt die Küchenatmosphäre, die Hitze, den Rauch und die schlechten Düfte (I) besser, als die -zartere Frau. Ihre ganze Kraft muß für die Aufzucht einer gesunden, kräftigen Rasse aufgespart werden. Dies alles ist schön und gut und steht über jeden Ein­wand erhaben. Vielleicht wären die überspanntesten weiblichen Suffragetten von ihrer Seuche zu kurieren, wenn sie einmal einige Wochen lang das Futter aus einer solchen von ihnen geplanten Männerkochschule beziehen müßten.

* D i e Sch w'i e r i g t e i t d e r deutschen Sprache. Haben die Ausländer recht, wenn sie das Deutsche als eine schwere Sprache bezeichnen? Fast scheint es so, wenn man sieht, wie schwer­es dem Deutschen wird, Deutsch zu reden. Wir meinen natür­lich nicht das übliche Kauderwelsch, bei dem uns in jedem Satze einige Wörter aus fremden Sprachen entgegenklingen dieses traurige Erbe aus den Zeiten bewußter Verleugnung deutschen Wesens kann bloß Gedankenlosigkeit alsDeutsch" bezeichnen sondern ein reines, unverfälschtes Deutsch, das nur die wenigen Fremdwörter duldet, für die ein guter deutscher Ersatz fehlt. Ja, es mutz wirklich schwer sein, reines Deutsch zn sprechen und zu schreiben, denn selbst solche, die den guten Willen dazu haben, suchen ost vergebens nach dem passenden Wort, oder sie bilden in ihrem gutgemeinten Eifer die ungeschicktesten Verdeutschungen und geben dadurch dem Gegner einer gesunden Sprachreinigung nur neue Waffen in die Hand. Und doch gibt e§ einen Weg zu dem Ziele. Was man uns einst im Sprachunterricht so oft gesagt hat, wir sollten, wenn wir die fremde Sprache sprechen wollten, auch von vornherein darin denken, das gilt auch hier: D e n k e d e n t s ch, bau» f a n n ft b it auch deutsch reden. Dazu kommt ein zweites: Habe Liebe zu deiner Muttersprachei Oder sollte der Liebe, wirklicher, echter Liebe zu dem Besten, was unser Volk besitzt, die Ueberwindung von Schwierigkeiten schwerer fallen als dem Streben, vorwärts zu kommen, das alljährlich Tausende befähigt, sich allerlei fremde Sprachen anzueignen? Ist das Ziel, die Muttersprache gut zu sprechen, weniger der Mühe wert, als die Erlernung eines reinen Französisch ober Englisch? Und ein drittes tut not: Festes Vertrauen auf die Möglichkeit des Gelingens. Wer das gewonnen hat, der wird nicht, wie die andern, bei den ersten Hemmnissen die Flinte ins Korn werfen, sondern so lange weiter ringen, bis er am Ziele ist. O, ihr Deutschen, es gilt die sprachliche Wiedergeburt unseres seit Jahrhunderten dem Fremden zugewandten Volkes, es gilt, die verborgenen Kräfte, die im Ge­brauch einer reinen, unvermischten Sprache liegen, aufs neue zu erschließen und unserem Volke nutzbar zu machen! Was kann, was darf euch hindern, tätige Mitarbeiter an der Erreichrmg dieses hohen Zieles zu werden?

Deutsches Denken, deutsches Wort Deutschen Volkes bester Hort!

R. Palleske (Landeshut i. Schl.).

__Magisches 3ah!enqua-rat.

In die Felder nebenstehenden Quadrats

------ sollen die Ziffern

15 134 245 338

--------- viermal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jeder der senkrechten, | wagerechten und Tiagonalreihen stets 732

I__________ beträgt. Auflösung in nächster Nümmer.

Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer:

(Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; A Atz, ü = Unter, Bube, Wenzel; D Dame, Ober.)

Mittelhand erhielt, aA, aZ, aD, a9,, a7, bA, cA, dA, tut Skat lag b8 und b7; Hinterhand bekam die übrigen. Spielgang: 1. V. aU 3)i. bU H. d8.

2. V. dD M. dA H. d9 14.

3. SOL aA H. aK V. dU.

4. V. b9 M. H. bK = 15.

Der Spieler braucht jetzt irichts weiter abzugebeir; inithin sind die Gegner Schneider geworden.

Redaktion: K. R e « r a t ü. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen»