Ausgabe 
16.7.1913
 
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heiß auf den Tisch, so war ihre stehende Redensart:Die Supp hat viel Sommer." Wie unerbittlich die Nachfahren der Gallier bei Lieferungen vorgingen, zeigen folgende zwcr Verfügungen des Ganerbschaftsanites Gr. Buseck über die Lieferung von Mehl, und des Bürgermeisters von Reiskirchen über eine solche von Hafer und Heu. Sie lauten:Da von dein franz. General Legrand an das Buseckertal eine Forderung von 4080 Pfund Mehl gemacht worden und es hieran der Gemeinde Bersrod 221 Pfund erträgt, so wird dem dasigen Bürgermeister aufgegeben, sothane 221 Pfund Mehl binnen hier und überinorgen, Diens­tags morgens um 9 Uhr längstens und so gewiß nach Gießen abzuliefern, als sich sonst zu gewärtigen, daß er dieses Mehl doppelt prästieren müsse. Die Ablieferung geschieht in den Rappen, wo sich ein thalischer Deputierter (vom Amt Gr. Buseck) aufhalten wird."Wenn die Gemeinde Bersrod bis morgen 7 Uhr an die Reiskircher Kantonierungstruppen nicht bis 15 oder 20 Achtel Hafer benebst 100 Rationen Heu, die Ration 15 Pfund, anherr liefert, so wird solche Gemeinde mit franz. Exekution belegt oder bestraft. Reiskirchen, den 28. April 1797. Bürgermeister Heinrich Schneider." Dieser letztere Befehl ist von einem Offizier mit einer Erklärung in franz. Sprache versehen, deren Inhalt nur erraten werden kann, denn die Schrift ist zierlich und durch schwungvolle Verschnörkelungen größtenteils unleserlich, sticht aber merkwürdig ab gegen die großen, klobigen Schriftzüge der Reis­kircher Bürgermeisterfaust. Aber auch deutsche Truppen unter­stützten ihre Lieferungsbefehle mit drohenden Worten. Das ist halt der Krieg. . So wird für eine Brotlieferung verordnet,daß das Brot gegen den Regen mit Tücher und Stroh wohl verwahret werden soll, sonst muß jeder fehleude Laib sogleich mit schwerem Geld bezahlt oder in Natura nachgeliefert werden. Hier­nach ist sich unfehlbar zu achten." Welchen unangenehmen Sche­rereien mitunter die Gemeinde bei Fouragelieferungen ausgesetzt war, zeigt die drei volle Bogenseitcn umfassende Rechnung über den Ankauf und die Lieferung einer Kuh für das franz. Lager in Kloster Arnsburg 1797. Da im Dorfe keine zu befummelt war, kaufte man eine in Alten-Buseck für 60 Gulden 12 albus (1 Gulden = 60 Kreuzer = 40 alb.) und gab 1 Gulden und 15 albusSchmußgeld und Weinkaus". Die arme Kuh mußte bald da, bald dorthin geliefert und dabei Trinkgelder an einen franz. Oberst und die Wachen im Kloster Arnsburg gezahlt werden. Als man nicht mehr wußte, wohin mit derWanderkuh", ver­steigerte man sie kurzerhand. Aber da wurde die Lieferung abermals verlangt und einem Bauer, der Fourage nach Arns­burg brachte, wurden die Ochsen für die Kuh imArrest" be­halten. Nun bekamen es die unglücklichen Kuhlieferanten mit dem Amt Gr.-Buseck und dem Herrn Regierungsrat Meier in Gießen zn tun wegen der Kuh. Sie kauften das Unglückstier dem Steigerer wieder ab und lieferten es nun zum dritten Male im Kloster ein. Die Ochsen wurden aus demArrest" entlassen, aber die Kuh ist wahrscheinlich nicht mehr lebend cherausgekommen. Durch die vielen Gänge und Trinkgelder war die Rechnung auf 91 Gulden 20 albus angewachsen, wurde jedoch vom Amt auf 82. Gulden 20 albus beschnitten. Wahrlich, für die Bersröder wäre dieses Hornvieh historisch, wenn es noch lebte. Ueberhaupt find die Jahre 1797 und 98 für unsere Gemeinde, sowie für das gesamte Buseckertal, die bittersten von allen gewesen. Von Anfang April 1797 bis Ende 1798 betrug die franz.Kriegs- Schadens-Rechnung" 17 084 Gulden, als Anteil Bersrods an der Gesamtlieferung des Busecker Tales, ohne die eigenen Lie- iernngen, allein von Ende April bis 20. Sept. 1797 = 6178 Gulden, also monatlich über 1200 Gulden. Um diese hohen Summen aufzubringen, mußte die Gemeinde bei einer Anzahl Privaten Kapitalien ausnehmen und Schulden an Schulden reihen.

