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ist. Es handelt sich hier zunächst um die reül technische Seite bev Sache: Ist die Ehre der Obertertia dadurch verletzt ?
Ein Sprecher trat vor, wandte sich gegen Kiekebusch und fragte sachlich:
„War's denn schlimm?" .
„Na, Du wirst auch schon noch eine kriegen,' gab der zurück uud rieb sich den Rücken.
Ein anderer meldete sich zum Wort:
„Ob die Ehre der Obertertia verletzt ist, meint Ihr? — Nun, ich muß leider gestehen, das Verhalten der Untersekunda war durchaus korrekt. Fragt es sich also nur, löte sich Kie- kebusch benommen hat, ob er vielleicht gar geheult hat. — Kiekebusch, hast du g e h e u l t?"
Da vergaß der all seine Schmerzen und blickte den Spre- cher wild an:
„Ob ich geheult habe? — Woll'u mal seh'n, wer eher heult, ich oder Du." Und damit versetzte er dem anderen' einen Hieb gegen die Kinnlade, daß er taumelte.
„Bravo, Kiekebusch, feiner Kerl," riefen einige begeistert. „Was fallt Dir ein, Kiekebusch?" riefen andere entrüstet. Aber Kiekebusch und der andere lagen sich bereits fest in den Haaren. Und im Augenblick hatten sich zwei Parteien gebildet: Für und wider. Keiner wich von seiner Mer- nung ab um einen Zoll. Und die beiden Parteien vertraten sie alle durch ein uud das gleiche Mittel — die harte, feste Bubenfaust.
Die geschweukten Arme und getroffenen Körper, die Rufe der Wut, des Schmerzes lind des Triumphes bildeten em unentwirrbares Gemengsel von Formen und Tönen. _
Und während in diesem sozialen Tütchen die Masse der Lawine ihre letztmögliche Kraft verpuffte, staub in einiger Entfernung, gerade weit genug, um nicht unbedingt emgrei- fen zu müssen, der L e u t n a n t, der letzten Endes der Urheber all dieses Aufruhrs war, und schuiunzelte. Seine Laune hatte sich im Laufe des Tages von selbst wieder gebessert.
„Ist doch noch eine feine Rasse", dachte er in seinem verträglichen Sinn. „Janz wie zu meiner Zeit. Schlagt sich, daß die Schädel krachen aus reinstem, tollstem Jugenduber- mut — janz ohne jeden Grund."
VsssMchteK.
* D e r alte K a i f e r jno Lilli Leh m a u n. In ihrem vielgenannten Memoirenbnch „Mein Weg" erzählt die große Sängerin Lilli Lehmann einige hübsche Geschichten von Kai er Wilhelm I., der an ihrer Kunst besonderes Interesse nahm. Stach dem Einzug der Trupven 1871 lernte sie den Herrscher als Mitglied der Königlichen Oper persönlich kennen. „Er unterhielt sich ost mit mir in Hoikonzerten soivohl als in der Oper, die er säst allabendlich besuchte. ‘ Damals gab cs kür die rin Abend be- schästigten Soloinitglieder eine kleine Bühnenloge un ersten Stock, ivo sie, ungesehen vom Publikum, der Vorstellung solgen konnten. Parallel mit der dahin kührenden Treppe lies eine ebensolche von der Bühne in die kaiserliche Pxoszeniumsloge, nur durch eine Bretterwand von der anderen getrennt, die Se. Majestät ans die Bühne führte. Aus \ Höhe bekand sich ein kleines Schiebetenster, das der Kaiser und andere Mitglieder der kaiserlichen Familie benutzten, um in den Zwischenakten mit den Künstlern zu sprechen," Biel Interessantes hat hier die Sängerin mit bem alten Kaiser geplaudert und teilt manches liebe Wort mit, das von seiner Gute, Liebensivürdigkeit und Einfachheit beredtes Zeugnis ablegt. Als sie stch eines Abends, als er von dem schrecklichen Attentat noch nicht völlig genesen war, nach seinem Befinden erkundigte, sagte er: „Es geht noch immer nicht, wie es sein sollte, denn ich bm noch nicht imstande, mir die S iesel allein anzuziehen." „Das brauchen aber Ew. Majestät auch nicht!" warf die Künstlerin lächelnd ein. Doch der Kaller erwiderte: „Ach ja, ich bin gewöhnt, alles alleine zu tun, es macht mick unglücklich, daran gehindert zu sein. Aus Reisen packe ich meine Sachen selbst, damit nichts von bem mir Notwendigen sehle, und in alle dein bin ich jetzt geniert." Als man einst von einer Kunstansstellnng sprach und die Sängerin fragte, ivelches seiner Bildnisse ihm selbst als das gelungenste erscheine, antivortele er: „Das voll Lenbach, da es Ihre Majestät am schönsten findet." Manchmal erzählte Lilli Lehman» bem Kaiser auch lustige Anekdoten, die über ihn in Um- laus waren. So ivutzte iie von einer Geschichte zu berichten, der zufolge der Kaiser eines Abends Hummersalat ab und sein Leibarzt Lauer, der cs ihm streng verboten hatte, ihn dabei überrasch e, Lauer zeigte eine vorwurfsvolle Miene, worauf der Kaiser ihm heiter zugerufen haben sollte: „Lieber Lauer, seit ich^vcr- sprocheu habe, Sie zur Exzellenz zu machen, ivenn ich 80 Jahre alt werde, gönnen Sie mir keinen guten Bitzen mehr." Der Kaiser
lachte zu dieser Erzählung herzlich und meinte: „se non e vero 8 ben trovffto.“
* Dic Kehrse11 e. Der Pfarrer bemüht sich, den Zöglingen seiner Sonntagsschule die shinbolische Bedeutung der weißen Farbe zu erklären. „Warum," sagt er, „will eine Brant sich stets iveiß kleiden, ivenn sie zum Altar tritt?" Und als keiner antwortet, .sagt er: „Weil iveiß die Farbe der Freude ist und der Hochzeitstag im Leben einer Fran eilte Stunde höchster Freude ldarstellt." Da sagt der kleine Fred, endlich verstehend: „Ach ja, darum tragen die Männer dann immer Schwarz."
