Ausgabe 
16.7.1913
 
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ffirnenraulch.

Roman von Paul G r a b e i n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Etwas erstaunt schaute sie der Führer an, aber Bessow kam seiner Antwort zuvor.

Mein gnädiges Fräulein, auf den Wunsch Ihrer Frau Tante niöchte ich mir doch erlauben

Bitte, Herr Bessow!" Mit leicht sich rötendem Antlitz sagte sie es, sehr nachdrücklich.Die Sorge meiner Tante ist ebenso grundlos wie zwecklos. Wollen Sie ihr das sagen?" Und der Wink ihrer Augen hieß ihn gehen.

Bessotv aber blieb.Ganz Prinzessin!" dachte er iir diesem Augenblick und fand sie mit dem Hochmut in dem feinen rassigen Gesicht begehrenswerter als je.

Tas gnädige Fräulein hat nämlich noch niemals eine Hochtour gemacht,", wandte! er sich, dann an den Führer.Und Sie werden selbstverständlich doch unter solchen Umständen eine Ortlerbesteigung nicht anraten und verantworten wollen. Nicht wahr, mein Lieber?"

_Ah!" Ein leiser Zorneslant entfuhr Gottliebe, und heftig wollte sie Bessow erwidern. Aber da traf sie ein beredter Blick des Alten vor ihr, ein beschwichtigendes Zu­winken mit seinen klugen Augen, als wolle er sagen:Nur still und laß mich machen. Ich sehe schon, wie hier die Sache steht!"

Der Herr haben scho ganz recht," erwiderte er Bessow höflich und bescheiden,ich tät dem Fräula a so net glei grab' zu der Ortlertour raten. Es wär' scho besser, das Fräula möcht' zuvor an' leichtere Tour machen; wann's dann gut gange is, nacher stünd' halt dem Ortler a nix mehr im Wege."

Gottliebe war im ersten Augenblick mit diesem Ver­mittlungsvorschlage nicht gerade zufrieden. Hatte sie doch erklärt, morgen gleich diese Besteigung machen zu wollen. Aber da der Führer sich 'offenbar weigern würde, ihrem Wunsch zu entsprechest was sollte sie machen? Und war es nicht schließlich immer noch besser, ein oder zwei Tage später ihren Plan anszuführen als gar nicht? Sie hatte sich nun einmal tu den Gedanken verbissen, und je mehr Schwie­rigkeiten sich ihr entgegenstellten, desto fester ward nur ihr Entschluß, Bessow zu zeigen, daß sie nicht leere Worte machte und daß sie auch konnte, was sie wollte. So entschied sie sich denn doch, den Vorschlag des Alten anzunehmen.

Nun gut! Und was wäre solche leichtere Tour, wie Sie meinen?"

Die Geischterspitz' von der Ferdinands höhe aus. Das ist ane sehr schölte und. lohnende Tour und halt gar net schwer. Immer über ebene Gletscher furt, bloß zum Schluß an der Spitz a bissel Steigung."

Aber da können Sie doch gar nicht sehen, was man leisten kann, wenn's gar so leicht ist!" weinte GcckKKiHc enttäuscht.

Ah, das seh ich schon," beruhigte sie der Alte.

Toni, das mirkt man halt bald, ob an' Herrschaft gehn kann oder net," wandte er sich au seinen jüngeren Begleiter, der bisher schweigend dabei gestanden hatte, von Gottliebe kaum beachtet.

Jo freut," bestätigte er jetzt kurz mit Kopfnicken, und Gottliebe wandte den Blick auf ihn. Es War ein hochgewach­sener blonder Bursche mit offenen männlichen Zügen, an­scheinend etwas verlegen ituit unter ihrem musternden Blick.

Ja, das alles ist ja recht schön und gut, mein Lieber," mischte sich jetzt Bessow mit herablassend wohlwollendem Ton ein.Aber es fragt sich nur, ob für das gnädige Fräu­lein eine Hochtour überhaupt zulässig ist. Ich bitte doch sehr," er wandte sich mit einer leichten Wärme im Ton an Gottliebe,ehe Sie sich definitiv entscheiden, mir freund­lichst doch noch einmal zu gestatten"

Aber sein diplomatischer, vorsichtiger Verschleppungs-^ versuch scheiterte an ihrer rücksichtslosen Entschlossenheit.

Ich bin bereits vollkommen entschieden!" fertigte sie ihn kurz ab.Also wir gehn auf die Geisterspitze, morgen ab gemacht?" Und sie hielt dent Alten die Hand hin.

Abgemacht!" Kräftig schlug dieser ein.

Sie besprachen dann noch das Nötige, während Bessow sich verletzt abwandte und zu Frau Morell zurückging. Er war ja nun überflüssig hier.

*

No, do wär'n wir halt so weit. Den Proviant hab' t a im Rucksack wann's den Herrschaften also recht wär', nacher gäng'u ma."

Ich bin fertig, längst!" Gottlie.be führ schnell von ihrem Stuhl auf, als sich so der alte Stadler-Franz, ihr Führer, meldete. Sie hatte mit Bessow gemeinschaftltch den Kaffee im Gastzimmer des Berghauses auf der Ferdinandshöhe ein- genomtneit.

Der Regierungsrat war nun auch mit von der Partie. Eigentlich war er zwar fest entschlossen gewesen, sich nach der erneuten Abweisung von Gottliebe Rhyngaert ganz zurückzuziehen, und grollend iw er ihr auch vorgestern abend und gestern morgen ferngeblieben, in Gedanken schon die Abreise erwägend. Da aber hatte ihn Fra.u Morell zu finde« geivußt. Tie arme Dame war in Verzweiflung: Gott- liebe wollte ja nun wahrhaftig auf die Berge laufen, sich mit Gewalt den Hals brechen! Sie war nicht abzubringen von dein Vorhaben. Aber wenn nun schon einmal die Ver­rücktheit vor sich gehen sollte, so würde es ihr, so versicherte die Tante, doch eine große Beruhigung sein, wenn wenigs stens ein treuer, zuverlässiger Freund wie der Regierungs-- rat dabei wäre. Ob er sich denn nicht entschließen könnte, mitzugehen ihr zu Gefallen?

Bessow war zuerst zwar über diese Zumutung sehr be­troffen gewesen; aber schließlich die alte Dame guälte