Der Kuriosität halber seien einige Posten der Kriegsrechnung 97/98 hier angeführt:

1. Dem Herrn Schulmeister Koch für Bett-, Weiß- und Tischzeug, Zinß Und mehrere Bedürfnisse zu stellen 75 Gulden.

2. Einem franz. Marketender für 54 Mas roten Wein 64 Gulden 24 albus.

3. Dem Lorenz Spaar von dem prisson für die Franzosen 3 Gulden.

4. Dem Konr. Döring, hat ein Leintuch ll>/e Woch für ein Offizier in Konr. Büchers Haus hergegeben 15 albus.

5. Dem Melchior Linnenstruth von Beuern für mit 2 Pferden 11 Tage geleistete Vorspann bis Köln 30 Gulden 2 albus.

6. Einem Commando Dragoner (franz.) Erpreßtes Geld müssen bez. 16 Gulden 18 albus.

7. Dem Jak. Sommerlad für 5 Mann Berchinp Husaren Mund Portion und Pferde Ration 2 Gulden 10 albus.

8. Demselben für Zehrung 2 Tiroler Scharfschützen mit 2 Weiber 15 albus.

9. Dem Balser Hofmann für Branntwein, als ein Kommando franz. Dragoner in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai großen Aufruhr machte 2 Gulden 9 albus.

10. Dem Glaser Damm von Beuern, von Fenster in des Gerichtsschöff Linnenstruth Stub wieder zu machen, so durch die Offizier durch Walzen (-Tanzen) zerbrochen worden 1 Gulden 24 albus. (Schluß folgt.)

Vermischter.

