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über finden als Hausmittel eine wohltätige, gute Verwendung. Schon den Alten Waren die heilkräftigen Wirkungen vieler Pflanze'n bekannt, und in abgelegenen Gebirgsgegenden, WO Arzt 'und Apotheke fern sind, helfen sich die Menschen jetzt noch oft mit den althergebrachten Hausmitteln über manche leichte Krankheitserscheinungen erfolgreich hinweg.
Zu den bekanntesten Arzneipflanzen gehört die echte Kamille, eine wildwachsende Asteracee, deren getrocknete, balsamisch riechende und gewürzhaft schmeckende Blüten als Kamillentee allgemein bekannt 'sind und vielfach Verwendung finden.- Sie werden als Aufguß innerlich gegen Schmerzen im Unterleib, Äußerlich als Klystiere, die erwärmten Blüten in Kissen ausgelegt gegen rosenartige und rheumatische Entzündungen und Geschwüre zerteilend angewandt. Auch die Hundskamille, welche auf Schutt und Aeckern häufig wächst und vom Vieh gern gefressen Wird, findet gute Verwendung. Die Blütenköpfe, welche beim Zerreiben unangenehm Und stark riechen, werden getrocknet und dienen als Insektenpulver zur Vertreibung von Wanzen, Flöhen, Fliegen, Blattläusen und anderem Ungeziefer.
Ein bekannter, bei uns wildwachsender, auch kulfivierter' Strauch, dessen grünes Blätterdach mit den blaßgelben, reiche Mutigen Trugdolden uns im Sommer so oft in der Nähe der Dörfer hinter Mauern und Zäunen entgegenschimmert, ist der Holu nd er oder Flieder, der früher bei, vielen heidnischen Völkep- stämmen als .heiliger Baum in hohen Ehren stand. Die getrockneten Blüten sind offizinell; zu Tee gekocht, wirken sie schweißf- treibend und bilden daher ein beliebtes Hausmittel zur Erzeugung des wohltätigen Schweißes, zu Schwitzkuren bei Erkältungskrankheiten. Auch in der Ehampagnerfabrikation finden die Blüten Verwendung zur Herstellung eines seinen, angenehmen Buketts, In Schwaben taucht nian die ganze Vlütendolde in Mehlteig und verspeist sie gebacken als „Holderkuchle". Wird man von Kopfweh geplagt, so tut ein Umschlag von frischen Blättern des Holunders nicht selten die besten Dienste. Aus den schwarzen, reifen Beeren wird, für sich allein oder mit Birnen und Zwetschen zusammen, ein beliebtes, süßliches, würziges Mus gekocht. Ebenso kann ein starker Rotwein daraus gewonnen werden. Der Saft der Beeren dient auch zum Rotfärben.
Die Linde, die nach der altdeutschen Mythologie der Göttin der Liebe geweiht war und darum für heilig galt, unter deren Laubdach int Mittelalter Gerichtstage abgehalten und Feste gefeiert wurden, die uns jetzt in den Alleen int Sommer Schatten spendet, gibt , uns in ihren Blüten, die frisch und getrocknet vsfi- zinell sind, einen angenehmen schweißtreibenden und krampfstillenden Tee. Die süßen Säfte der Blüte liefern den Lindenhonig, der sehr beliebt ist.
Der Baldrian mit seinen kleinen, rötlichen Blüten in Doldentrauben wächst in feuchten Gebüschen, auf feuchten Wiesen und in Gräben und blüht von Mai bis August. Die Wurzel wird im Spätherbst gesammelt, langsam im Schatten getrocknet und hat bann, einen eigentümlichen, starken, unangenehmen Geruch, welchen die Katzen sehr lieben, und einen unangenehm gewürzhaft bitteren Geschmack. Als Tee gekocht, ist die Baldrianwurzel ein schmerz- und krampfstillendes Mittel. Baldriantropfen sind bei Magenschmerzen von guter Wirkung.
