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Die Llsmmenzeichen rauchen.
Roman aus dein Jahre 1813
von Miax Karl Böttcher-Chemnitz.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Werner war unterdessen zu einem Marketender gegangen, um Papier zu kaufen, da er am Vorabend der ersten Schlacht noch einen Gruß, vielleicht den letzten, nach der Heimat senden wollte. Diese Zeit benutzte Wintzer, den Kries zu lesen. Der alte Etzinger schrieb:
„Mein bester Junge!
Noch immer keine Nachricht vom Feind! Die Sache dauert mir zu lange. Dreinhauen, zum Donner, dreinhauen! Warum fangen Eure Heerführer nicht an? Soll die Begeisterung erst wieder verfliegen? Wie mag Dir's iin .Felde ergehen und wie nnserm Schulmeister und dem lieben, verehrten Junker Werner und Euch allen aus uuserm Dorfe?
Hier in Heidehorst sieht cs gar schlecht aus. Die Burschen sind alle fort, die Arbeit stockt, kein Geld im Hause, und der alte Freiherr schwer krank. Im Schloß "sitzt schon die neue Herrschaft! Du, wenn Du im Felde etwa mit französischen Leibhartschieren zusammentriffst, hau doppelt zu, vielleicht erschlägst du den Leutnant Emil von Bourgee, das ist der Besitzer von Heidehorst. Nur weil es der alte Freiherr will, dulden wir die Gesellschaft im Dorfe, sonst hätten wir sie längst zum Teufel gejagt. Und nun das schlimmste. Der Erbjunker Lint- hardt sitzt mit im Schloß! und will das Schloß ertrotzen. Bomben und Granaten, daß ein Mensch so aus der Art schlagen kann! Der alte Freiherr weiß noch nichts, es wäre fein Tod, aber in den adligen Kreisen der Umgegend spricht man viel davon, und fast täglich kommen Äuf- sagen der Freunde und Bekannten des Barons. Doch der Herr Pfarrer Tempel nimmt alle diese Sachen in Empfang und verheimlicht sie dem Freiherrn, weil er für sein Leben fürchtet. Baroneß Gisela, die allnächtlich an das Schloß schleicht, weil sie hofft, den Erbjunker einmal zu treffen, leidet furchtbar unter dieser Schande.
Nun aber Schluß! Donnerwetter, Junge, soviel habe ich m meinem ganzen Leben noch nicht geschrieben. Seit 'drei Stunden sitze ich hier im Gemeindeamt bei nnserm Schultheißen und schwitze an diesem Brief. Ich bin nämlich jetzt Nachtwächter für Traugott Jmmerfroh, den Du, bitte, von mir grüßen kannst. Ich täte seine Sache fein versorgen. Dich aber grüßt am meisten
Drin alter guter Vater."
Paul Wintzer gab den Brief erschüttert an Etzinger zurück und bat den Landsmann, feinem Menschen, vor allem aber dem Junker nichts von den trüben Ereignissen in der Heimat zu sagen.
Was Wintzer vorhin geahnt hatte, daß Graf Egbert von Singen durch irgend jemand, vielleicht in einem Quartier auf irgend einem Herrschaftssitz, von dem Verrat Erbjunkers Linthardt von Altenlohe erfahren hatte, war ihm nun zur Gewißheit geworden, und in ihren beleidigten Baterlandsgefühlen ließen sie den Vater und den Bruder die Schande des Erbjunkers entgelten. Unendliches Mitgefühl mit dem Freunde befiel den Schullehrer, und er befürchtete, daß für Werner durch Linthardts Verrat an der großen, heiligen Sache der Vaterlandsbefreiung noch manche schwere Stunde kommen würde, ivenn nicht ein ruhmvoller Heldentod in den werdenden Schlachten ihn davon erlöste.
Werner kam vom Marketender zurück und ibollte eben am Wachtfeuer beginnen, zu schreiben, da tönte Alarm durch das Lager. Sie eilten an ihren Sammelplatz, und wenige Minuten später ging es in die Nacht hinaus. Werner von Altenlohs und Paul Wintzer marschierten Seite an Seite. Es war ein stiller, unheimlicher Marsch. Lange, schweigende Kolonnen stolperten mehr, als sie liefen auf den schlechten Straßen in stockfinsterer Nacht durch den Föhrenwald. Nur ab und Zu tönte ein leiser Kommandoruf, wohl auch ein Fluch, ivenn einer strauchelte oder anstiest sonst nur das gleichmäßige, dumpfe Stampfen von Tausenden von Männerfüßen und das schwache Klirren von Waffen. Schattenhaft huschten Reiter und Qrdonnanzen am Rande der Straße dahin, dann stockte wiederum der ganze Zug. An der Spitze sammelten sich die Führer bei schwachem Laternenschimmer und berieten über den weitern Vormarsch oder studierten die wenigen schlechten Karten oder besprachen sich mit den aus den Dörfern mitgenommenen einheimischen Führern. Dazu ertönte von ganz, ganz fern ein dumpfes Rollen: Das erste Geschützfeuer! — Da zuckte Wohl der eine und der andre zusammen^ Die Tatsache, daß hinter den Morgennebeln, die sich allgemach durch die Föhren spannen, der gierige Tod lauerte, mochte sie nachi- i)entlief) stimmen.
Endlich, endlich lichtete sich der Wald. Frische, kräftige Erdluft lastete über den Feldern, und von den schwachen Hügeln in weiter Ferne huschten die ersten Sonnenstrahlen nieder in die Heide, und mit ihnen blitzten drüben die ersten Schüsse auf. Es begann ein Wettlaufen zwischen Pulverblitz und Sonnenglanz/ und die Kanonendonner rollten langsam, mit majestätischer Ruhe und Gewalt über die Ebene, und dumpf erdröhnten die Erdschollen unter dem Tritt der Truppen.
Jetzt standen die Kolonnen. Adjutanten rasten an dem Waldrande dahin, Kommandos ertönten, und dann ging es über die Ebene, dem weitaus stärkeren Feinde entgegen. Altenlohes und Wintzcrs Kompanie kämpfte fast am rechten Flügel. Die feindlichen Führer hatten einen Umgehungs- verfuch "gewagt, und der ganze Druck des Kampfes lastete nun auf der rechten Flanke.