Büchertlsch.
— Das zweite H eft der „Hessischen Biographien" ist soeben im Großherzoglichen Staatsverlag erschienen. Es enthält, wie das im vorigen Jahre heransgekommene erste, 47 Artikel, worin Angehörige der verschiedensten Stünde behandelt iverden, z. B. Theologen, Schriftsteller und Dichter, Mediziner, Maler, Techniker, Industrielle, Chemiker, Schauspieler, Pädagogen, Philologen, Offiziere, Musiker, Politiker usw. Bon bekannteren darin vorkommenden Rainen seien erwähnt der Theologe Wilhelm Baur (1826—1897), der Orientalist Peter von Bradke (1853—1897), der Dichter, Politiker und Naturforscher Georg Büchner- (1813—1837), der rheinhessische Dichter und Bauer Isaak Maus (1748—1833), der Domkapitular Franz Christoph Ignaz Moufang (1817—1890), der durch die Schilderung seiner russischen Gefangenschaft bekannte Offizier Friedrich Peppler (1789 bis 1883), der Gynäkologe August Maria Franz von Ritgen (1787. bis 1867), der Orientalist Wilhelm Christian Schott (1802—1889), der Pädagoge Friedrich Wilhelm Sommerlad (1825—1895), der Chemiker Adolf Friedrich Ludwig Strecker (1822—1870), der Verfasser des ersten hessischen Staatsrechts Karl Eduard Weiß (1805—1851), der Staatsrechtslehrer und Politiker Karl Theodor Welcker (1790—1869), der Direktor des Darmstädter Hoftheaters Theodor Wünzer (1831—1897), die Mainzer Buchdrucker Theodor von Zaber» (Vater, 1771—1832) und Karl Theodor von Zabern (Sohn, 1807—1864). Von familiengeschichtlichem Standpunkt sind insbesondere interessant die drei Aufsätze über Mitglieder der Familie Gladbach, von denen der erste den Philologen, Legations- rat Friedrich Christian Gladbach (1763—1845), der zweite dessen ältesten Sohu, den Politiker und Pädagogen Georg Gladbach (1811—1883), und der dritte dessen jüngsten Sohn, den Architekten Ernst Gladbach (1812—1896), behandelt. Das Gleiche gilt von den politisch tätigen Brüdern Karl Soldan (1808—1864) und Gustav Soldan (1813—1883), deren Familie Robert Sommer in seinem Werke „Familienforschung und Vererbungslehre" (Leip- zig 1907) einer eingehenden Betrachtung unterzogen hat. — Das zweite Heft steht hinter dem ersten nicht -zurück, das von der Kritik bis jetzt ausnahmslos gut ausgenommen worden ist. Eine sehr bemerkenswerte Besprechung in der „Deutschen Lckeratuv- zeitung" äußert sich u. a. folgendermaßen über das ,er)te Heft der „Hessischen Biographien": „Daß bei einem so weiten Kreis der aufzunehmenden Personen auch eine große Anzahl von dii mi- nores erscheinen wird, ist selbstverständlich; doch seien Ferner- stehende daran erinnert, daß das Werk nicht nur ein Ehrentempel für die bedeutenden Söhne des Landes, sondern anch ein möglichst ausgiebiges Hilfsmittel für Arbeiten aller Art sein soll. Die einzelnen Artikel sind äußerlich alle nach demselben klaren Schema aufgebaut: Name, Geburts- und Todesjahr, Biographie, Werke, Quellen für die Lebensbeschreibung. So kann man sich rasch zurecht finden im wohltuenden Gegensatz z. B. zur Allgemeinen Deutschen Biographie, in der viele Artikel an Unübersichtlichkeit kaum übertroffen werden können, wenn nicht aus diesem Grunde wesentliches überhaupt fehlt . . . Ueberall hat man den Eindruck sorgfältiger Arbeit. Daß daran auch die Herausgeber ihren nicht geringen Anteil haben, weiß der nur zu wohl, der ähnliche Verantwortung 'getragen hat. Gerade die bibliographischen Angaben, die auf die Dauer vielfach das Wertvollste in solchen biographischen Sammelwerken sind, werden von dem Verfasser der Artikel gar oft als Nebensache behandelt und machen den Herausgebern, soll das Werk nicht darunter leiden, oft schwere ungedankte Mühe. Die Artikel sind in willkürlicher Folge abgedruckt. Von einer alphabetischen oder systematischen Anordnung ivurde verständigerweise abgesehen; ... ein alphabetisches Register weist rasch zurecht." Was hier vom ersten Hefte gesagt ist, gilt auch von dem zweiten. Der Preis des Heftes beläuft sich aus 3 Mark, bei subiknytwi, auf 2,40 Mark. Mochte es dem zweiten Hefte beschieden sein, dem Werke neue Freunde zu gewinnen.
Erganzullgsrätse!.
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..tz. . u.. u ... t . e . T. d.. .t. r.nl
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Gleichklangrätsels in voriger Nun.imer:
Stollen -als NiudSuierentalgstollen, Bergwerk-stollen, Stollen am Picrbehufeije» zum Schutz bei Glatteis, n!S WeihuachtZgebäck).
Redaktion: K. Neurath. - Rotaiionsdruck und Verlag der Brühl'jcheu llilwUsitätS-Buch- und Stemdruckerci, R. Lange. Gieper