Eine halbstrauchartige Labiale von starkem Geruch, welche aus Südeuropa stammt und bei uns Ijäufig' in Gärten gezogen wird, ist der Salbei. Die Blätter haben einen angenehm würzigen Geruch Und einen kampferartigen aromatischen, etwas bitteren und zusammenziehenden Geschmack und reizende Eigenschaften. Sie werden in der Küche zum Braten und Backen der Fische, zum Spickeit von Braten, zur Würze von Saucen und Eierspeisen und zur Bereitung. eines Kräuterweines verwendet; sie finden auch in der Medizin innerlich und äußerlich vielfach Anwendung. Die getrockneten Blätter werden als Tee gegen nächtliche Schweiße und gegen Verschleimung der Brust, auch als Aufguß zu Bädern, sowie zum Ausspülen des Mundes und zum Gurgeln bei Halsweh verwendet.
Die Minze, die ebenfalls zu den Lippenblütlern gehört, wird in zwei Arten offizinell verwendet. Die K r a u s e m i n z e, wild wachsend, aber in Thüringen usw. in Menge kulfiviert, wird als Tee, sowie zur Bereitung aromatischer Liköre und zur Darstellung des Krauseminz-Oels benutzt. Die Pfefferminze, in gemäßigten Klimaten wild wachsend, aber auch massenhaft angebaut und durch sorgfältige Kultur sehr an Güte gewinnend, von starkem und durchdringend aromatischem Geruch und erst brennendem, dann kühlendem Geschmack, wird vorwiegend’ zur Darstellung des gesuchten ätherischen Pfefferminzöles und zum kleineren Teil als Tee in Apotheken verwendet. Wegen ihres ätherischen Oeles findet die Pfefferminze auch vielfache Verwendung als Hausmittel, wie in der Küche zur Bereitung von Kräutersuppen, Kräutersalat und Saucen, zum Einpökeln von Fleisch und Fischen, zum Ein- macheit von Gurken, Bohnen und Zwiebeln usw., ferner zur Bereitung des stimulierenden beliebten Pfefferminzlikörs und 'der Pfefferminzpastillen. Beide Arten kommen mit ihren getrockneten Blättern in den Handel und find beliebte Hausmittel. Auch der P ol ei, eine dritte Minzenart, findet ähnliche Verwendung!, wird aber auch als wirksames Hausmittel im Aufguß gegen Krustleiden, Katarrh und Keuchhusten angewandt.
Zu den Labiaten gehören auch die verschMenen Arten der Melisse, die aus Südeuropa stammen. Bet uns auch stellenweise wild wachsen und wegen ihrer sein gewürzhaften, zitronenartig riechenden Blätter angebaut werden. Die Blätter bilden einen Handelsartikel und werden in der Küche als Würze, sowie zur Bereitung des Karmeliterwassers (Amol, Carmol), zu Tee und zur Herstellung des ätherischen Melissenöls verwendet.
Die Schafgarbe ist nicht nur eines der besten Futterkräuter unserer Triften, sondern auch sehr wichtig in der Geflügelzucht, indem sie, kleingehackt und den jungen Hühnern unter das Futter gemischt, denselben die Würmer vertreibt. Die Blätter riechen schwach und schmecken herb und bitter, die Blüten haben einen balsamischen Geruch und einen gewürzhaft bitteren Geschmack, Kraut und Blätter geben einen krampfstillenden, nervenstärkenden Tee.
Der L ö w e it z a h n, der überall an Wegeit, auf Wiesen- Aeckern und Grasplätzen wächst, blüht von April bis September.- Die Wurzel Und die frischen Blätter geben einen guten Tee gegen Unterleibsstockungen, der Milchsaft dient ztt einer 'Frühjahrskur, die jungen Blätter werden als Salat gegessen, upd die ganze Pflanze ist ein gutes Viehfutter.
Die Eibisch- oder Heilwurz, eine Malvenart mit einer starkästigen, fleischigen, weißen Wurzel wächst an manchen Orten Deutschlands wild, wird aber auch häufig in Gärten kultiviert. Die ganze Pflanze enthält viel Schleim, welcher durch Aufguß von kochendem Wasser entwickelt wird und einhütlend Und besänftigend wirkt, besonders bei Brustkrankheiten. Nach dem botanischen Namen der Pflanze heißen die beliebten Bonbons Mthe- Briistbonbons.
