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Gustav ßrensten.

Zu seinem fünfzigsten Geburtstag, 19. Oktober.

Von Kurt Küchler-Hamburg.

In seinem zweiten Roman, in dendrei Getreuen", schildert Gustav Frenssen einen, Mann .aus Dlthmar,chen, den Leinr Heiderieter, der eine Herste Schmuckst nach dem Dichter in sich trägt und von hohen Werken träumt, die tres und rernrgend in die Seele des deutschen Volkes hineinfahren sollen, ^n diesem Mann erwacht allmählich das alte, eingeborene Bauerntum und schließlich sieht er in der Vereinigung Dichter und Bauer fern höchstes und wertvollstes Lebensziel. Bei dem Schöpfer dieser

Der Staatsanwalt benahm sich, wie sich ferner Ansicht nach ein Gentleman benehmen mußte, und es war ihm, dem Freiherrn, eine Art Trost und Genugtuung, da« er es wenig­stens mit einem so anständig und vornehm gesinnten Gegner zu tun hatte. In gleicher Lage hätte, er nicht anders gehan­delt. Freilich, wenn er an Klara daherm dachte, die von dieser verhängnisvollen Fahrt keine Ahnung hatte, wenn ihm die Gestalten seiner beiden Kinder vor dem inneren Kuge aus­tauchten, dann wollte es ihm scheinen, als wenn der Enstaß bei diesem Zweikampfe doch ein recht ungleicher wäre und nicht ganz der Gerechtigkeit entspräche, der docy durch die Selbsthilfe dieses Kampfes ein Genüge geschehen sollte, der Staatsanwalt war ein verwaister Junggeselle, er hatre weder an Eltern, noch an Weib uiid Kinder zu denken und konnte ohne jede Sorge um Angehörige gleichmütig zur Waffe grei­fen; er, der Freiherr, aber war durch tausend Bande der Zärtlichkeit und der ehelichen und väterlichen Pflichten an das Leben gefesselt; er mußte eine ganz andere Selbstverleugnung üben, wenn er dem absichtslos beleidigten Gegner nnt der Pistole in der Hand Genugtuung gab. Doch fast unwillig schüttelte er die Vorstellung von sich ab; war er ntchr immer ein Edelmann ohne Furcht und Tadel gewesen? Er wollte auch fernerhin nicht nur ritterlich handeln, sondern auch rit­terlich denken, und sich auch nicht im stillen em knickeriges Abwägen des Einsatzes gestatten, den er und sein Gegner bei diesem Würfelspiel zu machen hatten.

Der Leutnant von Gotenberg maß zehn schritte ,ib- stand ab und setzte dabei, trotz seines zierlichen kleinen Wuch­ses die Füße soweit wie möglich, fast sprunghaft voneinander; die Endpunkte der Bahn wurden durch die m die Erde ge­steckten Säbel der beiden Offiziere bezeichnet.

Es ist meine Pflicht als Unparteiischer", hob er nun mit gedämpfter, aber feierlicher Stimme an,die beiden Herren noch einmal zu fragen, ob sie die bestehende Differenz Nicht doch noch durch ein Wort der Entschuldigung zur beiderseiti­gen Befriedigung ausgleichen können?"

Der Freiherr verharrte schweigend und sah nur seinen Gegner mit größen, ernsten Augen an, ob dieser vielleicht eine Erklärung zu machen hätte. Tell aber schüttelte ent­schieden den Kopf, und so trat Herr von Gotenberg mit den

Grünewald hergekommen waren und ihren Wagen östlich von bcm Die beiden Parteien blieben gesondert stehen. Nur der Maler Völker giug auf den ihm..entgegenkommendenc Ritt­meister voil Tollen zu, zu deni sich sehr bald der elegante, rierlickie Herr von Gotenberg Mit einem polierten Kasten unter dem Arme gesellte. Der Kasten wurde auf die Erde ge­stellt und geöffnet. Zwei einfache Pistolen Mit dem notigen Ladezeug lagen darin. Während der llnpartensche ste m Ge­genwartder beiden Sekundanten nut feemer Kugel lud, stand der Freiherr von Brank in ruhigem Gespräch mit dem auch

SSÄ in früher W°«nst<mdc cu.cn 58 riet an seinen Sohn Walter, den Heidelberger Studenten, geschrieben, der sich gegenwärtig auf, einer ^enwanderun^ am Rhein befand. Er hatte ihm darm die Ursache des Zwei- kampfes ehrlich mitgeteilt und ihm für den Fall, daß er, der Vater sein Leben verlieren sollte, nnt fernem Segen zugleich den Rat vermacht, sich allezeit peinlich vor Zedern unklaren uiid unlauteren Verhältnis mit Frauen zu hüten, rm übrigen aber dem Staatsanwalt keinen Haß nachzutragen, denn die­ser Manil hätte sich nur korrekt benommen und iinr dav ge­tan was er als anständiger Mensch nicht hätte unterlassen können Mesen Brief hatte der Schreiber dem Rittmeister von Tollen eingehändigt; er sollte nur bestellt werden, wenn der Freiherr nicht mehr lebend tiont Kampfplätze heimkehren soUte Dann hatte Brank mit fernem schon früh 6 Uhr rm

Kaiserhofe" eingetroffenen Sekundanten em einfaches Früh­stück eingenommen und war gegen 7 Uhr m den Wagen znr Fahrt nach dem Grünewald gestiegen. , _ .

