Ausgabe 
16.8.1913
 
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Kurchbrauffe. 9?ein, auch jetzt noch Wollte er um her einsamen Jahre willen, die ihm bevorstanden, keine, bis zum letzten Augen­blicke keine Borsicht nutzer acht lassen. Aber sein Wort rückgängig machen? Er wagte es unter dem Blick der dunklen Augen nicht, die voll angstvollen, forschenden Flehens auf ihm ruhten. Bon Weh gefoltert, sank er auf die Bank vor der Haustür nieder und preßte die Hände in stummer Qual ineinander. Da plötzlich scho-tz ihm, wie eine Erleuchtung von oben, ein Gedanke durchs den Kopf.

Zwar war's eine fromme Lüge, die er vorhatte; aber wenn je eine Notlüge erlaubt war, so mutzte es diese sein.

Leisen Schrittes trat er in das in sanfter Dämmerung liegende Krankenzimmer und näherte sich seinem Weibe, das bet denr Geräusch die Augen aufschlug und, nachdem es ihn er­kannt hatte, matt lächelte. Er winkte ihm Schweigen zu und be­richtete dann von seinem Borhaben. Man würde wieder eine Trag­bahre zimmern löte bei ihrer, der Trude, Ueberführung von der Mühle ins Dorf, sie rings herum, auch oben, mit starken Tüchern bespannen, um den leisesten Zug fernzuhalten. Dahinein würde man sie legen und in ihr neues Heim tragen. Die Kranke ver­stand kaum alle Worte, aber sie vernahm, daß ihr Wunsch und Wille in Erfüllung gehen solle, und zufrieden schlummerte sie tzei dem lieben Klang der Worte ein.

Leise machte Albert Hoffmann seine Hand los und traf alle Vorbereitungen zu seinem Unternehmen. Die Tragbahre wurde fertiggestellt. Bier Männer fanden sich ein, und die Reise nahm ihren Anfang. Man brachte die Bahre ins Zimmer, rüstete sie mit Betten aus, packte Frau Trude sorglich hinein und schloß dann die Umhüllung überall, so daß kein auch noch so leises Lüft­chen die darinnen Liegende treffen, diese selbst keinen Blick auf ihre Umgebung jenseits der Hülle werfen konnte. Nun faßten zwei der Männer die Handgriffe, legten die Gurte über die Schultern und hoben die Last behutsam auf. Die Wanderung be­gann: von denr einen Zimmer ins andere, von da auf beit Flur, dann durch die Küche wieder in die Wohnräume! Immer im Kreise, unermüdlich, eine ganze Stunde lang!

Mitunter wurde eine Ruhepause gemacht, und die Träger lösten sich ab. Dann begann der traurige Zug von neuem. Die Kranke lag indetz im Halbschlummer, zufrieden wie ein müdes Kind, das die Mutter auf dem Arme trägt. Sie ahnte nicht die Täuschung.

Während der Zeit war ihr altes Zimmer ausgeräumt worden. Man hatte die Möbel entfernt und die Gardinen und Bilder avgenommen. Nur war, um den frommen Betrug zu vollenden, von außen an das Fenster ein großer Busch Maien genagelt worden. Endlich waren alle Vorbereitungen getroffen, und die Träger traten, fich mit lautem Zuruf zur Vorsicht ermahnend, insForsthaus".

Man lüftete, die Vorhänge und hob die Sterbende in ihr -gleichfalls herbeigeschafftes" Bett, das nur in eine andere Ecke des Zimmers gestellt worden war. Aber die Vorsicht war nicht mehr nötig. Frau Trude achtete nicht auf ihre Umgebung.

Hier -- hier ist's schön!" flüsterte sie. .Jetzt wird noch alles gut werden. Mein Albert Dank!"

Eine fahle Blässe überzog das Gesicht, und das Kinn wurde plötzlich spitz. Der Mann beugte sich zu ihr nieder und nahm das teure Haupt in seinen Arm:

Willst du in meinem Arm einschlafen?"

Sie nickte. Einen Augenblick war's totenstill im Zimmer. Da setzte ihr schwerer Atem aus; noch ein- oder zweimal hob sich die Brust. Dann war's vorbei. Trcntenlos ließ Albert das Glück seines Lebens, das spät gewonnene, früh verlorene, sachte in die Kissen gleiten und drückte die dunklen Augen zu, die ihm so manches Mal in Liebe zugelächelt hatten. Erschrocken fuhr leine Hand zurück, als noch nach einer ganzen Weile mit dumpsem Rasselgeräusch ein letzter Hauch entfloh. Aber es war nicht mehr der des Lebens. , <

Der Wille seines Weibes hatte vor dem Kutz des Engels Tod endgültig die Flügel gefaltet.

denk dir, du seiest eiimial über Land gegangen. Fröhlich kehrst btt am Abend wieder heim und freust dich auf deine gemütliche StubS und ihre friedliche Stille. . . Aber o Entsetzen! Die Tür ist erbrochen, der Fußboden ist mit Papierfetzen, Glasscherben und häßlichen Dingeit bedeckt, die Bilder sind heruntergerissen, Tisch und Stuhle zerschlageii und zerbrochen. Deine Blumen welken ant Boden und dein Vöglein liegt tot im Bauer. Endlich begreifst du schaudernd: ein Bösewicht ist bei dir eingedrungen, er hat gewütet wie ein Barbar und dir dein Heim und seine Freude zertreten und zerstört. Da verhüllst du dein Gesicht und weinst bitterlich. Und un heißen Groll russt dur »Wie kann ein Mensch nur so bös und herzlos sein! Wie konnte er nur meiner lieben schönen Stube baS antun?!"