Einige B e i f n ß a r t e n, wie W e r m u t, Eberreiß,- E s!- d r a g o n mit einem durchdringenden Geruch und sehr bitteren Geschmack dienen als Gewürz und Arznei und zur Bereitung eines bitteren Likörs (Extrait d'Absinthe).
Auch die Wurzel des gelben Enzian, der in den Alpen und den Gebirgen Süddeutschlands wild wächst, wird zum Än- setzen eines starken Branntweins verwendet.
Die Arnika, eine Asterart, welche auf Bergwiesen in Mettge wächst, wirkt iitnerlich uitd äußerlich stärkend und beruhigend und heilt Quetschungeit durch Stoß und Fall. Die ganze Pflanze wird zur Blütezeit sür die Apotheken gesammelt, denn Blüten, Kraut und Wurzel sind offizinell.
Wir erwähnen noch kurz, daß der Saft des Leinkrautes! ober Löwenmaules als Salbe gegen Geschwülste dient, baß die jungen Blätter der Schlüsselblume zu Salat und Gemüse, bie Blüten zu einem Tee Verwendung finden, daß die Blütenknospen vom Schlehndorn und der Tee vom Wege- r i ch int Frühjahr blutreinigend wirken und einen gesundes Magen und eine heile Haut geben.
Die bekanntesten Giftpflanzen, aus denen wohltätige Arzneimittel hergestellt werden, sind die Tv l l k i r s ch e ,- die Herbstzeitlose, der Stechapfel, der Fingerhut und das Bilsenkraut.
Wir haben hier eine kleine Auswahl von solchen heilkräftigen Pflanzen gegeben, welche nicht nur als Handelsartikel ober als Hausmittel von Interesse sind, sondern auch offizinell verwendet Und teilweise kultiviert werden. Damit hoffen wir zugleich, manchem! einen Fingerzeig für die Praxis des täglichen Lebens gegeben zu haben. Gr,
Die deutschen Studenten und der deutsch-französische Krieg.
Mit ber gleichen jubelnden Begeisterung, bie int Befreiungsjahre 1813 bie akademische Jugend Deutschlands ju den Waffen gedrängt hatte, strömten in den Julitagen 1870 die deutschen! Studenten zu den Fahnen, sobald die Kunde vvtt der Kriegs-, erklärung sie nur erreicht hatte. „Charakteristische Stimmungs- bilder von fast allen Hochschulen" über diese mächtige Woge vaterländischer Begeisterung teilt Dr. Klemens Löffler (Münster i. W.- im nächsten Hefte ber „Grenzboten" mit: „Zu den ersten Kriegs- freiwilligen (so heißt es ba), bie sich meldeten, gehörten sicher bie Jenenser Burschenschafter. Und sie taten es in einer Weise, die zeigt, baß auch in so ernster Stunde ber unbekümmerte Jugend- mut beS Studenten sich behauptete. Am 16. Juli Vs9 Uhr morgensl traf bas Telegramm ein, das die Mobilmachung bekannt gab. Unmittelbar darauf forderte ein Armine feine Kommilitonen auf, mit in beit Krieg zu ziehen, und 1410 Uhr fuhr er mit 14 Burschenschaftern nach Apolda zum Bezirkskommando.
„Von ben Teilnehmern," fo erzählt einer derselben, „waren' 3 ober 4 gerade aus betn Kolleg gekommen unb nahmen sich nicht Zeit, ihre Kollegmappen nach Hause zu tragen, sondern diese wurden in die Tasche gesteckt unb fort gings in ben Wagen. Denn das war unser heiliger Ernst, sofort in das Regiment einzutreten- und wir sahen uns schon nachmittags in Weimar in des Königs Rock stramm stehen. Was kümmerte damals das junge Blut alles andere? In leichtem Anzug, wie wir waren, vom Morgenkaffee weggeeilt, ohne ein Wort unseren Hauswirten zu sagen, ohne unsere paar nötigen Angelegenheiten zu ordnen und unseren bekümmerten Eltern zu hause Nachricht zu geben, zogen wir fort," In


