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Liebe erfahren, ihr Herz auszuschütten, rhr |o recht aus Voller Seele zu danken für alles, was sie für sie getan, rhr Mi erzählen, wieviel sie seit der Trennung erlebt, wie tounderbar es das Schicksal gefügt, daß zweff Menschen sich KUsammenfanden, die eine solche Fülle von Sympathie und Sehnsucht und Liebe für einander besaßen, daß sie sich gut gewesen, ehe sie nur das erste Wort getauscht.
Mit nassen Augen und klopfenden! Herzen hatte sie geschrieben, mit einem überströmenden Gefühl, das leichter, wärmer Ausdruck fand als früher, als hätte der, Kuß des Geliebten ihr auch für die Mutter die spröden Lippen gelöst.
Und als Antwort kam ein Brief von Adolf Bernhobler, der kurz und grob, in feiner schroffen Art er». nnrte: ,
„Ich erlaube meiner Frau nicht, daß |te dir schreibt. Wenn dein Bräutigam geglaubt hat, daß du meine Adoptivtochter bist und bleibst, dann hat er sich verrechnet. Das kann man rückgängig machen, und das geschieht auch. Du Hast uns picht gefragt, bevor du dich verlobt hast. Tu bist einundzwanzig Jahre alt und brauchst keine Einwilligung mehr. Aber darum mußt du auch halt selber schaileu, wie es dir gehen wird, wenn du einen Maler heiratest. Tein Vater sollt' a'scheiter sein. Die Mali, die ja so eine gute Seel' ist, will dir eine kleine Aussteuer schenken, damit du doch nicht grab' wie ein Bettelmädel deine Eh' ansängst. Aus ein paar Tausend Mark zur Einrichtung kommt es Mir ja nicht au. Deine Möbel, die in deinem Zimmer gestanden sind, kannst du auch haben. Wir mögen's nimmer lehen. IM übrigen haben wir nichts mehr miteinander zu schaffen. Du hast es dir selber zuz'schreiben."
Hildegard weinte bittere Tränen über das Blatt. Daß die Familie Bernhobler die Hand von ihr abzog, überraschte und erschreckte sie nicht. Darauf war sie gefaßt gewesen, als sie zu ihrem Vater ging, sie wußte auch zu wenig vom Leben, um sich vor beschränkten, unsicheren Verhältnissen zu fürchten. Es tat ihr nur namenlos weh, daß sie sich nie mehr ihrer armen, guten Mama nähern durfte, ohne wie eine Bettlerin angesehen zu werden, die nach dem verlorenen Reichtum hinschielte. „"Ihr Geld! Immer nur ihr Geld! Wie sie es heilig halten, wie es ihnen die Seele mit Riegeln verschließt! —" dachte sie in schmerzlicher Empörung.
Und dann hob sie mutig das Haupt und trocknete die Tränen, und wie das Land der Freiheit, des echten Men- schenglücks, grüßte sie das schlichte, arme, sorgenvolle Leben Unter dem Künstlervolk, das keine Schätze anzusammeln versteht, das sich aber auch durch zähes Anklammern an den Besitz das "Herz n'icht verknöchern läßt.
Zu ihnen gehörte sie ja nun in aller Zukunft!
17.
Monate wären vergangen.
Es war Herbst geworden, ein kühler, grauer, ernster Herbst in München und. im Gebirge, aber ein strahlend heller, sonniger über dem Brenner, am Gardasee.
Nach manchen Wanderungen, manchem Hin- und Herfahren in Tirol, nach langem Aufenthalt in stiller Hoch- gebirgseinsamkeit landete der Maler Grönberg nun an den Ufern des blauen Sees, nachdem ihn Schnee und Sturm aus der Höhe fortgetrieben und ein längeres Verweilen in den Bergen unmöglich gemacht hatten.
Er war nicht wieder nach München zurückgekehrt, seit er in verzweifelter Stimmung so jählings Reißaus genommen, aber wenn ihn auch der Ekel vor der Stadt Monatelang nicht verlaffen hatte, die Freude an der Arbeit, die ihm eine Weile ganz abhanden gekommen war, hatte er doch wiedergefunden, und er brachte eine ganze Sammlung von Studienlöpfen mit.
In dem Tiroler Hochtal hatte er einen schönen Menschenschlag entdeckt, und statt hübscher, zarter Damengesichj- ter nun zur Abwechselung einmal verwitterte! alte Jäger, braune Sennen, schwarzäugige kleine Wildlinge und ein paar greise Mütterchen gemalt.
Als er nach Gardone kam, freute er sich vor allem Wer das Wiedersehen mit der Sonne, und über so manches Behagen in dem hübschen, neuen Hotel, das er durch einen Zufall entdeckt hatte.
