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Morekh!" -
Neuntes Kapitel.
Da richtet sich
„Ich habe mich Hans-Wilhelm von
Die Komtesse kommt gat spät zu Tisch.
Wer Graf steht mit Graf Norderoog im Salon und wartet.
„Aber Kind, wo steckst du dann in aller Welt?" Graf Relendorff blickt nach der Uhr.
Eva hoch! auf. Ruhig sagt sie: verlobt — mit meinem Jugendfreund
'„Gewiß. Dreihundert Mark find' eine Menge 'Geld, i und ich bin abhängig von Papa."
„Und du hast ihn meinethalber oft belogen!
Sie zuckt mit den Schultern. Er geht mit großen Schritten im Zimmer ans und ab. Was hatte gerade noch gefehlt! Der alte Mann, der außer seiner Dienstwohnung und seinem Deputat ganze dreißig Taler im Monat bekam! —. der Glossower bezahlte seinen Oberinspektor ganz andere •_ hatte ihn.gestützt, gerettet vor dem völligen Zusammen- , tzruch' Und er spielte, ohne mit der Wimper zu zucken,, um Tausende am Roulettetisch. Da wurde ihm vollkommen klar, was für ein erbärmlicher Kerl er eigentlich war. Sem verstörter Blick fiel auf den Schreibtisch seiner Mutter, dort lagen die Briefe seines Vaters, in der letzten halben Stunde hatte er begreifen gelernt, daß! für die Frau Hans von! Moreths andere Männer — und waren sie noch ,o tadellos — nicht in Betracht zu neuer Ehe kamen. Und der Vater, der solche Briefe schreiben konnte, war für fein Vaterland und seinen König, die Standarte in der Hand, vhue mit der Wimper zu zucken, in den Tod geritten! Und er, sein Fleisch und Blut, war - ein Lump geworden? Trotz des Glanzes der Uniform fühlte er sich faul bis ms
Aber ganz drinnen in seinem Herzen pulste ein Leben, das noch gesund, das stark war.
Eva sah seinen Kainpf, sie trat ans ihn zu.
„.Hans-Wilhelm!"
Da geht ein Beben durch die riesenhafte Gestalt.
,,Eva!"
Er hält sie in seinen Armen.
So stehen sie lange.
„Ja!"
„Mit dem Bankerotteur?"
„Willst Dns mit mir probieren?"
.„Ich liebe dich und will mit dir käinpfen — Schulter au Schulter!"
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"und wenn dir eine ganze Welt von Feinden erstände ich halte zu Dir!"
„Wir bleiben in Möreth — nicht wahr?"
„O das wäre schön!"
„Noch heute reiche ich meinen Abschied ein."
Da jubelte Eva von Relendorff laut aus.
Er legte ihre schlanken Hände auf seine heiße Stirn.
„Du wirst diese bösen Gedanien oft von mir bannen müssen!"
„Ich furchte mich nicht vor ihnen."
Er reißt sie an sich und küßt sie wild.
„Wie blind !var ich, meine Eva, wie blind!"
Er holte die Mutter, sie treten zu dritt vor Hans von Moreths Bild.
Da reißt er das Fenster aus und ruft laut:
„Köhler, die Fahne wieder 'raus!"
„I—ja!"
Die Verlobten können wieder lachen wie in ihren Kindheit Tagen.
Die Mütter glaubt Nun an die neue Zeit.
Der Hechtsprung.
Eine beinahe tragische Vorsrnhlingsgeschichte von Fritz Skowronnek.
Der Vorfrühling ist für mich eine sehr gefährliche Zeih gleichviel ob die Sonne am Himmel lacht nnd mjt warmen Strahlen die schwellenden Knospen küßt, oder ob ein scharfer Südwest graue Wolken über den Himmel jagt und die Erde mit Regenschauern peitscht.
