Samstag, iM l6. August
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Firnenrsulch.
Roman von Paul Gr ab ein.
Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
. 'Herr v. Malmort wandte sich, seine Schritte beschleu- inrgend, bergab; die beiden Mädchen folgten ihm.
i3tuf Halbent Wege trafen sie so den heraneilenden Mann. Malmort erkannte ihn schon von weitem: Ein Bauernsohn von drunten aus Sta. Maria, dem Postort, der gelegentlich Botengänge für die Post übernahm. Schon aus einiger Entfernung rief der Bursch, etwas in der Jgaitb Hochhaltend, ihm herüber:
>)A Depesch'n!"
>,Eine Depesche?"
Rehes Gesicht zeigte plötzlich einen erschreckten Aus- druck. Weltfern, wie fie mit dem Vater lebte, verband sich für sie mit dem Begriff des Telegramms unwillkürlich die Vorstellung einer Hiobspost. Im Fluge tauchten auch Erinnerungen an ferne Kindertage auf, wo die Ankunft solcher Unscheinbaren Zettel — ganz unbegreiflich für ihr Kinder- !gemüt — den' Vater immer in tiefsten Schmerz oder hohe Aufreguno versetzt hatte.
Mer das war doch nun alles schon so lange vorbei — was konnte denn jetzt nur sein, das so dringlich und wichtig war, daß der Bursch da die vier guten Wegstunden von Sta. Maria eigens heraufeilen mußte?
Ganz atemlos, vom letzten anstrengenden Stück des Wegs bergauf, stand nun der Bote beim Vater und wischte sich mit dem roten großen Sacktuch den Schweiß von der Stirn.
Malmort hatte indessen bereits die Depesche erbrochen und ihren Inhalt überflogen. Nun falteten seine Finger langsam das Papier wieder zusammen; aber er blieb unbeweglich stehen, das Haupt gesenkt und sah mit einem fast finsteren Ausdruck vor sich hin 1— so in Anspruch genommen von seinen Einpfindungen, daß er des Boten und der Mädchen neben ihm vergaß.
Aber nur für einen Augenblick; dann raffte er sich zusammen, und seine Züge zeigten ivieder die gewohnte Ruhe.
„'s gut, Pankraz! Bist brav heraufgesprungen. Nun pfleg dich aber auch gut im Wirtshaus in Thalwys. Hörst du?"
Und er reichte ihm ein Geldstück hin.
„Dank, Herr!" sagte der Bursch einfach, nahm das Geld ohne Ziererei und machte wieder kehrt.
Herr v. Malmort aber wandte sich jetzt feiner Tochter zu.
>Mehe —. die Mutter kommt, ist schon unterwegs. Das Telegramm kommt von Glurns. Also heute abend wird sie Hier sein?"
„Djie Mutter?"
Wre etit leiser Ruf des Schreckens kam es von Rehas Mund, und ganz fassungslos starrte sie mit großen, geängstigten Augen den Vater an.
Die Mutter! Auch Gottliebe fuhr unwillkürlich zusammen ■— die Mutter, die sie tot geglaubt, sie lebte noch! Ick, aber was war das dann alles hier? Warum lebten da Vater und Tochter ohne sie in dieser Einsamkeit, taten rhrer mit keinem Wort Erwähnung und erschraken jetzt beide vor ihrem Kommen wie vor etwas Furchtbarem? Was für ein düsteres Geheimnis barg das graue Gemäuer da drunten? Diese Gedanken jagten sich in ihr, wie sie nun mit ihren Begleitern gleichfalls talab schritt.
Malmort ahnte wohl, was für Gedanken den Gast beschäftigen mochten, denn er wandte fich nun an sie.
„Meine Frau" — es war, als ob das Wort ihm Nur schwer über die Lippen wollte — „lebt ihrer Gesundheit, ihres Nervenzustands wegen, stets außerhalb) im milderen Klima. Sie ist daher leider nur xin Gast, ein sehr seltener Gast, in unserem Hause."
Er vermied es aber, bei diesen Worten Gottliebe an» Zusehen; mit einem gezwungen ruhigen Ausdruck blickte er vor sich auf den $3eg1, und auch auf Rehes durchsichtig klarer Stirn lag eine Wolke; auch ihr Blick floh scheu die Freundin.
Gottliebe überfiel eine dunkle Traurigkeit. Was hatte sich da mit einem Male zwischen sie drei gestellt, die eben noch so freundschaftlich vertraut zueinander waren? Unsichtbar, ein Nichts und doch so düster Und schwer. Sie empfand es mit jenem Instinkt, mit dem Frauen blitzschnell, ahnungsvoll eine ganze Zukunft Vorausschauen. Nun war das alles aus, was sich so schon angespounen hatte! Der Schatten, den die Fremde da vorauswarf, er genügte bereits, sich erkältend auf die zarten Triebe zu legen. Wie nun gar erst ihre wirkliche Anwesenheit? — .Nenn das wollte st« gar nicht erst ab wart en.
Und mit bitterem Gefühl im Innern, aber entschlossen, antwortete sie, ebenfalls ohne Malmort anzublicken:
„Wenn Ihre Frau Gemahlin nur so ein seltener Gast in Ihrem Hause ist, so will ich selbstverständlich nicht stören. Ich breche sofort auf."
„Nein —nein!"
Heftig klammerte sich plötzlich Rehe an Gottliebes Arm, und ihre dunklen Augen flehten aufgeregt die.Freundin an.
„Nein — bleiben Sie. .Ich bitte Sie darum!" bat nun auch Malmort eindringlich, und auch aus seiner Stimme zitterte kaum wahrnehmbar, aber ihrem seinfpüren- ben Empfinden nicht verborgen, eine geheime Bewegung.
Nun blickte sie zu ihm auf und begegnete seinem Blick. Ein stummes schweres Weh stand darin und ein so warmes Bitten. „Bleiben Sie!" bat er noch einmal. „Sie erweisen Rehe und mir", leiser kam das Wort, „den größten Dienst,"
Da konnte sie nicht anders.
„Daun bleibe ich!" entschied sie sich, und ein warmes, glückliches Gefühl überkam sie trotz allen Wehs. Sie fühlte.


