Ausgabe 
15.12.1913
 
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mein armes Bild gut! Ich danke Ihnen für Ihr Ver­trauen!^ und lächelnd fügte sie hinzu, ihre Hände zurück- ziehend:und mit dein Karton haben Sie recht; es warl Schuld des Vergolders."

Da schaute Freund Mephisto lachend durch die Palmen. Sie sprang auf.Darf ich Sie zu Tisch führen?" fragte ich schnell.

Von Herzen gern," antwortete sie freundlich.

Ich atmete ans. Wie klein kam mir jetzt jenes Mädchen vor, an das ich noch vor kurzem mit tief bedauerndem Sehnen gedacht. Hier war mehr: Natur, Kraft und Wahr­heit. Ihr stand das achte Gebot üt den blauen Augen ge­schrieben.Die betrügt keinen Mann!" klang es in mir.

Und das tat es noch, als ich mich nach Jahr und Dag dem Pfarrhof ihres Schwagers näherte. Ich hatte ehre Spur behalten. Und vor zwei Tagen hatte ich ihr geschrie­ben:Ich möchte Ernstes mit Ihnen besprechen. Wenn ich Ihnen etwas Vertrauen eingeflößt habe, dann kommen Sie mir im Walde auf halbem Wege zum Bahnhof entgegen."

Und da stand sie im lichten, schlichten Kleide an eine Buche gelehnt, das Haar im dicken Knoten tief int Nacken zusammengefaßt, den Hut in den herabhängenden Händen, vom ersten Abendgold ümleuchtet, und sah mir still entgegen.

Ich grüßte sie jubelnd von weitem. Da richtete sie sich auf und stand da in ihrer ganzen Schönheit, ein prächtiges junges Weib.

Ich reichte ihr die Hand. Sie legte schweigend und hochatmend die ihre hinein. Ihr Blick las in meinen Augen, und lieblicher Ernst lag um den feinen Mund.

Und was sollte ich?" fragte sie leise.

Du sollst kein falsch' Zeugnis reden!" antwortete ich, und darum sage ich's und frage ich's gerade heraus: Thora, kannst du mich lieb haben? Daun bleib ich! Unit kannst düs nicht, dann behüt' dich; Gott, dann gehe ich wieder in die Welt hinaus! Aber: das Bild behalte ich doch; und dich behalt' ich im Herzen!"

Da sah sie mich lächelnd an und reichte mir die Hände: Bleib' hier!" k

Fern im Walde saug eine Drossel ihr Abendlied. Die Sonne ging glühend unter und warf einen Flammenglanz durch den Wald. Ich tat die Arme auf, und Thorns Gesicht lag an meinem, und sie legte die "Hände um meinen Nacken.

Es dämmerte, als wir der Pfarre zugingen. Sie lehnte in süßer Hingabe auf meinem Arm und sah zu mir auf: Wir kommen gerade zur rechten Zeit; jetzt wird die Ziege gemolken; da magst du vergleichen, ob ich Licht und Schat­ten recht gesehen; und Zicklein haben wir auch wieder;, aber diesmal sind sie schwarz und nicht weiß. Als ich von zwei Jahren lachend in der Tür stand, da dachte ich nicht, daß es so kommen würde."

Der Hofhund bellte und riß an der Kette. Da küßte sie mich mit heißen Lippen:Und nun komm! Ich will dir ein treues Weib sein!"

Die Botschaft vom Mars.

Humoreske von Adolf Stark, Marienbad.

Rrrrrrrrrr!" ,

Fran Professor Stummer fuhr aus dem «chla;e empor und lauschte. Nein, sie hatte sich nicht getäuscht, boä, Telephon int Speisezimmer nebenan läutete grell und schrill. Sie rüttelte den schnarchenden Gemahl.

Anton, steh auf." , ....

Chchchch!" Der Herr Professor ichnarchte unentwegt werter.

Anton, das Telephon läutet. Jetzt um Mitternacht. Anton.

, Ja, ja!" Langsam kehrte der Geist des Herrn Proftnors, der irgendwo aus den seligen Gebilden des Traumlandes prome­niert und sich in tiefsinnigen.Gesprächen nut laugst verstorbenen Gelehrten ergötzt hatte, in den Körper zuruck,yo, was gibt e<3f.

z Nerm es rst^m^erst Mitternacht. Aber das Telephon läutet."

Ich bin doch kein Arzt oder Feuerwehrmann oder btacht- wiächter! Wer hat mir bei Nacht zu telephonieren? E- wird e n Irrtum in der Nummer sein. Ich werde mich morgen beschweren.

Brummend drehte er sich wieder um, aber tm gleichen Moment klang grell und schrill die Glocke. Jetzt fuhr auch er wie elektriiiertt E^Anton, ich furchte mich so! Am Ende sind es Räuber!"

Aurelie, du machst dich lächerlich. Die Kunst, einem durchs Telephon die Brieftasche zu stehlen, ist noch nicht erfunden Wo sind denn meine Schlafschuhe? Herrgott, letzt sinoe ich wieder die Aermel vom Schlafrock nicht. Verfluchtes Zeng Und das Telephon läutet, als wäre das Telephonfraulem verrückt geworden

Endlich war er so weit, nm ins Nebenzimmer au den Apparat eilen zu können. Die Frau Professor lauschte bange im Bette aufrecht sitzend. Aber sie hörte nut einige erstaunte Ausrufe ihus

sagst du?".--Unmöglich." »Vom Mars

sagst du?"---Natürlich komme ich so,ort!