Dann fährt eine Unruhe in mich, die mich ruhelos nm- hertreibt. An solchen Tagen beschäftige ich mich mit Dingen, die den in mir bohrenden Wandertrieb eher anreizen als be- schwichtigen. Ich nehme meine Gewehre einzeln aus dem Schrank, reihe sie mit dem Putzlappen, obwohl es kaum nötig ist, ich backe sie an, ziele aus dem Fenster nach irgend einem.Gegenstand Und lasse mich von den Erinnerungen umschmeicheln, die mir
Die Herrschaften nähmen fast schweigend das Mittagessen ein. Graf Norderoog! hatte zwar sofort mit einigen liebenswürdigen Worten seinen Glückwunsch ausgesprochen, aber schwer war es dem Weltmanne doch gefallen, das konnte er nicht verbergen. D!er Vater hatte überhaupt nichts gesagt; er empfand die Demütigung, die ihm von seiner Tochter vor einem fremden Manne zuteil geworden war, auf das bitterste. Unglaublich, daß sich fein einziges Kind so henahm! Aber er beherrschte sich, die Aus!-! einandersetzung^würde nac() Tisch kommen, daun wollte er sich kein Blatt vor den Wund! nehmen.
Als der Graf die Tafel aufyvb, bat ihn Norderoog sofort um eine Unterredung! unter vier Augen. Das Resultat lag auf der Hand: der junge Diplomat packte seins Koffer. »
Dann schickte Graf Relendorff! den Diener zu feiner Tochter. i
Ruhig trat sie dem Vater gegenüber.
„Es wird nichts nützen, Papa, mir Vorwürfe Wi machen, oder zu versuchen, mich von meinem Vorhaben äbzubringen. Ziehe also die nötigen Konsequenzen. Willst Du Hans- Wilhelm nicht als deinen Schwiegersohn anerkennen, so bedauere ich das natürlich aus tiefstem Herzen, aber wankend kann mich nichts in meinem1 Entschlüsse machen."
>,Eva, nimm Vernunft an! DU gehst einer schrecklichen Zukunft entgegen!" ■
„Ich habe Vertrauen zu meiner eigenen Kraft. In Haus-Wilhelm steckt ein guter Kern, meine Ausgabe ist es, sein besseres Ich zur Entfaltung zu bringen."
„O, du Optimistin!"
„Optimistin ist jedes Weib, das liebt."
Die Klugheit seiner Tochter brachte den Grafen in der letzten Zeit oft der Verzweiflung nahe.
„Natürlich, Eva. Aber du schenkst deine Liebe einem Unwürdigen!"
„Meine Liebe fragt nicht danach."
„Kind — es kommt zum Bruche zwischen uns!"
Aber auch sein Drohen nützte nichts. '
„Ich bedanre es und hoffe von der Zukunft. Ist erst Hans-Wilhelm besseres Ich zum Durchbruch gekommen, so wirst du nicht mehr hart gegen mich und ihn sein." <
„Wenn ich's nicht brauchte, wie würde ich mich freuen — schon um der guten, schwergeprüften Fran da drüben willen."
Da sieht Eva ihren Vater fest an.
„Papa, einen Ausweg! Erkläre meinethalben aller Welt, daß du nicht einverstanden bist mit meiner Ehch aber füge hinzu, der Zukunft ständest du abwartend gegenüber. Mit Freuden würdest du Hansi-Wilhelm an dein Herz ziehen, wenn er sich bewährt. Das wird zugleich ein Ansporn für ihn fein.-"
Der Graf kämpft einen schweren Kamps mit sich.
„Ist dein Entschluß wirklich unabänderlich?"
„Ja, Papa!"
Sie sagte es sehr bestinnnt.
Da zuckte er jbie Schultern.
„Was bleibt mir anderes übrig! Nur mache mich nicht verantwortlich für die Nöte und Sorgen, die über dich hereinbrechen! Dein mütterliches Erbteil zahle ich dir aus, von mir erhälst du vorläufig keinen Pfennig', denn ich fürchte, in wenigen Jahren ist Hans-Wilhelm fertig mit bem Gelds deiner Mutter."
„Oho, Papa, da bin ich auch noch da!"
„Nun, wir werden ja sehen!"
Sie schlingt in kindlicher Liebe die Arme um des Vaters Hals. , '
„Darf Hans-Wilhelm kommen und dich um meins Hand bitten?" '
Da schüttelt der Graf energisch den Kops.
„Rein. Du bist jmiindigi, das ist deine Angelegenheit. Du handelst gegen meinen Willen, also trage auch die Folgen."
Mit gesenktem Haupt verläßt Eva ohne irgendwelcho | Erwiderung das Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)


