Montag, den 15. September
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Dom Pikkolo zum Millionär.
Heitere Erzählung von Harry Nitsch.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Herr Christen wurde unterbrochen, an ihm war die Reihe, in das Allerheiligste einzutreten.
Schon nach wenigen Minuten kam er mit vergnügtem .Gesicht wieder zurück:
„Ich habe ein sehr gutes Engagement für den Schweizerhof in Luzern, eines unserer besten Häuser in der Schweiz. Leider muß ich aber sofort abreisen, ich muß Ihnen daher schon wieder Adieu sagen."
Herzlich schüttelte der freundliche Mensch Erich die Hand und eilte davon. Betrübt sah dieser dem Scheidenden nach, da fühlte er eine weiche Hand an seiner Wange. Ueberrascht sah Erich auf, Hedwig Gassen, das hübsche Zimmermädchen, stand vor ihm und sagte lächelnd:
„Wollen Sie noch lange hier sitzen? An Ihnen war soeben die Reihe, warum sind Sie nicht mit zum Schutz hineingegangen! Sind wohl ein bisserl schüchtern, Heimweh, was?"
Erich drehte verlegen seinen Hut in der Hand, dann sagte er leise: „Ich bin gestern Abend erst angekommen."
„Woher denn?"
„Aus Frohwinkel in Sachsen."
„Dann sind wir Landsleute. Ich bin auch Sächsin. Unser schönes Sachsen liefert überhaupt furchtbar viel Kellner. Hier in Genf sind eine ganze Menge Landsleute. Aber jetzt machen Sie zunächst, daß Sie zu Herrn Schutz hineinkommen, es ist gerade wieder ein neuer Schub dran. Ich warte, bis Sie tote» derkommen, Sie sollen mir von meiner Heimat erzählen."
Erich stand auf und trat mit vier anderen Herren in das Kabinett des Chefs. Unter diesen waren Legrin und Martin. Herr Schutz, der Inhaber dieses weit bekannten Bureaus, ein kleiner dicker Mann, saß an cütent mit grünem Tuch beschlagenen Schreibtisch: an einem Stehpult am Fenster arbeitete ein Schreiber.
Erich betrachtete sich den Mann, von dem sein Wohl und Wehe jetzt abhing, genauer. Die Prüfung fiel ungünstig aus und trug nicht dazu bei, seine tief gesunkenen Hoffnungen zu beleben.
, Herr Schutz hatte ein aufgedunsenes, verschwommenes Gesicht, ein breiter Mund machte es nicht schöner, und die kleinen listigen Augen trugen auch nicht dazu bei, den Besuchern besonderes Vertrauen einzuflößen.
Rasch wurden Legrin und Martin von Herrn Schutz abgefertigt. Jeder von ihnen erhielt einen Bon für den Abend zu irgend einer Festlichkeit, wofür jeder fünfzig Centimes zu bezahlen hatte. Der dritte, ein Däne, der nur gebrochen deutsch und ziemlich schlecht französisch sprach, hatte keine
Zeugnisse bei sich, ohne die Herr Schutz sich auf nichts einzulassen erklärte: er mußte sie holen.
Außer Erich war nur noch ein großer, schlanker junger Mann mit einer breiten Narbe auf der rechten Wange zurückgeblieben. Er war braun gebrannt wie ein Sudanese und sah recht interessant aus.
Ungezwungen war er an den Schreibtisch getreten, und hatte dem Vermittler ein Kouvert übergeben, das dieser entfaltete. Es waren Zeugnisse darin, die Herr Schutz schnell überflog.
„Sie komuren aus Südafrika zurück, Herr Miccele", fragte er forschend.
„Direkt, Herr Schutz. Ich habe erst in Kapstadt gearbeitet, wie Sie aus den Zeugnissen sehen, und zuletzt in Pretoria. Ich hatte aber Sehnsucht nach der Heimat, deshalb bin ich zurückgekehrt, trotzdem ich ein schönes Stück Geld drüben verdient habe. Jetzt möchte ich gern eine Stellung in einem gesunden, warmen Klima, damit ich mich erst ein wenig an Europa gewöhne. Haben Sie vielleicht noch eine gute Oberkellner-Stelle? Es ist zwar schon etwas spät, ich weiß es, die guten Stellen sind schon alle besetzt, aber vielleicht können Sie es doch machen? Sie sind ja ein solcher Tausendkünstler, der alles ermöglicht, wenn jemand gufe Zeugnisse hat. Sie haben meine Zeugnisse noch gar nicht alle gesehen, hier ist mein bestes" — damit reichte er dem. Vermittler ein kleines Kouvert.
Herr Schutz entfaltete es flüchtig und schob es dann schnell wieder zusammen. Doch so schnell dies auch vor sich gegangen war, Erich hatte doch gesehen, daß sich in dem Kouvert nichts weiter als ein Hundertmarkschein befand. „Das sind also bei Herrn Schutz die „besteck" Zeugnisse",
dachte Erich verblüfft.
„Nun, Herr Miccele, es wird sich vielleicht machen lassen. Ich habe fürs „Europe" in N. einen Oberkellner zu besorgen, da der engagierte krank geworden ist und nicht antreten kann.Ich hatte allerdings schon einen Herrn für diesen Posten in Aussicht genommen und ihm Bescheid gesagt. Ich sehe aber, daß Sie sich für die Stellung nach Ihren Zeugnissen viel besser eignen, als jener Herr, ich werde die Sache daher arrangieren. Wann können Sie antreten?"
„Jeden Tag."
„Schön. Dann bereiten Sie sich, bitte, vor, in zirka drei Tagen abzureisen. Ich gebe Ihnen noch genaue Nachricht. Die Stellung ist Ihnen sicher, wenn sie Ihnen zu
sagt."
„Mir ist sie recht, Herr Schutz, wenn man dort genug verdient?"
„Es ist eine sehr gute Stelle, Herr Miccele. Drei bis viertausend Franken in der Saison mindestens."
„Bon, Herr Schutz. Was bin ich schuldig?"
„Fünfzehn Franken, Herr Miccele."
„Bitte, hier ist die Quittung."
Der Afrikaner warf ein Zwanzigfrankstück auf den Schreibtisch


