-srmerrtag, den 15. Ma!
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Zwei Welten.
Roman von Emma Wü«L
(Nachdruck verbot«».)
(Fortsetzung.)
Holst hätte ihm sagen können, sagen müssen: O, tote das trügt! Seien Sie nicht zu vertrauensselig!
Aber er war viel zu gutmütig, viel zu sehr Stimmungs- Mensch, der sich von einem freudigen Moment mit fort- veitzen ließ, um dieses glühende Entzücken, diesen Zw kunftsglauden durch einen Miß,klang zu stören.
Und an diesem Tage geschah's.
Da kant ein junges Paar Arm in Arm zu seinem Studienplatz am Waldesrand, und heiße, bebende Stimmen jubelten:
„Baker! —- „Lieber Herr Holst! — Wir haben uns lieb!"
Es waren so selige Worte, es waren so selige junge Gesichter.
Ihm wurden die Augen nag, und in seinem toärnten Herzen stieg ein fester Et:tschluß empor:
Er hatte so ivenig für sein Kind getan. Nun konnte fit seine Schuld sühnen. Sie sollte ihr Liebesglück haben, ungeschmälert, schattenlos, ohne Angst urid erschlaffendes! Warten. — An ihm, dem Baier ivar's, sich zu opferm er nahm einfach wieder eine Stelle als Zeichner an, er ging wieder in den Frondienst einer Zeitung, schuftete wieher vom Morgen bis zum Abend. Jetzt hatte er ja Be- Ziehungen, Empfehlungen, sogar Anfragen unfr Angebots, die er nur nicht berücksichtigt, weil er sich eine künstlerische Freiheit hatte wahren wollen. — Vorbei damit! Er kam Mr nicht in Betracht! Wenn er seinem Kinde das Beste gewahren durfte, was die Welt zu bieten hat: ein echtes Herzensglück, bann durfte er endlich die Last von seinem Gewissen abschütteln und sich sagen: ich bin doch ein guter Mater gewesen, dann lohnte er es ihr, daß sie mutig zu ihm gekommen war.
Als Reichmaitn nach hem ersten Gefühlssturm dann, ettvas zögernd, aber mit seinem offenen Augetiaufschlag, bemerkte:
„Leider, leider bin ich kein wohlhabender Mann. Aber ich habe, ja jetzt Aussicht auf Bestellungen, und ich besitze ein so festes Vertrauen auf die Zukunft und einen so starken Willen, der Geliebten -ein sorget:freies Los zu schaf- fett," — da drückte Holst ihm die Hand und sagte gerührt:
„Es wird schon gehen, Kinder! Euer Vater ist ja auch noch da und wird euch helfen, so gut er kann!"
Immer reicher wurde das Blühen, immer grüner der Wald, immer farbiger, bunter die'Wiesen.
An den Bauerngärtchen duftete es nach Flieder, und der Jasmin hatte weiße Knospen.
Arm in Arm ging nun das Brautpaar die ein)amen, tni Sotmenzaüver prangenden Wege.
Sie saßen am Seeufer auf dem kleinen Bänkchen und küßtet: sich in der Laube, um! die der üppig wuchernde wilde Wein schon seine bergendet: Ranken schlug.
Es strahlte ihnen soviel Glück aus dep Augen, daß sogar die beiden Junggesellen davot: bewegt wurden und van der Tecken wieder einmal zu seiner eingerosteten Leier griff und ihnen ein formvollendetes Gedicht widmete, das er in prachtvoller altdeutscher Schrift auf PerpaMentpapiev für sie aufzeichttete und mit gemalten Anfangsbuchstaben ausschmückte.
Steinberger kom:te nicht dichten, aber er brachte,in seiner Weise seinF Huldigung dar und stiftete manche:: schönen Hecht, manche Schüssel voll' Renket: ftir das gemeinsame Mittagsmahl.
So fröhliche,''selige Tage waren es, daß Emanuel jeden Morgen sagte:
„Mer ich muß in die Stadt fahren, süßer Schatz!" und sich bann doch nicht loszureißen vermochte.
Ehe er sich zu 'der kurzen Trennung entschloß, war sch!on 'der Plan gefaßt worden, in der reizenden Idylle zu verweilen bis zu der Trauung, die in der Heinen Dorfkirche stattfinden sollte.
Reichmaim wußte in der Nähe seines Ateliers eine hübsche kleine Wohnung, 'die er mit Begeisterung anpriest „Ein Gartenhaus! Ganz im Grünen! Bäume vor den Fenstern! Ein Stück Natur mitten in der Stadt! Wie geschahen für uns!"
Holst bekam ganz junge Augen, wen:: er at: das Heim der Kinder dachte, in dem er auch ein Stübchen haben sollte, er, der so lange eit: heimatloser, ein Einsamer gewesen.
Als der junge Maler aber bann wieder an das still« Seeufer zurückkehrte, war er einigermaßen enttäuscht in seinen Erwartttngen.
Er brachte ja einen Auftrag mit, aber der geträumte Mäcen, der ihm eine Reihe glänzender Biestelluttget: in Aussicht gestellt hätte, war noch ::icht gefunben.
Die Wohnung, die ihn immer noch entzückte, obwohl er ja zugeben mußte, daß bas Haus nicht gerade neu und elegant war, kostete nicht viel, und das schien in seiner wieder bescheiden gewordenen Stimmung die Hauptsache. Man schloß schriftlich die Miete ab. Der Vater fand es überflüssig, einen schönet: Sommertag mit einer Reise in die Stadt zu versäumen, und Hildegard erhob keinen Widerspruch.
Sie war bisher eine „Lilie auf den: Felde" gewesen.
So vertraute sie vollständig dem Künstlergeschmack ihres Liebste:: und stellte sich eine nette, bescheidene kleine Villa vor, mit behaglichen vier Zimmerchen voll Licht und Sonne, gar nicht luxuriös und prunkvoll, aber mit einem gewissen poetischen Zauber bei aller Einfachheit.
Während sie allein geweset: und ein Wenig aus ihrem Glücksrausch zur Besinnung gekommet: war, hatte sie viel at: ihre gute Mama gedacht. Es hatte sie förmlich gedrängt, der treuen Beschützerii: ihrer Kindheit, von der sie so viel


