Ausgabe 
15.3.1913
 
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Sie laichen. jetzt ist es Zeit."

Langsam Hebt Edmund das Gewehr, ach stemme das Ruder ein der Schuß kracht. . . Sieben acht weiße Bauche drehen sich nach oben. . . Taz-wischen einer von mehr als doppelter !Armlange ...

Aber nun mach doch. . . ichnell ...

Das war das lebte Wort, das ich von Edmund horte. Rück­wärts gcivandt stoße ich den Kahn mit einem Ruck, vorwärts . . . Ein Schwanken läßt nnch den Kopf wenden. Da sehe rch Mdmes Freundes lange Gestalt nach hinten wmiken, dann mit dop­pelter Schnelligkeit vorwärts schießen. Dre lmke Hand grerft in die Lüft, als wollte sie sich an etwas anllammern -

,ctn feiner ganzen Länge liegt Edmund in dem eiskalten Wasier. Der Anblick ist so komisch, daß ich laut auflache. Dann wuiidert es wich, daß er sich nicht sofort aufrappelt, em Schrecken durch- fährt mich. Sollte ein Unglück passiert sein? Mit beiden Beinen springe ich aus dem Kahn. Ein schauriges Gefühl, wie das cis­kalte Wasser von oben in die Füße läuft und rtnt Leib empor-

beiden Händen packe ich den Bewußtlosen und schleppe ihn ans Land, bis aufs trockene User.Wer nun erst die Hechte," denke ich laut, wate zurück zuM Kahn und nehme den Käscher. Als ich mit dem großen und sieben etwas kleineren zum Ufer"wate, richtet Edmund sich auf.

Up" stöhnt er und gibt ein Maul voll Wasser von sich . . . Das war ein schlechter Spaß. . .Uupp . . ., upp. . . Das Wasser schmeckt rückwärts nicht . . . uupp, wieviel Hechte . . . uüpp ... sind es? Acht? Dafür sei dir alles verziehen, auch der Kopfsprung." - . ,, . . e _

Erst stärkten wir uns durch einen sehr tiefen schluck. Dann trabten wir, mit der Beute beladen heimwärts, nm uns warm zu laufen Geschadet hat das kalte Bad keinem von uns beiden. ZmN Abendbrot aßen wir bereits selbst bereiteten Kaviar. . .

Wieder hat sich das tragikomische Ereignis geführt, wieder scheint die Sonne warm' auf die Erde, die sehnsüchtig des Früh­lings harrt. Und ich hoffe jeden Tag, daß EdMund Vorfahrt, uM uns hinauszuführen von der grauen Arbeit in den goldenen Naturgenuß. . .

vermischtes.

kf. Eine B r i e f m a r k e n - A u f k l e b e in a f ch i n e. _ Ma­schinen, die Briesmarken ans Briese kleben, gibt es schon seit einiger Zeit. DieNaturwissenschaften" beschreiben nun nach einem Fach­blatte eine derartige Maschine neuerer Konstruktion, die gegenüber den älteren den Vorzug hast daß die Marken in ganzen Bogen so eingelegt werden können, wie man sie von der Post bezieht. Der ziemlich einsach gebaute Apparat hat die Große einer Schreib­maschine. Die Briese werden aus einen Block der Maschine gelegt, und zwar an eine Stelle, die durch Leisten bestimmt ist; dann drückt man einen Hebel nieder. Dieser Hebeldruck bewirkt das An- seuchten, das Auflegen der Marke und das Festdrücken. Gleich­zeitig aber wird ein Zählwerk in Betrieb gesetzt, so daß die schine auch die Buchführung über den Markenverbrauch über­nimmt. Das Abschneiden der Briesmarke geschieht durch kleine Messercheu, die auch durch den Hebeldrnck in Tätigkeit gefetzt werden.

kk. Die so rtgeblafenen Mieter. Der Präsident der Pariser Mietervereiniguiig hat in diesen Tagen wieder einmal gegen die Rücksichtslosigkeit eines Hauswirts mit allen ihm zu Ge­bote stehenden Mitteln protestiert. Der Hauswirt wollte eine Witwe vor die Türe fetzen, die ihm die Miete schuldig geblieben ivar; sie eilte zu Herrn Cochon und klagte ihm ihr Leid. Und Herr Cochon sorgte für Abhilfe: Am folgenden Tage erschien er in der Frühe mit dem Fansarenkorps der Mictervereinigung, das zunächst seine Weisen aus der Straße ertönen ließ. Daun aber zog man in die Wohnung der Witwe und musizierte dort den ganzen Tag bis zum späten Abend. Das Ende vom Lied war, daß das ganze Haus in Aufregung kam und sämtliche Mieter am Abend im Sturmschritt das Haus verließen. Alle waren mehr ober minder nervenkrank geworden. Erst als der zuständige Polizeikommissar mit einem er­heblichen Machtausgebot aus der Bildfläche erschien, setzten die Bläser ihre Fanfaren ab. Herr Cochon aber, der auch jetzt noch protestierte, mußte den Weg zur Wache antreten, als Märtyrer sür die heilige Sache der Mieter.

