Ausgabe 
16.4.1913
 
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Vergleich zu der geringen Einwohnerzahl von etlva 1/2 Million Seelen war dies das stärkste Kontingent, das unter bett Rhein­bundfürsten ein kleiner Landesfürst bene französischen Gewalt­haber zuführen konnte, lieber 4000 Mann Linientruppen be­fanden sich in der Heiniät, wahrend 1500 Mann vom Regiment Groß- und Erbprinz" noch in Spattien bluteten und 1540 Musketiere vom Leibregiment in der Festung Danzig franzö­sische Heeresdienste zu leisten hatten. Das L e i b r e g i m e n t, das vor seinem Ausrücken ün Jahre 1811 in Gießen garniso- üiert war, mußte als erstes hessisches Regiment von Danzig ans mit beegroßen Armee" nach Rußland marschieren und mit Ihr alle Schrecknisse bes verhängnisvollen Feldzuges bnrch- 'Müchen. Tie hessischen Regimenter Leibgarde und Che- v a u xlegers folgten später nach und stießen erst ans die frair- zösischen Korps bei Smolensk, als diese schon ans dem Rück­zug waren. Auch dasleichte Infanterieregiment", das sich erst während des Feldzuges aus dem Garde- und Leib- süsilierbataillon formierte, und dem ursprünglich die Siche­rung der pvmmerschen Küste gegen die Engländer und Schwe- ben übertragen war, mußte erst am 17. September zurgroßen Armee" abrücken. Am 2. November befand es sich in Wilna, wo ihm bie Aufgabe zu fiel, im Verband des 6. französischen Armeekorps unter General v. Wvede den Rückzug der Haupt­armee über die Beresina zu decken. Immerhin hatte auch das leichte.. Infanterieregiment" die Widerwärtigkeiten einer auf dem Rückzug befindlichen geschlagenen Armee mit zu erdulden. 400 Mann waren dem Regiment verloren gegangen; es zählte anfangs Dezember noch 600 Mann, welche Zahl bis zum 16. Dezember auf 40 Offiziere und 276 Mann znsammengeschmol- zen war.

Hier in Wilna traf auch beimleichten Regiment" am 8. Dezember Prinz Emil ein. Er hatte von seiner Brigade nur 31 Offiziere und 24 Unteroffiziere und Soldaten retten können, bte kümmerlichen Reste vom Leibgarbe- und Leibregiment. Sie würben in dasleichte Regiment" aufgenommen. Während Prinz Emil am 12. Januar 1813 mit den entbehrlichen Offi­zieren in die Heimat zurückkehrte, wurde der Rest der hessischen Brigade unter den« Befehl des Obersten v. Schön­berg zu einemprovisorischen Bataillon" zusammengezogen. Es kehrte nicht iit die Heimat zurück, sondern wurde der franzö­sischenalten Garde" zugewiesen und kam mit ihr nach Berlin, Leipzig unb zuletzt nach Magdeburg, bis es am 2. Mai 1813 bei Lützen in die aufs neue ins Feld gerückten hessischen Ergän- tzniigstruppen emrangierte.

, Nur 300 Mann waren Ende Dezember 1812 von 3 Jnfan- ierteregim entern übrig geblieben; beinahe 5000 Mann waren ein Opfer des russischen Feldzugs geworden. Tas Chevauxle- sersregiment war gleichfalls fast aufgerieben worden. Seine Reste befanden sich auf den« Marsch in die Heimat, wo sie am 17. Februar 1813 in etnetnl Bestand von 5 Offizieren, 42 Unter­offizieren unb Reitern ankamen. Das Regimcttt hatte einen Ver­lust von 400 Mann zu beklagen. Ans Spanien waren 500 Mann vom RegimentGroß^- unb Erbprinz" (später Reg. Nr. 118) zurückgekehrt. Alles in allem zählte der hessische aktive Truppenkörper noch 1000 Mann gegen 7000 Mann, die er zu Anfang des Jahres 1812 aufzuweisen hatte.

Tas Bekanntwerben der Konventioit vott Tauroggen am 30. Dezember 1812 zwischen dem preußischen General v. Porck Und deut russischen General Tiebitsch steigerte das Verlangen des preußischen Volkes ttach Befreiung vom französischen Joch. Und wenn auch König Friedrich Wilhelm III. Yorcks Tat äußer­lich nicht gutheiß,en konnte, so sah er sich doch innerlich genötigt, !er allgemeinen Stimmung seines Landes durch baldiges ent» chlossenes Handeln Rechnung ju tragen. Ein Krieg zwischen Treusten und Frankreich schien unvermeiblich. Unterdessen war tapoleon, noch ehe Preußens Kriegserklärung erfolgte, schon rührig am Werk. Schon im Januar 1813 ergingen seine Be­fehle zu neuen Rüstungen und Aushebungen innerhalb des Be­reiches feiner Machtsphäre. Mn« 31. Januar überbrachte der .französische Gesandte Vandeuil benii Großherzog von Hessen ein Schreiben Napoleons, in dem! die abermalige Stellung des ge­samten Kontingents, wie beim Beginn des letzten Feldzuges, gefordert wurde. Der Großherzog versprach sein Bestes, so schwer es ihm auch fiel, Napoleons Wünschen nachzukommen;

denn recht traurige Zustände herrschten im Lande. So berichtet der bayerische Gesandte Sutzer in Darmstadt an seinen Herrn, den König Max: Joseph, nach München:Was das Land, in dem ich bin, angeht, so scheint selbst die Wiederherstellung des Matenalverlustes ans Unmögliche zu streifen. Ohne Arsenale, phne Vorrat an Waffen unb Kriegszubehör, die zur Reorgani- mtwn des ganzen Korps genügen würden, von dem wesent­lichsten Materiale, den« Gelbe entblößt, laßt sich schwer vorans- seheii, durch welche Mittel ntan all diesen Bedürfnissen abhelfen "ann ....

Schon am 1. Januar 1813 hatte der Groß,Herzog von Hessen, nachdem bte Unfälle tn Rußland und die gegenwärtige Lage Teiner Truppen zu seiner Kenntnis gekommen waren, befohlen, daß zur Ergänzung des an die kaiserlich alte französische Garde attachierte tut Felde zurückgebliebenen Restes des provisorischen leichten Infanterie-Regiments aus den qualifizierten Soldaten des Depots und der Reserve '2 CoMpletiernngs-Bataillone zu

Ub^wtguten formiert unb am 1. Februar marschfertig fein

Tas erste Ergänzungsbataillon für die Gardefiifiliere vitrde iit Darmstadt gebildet und setzte sich zusammen ans: 125 Mann vom wepot der Garde, 250 Mann vom Depot de« Re- gimentsGroß- und Erbprinz" unb 250 Mann vom Reieroe- bataillon L>tarümbnrg. Das zweite Ergänzungsbataillon' fvr- mterte sich tu ®tefen: es nahm auf 125 Mann vom Depot des Lerbregrments, 2oÖ Mann vom Dechot des RegimentsGcoß- Uhd Erbprinz" und 250 Mann vom Reservebataillon Hessen.

K/arke eines jeben. Ergänzungsbataiklons betrug demnach 62o Mann. An Fuhrwerken wurden den Bataillonen zu- geteilt: 2 vierspännige Offiziers-Egutpage-Wageu, 2 zwei- spanmge Kesselwagen, 1 zweispänniger AMkütlanceivagen und 1 zweispanmger Kommandeurwagen.

... der Formierung der Ergänzungsbataillone zeigte es sich, welcher Geist in den großherzoglichen Truppen herrschte. Er war genährt worben durch die Veteranen der irorjnf»eigen

Ehemalige Soldaten und Rekruten meldeten sich frei­willig zur Aufuahme in die Bataillone, so daß der Großherzog sich veranlaßt sah, durch eine öffentliche Ordre vom 20. Januar ben Freiwilligen zu danken. Durch das fretwülige Angebot konnte bleursprünglich vorgesehene Stärke der Bataillone mit je 625 Mann auf bo0 erhöht Werben. Doch war dieser effektive Stand am 1. Februar bei dein Gardefüsilierbataillon in Darmstadt noch nicht vollzogen. Weit ein Teil her zugedachten Mannschaft sich noch auf dem Marsche aus Westfalen befand, dessen südlicher Teil damals zum Großherzogtum Hessen gehörte. Tas Kommando über das Gardefüfilier-Ergänzungsbataillon übernahm Major von Carsten, der aus dem Felde znrückgekehrt War, das des Leib­füsilier-Ergänzungsbataillons Major Nebel.