Aufgeregt stürzte er herein, suchte nach den Kleibern, zog die Weste über den Rock, konnte den Hut nicht finden, horte nicht auf die besorgten Fragen seiner Gattin und stürzte endlich, nur halb angekleidet, in Pantoffeln davon. Die Frau Profegor lang die Hände.

Aber Anton, was gibt es denn?".

Eine Botschaft Pom Mars! Laß mich,.ich.habe keine Zeck

Und schon war er draußen, in der.Hast die Vorzrimnertnre offen lassend. .Babette, das alte Sausmöbel durch den unge­wohnten Lärm aus ihrer Ruhe aufgeschreckt, ei schien auf der Schwüle in einem Nachtkostüm, das ihr unter den Hexen des Blocksbergs unstreitig einen Schönheitspreis, eingetragen hatte

Wohin läuft denn der Herr Professor, letzt, bei uachtlchlastn-

Aurelie rang die Hände.Es hat geklingelt nnd darauf ist er fortgelaufen. Er sagt, es wäre eine Botichaft vom Mar».

Vom Mars? Wo ist denn das?" erkundigte ,ich Babette.

"Das ist der rote Stern da draußen am Himmel, stöhnte

Und dorthin will er laufen, in Schlaf,chnhen und halb an­gezogen Babette schüttelte den Kopf.Ich habe^ es langst gesagt, das nimmt fern gutes Ende mit der ewigen otutnerereu. Da muß ja der Mensch seinen Verstand verlieren."

,Um Gottes willen!" Frau Aurelie sprang aus dein Bette. Du 'glaubst doch liicht, daß er wahnsinnig geworden ist?

Babette zog ein beleidigtes Gesicht. Das ivar ihre Spezialität. Wenn sie nicht täglich ein halbes Dutzendmal aufs tiefste beleidigt und gekränkt Ivar, dann war sie nicht zufrieden.

Natürlich, ich bin ja nur ein dummer ungebildeter Dteiht- bote ' Vielleicht bin ich A die nicht recht bei Tröste ist. Aber mein bißchen gesunder Menschenverstand sagt mir, wenn ein Mensch bei Nacht und Nebel davonläuft, um irgendwo auf einen Stern hinaufzuklettern, dann. . .?" _ _

Fran Aurelie kleidete sich in atemloser Hast an.Ich muß ihm nach, Babette, bevor ein Unglück geschieht. Komm mit, ich 6itte3e6n Minuten später liefen die Frauen durch die stillen nächt­lichen Straßen. Ans dem großen Hauptplatz standen einige Nacht­droschken, deren Gäule und Lenker »erträumt nickten.

Sie, Kutscher, haben sie nicht einen älteren Herrn gesthen, in Schlafschuhen, der hier vorüber kam?"

In Schiafschuhen? Nee, Madam, das kann ich nicht behanp- ten, weil ich ihm nicht auf die Füße geschaut habe. Aber ein Herr war vorhin da und schrecklich eilig hat er es gehabt."

Wissen Sie, wohin er gefahren ist?"

Nee, das weiß ich nicht. Aber wenn Sie ihn suchen, so können wir ihn vielleicht noch einholen. Tommys Gaul ist kein Renn­pferd, und weit können sie noch nicht sein. Steigen Sie ein, und ich will acht Tage keinen Tropsen Bier trinken, wenn meine Lucie das ist nämlich mjein Werd nicht in fünf Minuten ihn eingeholt hat." .

Sucie trottete durch die Straßen, machte, wenn die Peitsche auf ihren mageren Rücken niederfiel, einige mißlungene Versuche, zu galoppieren und verfiel im nächsten Augenblick wieder in einen gleichmäßigen Schaukelschritt. Wenn der Kutscher recht hatte.

*

Der Hausherr schwieg nnd griff nach der Flasche und fchenkte ein in die Gläser. Der Kapitän sah hinüber nach beut kleinen Bilde im breiten Goldrahmen:Ja, ja," sagte er ernsthaft,man soll's nicht glauben, daß es einen Zu­sammenhang geben kann zwischen einem Ziegenstall und hem achten 'Gebot, und zwischen einem Stück grauer Pappe und dem Lebensglück von zwei Menschen, aber da es so ist, wollen wir auf das Wohl deiner prächtigen Frau Thora trinken."

Ja, ihres Mannes Herz kann sich auf sie verlassen!" sagte er fröhlich.Drücke doch dreimal auf den Knopf. .Sie kann nun kommen. Prosit!"

Draußen rieselte sachte der Schnee. Leise ging die Tür, und Frau Thora stand in ihr, groß und schön. Da hoben die Männer die Gläser und hielten sie ihr schweigend dar. Ein roter Schein flog über ihr Gesicht.

Komm, Thora, und küsse mich!"

Und sie kam und neigte sich über ihn.

Und der Kapitän dachte an die Walküren, wie sie die sterbenden Krieger nach Walhall trugen.