Nun, mein lieber Freund, Hand aufs Herz, bist du nicht selbst schon ost solch ein Barbar gewesen? Hast du nicht zerstört und vernichtet, wo Frieden und Schönheit herrschte? Hast du nicht ge­raubt und beschädigt, was nicht dein war? Und hast du nickst nur gar zu oft beschmutzt und besudelt des lieben Gotte» Stube? Kamst auf Besuch zu ihm in seine hohe, grüne Stube, in seinen Wald, wie hast du seine Gastfreuiidschaft belohnt? Papier und Abfälle warfst du auf den weichen Moosteppich, Flaschen und Scherben ließest du ini Haidekraut zurück, Aeste und Zweige brachst du ab und deine Kinder pflückten Blumen, um sie nach einer Weile achtlos wegzuwerfen. Du grubst Farne itnb Waldkräuter aus, um sie daheim in deinem sonnenreichen Garten sterben zu lassen. Du rissest Maiwuchs, Moos und Borken ab und hinterließest schlimme Schandflecke. Du hast des Waldes Wild und Waldgetier, Vögel und Insekten mit Lärm und Geschrei auigescheucht oder ihnen gar nach dem Leben getrachtet. Die bunten Giftpilze, die den Wald so lustig zieren, zertrat dein Fuß, Kröten, Schnecken, Raupen und Schmetterlinge fielen deiner Zerstörungswut oder deinem Sammel­eifer zum Opier. Kurz, du hast ebenso wie jener Barbar gewütet und das in des lieben Gottes schönster Stube! Also heißt's an seine eigene Brust schlagen, lieber Freund!

Romme einmal mit mir hinaus in die Waldungen um Berlin« Was deckt da den Boden? Nicht Bluinen und grünes Gras, sondernStullenpapiere" soweit das Auge reicht. Eier- und Obst­schalen und Scherben über und überall! Und jeder beschimpft und beschuldigt denonberen" beim Wandern, setzt er sich dann aber selbst ins weiche Gras, um zu frühstücken, dann wirft er ebenso ivie derandere" die Ueberreste und das Papier hinter sich. Er selber will seine übte Gewohnheit nicht einsehen, denn er denkt: Einer ist keiner". Wenn aber tausendEiner" dasselbe tun, dann sind tausend Schandtaten da, die des lieben Gottes Stube verunzieren.

Des lieben Gottes Stube ist der Wald.

Tritt ein", spricht er,nimm darin Aufenthalt I Doch hüte dich, daß du mir nichts verdirbst Und kein unrechtes Gut darin erwirbst!

Bewahren und beimmbem sollst du nur Und friedlich ivandeln auf geweihter Spur. Froh tritt herein, andächtig zieh' hinaus, Bedenk', bu bist beim lieben Gott zu Haus/

(Aus der Dürer-Bundes-Korrespondenz).

humoristisches.

* Das kluge M ädche n. Bureanfräulein, das aus den Ferien znrückkommt, zirm Chef:Kann ich noch eine Woche Urlaub haben?" Chef:Warum denn?" Fräulein:Ich möchte mich gern verheiraten." Chef:Ja, warum haben Sie das aber nicht schon während des Urlaubs getan?" Fräulein:Ach,- ich wollte mir die Ferien nicht verderben."

* Mißglückte Empfehlung. Kundin:Diese HuiforM kann ich nicht leiden. Man kann darunter nichts vom Gesicht sehen." Verkäuferin:Mer gnädige Frau, das kleidet doch am besten." ____

Der lieben Gotter Stube.

Von Johanna M. Lankau.

Laß mich erst einmal in deine eigene Stube schauen I Ei, wie traulich und gemütlich ist's darin. Lichte Vorhänge an den Fenstern, gute Bilder an den Wänden, da . und dort ein Blumenstrauß in bunten Tongefäßen., Auf dein Fensterstein grünen und blühen deine Blumen: Goldlack und Reseda, Geranien und Nelken, lieber der bunten Pracht hängt der Messingkäsig mit deinem goldgelben -lebling, und auf den Eckbrettern liegen hübsche, zierliche Tinge, .sAtene Muschel, ein schönfarbiger Stein oder ein ge° schnffenes Glas liebe Erinnerungen und Gedanken hängen daran! Dies schenkte, dir ein Freund und jenes deine Allerliebste! Und all dem Gerät und Gestühl zieren dein Zimmer freundlich, es ist dir -stützen und Schmuck zugleich und dein Herz hängt an den lieb­gewordenen Stücken. So ist dein Zu-Hause dein Stolz und deine hrende! _ Deshalb wachst du auch mit Fleiß und Peinlichkeit dar­über, daß es immer sauber und ordentlich drinnen ansschant, denn wer zu uns kommt, beurteilt uns nach unserem Heim. . . . Nun

viamanträtse!.

Jir die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaeeehh iiikmmmmnnnnrrrr derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Einen Körperteil.

3. Ein Gefäß.

4. Stadt am Niederrhein.

5. Einen Fluß,

6. Fürwort.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und wagerechte Mittel­reihe ergeben das Gleiche.

in nächster Nummer.

K

G

Auflösung

Auflösung des Veränderungsrätsels in voriger Nummer: 6ast, Eber, Imnb, Dieb, Enkel, Raub, Aase; elber n.

Redaktion: I. V.: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scben Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießern