Ausgabe 
16.1.1913
 
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meine Kameraden vor mir an dem Ort unseres Rendez-vous eintrasen. Ich hatte meinen Sabel mitgenommen, aber außerdem noch ein paar prächtiger, englischer Pistolen; 150 Franks hatten mich die Waffen bei Trouvel,. Rue de Rivoli, gekostet, aber es war nicht zu teuer gewesen. Es waren dieselben, mit denen ich in der Schlacht bei Leipzig dem alten Bo uv et das Leben gerettet.

Ein. sternenklarer Himmel wölbte sich an jenem. Abend über uns, und der Mond schien so hell hinter uns drein, haft uns immer drei schwarze Schatten auf der Landstraße voranritten. Weit sehen konnten wir vor den vielen Bäumen allerdings nicht, und so ost wir auch lauschten, immer noch war von der Gräfin nichts zu hören, obgleich die große Uhr aus dein Schlosse bereits 10 Uhr geschlagen hatte.

Schon begannen wir zu fürchten, daß ihr etwas zugestoßen sein möchte, als iuir in der Ferne das schwache Rallen eines Wagens und das Ausschlagen von Pferdehufen vernahmen. Das Geräusch wurde lauter und lauter, bis endlich ein Paar gelbe Lichter um die Biegung kämen, bei deren Schein wir ein Paar große, braune Rosse erblickten, welche eine hohe, blaue Karosse in scharfem Trabe hinter sich Herzogen. Der Kutscher brachte knapp vor uns das schaumbedeckte, schnaubende Gespamc zum Stehen, und augenblicklich standen wir salutierend am Fenster. Ein schönes, blasses Gesicht schaute uns an.

Wir sind jene drei Offiziere des Kaisers, Madame," sagte ich, mich an das offene Fenster niederbiegend, mit leiser Stimme. Sie sind bereits benachrichtigt worden, daß wir Ihnen hier unsre Aufwartung niachen würden."

Das zarte, blasse Gesicht der Gräfin wurde kreideweiß, und ihre Züge nahmen einen harten Ausdruck an, als sie uns der Reihe nach forschend anschaute, nm endlich zu bemerken:Ich sehe, daß Sie alle drei Betrüger sind."

Ein Schlag von ihrer schlanken, weißen Hand hätte mich nicht mehr verwunden können, als diese Worte, rind der bittere Ton, mit Ivelchem sie sprach.

Madame," sagte ich,Sie lassen uns wenig Gerechtigkeit widerfahren. Hier Oberst Despienne und Hauptmann Tremeau. Ich bin der Brigadier Gerard, und dieser Name spricht doch wohl für sich selbst."

Oh, Sie Bösewichter," klagte sie,Sie meinen, weil ich nur ein schwaches Weib bin, werde es Ihnen ein Leichtes sein, mich hinters Licht zu führen. Oh, Sie elende Betrüger!"

Ich warf Despienne einen Blick zu der war vor Schrecken er­bleicht, während Tremeau seinen Bart wütend bearbeitete. Nun wen­dete ich mich abermals der Dame zu und sagte in sachlichem Tone: Madame, als wir die Ehre hatten, vom Kaiser mit dieser Mission betraut zu , werden, da händigte ec mir diesen Amethystring als Ausweis ein. Ich hätte nicht geglaubt, daß drei Männer von Ehre einer solchen Bestätigung bedürften, aber wie ich sehe, kann ich Ihren unwürdigen Verdacht nur widerlegen, indem ich diesen Ring in Ihre Hände überliefere."

Sie hielt ihn prüfend gegen das Licht der Laterne, und Stummer und Entsetzen sprachen aus ihren Zügen.

's ist sein Ring, 's ist sein Ring!" wehklagte sie.Oh, mein Gott, mein Gott, was häbe ich getan!"

Ich sah, daß etwas Schreckliches vorgefallen sein mußte und drängte:Schnell, schnell, Madame, geben Sie uns das Paket!" ,^Jch habe es schon hergegeben!" Schon tzergegeben? Wem denn?"

Drei Offizieren!"

Wann?"

Bor einer halben Stunde etwa."

Wo sind sie?"

Bei Gott, ich weiß es nicht. Sie hielten meinen Wagen an, und ich gab ihnen Idas Paket ohne Bedenken, denn ich meinte, der Kaiser habe sie geschickt."

(Fortsetzung folgt.)

Line japanische perl-nsarm.

Japan kann sich rühmen, die einzige wissenschaftlich organi­sierte Perlensarm zu besitzen; denn den Söhnen des fernen Ostens ist es gelungen, das Geheimnis einer erfolgreichen Perlenzüchtung zu ergründen. Diese Farm für Perlmuscheln, der Henry Taylor im Wide World Magezine eine eingehende Schilderung widmet, wurde von einem bekannten japanischen Zoologen Dr. Mikimoto begründet.

