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sie sah ja: Sie konnte ihm wirklich einen Dienst erweisen mit ihrem Hiersein. Inwiefern? Sie übersah es noch nicht; aber 'ganz gleich, es war so. Da blieb sie, und sollte es ihr noch so hart ankommen.

Dank, tausend Dank!"

Wie mit einem Gefühl der Erlösung schmiegte sich Rehe an den Arm der Freundin.

Won der anderen Seite her streckte sich ihr eine Mannes- Hand hin, die nun ihre Linke preßte wortlos.

So schritten die drei schweigend nach Schloß Malmort zurück.

*

Da ' der Wagen!"

Rehe wies, zusammenfahrend, auf ein Gefährt, das eben drunten aus dem Wiesenhang erschien, aus dem seit Jahr und Tag nicht mehr befahrenen Wege, der sich in Schlangenbieaungen heraufwand bis -ans Kastell.

©te standen hier zu dritt, die beiden Malmorts und Gottliebe, aus dem offenen Wehrgang hinter der Mauer­krönung und schauten so schon seit einer Weile hinaus nach der Erwarteten.

,- sie ist's."

Herr v.-Malmort bestätigte es. Freilich, die Insassin des Wagens drunten war unter dem dichten, lichtgrünen eng­lischen Reiseschleier noch nicht zu erkennen; ab-er wer anders sollte hier im Wagen sich heraufverirren? Und wenn es noch wirklich eines Beweises bedurft hätte, der turmartige Aufbau hellgelb lackierter eleganter Koffer hinten auf dem Wag-enaestell und vorn beim Kutscher hätte ihm jeden Zweifel benommen. Sv reiste nur seine Frau. Selbst auf eine Emhütte am Gletscherrand wenn je ihr Fuß sich in eine solche gesetzt hätte hätte sie ihre Koffer hinauf­schleppen lassen. Sie war ja nicht denkbar, einfach- nicht lebensfähig, ohne jenen luxuriösen Kornfort, den ihr dieses Reisegepäck ermöglichte.

Mit gerunzelter Stirn sah Malmort sich das Gefährt langsam heraufquälen. Der schwere Landauer mit dem un­sinnig vielen Gepäck; wirklich eine Tierschinderei! Wenn sie es schoir nicht empfand-, aber der Kutscher hätte es wissen müssen. Daß der Kerl nicht rnal wenigstens absticg. Der hätte nicht von drunten sein dürfen, aus Thalwys -oder Sta. -Maria, er hätte den Burschen mit eiserner Faust ge­schüttelt, daß ihm Hören und Sehen vergangen wäre; mit der Herrenfaust der Malmorts, die auf ihrem Grund und Boden strenge Zucht hielten von altersher. Mer natürlich so ein fremder Kutscher offenbar ein Saisonbediensteter -irgendeines Hotels da draußen in Glurns -oder Schluderns was lag dem Patron an den armen Tieren? Ein paar Wochen später trieb -er sich ja vielleicht schon wieder ganz wo anders herum.

ßiun war der Wagen in die letzte Serpentine eingebbgen, die zum Kastell hinführte, und jetzt beugte sich die Insassin aus dem Wagenschl-ag heraus. Die Personen zwischen den Mauerzinnen bemerkend, winkte sie jetzt lebhaft herauf und ließ einen,hellen, heiteren Zuruf hören auf französisch,- wie es schien. Mer er weckte droben kein Echo. Mit einer schweren,, gezwungenen Bewegung nur hob! Rehe die Hand und erwiderte so mit mattem Winken den ersten Gruß- der Mutter.

Herr v. Malmort war bewegungslos geblieben; nun aber wandte er sich ab und stieg langsam die Holzstufen des Äufganas hinunter, der Ankommenden entgegenzugehen. Langsam folgte ihm Rehe mit Gottliebe nach.

Der Wagen hielt jetzt vorn: Tor, und Herr v. Malmort öffnete den Schlag! wortlos, ohne Willkommen.

Bon jour, mon ami! Die schlanke Frau in elegantem sandfarbenen, seidenen Reisemantel, entstieg graziös an seiner Hand dem Wagen und reichte ihm nun, den Schleier lüftend, die Wange zum Kuß hin.

Wie ist's dir gegangen, Bester? Du siehst gut aus, immer noch gut," sie musterte mit der Ungeniertheit eines naiven, verwöhnten Kindes seine Züge, Haar und B^rt. Rur hier die Krähenfüße!" Sie tippte lächelnd mit dem zierlichen Zeigefinger im zarten dänischen Handschuh auf die besonders scharf hervortretenden Falten um Augcu- tvinkel und Nasenflügel.Das solltest du dir abgewöhnen, mon eher. Aber wo ist das Kind?"

Rehe war scheu, mit starren Blicken auf die Frau dort ich Wagen, in der Türwölbung stehen geblieben. Bei den Worten der -Mutter kant sie nun heran.

Ah, te voilä!-»d, du hast dich herausgemacht.