Am 21. Februar setzten sich die beiden Ergänzimgsbatail- lone aus den Garnisonen Tannstadt und Gießen in Marsch unb tarnen über Umstadt am 1. und 2. März an ihrem Bestim­mungsort Würzburg an, wo sich mittlerweile auch die anderen Kontingente der Rheinbundfürsten versammelten. Tas Garde- füsilierbataillon zählte: 9 Offiziere, 2 Unteroffiziere, 659 Ge- meine, das Leibfüsilierbataillon: 10 Offiziere, 34 Unteroffiziere, 646 Gemeine. Gleichzeitig war dein Bataillon zngeteilt worden: ein Artillerie-Detachement von 1 Offizier, 7 Unteroffizieren, 55 Gemeinen und 3 fechspfündigen Kanonen.. Tie hessischen Truppen bezogen zunächst in und bei Würzburg ihre Kantoniere.

AM 18. März hielt ein Ordonnanzoffizier des französischen Kaisers Revue über die beidenCompletiernngs-Bataillone" und die Artillerie ab, ließ sie exerzieren und manövrieren und drückte seine Zufriedenheit über die Haltung der Truppen aus. Am 25. März läßt der französische General Marchand die beiden Ergänzungsbataillone mit der Artillerieabteilung über Schwein­furt nach Königshofen aufbrechen. Hier kantonieren die Batail­lone bis znm 10. April und benutzen die Zeit zu ihrerhöheren taktischen Ausbildung". Während des Marsche vom 25,/26. März desertieren von der 2. Kompagnie der Garbefüsiliere 33 Gemein« unb 1 Trainsoldat. Es waren Westsalinger, die schon früher öfters sich entfernt hatten.

Am 28. und 29. März marschierten auch die außer den Er- gänzungsbatailloiien neu ausgestellten Jnfanterieregimcnter inS Feld, aus Gießen das Leibregiment, ans Darmstadt das Leib­garderegiment, nachdem der Großherz!og vorher in Darmstadt eine Revue über sie abgehalteu hatte. Den Regimentern folgte noch die neu gebildeteArtillerie-Division", bestehend aus 136 Köpfen vorn' Train und 89 Arsilleristen mit 3 fiebenpfündigen Haubitzen, 2 fechspfündigen Kanonen, 8 Geschütz,-Munitionswagen, 5 Jnfan- terie-Munitionswagen und 1 Feldschmiede. Tas Kommando über sämtliche im Feld stehenden hessischen Truppen sollte wieder des Großherzogs jüngster Sohn, der im. Januar aus dem russischen Feldzug zurückgekehrte Prinz EmiMbernehmen. Bis zur Ankunft des Prinzen sollten die Truppen einstweilen dem! Kommando des Obersten v. Follenins unterstellt sein.

Am 18. April Werden sämtliche hessischen Truppen der 30. Di­vision unter dein sranzösischen General Marchand unb dem 3. französischen Armeekorps unter Marschall Ney zugeteilt. Die Division Marchand zählte an Infanterie: 2 Regimenter Badener, 3 Regimenter Hessen, 1 Bataillon Frankfurter; an Kavallerie: 1 Regiment Badener Dragoner, 1 Regiment französische Husaren, an Artillerie: 1 französische Batterie zu 8, 1 badische Batterie zu 8 und 1 hessische Batterie zu 8 Geschützen. Ta die Division meist aus Deutschen besteht, so Wird sie auch als Deutsche Division Marchand bezeichnet. Am 22. April marschiert die Division nach Suhl, am 24. nach Ilmenau, am 25. nach Weimar.

Am 24. April stößt Oberst v. Schönberg mit einigen Resten des provisorischen Regiments, das, Wie bereits erwähnt, mit den anderen Ueberbleibseln der hessischen Brigade nach dem russischen Feldzug bei deralten französischen Garde" in Magdeburg ver­blieben War, zu den hessischen Truppen, übernimmt das Kom- niando über die beidenComplefierungs-Bataillone" und formiert sie äimtprovisorischen leichten Infanterie-Regiment". Der feit» herige Kommandeur, der als ältester Offizier die beiden Bataillone geführt hat, Major Nebel, kehrt nach Darmstadt zurück.

Am! 22. April rückt das wieder neu tzergestellte Chevaux- legers-Regiment unter dem Kommando des Obersten von Mün­chingen in einer Stärke von 339 Mann, 326 Reitpferden und