e SUeiber ans Eisen unb Stein. Dem zwanzigsten Jahrhundert war es vorbehalten, zu zeigen, was sür Vorteile Kleider aus Mineralien haben. So unglaublich es auch klingen mag, Stein und Eisen, ja sogar Glas werden jetzt zu Kleidern ver­arbeitet. Das Allerneueste in Damenkleidern sind jetzt Roben aus gesponnenem Glase. In iveißen, grünen, lila, rosa und gelben Schattierungen werden sie hergestellt. Ihr Erfinder ist, wie eine englische Zeitung schreibt, ein Australier, und der Stoff ist so glänzend und so weich wie Seide. Die erste Dame, die ein Kleid aus Glas trug, war von königlichem Rang. Es zeigte einen zarten Ton von der Farbe des Lavendels, mit Rosa durchschossen, und sein eigentümlicher Glanz erinnerte an das Funkeln von Diamanten­staub. In den sibirischen Bergwerken wird ein sasriger Stein ge­funden, aus dem die Russen ein Gewebe herzustellen verstehen, das

so dauerhaft ist, als wenn es unverwüstlich wäre. Der Stoff fühlt sich weich an und ist überaus biegsam; hat er Flecke bekommen, so braucht man ihn nur eine Zeitlang ins Feuer zu legen, unb er ist roieber vollkommen gesäubert. Eisengarn wird bereits heut überall verwandt, um Gegenstände fest anzunähen. Es wird aus Stahl- spähnen gefertigt und sieht so aus, als wenn es aus Roßhaar ge­webt wäre.Wolle", aber nicht solche, die vom Schafe kommt, wird zu Tuch für Herrenkleiber verarbeitet. Es ist dies sogenannte Kalkwolle", bie im elektrischen Oien gewonnen wirb. Gepulverter Kalkstein, beut gewisse Chemikalien, zugesetzt sinb, wirb in ben Ofen geworfen, und nachdem er burch ein scharfes Gebläse gegangen ist, wirb er als eine lockige weiße Wolle herausgeschleudert. Diese Wolle wirb dann gefärbt und so wie Tuch verarbeitet. Ein Paar Beinkleider ober ein Rock, bie aus solchem Stoffe gefertigt sinb, können, wie man behauptet, weber verbrannt, noch burch Fettflecke beschäbigt werden. Der Stoff selber ist so weich wie Tuch, bas aus gewöhnlicher Schafwolle hergestellt ist. Papieranzüge trugen bie japanischen Truppen währenb des Krieges mit Rußland, unb sie sollen sehr praktisch unb viel wärmer als Tuchanzüge gewesen sein. Babeanzüge aus Papier, Morgenröcke unb viele anbere Kleidungsstücke werden jetzt in manchen Ländern in großer Zahl hergestellt. Das Papier, das man dazu verwendet, ist eine Art Löschpapier.

-* Das größte HebeI.Nun, Sepp, was woanst? Grämst de denn so sehr, daß bei Olle mitn Huberbua durchs gang'n ist?"Ja, ja"Armier Bua!" siAch, ^es. is ja noch viel Schlimm'res passiert."Maas?"Se is schoa wieder heinÄumma?" ,,,

* Reise-Erin n e r n n g.Um Himmels willen, Sie wischen ja ben Teller mit Ihrer Schürze ab!"Dös macht mx, mein Schürzl ist eh schon schmutzig!"

Das deutsche Lied!

Ein trcimnenb Kind, so geh' ich durch die Lande, Mit Augen blau unb Blüten in bem Haar, Ein jeber kennt die junge Gottgesandte Unb Jngenb bringt mir ihre Kränze bar.

Des Barben Freundin, Tochter seiner Harfe, Sprang ich mit Helden durch den deutschen Wald, ES sank der Schild, es sank der Speer, der scharfe, Ich zwang die Kraft mit lieblicher Gewalt.

Ein grobes Linnen hüllte meine Glieder, Mein Vater war von kehlenranher Art. Doch sand ein Spielmann meine Schönheit wieder: Der von bet Vogelweib" auf Wanderfahrt. äum Minnedienst auf dnft'gen Rosenpfaden tard ich der Liebe klingendes Geleit.

Das war ein Lohn: Vor holder Frauen Gnaden Ward ihm der Sieg im heißen Säiigerstreit.

So ist's noch heut: Ich bin ein Kind geblieben Unb meine Schwester ist bie Poesie.

Ich segne alle, bie bie Sehnsucht lieben, Unb deutsche Sehnsucht, die veraltet nie I Unb heut' als Gast weil' ich in biesen Räumen, Bis es mich wieder in bie Wälber zieht .. . Dort will ich sein unb sinnen nut unb träumen, Ich bin die Sehnsucht, bin bas beutsche Lieb!

Lubwig Beil.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: B A B r 1 a a k 1 d

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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei. R. Lange, Gieße».