Sieh doch nur, Wulfrin!" Sie fuhr zu dem Mäun herum. Die Kleine entwickelt sich ja zu einer regelrechten beaute, mais vraiement!

Und in einem Anflug von mütterlichem Stolz schloß sie Rehe, in die Arme. Die Tochter machte im ersten Moment unwillkürlich eine zurückweichende Bewegung; dann aber gab sie sich gehorsam der emphatischen Liebkosung hin, doch nur mit einem geheimen -Erbeben.

Jetzt gab Frau v. Malmort die Tochter wieder frei. Noch einmal überflog sie, befriedigt nickend, deren Er­scheinung.

Famos, -ganz famos! Wenn ich denke, als ich dich das letztemal sah- es sind ja wohl zwei, nein, gar schon drei Jahre,! was für ein kleines Greuel warst du da! Nicht, Wulfrin?" Sie lachte hell auf, höchst amüsiert in der Er­innerung daran.Schlenkrig, lang aufgeschossen, und Hände und Füße so" sie beschrieb mit ihren zierlichen Händen einen tellergroßen Kreis in der Lustwie ein tappsiger, junger Jagdhund."

Rehe stand stumm und unbeweglich, mit gesenkten Augen vor der Mutter; nun aber erschien eine feine Falte zwischen ihren klar gezeichneten Brauen, wie Frau v. Mal­mort glaubte, aus verletzter Eitelkeit.

Nun laß, Kind! Kannst jetzt ja sehr zufrieden mit dir sein, wirklich äußerst!" versicherte sie, wohlwollend lächelnd ihr über die Wange fahrend.Mur dein Anzug! Bon dieu!f> Ihr Blick glitt plötzlich chvkiert an Rehes schlichtem Kleid herab.

Horrible! Wo läßt du nur arbeiten? Ich glaube wahrhaftig- beim Dorfschneider drunten in Thalwys, oder wie das gottverlassene Nest da unten sonst heißt. Wie? Na, da gibt's ja gleich was hier für mich zu tun. Doch gut, daß ich hier bin! Nicht, ma petite? Wenn's nach deinem Water ginge, so ließe er dich ja wahrhaftig wie eine Vogelscheuche rumlaufen, ohne daß, er's überhaupt merkt."

Sie sagte es lachend, mit einer ganz- harmlosen Lustig­keit, und sah dabei vergnügt von der Tochter zum Vater. Aber nun bemerkte sie doch die ernsten, starren Mienen der beiden, die da unbeweglich vor ihr standen.

-Aber mein Gott, was hab' ich denn nun gleich wieder verbrochen, daß ihr steif wie die Stöcke dasteht, mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwett-cr? Ein schöner Empfang für eine Frau und Mutter nach drei langen Fahren!"

.Ihr Ton ivurde plötzlich schnrollend und weinerlich.

Däzu kommt man nun von Pontresina eigens herüber­gefahren, und läßt sich zwei Tage lang int Wagen durch­rütteln, daß mau wie zerschlagen ist!"

Wozu bist du überhaupt erst gekommen, hierher, wohin dich keiner rief, wo dich keiner begehrt! Malmort dachte es in tiefster Bitterkeit. Aber sie war, wie cs auch stand, doch immer die Frau, die seinem Kinde da unter Schmerzen das Leben geschenkt hatte das wollte er nicht vergessen. Und sie hatte ein Recht, hier zu sein.

So war denn, sein Ton ernst, aber mild, wie er ihr nun erwiderte und begütigend ihre Hand nahm:

Du bist müde von der langen Fahrt, natürlich. Komm herein, daß, du dich ausruhst."

Und er führte sie nun ins Schloß,

^Fortsetzung felgt.)

Ihr Wiße.

Romuald Gilbhart.

Und so wollen wir denn wünschen, daß beit Neuvermählten ihre künftige Heimat W u st Hagen ein rechtes Lu st Hagen sein und bleiben möge. Darauf lassen Sie uns die Gläser heben. Das junge Paar, es lebe hoch hoch hoch!" Hell klangen die Gläser aneinander. Das urkräftige Hoch der schon in Stimmung geratenen, meist ländlichen Kreisen ange- hörenden Hochzeitsgesellschaft durch einen Tusch der aus dem Hausflure untergebrachten Festmusik verstärkt füllte den nie­drigen Raum wie eine schier greifbare Masse und dröhnte durch die offenen Fenster des gutsherrlichen Gärtnerhauses ans den Hof hinaus, wo das durch die Borlüreitungen zum Hochzeitsmahle arg dezimierte Geflügel erschrocken auseinander stob.

Der geistliche Herr setzte sich, nachdem er mit dem ihm gegenüber sitzenden Brautpaare und seinen sonstigen Tischnach­barn angestoßen hatte, auf seinen Platz zurück und genoß mit Be­friedigung die ihm treuherzig ausgesprochene allgemeine Bewun­derung seiner geistvollen Rede. Nach der durch den Toast er- zwungenen Pause nahm das Maptzern der Kesser und .Gabeln