Unterwegs hatte er nicht vwi gesprochen; feine Gedan­ken waren fast ausschließlich ans sein Vorhaben und seinen Gegner im Kampfe gerichtet gewesen. Er war so ganz m. den Anschauungen seines Standes erzogen, von der Unentbehr­lichkeit des gewählten Ausgleichsmittels so fest überzeugt, bo| ihm auch nicht der leiseste Zweifel an der Berechtigung seines Gegners ihn, den Freiherrn, vor,die Pistole zu fordern, gekommen war. Wenn sein Gewissen sener Viktorrne gegen­über auch ziemlich unbelastet ivar, so verkannte er doch seun^- wegs die Lage, in die er unbewußt beit Lwhn dieser ä>rau

beiden Sekmidanten zur Seite und winkte auch den beiden Aerzten zu, sich weiter zn entfernen. Die Duellanten standen jeder hinter einem der beiden Säbel und hielten je eme ge- Mdene Pistole in der gesenkten Hand. , . -

Ich werde bis drei zählen", tonte wieder Gotenbergs deutliche Stimme.Auf das Kommando drei erst dürfen die Herren die Waffen erheben und feuern.",

Tell hatte die rechte Schulter soweit vorgenonnnen, daß er nur die Seite seines Körpers zum Ziele bot. Der Frei­herr stand mit der ganzen Breite seines hohen Wuchse^ al^ Scheibe da. Beide sahen blaß aus, aber keme Muskel rührte sich an ihnen; in fester, strammer Haltung schauten sie kühl und gefaßt dem Tode ins Angesicht. , -

Eins!" kommandierte Gotenberg,zwei drei.

Zwei Schüsse knallten zu gleicher Zeit.

Man sah den hocherhobenen rechtendes Freiherrn der senkrecht über sich in die Luft gefeuert hatte Tells Waffe hatte wagerecht im Anschläge gelegen, seine Kugel hatte dcm linke Ohrläppchen Branks gestreift.

Die Aerzte waren hinzugetreten, wuschen die: kleine Wun de, die reichlich blutete, mit dem Schwamm und verklebten ste mit einer Kompresse.

Das dauerte ein paar Minuten.

Ich frage die Herren," hob Gotenberg wieder an,ob sie sich für befriedigt erklären." , ,, f

Brank zeigte auf sein bepflastertes Ohr nnd fagw achsel­zuckend:Ich kann diese Schramme kaum für erne Verwun­dung halten; mein Herr Gegner allem hat zu entscheiden^

Die Sekundanten schauten nach dem staatvanwalt, der einen Augenblick zu überlegen schien, dann aber fest erklärte.

Ich bestehe auf Fortsetzung des Kampfes. Ich verlange aber, Herr von Brank", fügte er mit etwas verschärfter Stimme hinzu daß Sie auf mich zielen, eine fernere Schonung mei­ner Person würde ich als einen neuen Schimpf empfinden

Der so Angeredete schwieg, indem er erne kaum merklich verneinende Bewegung mit dem verbundenen Haupte machte.

Braver Kerl!" brummte er tu den Bart, als er wieder hin ter den Säbel des Rittmeisters trat. _ . ,

Die Waffen waren aufs neue geladen worden. Dw Duel­lanten hielten sie in der Hand und harrten letzt, beide ander die volle Brust darbietend, des Kommandos.

Scheinbar nn"ein einziger Schuß hatte getönt, aber auf beiden Seiten ringelte sich eine, leichte Rauchwolke tu bte stifte Luft empor. Brank hatte diesmal wagerecht angeschla­gen aber unverkennbar ein Meter neben seinem Gegner,vor­beigezielt. Er ließ die Pistole fallen und faßte nach feinem linken Arme, der ihm gelähmt am Leibe hing. Seine linke Hand war von Blut überrieselt, das aus dem Aermel her- voranoll und in kleinen Bächen auf die Erde rann.

Tell stand abgewaudt; sein Antlitz war weiß wie Kalk» er unterhielt sich mit Völker, ohne zu wissen, was er sprach.

Beide Aerzte waren um den Verwundeten beschäftigt Sie hatten ihn auf einer moosbewachsenen stelle nrederge- setzt, ihm den Rock ausgezogen und den, linken Hemdarmel ausgeschnitten. Die Kugel hatte dle Fleischteile des Unter­armes dicht unter dem Ellbogengelenk durchbohrt.

Eine tüchtige Blutung , sagte emer der Aerzte.D )Vena mediana cephalica ich dachte tnirs. Nun, das wol­len totr gleich stillen." . .

Er nahm aus der Hand seines Kollegen, der Ver­bandszeug zurecht gelegt hatte, eme Druckkompresse und ver­band mit derselben das verletzte Blutgefäß.

Ent richtiger Aderlaß!" meldet der zweite Arzt den m banger Erwartung harrenden Sekundanten. Glücklicherweise : feine Knochenfraktur. Ich denke, die Wunde wird Ui kurzer

Zeit geheilt sein." E

(Fortsetzung folgt.)