Ihr Hauptgnartier befindet sich auf der Totokujuma-Jnsel in der Ago-Bai. Auf einer weit in das Meer hiuausreichenden Landzunge breiten sich die mannigfachen Gebäude aus, die die Perlenfarm bilden, darunter ein Laboratorium für wissenschaft- lcche Experimente, Sortierhallen, Packräume, Bureaus unb die Wohnung des Direktors. Die Farm, die einen idyllischen Eindruck bietet umfaßt eine Fläche voll 29 englischen Seemeilen im Geviert. Tw Perlenauster, die auf dem Meeresgrurrde gefunden wird, gehört zii der Art M. martensi; ihre Produkte ähneln den berühmten Perlen Eeylons. Der Gedanke, eine künstliche Perlenknltnr ber-

vmzurufen, ist so alt wie die Kenntnis von der 'Entstehung der Perlen. So lange die Alten sich mit den mehr poetischen als wahrscheinlichen Erklärungen begnügen, Perlen seien Tautropfen, die in Mnscheln fallen, oder Produkte des in Muscheln fahrenden Blitzes, konme frintich nicht der Wunsch entstehen, die kostbaren Edelsteine durch eigene Macht hervorzubringen, aber schon Sinne, derVater der Naturgeschichte", hat den Gedanken ausgesprochen, in den Schalei: der Austern mit einem seinen Bohrer Löcher an- gubringeii und dann einen kleinen Fremdkörper einzuführen, der als Stern für die Anhäufung der Perlmutterschichten notwendig ist. _ Sein Gedanke ist erst in neuester Zeit von der europäischen Wissenschaft aufgenommen worden; so sah inan ans der Inter­nationalen Fischerei-Ausstellung in Berlin von 1888 Perlen, die in Deutschlands künstlich gezüchtet ivaren; in den letzten Bahren haben die Franzosen interessante derartige Versuche ge­macht. Lauge vorher aber ivar es schon den Chinesen geglückt, Perlen zu züchten, inbent sie kleine Tonkörnchen oder bleierne Götzenbildchen in die Muscheln einführten, die dann durch den krankhaften Prozeß mit Perlmutterschichten überzogen wurden. Nirgends ivar man aber so weit gekommen, nm Perlen von wirklich hervorragender Qualität zu züchten und da Größe, Form und Glanz für den Wert der Perle entscheidend sind, so kam es vor allem darauf an, wirklich erstklassige Pc-'m tze norzubr ngcn. Tas ist nun Tr. Mi/imrto au se ne: Pe.lensarm na h langen Experimenten gelungen. Seit 20 Jahren wirft ei, wie jeine Bekannten zunächst spöttisch sagten,sein Geld ins Wasser". Aber nun erhält er es mit Zinsen und Zinseszinsen zurück. 1896 hat er seine Farm in bescheideirem Umfange gegründet; 1898 kam die erste Ernte auf den Markt, und heute stammen ein Teil der schönsten Perlen von dieser eigenartigen Zucht in der Ago-Bai. Die Art der Züchtung ist sehr einfach. Jedes Jahr in den Monaten Juli und August werden kleine Fels- und Steinstücke an die Stellen gelegt, wo die Larven der Perlenaustern am zahlreichsten gefunden worden sind. Bald hat sich Austernlaich darauf angesetzt, und nun werden die Steinstückchen in flaches Wasser gesetzt, während des Winters dann in größere Wassertiefe gebracht und sorgfältig in dafür vor­bereitete Lager gelegt. Hier bleiben die Austern bis ins dritte Jahr; dann werden sie aus dem Meer genommen, und nun erfolgt die Operation, die zur Bildung der Perlen führt. Man bringt in die Muschel ein rundes Stückchen Perlmutter, das als Kern dient, um den sich nun die Perlmutterschichten wie-die Häute einer Zwiebel herumlegen. Die Muscheln werden in die See zurückgebracht und müssen wenigstens 4 Jahre in Ruhe gelassen werden, dann ist die Perle fertig.

Tie Perlenzucht ist sehr vielen Gefahren ausgesetzt; sie schä­digen die üppig wuchernden Seegräser, die Seepolypen und jene Bakterien, die die Rotfärbung des Wassers Hervorrufen. Tic ganze Arbeit, vor allem auch das gefährliche und wichtige Werk unter Wasser, wird von Fra u eit besorgt, denn die Perlentaucherei liegt in Japan von altershcr in den Händen des schwächeren Geschlechts. Tie Frauen, die von Kindheit an zu diesem Beruf trainiert werden, vollbringen in ihren knappen weißen Taucher­anzügen wahrhaft erstaunliche Leistungen und nehmen mutig den Kampf mit den zahlreichen Seepolypen auf.

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Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung der Skat-Anfgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr Treff, p ique, c (ioeur, car = Earreau tiB Treff-Bube, pA = Pique-, cD Coeur-Dame usw. Das Spiel gebt verloren Im Skat liegen t,7 und pZ. Bor- Hand erhielt: pA, pK, pD, p9, p8, p7, cZ, cK, c9, c8, Hinterhand die übrigen. Gang des Spieles:

V. pA M. trD H. trA 25

H. cD V c8 M. cA

Die nächsten Stiche macht gleichfalls der Spieler; schließlich muß et doch mit Garreau kommen:

M. carD £>. carK P. cZ ]7

H. carA V. pK M. carZ 25.

Tie Gegner haben somit N7 Anaen erhalten.

Redaktion: K. N e u r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts-Bnch- und Steindtuckerei, R. Lange, Gießem