* F a rbe und Appetit. Wählt man in einem Speisehausr ein Gericht, das schokoladenfarben ist, so beweist man damit un­willkürlich, daß man ein Mann von Geschmack und Bildung ist. Hat man dagegen eine Borliebe für gelbe oder sasranfarbene Speisen, so zeigt das einen ordinären Geschmack. Zu dieser Schluß­folgerung kommt nach einer eingehenden Untersuchung über Essen und Farbe LLr. I. S. Goodall in einer englischen Zeitschrift. Nach den Ergebnissen vieler Versuche, die er vorgenommen, stellt Dr. Goodall folgende Regel auf: Kultivierte und ge­bildete Leute ziehen schokoladenfarbene Speisen vor. Ungebildete Leute essen gelbgefärbte Speisen gern. Kinder aller Stände haben eine Vorliebe für Essen, das rot gefärbt ist. Dr. Goodall be­hauptet, daß die Farbe der Speisen von viel größerem Einfluß aus den Appetit und die Verdauung ist, als man gewöhnlich an» nimmt.Zuerst stellte ich Versuche mit Katzen an," erzählte er. Eine Katze läßt sich durch die Farbe ihrer Nahrung sehr beein­flussen. Bei einem Versuche legte ich mehrere Fleischstücke, von denen jedes anders gefärbt war, einer Katze vor. Genau sah sich das Tier jedes Stück an und wählte dann das rotgesärbte. Hunde hingegen scheinen ihren Gesichtssinn nicht so zu Rate zu ziehen, wie das die Katzen tun. Wenn die Nahrung nur gut riecht, frißt ein Hund alles. Silber auch Menschen sind hinsichtlich der Farbe ihrer Nahrung sehr empfindlich. Durch Umfragen bei Lieferanten stellte ich fest, daß sich schokoladenfarbene Speisen in den besseren Klassen großer Beliebtheit erfreuen. In ärmeren Gegenden jedoch findet Kuchen und Backwerk, das eine hellgelbe Farbe aufweist, den meisten Absatz. Rosa ist die beliebteste Farbe bei Kindern. Läßt man einem Kinde die Wahl zwischen Zuckerzeug, das rot und gelb gefärbt ist, so ivird es stets das rot- gefärbte wählen Blinde, die ihren Gesichtssinn nicht mehr ge­brauchen können, scheinen Speisen mit einem stark ausgeprägten Geruch zu bevorzugen, namentlich haben sie gewisse Gemüse gern." Eiir anderer Forscher, Dr. G. Norman Meachem, will ebenfalls beobachtet haben, daßdie Besucher von Speisehäusern in ihrem Appetite sehr durch die Farbe der Speisen, die ihnen vorgesetzt werden, beeinflußt find. Gewisse Farben reizen den Appetit und die Verdauung an, andere haben die entgegengesetzte Wirkung. Speisen, die künstlich grün gefärbt sind, werden allgemein gemieden. Weiße Speisen, wie Weißfisch, reizen beit Appetit an." Ein Grund dafür, daß, wie Dr. Goodall behauptet, die ärmeren Klassen eine Vorliebe für gelbe Speisen haben, mag vielleicht der sein, daß sie glauben, solche Speijen sind üppiger und reicher als andere.Was mich selber anbetrifit, so ist mein Appetit oft durch gewisse Farben angeregt worden So bringen braun geröstete Kartoffeln diese Wirkung bei mir hervor. Nach meiner Theorie sind Grün ober Blau einem gesunden Appetit nicht förderlich. Wenn man sich zum Mahle in einem grün tapezierten Zimmer niedersetzt, so wird einem oft der ganze Appetit zum Essen verleidet."

* Die Rache. Der Schauplatz ist ein kleines Postamt. Am Schalter kauft ein Herr eine Zehnpfennig-Marke. Der 9lffiftent reicht ihm die 'Starte und fragt freundlich:Vielleicht ein Post­anweisungsformular gefällig?"'Nein, danke".Oder einige Post­karten? Es sind heute nette eingetroffen."Nein, heute nicht." Aber ein Kartenbrief?"Nein, ich danke.Wollen Sie vielleicht ein Postscheckkonto eröffnen? Oder ein Postfach gefälligNein, durchaus nicht." Und der Käufer entfernt sich eilig. Ter Post- direktor, der unbemerkt die kleine Szene mit ansah, nähert sich sehr empört:Wer war dieser Herr und tvie kommen Sie dazu, ihn so zu belästigen?" Aber der Assistent lächelt nur zufrieden: Oh, es ist mein Friseur," erklärt er,und immer, wenn ich mich rasieren lasse, besteht er daraus, mir eine Gesichtsmassage, Haar» schneiden, Shampoonieren und diverse Haarwasser dringend anztt- empfehlen, obgleich ich nichts von alledem tvünsche. Da wollte ich doch einmal int Leben den Spieß umkehren und sehen, wie ihm das gefallen würde "

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Da alles paßt, tourniert Vorhand mit folgender Karte:

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Er tourniert so günstig jedoch keinen Wenzel daß er fein Spiel mit Schneider gemimten konnte. Mittelhand hat in ihren Karten ein Auge weniger als Hinterhand. Was lag tut Skat, tvie waren die übrigen Karten verteilt und tvie mußte gespielt werden?

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummer: Fahnenflucht Beinerz Albatros Nicolai - Luckervogel;

Franz Liszt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheit Uitiversitäts-Buch» und Steindrttckerei, R. Lange, Gießen»