Die Besitzer oder Pächter waren junge Leute, denen man die Zärtlichkeit der Jungverheirateten anmerkte und die in ihrem frischen Glück einen angenehmen Eindruck mach
ten, die sich auch in jeder Weise bemühten, ihre Gäste zu> friedenzustellen.
Mit dem Wirt hatte Grönberg einige Male geplaudert, auch ivohl bemerkt, daß der Mann ein Süddeutscher wär.
Eines .Abends, als der Maler noch allein bei seiner Flasche Wein int Speisesaale saß, näherte sich ihm die junge Fran mit der freundlichen Absicht, ihm Gesellschaft zu leisten, da er so gar keine Ansprache hätte.
Sie erzählte, daß sie den Sommer über das Alpenhotel am' Schlern bewirtschaftet und nun erst seit einigen Wochen hier eingezogen seien, daß sie nur Pachter seien und daß das hübsch eingerichtete Haus hier am See, ebenso wie das hochgelegene Schlernhaus leider nicht ihnen, sondern einer großen Aktiengesellschaft gehören, daß sie aber mit ihrem ersten Halbjahr recht zufrieden seien und für den Winter ihr Haus schon fast besetzt hätten.
Sie sagte das so bewegt und dankbar, daß man ihr wohl anmerkte, sie war keine von den Sorglosen, die es nur einfach recht und billig finden, daß es ihnen gut geht, sondern sie hatte wohl so manches Bittere und Traurige erlebt, trotz ihrer jungen Jähre, und betrachtete es nun förmlich als ein,schönes Wunder, daß sie so vertrauensvoll in die Zukunft blicken konnte.
„Sie sind wohl noch nicht lange verheiratet, Fran Stockmann?" fragte Grönberg freundlich.
„Erst seit dem Mai/^ erwiderte sie mit einem Lächeln. „Ich hätte nie geglaubt, daß ich es einmal so gut kriegen, würde, wie jetzt. Wenn ich mich auch plagen muß von früh bis spät," das tue ich gern. Jetzt habe ich nach niemand mehr zu fragen, als nach meinem braven Mann. Und früher — 0 du lieber Gott!
Wenn ich nur mit den Sprachen besser fort könnte! Nur wenigstens Französisch. Wer dazu hat's bei uns zu Hause nicht gelangt!"
Ein finsterer Ausdruck trat aus ihr blühendes Gesicht, und sie schien von einer Erinnerung gepackt, die ihr die Stimmung verdarb.
„Ach, mein Herr," begann sie dann leiser, fast flüsternd, und mit sichtlicher Verlegenheit. „Ich hätte eine Frage: Sie sind ja aus München, nicht wahr?"
„Gewiß, Frau Stockmann. Zwar kein geborener Münchener, aber doch fast ein Landsmann von Ihnen, da ich schon so lange in München wohne."
„O, sagen Sie, kennen Sie vielleicht zufällig einen Leutnant Schmidt Martin Schmidt, von der Infanterie?"
Grönberg sah die junge Frau etwas befremdet an Wollte sie sich bei ihm nach einem früheren Liebhaber erkundigen?
„Nein, bedaure," erwiderte er kürz. _
„Ich habe in der Zeitung gelesen, daß er seinen Abschied hat nehmen müssen. „Mit schlichtem Abschied, hat es geheißen. Nicht wahr, das ist doch etwa# Trauriges für einen Leutnant? Und bann muß er doch sehr viel Schulden gehabt haben!"
Grönberg mußte unwillkürlich lachen.
„Allerdings. Wenn ein Leutnant wegen ein bißchen Schulden immer gleich feinen Abschied bekäme, das wäre schlimm. Es müssen da schon erschwerende Umstände dabei gewesen fein. Aber mein Gott, die jungen Leute fallen oft einem Wucherer ober Halsabschneider in bie Hände. Erst vor kurzem stand solch ein Prozeß in der Zeitung."
„Ach, sehen Sie," fuhr bie junge Frau mit angstvoller Miene fort. ’ ... >
Schmidt ist mein Bruder!"
„Ihr Biuoer?-- ries Grönberg erstaunt, aber mit mehr Interesse als bisher.
„Ja, ich habe ihm immer gegeben, soviel ich nur konnte. Er war doch der Abgott von unserer Mutter, und es hat immer geheißen: der Martin muß einen Zuschuß haben, sonst kann er sich nicht halten. Aber als ich mich bannt verlobt hatte, und wir Aussicht hatten, uns zu heiraten, erlaubte mein Bräutigam nicht mehr, daß ich dem Herrn Leutnant Geld! schickte. Dann ist ja auch unsere Mutter gestorben, und ich bin fortgezogen von München. Als ich dann in der Zeitung gelesen, von dem schlichten Abschieds ist mir doch schwer aufs Herz gefallen, ob! ich am End' schuld bin, ob ich ihn noch hätte retten können."
„Das glaube ich nicht," meinte Grönberg nachdenklich.
(Fortsetzung folgt.)


